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Im Dauertest: 39 Antiviren-Tools auf dem Prüfstand

08.05.2017 | 10:15 Uhr |

Die meisten Viren greifen Windows und Android an. Unser Dauertest zeigt, wie gut 19 Antivirenprogramme für Windows und 20 aktuelle Sicherheits-Apps für Android Schädlinge erkennen und blockieren.

Jede Sekunde tauchen rund fünf neue Schädlinge auf und bedrohen in erster Line Windows-Rechner. Rund 67 Prozent der Viren hatten es in 2016 auf das Betriebssystem von Microsoft abgesehen. Hinzu kommen rund 19 Prozent Skriptviren, die überwiegend ebenfalls auf Windows-Rechner abzielen. Das fanden die Spezialisten von AV-Test heraus. An zweiter Stelle der bedrohten Systeme folgt Android. Zwar hatten es nur 7,5 Prozent der Schädlinge auf dieses mobile Betriebssystem abgesehen, doch verglichen mit dem Vorjahr ist das eine Steigerung von über 100 Prozent (3,2 Prozent in 2015). Die Bedrohung für Android-Nutzer wird also zunehmend spürbar. Wer Apps aus freien Apps-Stores oder anderen Quellen installiert, sollte sein Smartphone mit einer Antiviren-App schützen.

Sie finden in diesem Artikel Tests von Sicherheitstools für Windows und Android. Die Tests führte das weltweit angesehene Prüflabor AVTest aus Magdeburg durch. Die Spezialisten untersuchten die Schutzprogramme in einem Dauertest. So lässt sich gut kontrollieren, wie zuverlässig ein Programm über Monate und Jahre hinweg einen PC und ein Smartphone vor Schädlingen schützen kann. Wie sich die Prüfszenarien zusammensetzen, stellen wir unten vor. Windows 10: Die besten Tipps zu Sicherheit und Datenschutz

Aktuelle Bedrohungen für Windows-Nutzer

Erpresserviren (Ransomware) zählen neben Banking-Trojanern zu den spürbarsten Bedrohungen für den Anwender. Hat ein solcher Schädling einen Rechner befallen, verschlüsselt er alle Anwenderdaten und fordert ein Lösegeld. Viele Nutzer sind dann zahlungsbereit und senden die geforderten 100 bis 500 Euro in Form von Bitcoins an die Erpresser. Ob sie daraufhin einen Entschlüsselungscode erhalten, ist jedoch vollkommen ungewiss. Natürlich sollte Ihr Antivirenprogramm Ihren Rechner vor Ransomware schützen, und meist gelingt das auch. Sollten Sie dennoch einmal Opfer eines Erpresservirus werden, informieren Sie sich am besten zunächst auf der Website www.nomoreransom.org . Dort erfahren Sie, ob es für Ihren Fall eine kostenlose Entschlüsselungssoftware gibt.

Grundsätzlich ist ein Backup der eigenen Daten eine gute Absicherung gegen Erpresserviren. Achten Sie darauf, dass das Backup-Medium nach dem Sicherungsvorgang nicht am PC angeschlossen bleibt, damit ein Schädling nicht auch das Backup verschlüsseln kann.

Ein weiterer Trend bei den Virenangriffen geht in Richtung IoT (Internet of Things). Schädlinge befallen Geräte wie Router, Webcams und digitale Videorecorder. Die meisten Antivirenprogramme sind für solche Angriffe und Schädlinge komplett blind.

Windows: Testergebnisse der Antivirenpogramme

Als Testsieger konnte sich erneut das Programm Kaspersky Internet Security durchsetzen. Infos dazu finden Sie im Kasten. Aber auch die fünf folgenden Programme schneiden mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet ab. Erst gegen Ende der Testtabelle fällt die Leistung ab. Das betrifft vor allem das Microsoft-Tool Windows Defender und das Sicherheitstool von Comodo .

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Grundsätzlich lohnt sich in der Testtabelle ein Blick in die Zeilen unter Virenschutz. Hier zeigt sich, dass die meisten Programme gut bis sehr gut abschneiden. Auf den hinteren Plätzen in der Testtabelle landen viele Sicherheitssuiten meist nur wegen ihrer schlechten Leistung beim Geschwindigkeitstest.

Windows-Testsieger: Kaspersky Internet Security

Kaspersky Internet Security
Vergrößern Kaspersky Internet Security
© Kaspersky

Die Software Kaspersky Internet Security schaffte es mit einer fast durchgehend sehr guten Leistung auf den ersten Platz. In den letzten beiden Testrunden bekam das Schutzprogramm durchweg die Note 1. Zusammen mit den ebenfalls sehr guten Noten aus den vergangenen Jahren erhält Kaspersky auch bei der Gesamtnote die Traumbewertung von 1,0. Kaspersky konnte bereits in den drei letzten Dauertests von 2014, 2015 und Anfang 2017 den ersten Platz erringen.

Betrachtet man die einzelnen Testrunden, dann haben im Testzeitraum September/Oktober zwei Programme die absolute Topbewertung von 18 Punkten (entspricht einer 1,0 in Schulnoten) bei AV-Test bekommen. Es sind die Programme Kaspersky Internet Security und Avira Antivirus Pro . Zwei weitere Tools heimsten 17,5 Punkte ein. Es sind die Programme Bitdefender IS und Trendmicro IS.

Die beiden schlechtesten Programme waren in diesem Testzyklus dieselben wie im Gesamttest: Comodo IS und der Microsoft Defender, die beide beim Virenschutz nur drei Punkte (Schulnote 4,0) schafften.

Im Testzeitraum November/Dezember schaffte nur das Tool Kaspersky IS die Traumnote von 1,0 (18 Punkte bei AV-Test). Mit 17,5 Punkten schnitten in diesem Testzeitraum die Programme von Bitdefender , Avira Pro und Trendmicro ebenfalls noch sehr gut ab. Auch in diesem Testzyklus waren Comodo und Microsoft die schlechtesten Tools.

Testergebnisse: Windows-Sicherheits-Tools
Vergrößern Testergebnisse: Windows-Sicherheits-Tools

Testergebnisse der Sicherheits-Apps für Android

Der Testzeitraum bei den Antiviren-Apps reicht in unserer Auswertung von September 2016 bis Januar 2017 und umfasst drei Testläufe. Die meisten Apps schneiden dabei sehr gut ab. Die Erkennung von schädlichen Apps gelingt den Tools somit ganz hervorragend.

Die guten Ergebnisse resultieren allerdings nicht nur aus der guten Technik der Sicherheitsapps, sondern liegen auch an den recht einfach gestrickten Viren für Android. Ist den Antivirenherstellern erst einmal eine schädliche App bekannt, können sie diese meist sehr einfach erkennen und blockieren.

Android-Testsieger: Sechs Apps auf Platz 1

Android-Testsieger: Sophos
Vergrößern Android-Testsieger: Sophos
© Sophos

Gleich sechs Sicherheitsapps zeigten im Dauertest über drei Testzyklen hinweg keine nennenswerten Fehler und bekommen so allesamt die Note 1,0. Es sind die Apps von Bitdefender, Kaspersky, One App Limited, Sophos, Symantec und Tencent. Kostenlos sind dabei die Apps von Sophos und Tencent, wobei nur Sophos deutschsprachig erhältlich ist. Wenn Sie einen Gratis-Virenschutz für Android suchen, sollten Sie sich Sophos Mobile Security ansehen.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Ein raffinierter Android-Virus hat sich zum Beispiel in zwei Spiele-Apps versteckt. Jede App für sich ist zunächst harmlos. Auch der Schadcode in jeder der Apps ist für sich genommen noch ungefährlich. Erst wenn das Opfer beide Apps installiert hat, kann der Virus zuschlagen. Damit dieser Fall möglichst häufig eintritt, macht die eine App Werbung für die andere App.

Erläuterung zur Platzierung: Viele Sicherheitsapps schneiden gleichermaßen sehr gut ab. In diesen Fällen haben wir den Apps dieselbe Note geben und sie in der Tabelle alphabetisch nach dem Namen des Herstellers sortiert. Üblicherweise läuft in einem solchen Fall die Platzzählung weiter. Gibt es zwei erste Plätze, folgt darauf Platz drei und nicht zwei. Wegen der Vielzahl von Erstplatzierungen im aktuellen Test (insgesamt sind es sechs) haben wir auf diese Regel verzichtet.

Testergebnisse: Android-Sicherheits-Tools
Vergrößern Testergebnisse: Android-Sicherheits-Tools

Preisnachlässe bei den Herstellern wie nie

Windows: In der Testtabelle haben wir die unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) der Hersteller für eine Jahreslizenz angegeben. Bereits in den vergangenen Jahren ließen sich die Lizenzen zu deutlich günstigeren Preisen bei anderen Anbietern im Internet erwerben, oder man wartete eine Aktion in einem Elektromarkt ab und konnte darüber eine Internet Security Suite für 15 bis 20 Euro erwerben, die laut UVP bei 40 bis 50 Euro liegt.

Doch seit Ende 2016 bieten auch die meisten Antiviren-Hersteller auf ihren eigenen Websites ordentliche Rabatte von teilweise über 50 Prozent. Erklären lassen sich diese Preisnachlässe am besten mit dem neuen Virenschutz in Windows 10. Denn mit der neuesten Windows-Version verspricht Microsoft nun ein umfassend sicheres System. Auf der Website von Microsoft klingt das so: „Windows 10 ist das sicherste Windows aller Zeiten und sorgt […] für umfassenden Schutz ohne Zusatzkosten, denn Virenschutz, Firewall, Windows Defender, Antiphishing-Technologien und andere Funktionen sind bereits integriert.“ Das sind starke Worte, denen offensichtlich etliche Nutzer Glauben schenken und in der Folge auf einen zusätzlichen, kostenpflichtigen Virenschutz verzichten. Das bekommen die Antivirenhersteller zu spüren – und müssen nun mit Preisnachlässen darauf reagieren.

Für Sie als Kunden hat das erst mal nur Vorteile: Haben Sie Windows 10 neu installiert, bietet das System in der Tat den besten Schutz von allen bisherigen Microsoft-Systemen. Entscheiden Sie sich dann für eines der guten Programme aus unserem Test, verbessern Sie den Virenschutz deutlich.

Tipp: 40 geniale Sicherheitstools für Windows

Android: Bei den Sicherheits-Apps finden sich noch viele kostenlose und dennoch sehr gute Tools. Es spricht nichts gegen den Einsatz dieser Apps. Einige der klassischen Antivirenhersteller halten dagegen die Preise für ihre Apps recht hoch: So verlangen etwa Norton und McAfee jeweils 30 Euro für ihre Android-Vollversion. Andere Hersteller scheinen mit den Preisen noch zu experimentieren und bieten öfter sehr unterschiedlich hohe Rabatte an.

So testen und gewichten AV-Test und PC-WELT

Windows: Das Prüflabor AV-Test untersuchte die rund 20 Sicherheitsprogramme für Windows zwischen den Jahren 2011 bis Dezember 2016. Einige Programme sind erst seit Kurzem dabei, andere Tools sind nach ein paar Jahren wieder aus dem Testfeld ausgeschieden. In den ersten Jahren testeten die Spezialisten von AV-Test auch noch unter Windows XP, zuletzt mussten die Schutzprogramme aber nur noch unter Windows 7, 8/8.1 und 10 abwechselnd zeigen, was sie leisten. Denn offiziell wird Windows XP nicht mehr von Microsoft mit Updates versorgt und sollte aus Sicherheitsgründen nicht mehr eingesetzt werden. Zudem unterstützen viele Sicherheitstools Windows XP gar nicht mehr.

Jeder einzelne Dauertest lief über zwei Monate. Zum Testparcours des unabhängigen Testlabors AV-Test in Magdeburg zählen die drei Kategorien „Virenschutz“, „Geschwindigkeit“ sowie „Fehlalarme“. Bei den Tests von 2011 und 2012 war die Geschwindigkeit noch keine eigene Kategorie, dafür wurde damals die Reparaturleistung als eigene Rubrik gezählt. Diese wird seit Anfang 2013 nur noch in separaten Tests geprüft. Da wir die drei Kategorien gleich gewichten, also mit je 33,3 Prozent, haben wir die Werte der alten Rubrik Reparaturleistung in die Rubrik Geschwindigkeit überführt. In der Tabelle finden Sie die früheren Testergebnisse zusammengefasst in den Zeilen „Januar 2011 bis August 2016“.

Android: Auch bei diesem System müssen die Schutz-Apps aktuelle Schädling erkennen, blockieren und melden. Der Testzeitraum beträgt jeweils einen Monat. Außer im Bereich Virenerkennung prüft AV-Test auch hier in den Kategorien Geschwindigkeit und Fehlalarme.

So sehen die Testbereiche im Einzelnen aus

Virenschutz: In dieser Kategorie müssen die einzelnen Programme zeigen, wie gut sie PC-Viren erkennen und blockieren können. Dabei müssen die Sicherheitspakete schädlichen Code erkennen, der brandneue Sicherheitslücken in Windows oder in anderer Software ausnutzen will.

Geschwindigkeit: Die Spezialisten von AV-Test messen die Systembelastung des PCs durch die Antivirensoftware. Dafür lassen sie auf jedem PC mit Internetsicherheitspaket eine Reihe von Praxistests laufen. Sie öffnen beispielsweise den Browser sowie die Textverarbeitung und das Tabellenprogramm. Sie packen Dateien in Archive und konvertieren Videodateien. Ein PC, der diese Aufgaben schnell erledigt, wird nur wenig gebremst von seinem Sicherheitspaket, das aus diesem Grund dann eine bessere Note erhält. Bis 2012 wurde an dieser Stelle die Reparaturleistung getestet. Die Sicherheitspakete mussten zeigen, wie gut sie aktive Viren erkennen und alle Schäden reparieren können. Diese Tests finden nun nicht mehr im Dauertest statt.

Fehlalarme: Schließlich sollte die Zahl der Fehlalarme möglichst klein sein. Ein Fehlalarm meldet eine harmlose Datei als Virus.

Benotung von AV-Test und PC-WELT: Das Prüfinstitut AV-Test vergibt für jeden Test maximal sechs Punkte. Halbe Punkte sind möglich. PC-WELT ermittelt zu diesem Punktesystem die Schulnote, da das Testcenter der PC-WELT seit Jahren mit dieser Bewertung arbeitet. Die Gesamtnote ergibt sich dann aus den drei Testkategorien, die wir zu gleichen Teilen gewichten.

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