2067553

Highlight: Das Audi Virtual Cockpit im Audi TT

25.07.2015 | 09:25 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Einfach faszinierend: Man möchte den Blick fast nicht mehr von dem 12,3 Zoll großen Bildschirm abwenden.
Vergrößern Einfach faszinierend: Man möchte den Blick fast nicht mehr von dem 12,3 Zoll großen Bildschirm abwenden.

Nachdem wir das grundsätzliche Bedienkonzept des Infotainmentsystems von Audi erklärt haben (also MMI-Controller plus Touchpad plus Lenkradtasten plus Sprachsteuerung) kommen wir nun zum eigentlichen Höhepunkt des TT: Das große 12,3-Zoll-Bildschirm im Cockpit direkt vor dem Fahrer. Das so genannte Audi Virtual Cockpit beziehungsweise Fahrerinformationssystem.

Audi verbaut im neuen TT nicht nur sein Infotainmentsystem Audi MMI Navigation plus, sondern auch ein riesiges 12,3-Zoll-Display direkt hinter dem Lenkrad. Alle Anzeigen wie Tacho, Drehzahlmesser und Co sind komplett digital. Für die nötige Rechenkraft sorgt ein Nvidia Tegra 3 Chip. Wie gut das System funktioniert haben wir in diesem Video getestet.

Dieser Bildschirm ist im TT direkt vor dem Fahrer angebracht; ein wesentlicher Unterschied zu den meisten sonst in der Mitte des Armaturenbretts verbauten Bildschirmen. Zwar versuchen die anderen Hersteller und auch Audi bei anderen Modellen den Nachteil, dass der Hauptbildschirm sich nicht im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers befindet, dadurch zu mildern, dass sie in der Regel noch einen zusätzlichen Mini-Bildschirm im Cockpit unterbringen. Auf dem werden beispielsweise die Abbiegehinweise der Navigation oder der gewählte Radiosender angezeigt. Doch ist das nur eine unterstützende Lösung, der Hauptbildschirm ist nun einmal mitten im Armaturenbrett angebracht und somit nicht direkt vor dem Fahrer, sondern etwas seitlich.

Die geniale Google-Earth-Darstellung gehört zu den Highlights des Infotainmentsystems im Audi TT. Hier die klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten und der Navigationskarte im zentralen Bereich in Google Earth-Optik.
Vergrößern Die geniale Google-Earth-Darstellung gehört zu den Highlights des Infotainmentsystems im Audi TT. Hier die klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten und der Navigationskarte im zentralen Bereich in Google Earth-Optik.

Die Positionierung direkt vor dem Fahrer ist aus ergonomischer Sicht perfekt. Der Fahrer hat die Karte und die Abbiegehinweise immer im Blick, sein Blick muss nicht so lange vom Verkehrsgeschehen vor seinem Fahrzeug abschweifen, wie es bei einem Display der Fall ist, dass mittig im Armaturenbrett verbaut ist.

Die klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten aber ohne Google Earth
Vergrößern Die klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten aber ohne Google Earth

Nun handelt es sich bei dem Kombi-Instrument Audi Virtual Cockpit nicht einfach nur um eine digitale Alternative zum klassischen analogen Tachometer. Also nicht nur um eine simple digitale Nachbildung der einst analogen Tachonadel. Sondern der Vorteil eines digitalen Anzeigeinstruments liegt ja darin, dass man die Darstellung beliebig variieren kann. Und genau das macht Audi, indem es zwei unterschiedliche Ansichten für das Audi Virtual Cockpit anbietet.

Klassische und erweiterte Ansicht

In der klassischen Ansicht stellt das 12,3 Zoll große Audi Virtual Cockpit die beiden Rundinstrumente für Drehzahlmesser (links) und Tachometer (rechts) groß dar. Dazwischen – im so genannten Zentralbereich - bleibt auch in der klassischen Ansicht reichlich Platz für die Navigationskarte und die diversen Menüs des Fahrerinformationssystems. Detailangaben wie beispielsweise die Abbiegehinweise des Navigationsgerätes blendet das Infotainmentsystem innerhalb des Tachometers ein. Dieser zentrale Bereich zwischen den beiden großen Rundinstrumenten für Drehzahlmesser und Tachometer wird abhängig vom gewählten Infotainmentmenü-Punkt gefüllt. Hier zeigt das Infotainmentsystem also die Karte an, wenn man die Navigation auswählt. Oder die verfügbaren Radiosender, zwischen denen man dann bequem mit dem Rändelrad links im Lenkrad oder per Sprachbefehl auswählt. Oder die Bordcomputerangaben mit dem Kraftstoffverbrauch. Oder das Telefonie-Menü. Und natürlich auch Audi Connect mit der Internetfunktion (dazu mehr weiter unten)

Die erweiterte Ansicht mit kleinen Rundinstrumenten und Zusatzinfo, aber ohne Google Earth
Vergrößern Die erweiterte Ansicht mit kleinen Rundinstrumenten und Zusatzinfo, aber ohne Google Earth

In der erweiterten Ansicht (auch als Infotainment-Modus bezeichnet) dagegen schrumpfen die beiden Rundinstrumente, damit zusätzliche Informationen wie Abbiege-Hinweise oder die Entfernung zum nächsten Rastplatz dargestellt werden können. Über die „View“-Taste (die Lenkradtaste links vom zentralen Hupenfeld) schaltet man die erweiterte Ansicht ein. Die Anzeigen für Außentemperatur, Uhrzeit, Kilometerstände sowie Warn- und Hinweissymbole sind aber in beiden Ansichten vorhanden.

Klassische Ansicht mit Standardkarte ohne Google Earth.
Vergrößern Klassische Ansicht mit Standardkarte ohne Google Earth.

Der Wechsel zwischen den einzelnen Hauptmenüs erfolgt bequem über die Pfeil-Lenkradtasten links von der Hupe. Mit ihnen wechselt man zwischen den Reitern am oberen Rand des Zentralbereichs des Kombi-Instruments. Unterhalb des Zentralbereichs gibt es noch die Statuszeile mit der Angabe der gefahrenen Kilometer, dem Tageskilometerzähler, der Uhrzeit und der Außentemperatur.

Genial: Navigation mit Google-Earth-Karte
Vergrößern Genial: Navigation mit Google-Earth-Karte

Kartenansicht mit Aha-Effekt

Die Kartenansicht aber hat es ganz besonders in sich. Denn die Karte, sofern man die Menü-Punkte „Karte“ oder „Navigation“ ausgewählt hat, bildet in der erweiterten Ansicht (Infotainmentmodus) den Hintergrund für das gesamte Kombi-Instrument. Die Kartenansicht läuft dann hinter den beiden verkleinerten Rundinstrumenten und den anderen Anzeigen „vorbei“ und erscheint daneben/darüber. Das sieht nicht nur richtig peppig aus, sondern erleichtert auch die Orientierung. Die Navigationskarte befindet sich so direkt im Sichtfeld – fast so gut wie ein Head-Up-Display.

Klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten und Google Earth
Vergrößern Klassische Ansicht mit großen Rundinstrumenten und Google Earth

Weil in den Rundinstrumenten bei dieser dominierenden Kartendarstellung natürlich weniger Platz ist, blendet das Infotainmentsystem einige Angaben wie die Abbiegehinweise der Navigation nun über dem rechten Rundinstrument ein.

Damit so ein Riesen-Display Spaß macht und auch wirklich alltagstauglich ist, muss das Umschalten zwischen den unterschiedlichen Ansichten schnell erfolgen. Das war im Test durchgehend der Fall. Ebenso flüssig stellt das Audi Virtual Cockpit auch die beiden digitalen Zeiger für Drehzahl und Tempo an – da ruckelt nichts und die Reaktion erfolgt immer sofort wie bei einem analogen Instrument. Ein vierkerniger Tegra-3-Chip von Nvidia sorgt hier für die dafür nötige Rechenleistung.

Erweiterte Ansicht mit Zusatzinformationen, aber ohne Google Earth. Hier sieht man die Stau-Lage.
Vergrößern Erweiterte Ansicht mit Zusatzinformationen, aber ohne Google Earth. Hier sieht man die Stau-Lage.

Peppige Google Earth-Karte statt tröger 08/15-Navigationsoptik

Die Krönung der Kartenansicht im Audi Virtual Cockpit ist die Google-Earth-Ansicht. Denn wie in den „normalen“ Audi-PKWs können Sie für die Kartenansicht neben der klassischen stilisierten Karte auch eine Google-Earth-Ansicht wählen. Dann sehen Sie auf dem Cockpit-Display eine fotorealistische Navigation. Das sieht nicht nur klasse aus, es hilft auch ungemein bei der Orientierung in einer fremden Stadt. Obendrein entdecken Sie dank Google Earth auch bisher Unbekanntes neben Ihren Stammstrecken, wenn die Sicht zum Beispiel durch Lärmschutzwände oder Wald verdeckt ist. Und Sie sehen, was sich über dem Tunnel befindet, durch den Sie gerade fahren.

Ganz neue Einblicke neben der Autobahn
Vergrößern Ganz neue Einblicke neben der Autobahn

Google Street View steht ebenfalls zur Verfügung und lässt sich mit einem Knopfdruck einschalten. Auch hier gilt: Das ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern hilft vor allem bei der schnellen Identifizierung und Orientierung.

Das Audi Virtual Cockpit mit klassischer Ansicht und ohne Google Earth.
Vergrößern Das Audi Virtual Cockpit mit klassischer Ansicht und ohne Google Earth.

Über eines sollten Sie sich bei der Verwendung der Google-Street-View-Ansicht aber im Klaren sein: Dafür fließen viele Daten durch die Mobilfunkleitung. Sie benötigen also unbedingt einen ausreichend dimensionierten Mobilfunkvertrag mit einer leistungsfähigen Flatrate. Und eine guten Netz-Abdeckung. Falls Sie die Google Earth-Ansicht im Ausland nutzen wollen, sollten Sie sich einen passenden Vertrag besorgen, um hohe Roamingkosten zu vermeiden.

Ablenkungsgefahr

Und noch etwas sollte man angesichts der faszinierenden Kartendarstellung nicht unterschätzen: Die Ablenkungsgefahr. Die Karte verführt dazu, den Blick zu lange vom Verkehrsgeschehen abzuwenden. Hier sollte man sich keinesfalls auf den Notbrems-Assistenten, den Spurhalte-Assistenzen oder auf das ACC vertrauen...

Übrigens: Wenn Sie den Audi starten, steht Google Earth nicht sofort zur Verfügung. Erst wenn das Navigationssystem vollständig initialisiert ist, wechselt die Kartenansicht von Standard auf Google Earth. Das erfolgt vollautomatisch, wenn Sie einmal Google Earth in den Einstellungen ausgewählt haben.

Internet: Audi Connect

Unter dem Begriff Audi Connect sind alle Internet-abhängigen Funktionen zusammengefasst. Die dafür nötige Internetverbindung bauen Sie entweder über Ihr rSAP-fähiges Smartphone auf oder über eine separate SIM-Karte, die in den SIM-Kartenslot im Handschuhfach eingelegt wird. Letzteres ist eindeutig der bessere Weg, weil viele gängige Smartphones rSAP nicht unterstützen. Wenn Sie sich für diese zusätzliche SIM-Karte im Handschuhfach entscheiden, dann sollten Sie idealerweise eine mit LTE-Unterstützung wählen. Die aktuell genutzte Verbindungsqualität zeigt das MMI im Audi Virtual Cockpit unten an.

Audi-Connect: Der Nachrichten-Ticker.
Vergrößern Audi-Connect: Der Nachrichten-Ticker.

Weil die Daten für die Google-Earth-Ansicht in der Navigation ebenfalls über diese SIM-Karte laufen, sollte der Mobilfunkvertrag dafür ausreichend leistungsfähig sein. Und denken Sie bei der Nutzung von Audi Connect im Ausland an die Roaming-Kosten! Roaming können Sie aber im Einstellungsmenü generell unterbinden.

So funktionieren die Stauwarnungen von Tomtom Traffic

Verkehrslage, Google Lokale Suche, Tankstellen, Parkplätze

Die für die Navigation wichtigsten Audi-Connect-Dienste sind neben den Echtzeitverkehrslagedaten von TomTom und der Google-Earth-Ansicht sowie der Google Lokalen Suche die Möglichkeit Ziele bequem zu Hause am PC festzulegen und diese dann auf das Auto zu übertragen. Außerdem gibt es eine Suche nach Tankstellen inklusive Kraftstoffpreisrecherche und eine Parkplatzsuche – hierfür ist das US-Unternehmen Inrix der Lieferant (das bis Herbst 2014 auch die Echtzeitverkehrslagedaten für Audi geliefert hat).

Nachrichten-Ticker

Unterwegs immer auf dem Laufenden bleiben Sie – unabhängig von Nachrichten aus dem Radio – mit dem Nachrichtenticker aus dem Internet. Diese Nachrichten können Sie unter MyAudi konfigurieren, also die bevorzugten Themenkanäle oder die Quellen festlegen.

Zug- und Flugverbindungen

Ferne kann man sich Zug- und Flugverbindungen im Auto anzeigen lassen. Alle Dienste sind standortabhängig, man bekommt also Flugverbindungen von Flughäfen angezeigt, die sich in der Nähe des Fahrzeugstandorts befinden.

Facebook und Twitter

Facebook- und Twitter-Konten kann man mit dem Fahrzeug ebenfalls verbinden. Dann kann man die entsprechenden Inhalte auf dem Audi Virtual Cockpit lesen und auch Facebook- und Twitter-Inhalte absetzen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit handelt es sich dabei aber nur um Textbausteine, die entweder von Audi vorgegeben sind oder die man am PC vordefiniert. Freies Texten ist dagegen vom Wagen aus nicht möglich.

Im Test zeigte sich Facebook allerdings störrisch. Wir konnten unser Facebook-Konto zwar problemlos mit dem Audi verbinden, doch die Wiedergabe im Audi funktioniert nicht (anders als seinerzeit bei unserem Test im Audi A3. Dort klappte die Facebook-Einbindung tadellos). Anders bei Twitter, das auf Anhieb klappte.

Langsame Webseite

Die gesamte Konfiguration der Audi-Connect-Dienste erfolgt über das Webfrontend MyAudi. Die MyAudi-Seite lädt allerdings sehr langsam, das Navigieren darauf macht nicht wirklich Spaß und passt so gar nicht zum Premiumanspruch von Audi.

WLAN-Hotspot

Ebenfalls zu Audi Connect gehört der WLAN-Hotspot, der im Audi eingerichtet wird und über den damit verbundene Mobilgeräte ins Internet gehen können.

Wenn Sie das Smartphone via WLAN mit dem Audi verbinden und die kostenlose Audi MMI Connect-App auf dem Smartphone installieren können Sie zudem Audi music stream verwenden und damit Webradio im Auto abspielen. Das erweitert das ohnehin schon umfangreiche Radio-Angebot (AM, FM, DAB) noch einmal deutlich und macht Sie beim Radio-Empfang unabhängig vom regionalen Radiosenderangebot.

Audi Virtual Cockpit mit erweiterter Ansicht und Google Earth: Ein Augenschmaus
Vergrößern Audi Virtual Cockpit mit erweiterter Ansicht und Google Earth: Ein Augenschmaus

Fazit: Ein teurer, aber gelungener Spaß

Audi MMI mit Audi Connect ist neben BMW ConnectedDrive das derzeit beste Infotainmentsystem auf PKWs. Die InCar-Systeme der beiden bayerischen Automobil-Hersteller liegen in Sachen intuitiver und unkomplizierter Bedienung und Funktionsumfang deutlich vor der Konkurrenz. Diese Qualität hat aber ihren Preis.

Gratis-Newsletter: Verpassen Sie keine Auto-Meldung mehr

Speziell beim TT begeistert das veränderbare digitale 12,3-Zoll-Cockpit mit seiner riesigen Google-Earth-Karte. Es ist nicht einfach nur eine coole Spielerei, sondern bietet in Sachen Ergonomie, Informationsgehalt und Ablesbarkeit echten Mehrwert.

Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2067553