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Smart Grids: Die Gefahr aus dem Stromnetz

10.06.2011 | 14:00 Uhr |

Es ist ein häufiges Missverständnis, dass nur offene Netzwerke, wie beispielsweise WLAN-Netzwerke für Besucher eines Unternehmens, warnt Justin Morehouse, der Principal Consultant bei Stratum Security . Morehouse sagt, dass es tatsächlich gar nicht so schwer sei einen Angriffspunkt in einem sogenannten geschlossenen System zu finden.

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Deswegen ist es sehr wichtig, Netzwerke daraufhin zu testen, wie leicht man in sie eindringen kann. Der Stuxnet-Wurm hat letztes Jahr beispielsweise zehntausende-Windows Rechner in Siemens SCADA-Systemen infiziert. Betroffen waren Produktions- und Energieversorgungs-Unternehmen, die vor allem in Iran standen. Dieser Wurm hat sich hauptsächlich über infizierte USB-Speicher verbreitet. Es gibt aber auch ein paar Atomkraftwerke und Stromnetzwerke, die kabellose Netzwerke für die Angestellten installiert haben.

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Laut Morehouse können sogenannte Smart Grids ein neuer Angriffspunkt sein. Smart Grids sind intelligente Stromnetze, die elektronische Überwachungsgeräte verwenden, um die Stromerzeugung nach den aktuellen Bedürfnissen anzupassen und zu steuern. Energieversorgungsunternehmen in der ganzen Welt haben mit den Tests begonnen und erweitern die Einsatzgebiete der Smart Grids. Es werden bereits die ersten Smart Grid-Gräte in Privathaushalten und Unternehmen eingesetzt und getestet. Die Technik, die darauf beruht, dass Daten zu einer Zentrale gesendet und von dieser empfangen werden können, kann auch für die IT-Abteilung hilfreich sein: Sie können eine Konsole öffnen, um beispielsweise den Stromverbrauch in einem Bereich des Gebäudes zu überprüfen.

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Aber Smart Grids könnten für Angriffe anfällig sein und dies hätte zur Folge, dass die Hacker zum Beispiel die Stromzufuhr zu Häusern und Unternehmen kappen könnten. Selbstverständlich wären auch andere zerstörerische Folgen denkbar. Eine mögliche Schwachstelle der Smart Grids könnte die Kommunikationsinfrastrukur sein. Morehouse weist daraufhin, dass der deutsche Energieversorger Yellow Strom ein Smart Grid System bei Kunden verwendet, das das beim Kunden installierte Netzwerk zur Datenweitergabe verwendet. Die Sensoren senden einen Bericht über den Energieverbrauch in dem Haus zu den zentralen Servern über die Wi-Fi-Verbindung des Hausbesitzers.

Deswegen, sagt Morehouse, sei es für die Endnutzer möglich, sich in das eigene Netzwerk einzuloggen und Zugriff auf die Schaltstation zu erhalten, die für die Stromverteilung zuständig ist. „Es ist häufig der Fall, dass diese Art von Netzwerken nicht gut aufgeteilt oder geschützt sind", sagt er. „Wenn ein Hacker erst einmal Zugriff erhalten hat, wird er zunächst als vertrauenswürdiger Nutzer behandelt und erhält Zugriff auf andere Bereiche. Liegt darin die Möglichkeit Schaltstation zu manipulieren oder gar die Stromzufuhr zu einer ganzen Stadt zu kappen? Ganz bestimmt. Die Hacker könnten eine Hintertür installieren, die es ihnen ermöglichen würde, dieses Stromnetz zu einer beliebigen Zeit auszuschalten."

Unternehmen in den USA verwenden in der Regel deren eigene, proprietäre kabelgebundenen oder kabellose Verbindungen zwischen den Sensoren. Aber dennoch befürchtet Morehouse, dass es Unternehmen geben kann, die Yellow Stroms Beispiel folgen und die bereits vorhandenen Heimnetzwerke nutzen, um beispielsweise Geld zu sparen.


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