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1995-1999: Ungebremstes Wachstum

17.03.2019 | 09:15 Uhr | Steffen Zellfelder

1995 kommt Windows 95 auf den Markt. Sieben Millionen Exemplare werden in den ersten fünf Wochen verkauft. Das 32-Bit-Betriebssystem verfügt über Plug-and-Play-Funktionen und Internet-Unterstützung. Auf etwa 80 Prozent aller Computer weltweit läuft jetzt ein Betriebssystem von Microsoft. Auch der Internet Explorer ist in diesem Jahr erstmalig verfügbar. Ferner wird das Microsoft Network (MSN) ins Leben gerufen.

1996 kauft Microsoft für 133 Millionen Dollar die Firma Vermeer Technologies mitsamt ihrem HTML-Editor Frontpage . Auch dieser Zukauf wird bald zu den Kernprodukten des Unternehmens zählen.

Microsoft spielt seine Monopolmacht aus

Die Bündelung des Internet Explorer 2.0 mit Windows 95 und Windows 3.1 setzt andere Browsers-Entwickler, allen voran Netscape , zunehmend unter Druck. MSN ist nur sieben Monate nach seiner Entstehung mit über einer Million Nutzern in mehr als 190 Ländern der erfolgreichste Internet-Dienstleister aller Zeiten. Im gleichen Jahr startet MSNBC, ein 24-Stunden Nachrichtensender von NBC und Microsoft. Auch der kostenlose Reisedienst Microsoft Expedia geht jetzt online.

1997 kommt Office 97 auf den Markt, das Softwarepaket setzt den Siegeszug der vorherigen Versionen fort, neu ist die Unterstützung diverser Web-Dienste. Für 425 Millionen Dollar erwirbt Microsoft den Provider WeBTV Networks. Mit einer Investition von einer Milliarde Dollar soll der nordamerikanische TV-Anbieter Comcast seine Internet-Leitungen ausbauen.

Eine Partnerschaft mit Apple sieht die Entwicklung von Office und dem Internet Explorer für Macintosh vor. Microsoft investiert 150 Millionen Dollar in Apple und kauft den E-Mail-Dienst Hotmail für rund 400 Millionen Dollar. In Umfragen unter der US-Bevölkerung wird Microsoft als das am meisten bewunderte Unternehmen des Landes genannt.

Antitrust- und Kartellklagen

1998 leiten das US-Justizministerium und 19 Generalstaatsanwälte eine Antitrust-Klage gegen Microsoft ein, bei der es im Kern um den Browser-Krieg und Microsofts Umgang mit Java geht. Dabei wird Microsoft vorgeworfen, von 1995 bis 1998 mit seinem Internet Explorer den Navigator von Netscape unlauter verdrängt zu haben.

Der Vorwurf: Microsoft verfüge über wesentlich größere Mittel, um die eigene Software zu vermarkten, und sorge mit der Koppelung des Internet Explorers an Windows quasi für eine Zwangsverbreitung der Software. Bei Java, so die Kritik, habe Microsoft nachweislich den Anteil inkompatibler Programmkomponenten immer weiter erhöht und Entwickler so gezwungen, Windows-gebundene Software zu schreiben.

Zwar wurde Microsofts für diese Vorgänge letztlich abgemahnt, für Netscape kam das Verfahren aber zu spät: Es wurde zusammen mit seinem Navigator im gleichen Jahr von AOL geschluckt.

1998 kommt Windows 98 in 40 Ländern der Welt in den Handel. Das neue Betriebssystem basiert als letztes auf MS-DOS und ist für Endverbraucher gedacht. Microsofts Produkte haben weltweit Auswirkungen: Internet-Cafés boomen, und der PC ist aus dem Privat- und Berufsleben nicht mehr wegzudenken. Bill Gates macht Steve Ballmer zum President des Unternehmens.

1999 werden mit Niederlassungen in Lettland, Bulgarien, Tunesien, Bolivien und Jamaika allmählich die Länder knapp, in denen Microsoft noch nicht zu Hause ist. Der Softwarekonzern eröffnet außerdem den ersten eigenen Online-Store und beginnt mit dem Vertrieb von Office 2000. MSN Mobile erlaubt es erstmalig, auf Pagern und Handys Nachrichten mobil aus dem Internet abzurufen. Der Jahresumsatz liegt jetzt bei knapp 20 Milliarden Dollar.

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