Channel Header
1648829

Die wichtigsten Cloud-Dienste für Linux

13.12.2018 | 10:04 Uhr |

Es kommt nicht für jeden Anwender und für jede Aufgabe in Betracht, einen Cloudspeicher selbst zu bauen. Fremde Clouddienste erleichtern das Leben und bieten viel Speicherplatz. Aber nicht alle sind im Zusammenspiel mit Linux optimal.

Von heiter bis wolkig: Die führenden Cloudanbieter haben sich mit ihren jeweiligen Merkmalen gut aufgestellt, aber nicht alle sind auch wirklich gut unter Linux zu gebrauchen. Wir haben uns sechs der bekannteren Dienste genauer aus dem Blickwinkel von Linux-Anwendern angesehen. Dropbox hat ohne Frage die komfortabelste Lösung für den Desktop, auch unter Linux. Google Drive bietet viel kostenlosen Speicherplatz und ausgezeichnete Tools zur Teamarbeit an Dokumenten im Browser. Es gibt neben den Platzhirschen aber noch einige Dienste mit anderen Stärken: Der Dienst Box orientiert sich von Anfang an den Bedürfnissen von Businesskunden und hat mehr Tools zur gemeinsamen Arbeit zu bieten. Microsoft Onedrive ist mit einem inoffiziellen Linux-Client, der es sogar in die Standard-Paketquellen von Ubuntu, Debian und Fedora geschafft hat, für Linux-Anwender gar nicht mal uninteressant. Mit einem hohen Maß an Datenschutz und standardmäßiger Verschlüsselung wirbt Spider Oak seit mehreren Jahren. Ein Angebot aus Deutschland ist Strato Hidrive, das Daten auf Cloudservern im Land speichert und sich damit das Thema Datenschutz deutlicher auf seine Fahnen schreibt.

Dropbox: Linux mit Einschränkungen

Webseite: https://www.dropbox.com

Clients: Dropbox ist einer der wenigen Anbieter mit eigenem, wenn auch proprietären Linux-Client. Auf https://www.dropbox.com/install-linux liegt der Client zur Dateisynchronisation unter Linux als DEB- und RPM-Paket sowie im Quellcode zum Download bereit. Ansonsten gibt es das Programm auch für Windows, Max-OS und natürlich als App für Android und iOS.

Wie praktisch ein Onlinespeicher für Dateien auf fremden Rechenzentren sein kann, hat Dropbox erstmals mit einer breiten Auswahl an Clients für verschiedene Betriebssysteme und Smartphones bewiesen. Dropbox ist beinahe ein Synonym für einen Clouddienst zur Dateiablage und zum bequemen Austausch geworden. Außerdem kommt Linux nicht zu kurz: Es gibt seit vier Jahren einen offiziellen Client für das freie Betriebssystem, der nicht besonders schwer zu installieren ist und die Inhalte ausgewählter Verzeichnisse synchronisiert. Ab November 2018 funktioniert die Synchronisation unter Linux mit dem offiziellen, proprietären Client aber nur noch auf Ext4-Dateisystemen. Denn offensichtlich wird den Dropbox-Entwicklern die Unterstützung der sonstigen Linux-Dateisysteme zur Überwachung auf Änderungen zu mühsam. Das ist eine gewisse Enttäuschung und könnte sogar einen Rückzug von Dropbox auf Mainstream-Betriebssysteme wie Windows, Max-OS, Android und iOS einleiten.

Auch sonst ist das Loblied auf die Dropbox leiser geworden, stellvertretend für alle anderen Clouddienste schlägt dem Dienst Misstrauen entgegen. Nach dem Skandal um die Spähprogramme der amerikanischen und britischen Geheimdienste haben mehr Anwender Zweifel daran, ob es eine gute Idee ist, Daten in der Cloud zu speichern. Dropbox versucht dem Misstrauen entgegenzuwirken, indem es Unternehmenskunden beziehungsweise professionellen Nutzern anbietet, deren Daten auf Servern in Deutschland zu speichern. Dieses Angebot gibt es allerdings nicht für Privatnutzer. Dropbox nutzt hierfür die Ressourcen der Amazon Web Services im Frankfurter Rechenzentrum. Kostenlosen Speicherplatz gibt es bei Dropbox aber immer noch: Zwei GB erhalten Anwender bei der Registrierung. Durch verschiedene Bonusprogramme, wie Tutorials und Empfehlungen, gibt es einige Hundert Megabyte extra dazu.

Der Dienst bietet einen proprietären Client zur Dateisynchronisierung an.
Vergrößern Der Dienst bietet einen proprietären Client zur Dateisynchronisierung an.

Lesetipp Die besten kostenlosen Cloud-Speicher aus Deutschland

Google Drive: Kein Herz für Linux

Webseite: http://drive.google.com

Clients: Offizielle Clientprogramme gibt es für Windows, Mac-OS, Android und iOS. Die inoffizielle Lösung von Insync ist ein passabler Sync-Client für Linux, der aber ein paar Euro extra kostet.

Google geizt nicht mit kostenlosem Speicherplatz, der immerhin bei 15 GB liegt. Wer mehr Speicherplatz benötigt, bekommt diesen auch recht günstig: 100 GB sind für monatlich 1,99 US-Dollar zu haben und der Preis für ein ganzes Terabyte wurde auf 9,99 US-Dollar gesenkt. Aber der Charme dieses Cloudservices liegt nicht im puren Speicher auf den Servern des Internetgiganten, sondern mehr in der gelungenen Anbindung der webbasierten Office-Anwendungen. Die Umsetzung von Textverarbeitung und Tabellenkalkulation im Webbrowser ist sehr gut gelungen und es gibt damit wenig Hürden für Teams, gemeinsam an Webdokumenten zu arbeiten.

Weniger gut gelungen ist die Unterstützung des Cloudspeichers durch Clients außerhalb des Android-Ökosystems. Das offensichtliche Desinteresse an guten Clients zeigt sich an einem fehlenden Linux-Programm für Google Drive, das zwar in den veröffentlichen Entwicklungsplänen erwähnt wird, sich aber bis heute nicht materialisiert hat. Ignoriert wurden alle Wünsche der Linux-Community, die sich sogar online zur einer Petition mit zehntausend Unterschriften solidarisierte. Wer den Cloudspeicher unter Linux nutzen möchte, musste sich anfangs mit dem Webbrowser zufriedengeben. Immerhin gibt es mit dem Programm Insync ( https://www.insynchq.com ) einen ausgereiften Linux-Client für Google Drive, der die von Google offen gelassene Leerstelle füllt.

Entwickelt wird Insync nicht von Google, sondern von einem Entwicklerbüro in Singapur. Dies leider nicht als Open-Source-Projekt, sondern als Shareware. Aber immerhin brauchen Linux-Anwender nicht mehr zu darben und können damit Google Drive direkt über einen Dateimanager nutzen. Insync kann 15 Tage kostenlos getestet werden. Danach kostet es einmalig 15 US-Dollar bei der Verwendung eines einzigen Google-Kontos. Für die Synchronisierung mit mehreren Google-Konten gibt es andere Preispläne mit jährlichen Gebühren. Installationspakete stehen für alle populären Linux-Distributionen auf der Webseite bereit, wobei man im zweiten Schritt noch den verwendeten Dateimanager auswählt. Es gibt Insync für Dolphin, Nautilus, Thunar, Caja und Nemo.

Google Drive per Insync nutzen: Das Sharewareprogramm für Linux erstellt Synchronisationsordner und integriert sich in die verbreiteten Dateimanager der Linux-Desktops.
Vergrößern Google Drive per Insync nutzen: Das Sharewareprogramm für Linux erstellt Synchronisationsordner und integriert sich in die verbreiteten Dateimanager der Linux-Desktops.

Auch interessant So bauen Sie zuhause Ihre private Cloud auf

Box: Umwege zu Linux

Webseite: https://box.com

Clients: Es gibt keinen offiziellen Client für Linux – nur für Windows, Mac-OS, Android, iOS und Blackberry. Bisher gelang der Zugriff aber unter Linux über Webdav.

Der Dienst von Box ist bereits etwas länger online als die anderen Cloudspeicher. Der Schwerpunkt des Speicherangebots lag aber bei Geschäftskunden. Einen Bekanntheitsgrad wie Dropbox und Google Drive hat Box deshalb nie erreicht. Immerhin bietet Box jetzt aber zehn GB kostenlosen Speicherplatz bei einer maximalen Dateigröße von 250 MB. 100 GB kosten ohne diese Beschränkung dann 11,50 US-Dollar. Wie Dropbox so will Box seinen zahlenden Kunden nicht nur Cloudspeicherplatz in den USA bieten. Das Angebot, in Europa Daten in der Cloud zu speichern, nennt sich bei diesem Anbieter „Box Zones“. Auch Box nutzt hierfür die Amazon Web Services, zusammen mit der IBM Cloud. Der Serverstandort hierfür ist ebenfalls in Frankfurt am Main. Box versichert, die Daten hiesiger Nutzer nach europäischen Bestimmungen zu speichern und damit die hierzulande gültigen Datenschutzgesetze zu erfüllen.

Neben dem Zugriff per Browser bietet Box auch das Protokoll Webdav. Das macht die Einbindung unter Linux etwas einfacher, obwohl ein offizieller Client fehlt. Die meisten Dateimanager für Linux-Desktop, etwa Nautilus unter Gnome, unterstützen Webdav. In der Shell ist es ebenfalls möglich, den Box-Account über Webdav mit dem Tool davfs2 in ein Verzeichnis einzuhängen. Diesen Vorteil wird Box aber bald schon wieder abgeben, denn der Dienst plant, Webdav bis zum 31. Januar 2019 dichtzumachen. Für Businessaccounts wird dann immerhin noch SFTP bleiben, aber für Linux-Endanwender wird der kostenlose Cloudspeicher damit uninteressant.

Hat wenig für Linux zu bieten: Box spricht eher professionelle Anwender an und von der mageren Linux Unterstützung bleibt nach dem Wegfall von Webdav nur noch der pure Browser.
Vergrößern Hat wenig für Linux zu bieten: Box spricht eher professionelle Anwender an und von der mageren Linux Unterstützung bleibt nach dem Wegfall von Webdav nur noch der pure Browser.

Spider Oak: Vertraulich

Webseite: https://spideroak.com

Clients: Das offizielle Clientprogramm namens „One“ ist in Python geschrieben und liegt für Linux, Windows und. Mac-OS vor ( https://spideroak.com/one/download ). Für Android und iOS gibt es passende Apps.

Die Besonderheit von Spider Oak, das bislang eher von professionellen Anwendern geschätzt wurde, ist die Betonung des Themas Sicherheit. Der Cloudspeicher- und Synchronisierungsdienst wirbt mit einer vollständigen Verschlüsselung der Daten mit 256-Bit-AES durch den eigenen Client. Zur Ver- und Entschlüsselung dient nur das Passwort des Anwenders, das nicht im Klartext auf den Servern liegt.

Auch den Mitarbeitern von Spider Oak ist es damit unmöglich, auf die gespeicherten Inhalte zuzugreifen. Obwohl die Technik dahinter nicht Open Source ist und man Spider Oak diese Aussagen zur Sicherheit deshalb mit Vertrauensvorschuss abnehmen muss, hat der Dienst die Empfehlung des berühmten NSA-Enthüllers Edward Snowden bekommen.

Spider Oak vermarktet den Cloudspeicherplatz auch als Backuplösung für Profis und ist keine günstige Angelegenheit: Der Dienst bietet zwei GB Speicherplatz gratis zum Testen, zehn GB kosten dann aber schon 49 US-Dollar pro Jahr. Die gute Nachricht für Linux-Anwender: Die Firma unterstützt die meisten Betriebssysteme mit einem offiziellen Client – und eben auch Linux neben Windows, Mac-OS und Android.

Perfekte Linux-Unterstützung: Spider Oak wendet sich eher an IT-Profis. Es gibt auch einen offiziellen Client für Linux, der die Daten vor dem Upload verschlüsselt.
Vergrößern Perfekte Linux-Unterstützung: Spider Oak wendet sich eher an IT-Profis. Es gibt auch einen offiziellen Client für Linux, der die Daten vor dem Upload verschlüsselt.

Microsoft Onedrive: Im Verbund

Webseite: https://onedrive.live.com

Clients für Linux: Gleich mehrere inoffizielle Clients erlauben den Zugriff von Linux aus. Deren Installation ist aber nicht unkompliziert, da sie bisher nur im Quellcode vorliegen. Offizielle Clients gibt es nur für Windows, Mac-OS, Android und iOS.

Trotz aller neuen Liebesbekundungen seitens Microsoft zu Linux und Open Source erscheint Microsoft Onedrive sicher nicht als die erste Wahl für Linux-Anwender. Denn dieser Clouddienst ist fest im Onlineökosystem Microsofts verankert und ein offizieller Linux-Client fehlt. Aber der Datenaustausch mit Bekannten und Kollegen verlangt schon mal den Zugriff auf Onedrive von einem Linux-Rechner aus. Auch Microsoft Office Online, das im Browser auch unter Linux funktioniert, ist gut an Onedrive angebunden.

Inoffizieller Client: Microsoft Onedrive ist dank inoffizieller Programme auch unter Linux gut zu gebrauchen.
Vergrößern Inoffizieller Client: Microsoft Onedrive ist dank inoffizieller Programme auch unter Linux gut zu gebrauchen.

Zuerst aber zu den harten Zahlen, denn die werden mit Microsofts Verbundangeboten mit anderen Microsoft-Diensten schnell unübersichtlich: Onedrive bietet zunächst fünf GB kostenlosen freien Speicherplatz bei einer Registrierung per E-Mail. Wem das nicht reicht: 50 GB kosten pro Monat zwei Euro. Wer schon länger bei Microsoft mit einem Konto bei anderen Diensten registriert ist, etwa bei Xbox, darf auf 15 GB gratis zugreifen. Interessant für Linux-Anwender ist die Verfügbarkeit mehrerer inoffizieller Clients. Ein Client für die Kommandozeile findet sich auf https://github.com/skilion/onedrive . Ein weiteres Python-Programm für Onedrive wird unter https://github.com/xybu/onedrived-dev entwickelt.

Der inoffizielle Onedrive-Client präsentiert zur erstmaligen Anmeldung eine URL, die man im Browser öffnet. Die Antwort-URL kann das Programm dann authentifizieren.
Vergrößern Der inoffizielle Onedrive-Client präsentiert zur erstmaligen Anmeldung eine URL, die man im Browser öffnet. Die Antwort-URL kann das Programm dann authentifizieren.

Lesetipp Clevere Tipps für Dropbox, Google Drive & Co.

Hidrive Free: Speicher von Strato

Webseite:
https://www.free-hidrive.com und
https://login.hidrive.com

Clients: Offizielle Clients gibt es für Windows und Mac-OS. Der Zugriff gelingt aber auch per Webdav und mit anderen Protokollen und somit auch von Linux aus. Spezielle Clientsoftware ist hier nicht nötig.

Das Berliner Unternehmen versteht sich nicht mehr nur als reiner Hoster für Webseiten, Server und Domains. Wer Cloudspeicher in Deutschland sucht, kann die Dienste Stratos auch nur für Onlinespeicher nutzen. Das Unternehmen, das seit 2017 zu United Internet gehört, teilt das Angebot „Hidrive“ in eine kostenpflichtige Variante und in den kostenlosen Dienst „Hidrive Free“ auf. Letzterer bietet auf https://www.free-hidrive.com fünf GB gratis an. 100 GB kosten für den Zugriff durch einen Account zwei Euro pro Monat zusätzlich zehn Euro einmaliger Einrichtungsgebühr. Die ersten sechs Monate gibt es bei einer Laufzeit von 12 Monaten für einen Euro. Strato bietet bis zu zwei Terabyte an. Wer noch mehr braucht, bekommt mit „Hidrive Business“ bis zu zehn Terabyte für 100 Euro im Monat. Interessant für Linux-Anwender: Hidrive unterstützt von Haus aus mehrere Protokolle für den Zugriff auf den Cloudspeicher. Eine spezielle Clientsoftware braucht es deshalb nicht. Es genügen unter Linux die Protokolle SFTP (SSH), SMB/CIFS und Webdav, um den Onlinespeicher in Dateimanager oder in das Dateisystem einzuhängen. Das kostenlose Angebot „Hidrive Free“ spricht allerdings nur unverschlüsseltes Webdav.

Strato Hidrive bietet die Anbindung an Linux-Systeme über verbreitete Protokolle an. Das kostenlose Hidrive kann aber nur Webdav.
Vergrößern Strato Hidrive bietet die Anbindung an Linux-Systeme über verbreitete Protokolle an. Das kostenlose Hidrive kann aber nur Webdav.

Zwischen den Wolken: Von Cloud zu Cloud

Beim Umzug auf einen anderen Cloudspeicher und bei der Synchronisation von Dateien zwischen verschiedenen Diensten oder Konten ist der Rclone Browser behilflich ( https://mmozeiko.github.io/RcloneBrowser ). Es handelt sich um ein englischsprachiges Front-End für das Kommandozeilentool Rclone, das sich in den Standard-Paketquellen aller größeren Linux-Distributionen findet und in Debian und Ubuntu beispielsweise mit

sudo apt install rclone

schnell installiert ist. Unterstützung gibt es für 13 Dienste, beispielsweise für Google Drive, Dropbox, Microsoft Onedrive, Amazon und für generische SSH-Server. Die Projektwebseite hat Pakete für Ubuntu parat, die eine Installation von Rclone und dem grafischen Rclone-Browser vereinfacht.

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
1648829