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Im Dauertest: 19 Antiviren-Tools auf dem Prüfstand

15.07.2020 | 09:31 Uhr | Arne Arnold

Antivirenprogramme müssen zu jeder Zeit gut und fortschrittlich genug sein, um alle täglich neu entwickelten PC-Viren erkennen zu können. Das ist keine leichte Aufgabe. Unser Dauertest über zwölf Monate zeigt, dass das nicht jedes Programm schafft.

In Sachen Virenschutz gib es eine schlechte und eine gute Nachricht: Die Schlechte ist, dass nach wie vor täglich rund 350.000 neue Schadprogramme und potenziell unerwünschte Anwendungen auftauchen. Die Gute zeigt jedoch, dass die meisten Antivirenprogramme in unserem Test sehr gut davor schützen.

Programme im Dauertest

In diesem Dauertest haben wir den Beobachtungszeitraum auf zwölf Monate festgelegt. Wir nutzen die Daten des weltweit anerkannten Testlabors AV-Test.org . Dieses testet rund 20 Antivirenprogramme für Privatanwender in einem Testzyklus von zwei Monaten. In den Tabellen unten finden Sie die Ergebnisse. Der Vorteil des Dauertests: Statt nur bei einer einzelnen Stichprobe müssen die Programme im Dauertest über lange Zeit und bei deutlich mehr Testviren zeigen, wie zuverlässig sie einen PC schützen. Das genaue Prüfszenario stellen wir unter „Wie wir testen“ unten vor.

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Testsieger und Testverlierer

Gleich zwei Tools schaffen es auf den ersten Platz. Es sind die Sicherheitssuiten von Kaspersky und Norton Life Lock . Infos zu diesen Tools finden Sie im Kasten unten. Auf Platz drei schafft es F-Secure Safe mit der Gesamtnote 1,04. Allerdings hat Safe an zwei der sechs Testrunden nicht teilgenommen. Streng genommen ist das ein Grund, das Tool vom Test auszuschließen. Wir haben es dennoch in die Wertung mit aufgenommen, da es seit Jahren gute bis sehr gute Ergebnisse beim Virenschutz zeigt. Es ist also ein sicheres Programm. Probleme hatte Safe meist bei den Fehlalarmen und der Geschwindigkeit. So liefert es im Juli, August 2019 nur eine schwächere Leistung bei den Fehlalarmen.

Auf Platz 4 finden Sie gleich vier Programme. Es sind in alphabetischer Reihenfolge Avira Antivirus Pro , das Windows Bordmittel Microsoft Defender, Trend Micro Internet Security und Vipre Security Advanced Security . In den insgesamt 18 einzelnen Tests haben sie jeweils zwölf Mal die Note 1 erhalten und sechs Mal die Note 1,5. Da wir die drei Testkategorien gleich gewichtet haben, bekommen alle vier die Gesamtnote 1,17 – also ein „Sehr gut“! 

Auch die folgenden Programme erringen noch bis zum Platz 14 die Note „Sehr gut“. Sie können also bei der Auswahl Ihres Antivirenprogramms aktuell kaum etwas falsch machen.

Richtige Probleme im Test zeigen sich eigentlich nur bei den drei Programmen am Ende der Testreihe: Total AV , PC Matic und Malwarebytes Premium . Sie kassieren beim Virenschutz nur die Note 4 (PC Matic), 4,5 (Total AV) und 5 (Malwarebytes). Das macht die Tools nicht empfehlenswert.

Gratisschutz mit Windows 

Im Test finden sich auch zwei kostenlose Tools: Es sind der Windows Defender, das vorinstallierte Antivirenprogramm von Windows 10, und Avast Free Antivirus . Während das Tool von Avast auf Platz 9 landet, kann sich der Defender auf Platz 4 ganz vorne bei den Top-Tools platzieren. Das gelingt dem Defender vor allem durch ein perfektes Ergebnis in den Kategorien Fehlalarm (Note 1,0). In der Kategorie Virenschutz fährt das Tool die Note 1,25 ein. Das ist ein sehr guter Wert, andere Programme schneiden allerdings noch besser ab.

Insgesamt setzt der Windows Defender seine Entwicklung von einem eher löchrigen Schutztool hin zu einem sehr guten Antivirenprogramm fort. Seit November 2018 bekommt der Defender im Testlabor von AVTest meist die volle Punktzahl in der Kategorie Virenschutz. Wer sich die Kosten für eine Antivirensoftware sparen möchte, kann auf den Windows-eigenen Schutz setzen.

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Teuer oder günstig

In der Testtabelle haben wir die unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) der Hersteller für eine Jahreslizenz für ein Gerät angegeben. Doch diese Preise gelten nur in wenigen Fällen. Vor allem die Hersteller mit sehr hohen Preisempfehlungen verkaufen ihre Produkte dauerhaft zum Sonderpreis. So kostet beispielsweise Total AV von Protected.net eigentlich 120 Euro pro Jahr für 5 Geräte. Doch der Hersteller bot das Tool beispielsweise im Mai für nur 40 Euro an.

Über eine Preissuchmaschine wie www.pcwelt.de/preisvergleich kann man ebenfalls viel sparen. Dort fanden wir Kaspersky Internet Security im Mai für 12 statt für 40 Euro. Das ist eine Ersparnis von rund 70 Prozent. Wir wählten dafür ein Angebot von Kaspersky Internet Security 2019 aus. Das Programm aktualisiert sich nach der Installation automatisch auf die Version 2020. 

Testsieger: Kaspersky und Norton Life Lock

Auf den ersten Platz schaffen es punktgleich zwei Programme. Es sind Kaspersky Internet Security und Norton 365. Beide erreichen in den insgesamt 18 Tests 17 Mal die volle Punktzahl und damit Note 1,0.

Kaspersky schnitt im März/April beim Virenschutz einmal etwas schwächer ab und erlangt hier nur die Note 1,5. Norton 360 war im Test von März/April in der Kategorie Geschwindigkeit minimal schlechter und bekommt dafür ebenfalls nur die Note 1,5. Kaspersky landet zum wiederholten Mal auf dem ersten Platz. Es bleibt damit ein sehr empfehlenswerter Virenschutz für Ihren Windows-PC. Norton gelang in den vergangenen Jahren nur selten der Sprung aufs Siegertreppchen. Allerdings war es in den Nullerjahren dort Stammgast und hat viele der heute verbreiteten Schutzmodule, etwa die Reputationsprüfung, als eines der ersten Programme eingeführt. Auch mit Norton 360 ist Ihr Rechner heute also bestens geschützt.

Antivirenprogramme: Platz 1 - 10
Vergrößern Antivirenprogramme: Platz 1 - 10
Antivirenprogramme: Platz 11 - 19
Vergrößern Antivirenprogramme: Platz 11 - 19

So testen und gewichten AV-Test und PC-WELT

Das Prüflabor AV-Test  untersucht seit 2011 Antivirenprogramme in einem fortlaufenden Testverfahren. 

Alle zwei Monate veröffentlicht AV-Test die Ergebnisse. In diesem Test haben wir die Laborergebnisse seit Mai 2019 berücksichtigt. Somit liegen sechs Testrunden bis April 2020 vor.

Gewichtung: Zum Testparcours des unabhängigen Testlabors AV-Test in Magdeburg zählen die drei Kategorien „Virenschutz“, „Geschwindigkeit“ sowie „Fehlalarme“. Wir halten alle drei Bereiche für gleich wichtig und werten deshalb dementsprechend jeden mit 33,3 Prozent.

Virenschutz: In dieser Kategorie müssen die Programme zeigen, wie gut sie einen Windows-PC vor schädlichem Code schützen können. Dabei müssen die Sicherheitspakete vor allem Viren erkennen, die ganz neue Sicherheitslücken in Windows oder anderer Software ausnutzen wollen.

Geschwindigkeit: Die Spezialisten von AV-Test messen die Systembelastung des PCs durch die Antivirensoftware. Dafür lassen sie auf jedem PC mit Internetsicherheitspaket eine Reihe von Praxistests laufen. Sie öffnen etwa den Browser sowie die Textverarbeitung und das Tabellenprogramm. Ein PC, der diese Aufgaben schnell erledigt, wird nur wenig gebremst von seinem Sicherheitspaket.

Fehlalarme: Schließlich ist noch wichtig, dass die Zahl der Fehlalarme möglichst klein ist. Bei einem Fehlalarm wird eine harmlose Datei als Virus gemeldet.

Benotung von AV-Test und PC-WELT: Das Prüfinstitut AV-Test vergibt für jeden Test maximal 6 Punkte. Halbe Punkte sind möglich. Eine volle Punktzahl von 6 bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Programm vollkommen fehlerfrei abgeschnitten hat. Bereits bei einem sehr guten Abschneiden, etwa mit einer Virenerkennung von über 99 Prozent, gibt es sechs Punkte. Die exakten Ergebnisse von AV-Test finden Sie unter www.av-test.org/antivirus/privat-windows .

PC-WELT ermittelt zu dem Punktesystem von AV-Test die Schulnote, da das Testcenter der PC-WELT seit Jahren mit dieser Bewertung arbeitet. Die Gesamtnote ergibt sich aus den drei Testkategorien, die wir zu gleichen Teilen gewichtet haben.

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