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Linux Software (de-)installieren

12.06.2017 | 14:02 Uhr |

So kommen Sie an neue Software oder aktuellere Versionen: Die Software- oder Paketverwaltung, hier knapp beschrieben für das Debian/Ubuntu-basierte Deb-Format und das Apt-Tool, ist ein zentrales Linux-Merkmal.

Linux-Nutzer erhalten Software standardmäßig aus den Paketquellen (Repositories), welche die Linux-Distribution bereitstellt. Die Softwarepakete sind signiert und garantiert frei von Schadsoftware – ein unschätzbarer Vorteil gegenüber Windows. Ein weiterer großer Vorteil ist die Möglichkeit, ein komplettes System einschließlich Software mit einer einzigen Aktion zu aktualisieren.

Aber es gibt auch Nachteile: Für die Distributionshersteller bedeutet die Bereitstellung der Software erheblichen Aufwand, was sich sowohl beim Umfang wie bei der Aktualität der verfügbaren Software äußern kann. Debian/Ubuntu-Repositories sind zwar quantitativ optimal gefüllt, doch stagnieren hier oft die Programmversionen während des Lebenszyklus einer Distribution. Lediglich kritische Programme wie Browser oder Mailclients werden auch zwischendurch aktualisiert. So ist bei Langzeitversionen eine Software unter Umständen noch auf dem Stand vor fünf Jahren. Wer neuere Versionen einer Software benötigt, muss alternative Paketquellen einbinden.

Nicht zuletzt kämpft auch Linux mit Konflikten abweichender Systembibliotheken für unterschiedliche Softwareversionen („Abhängigkeiten“), die unter Windows als „DLL-Hell“ berüchtigt waren und noch heute nicht endgültig ausgeräumt sind.

Auch interessant: Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

Drei grafische Systemtools – oder ein Terminal

Zur Benutzerpraxis: Wir empfehlen auch Linux-Einsteigern das Terminal für den ganzen Komplex (De-)Installation, Softwareaktualisierung, Paketquellen. Die Begründung ist, dass diese Methode einfacher ist als die grafischen Werkzeuge und zweitens auf jedem Debian/Ubuntu/Mint-System gleichermaßen funktioniert.

Unter Ubuntu brauchen Sie drei grafische Werkzeuge für den Komplex der Paketverwaltung. Was ein Ubuntu-System als Softwarequellen nutzt, ist unter „Systemeinstellungen -> Anwendungen & Aktualisierungen“ einstellbar (unter der Haube in der Datei „/etc/apt/sources.list“). Aktives Aktualisieren findet aber nicht in diesem Tool statt, sondern in der „Aktualisierungsverwaltung“ (im Dash-Menü zu finden). Für Neuinstallationen oder Deinstallationen ist wiederum das Tool „Ubuntu Software“ zuständig (in älteren Versionen das „Software-Center“). Letzteres ist schick, bietet aber nur einen Bruchteil der etwa 40.000 Pakete der Ubuntu-Repositories.

Unter Mint ist es ähnlich: Unter „Systemeinstellungen -> Paketquellen“ sind die Softwarequellen einsehbar und erweiterbar, Aktualisierungen erledigt das Tool „Aktualisierungsverwaltung“ und neue Software holen Sie aus der „Anwendungsverwaltung“ (oder deinstallieren dort).

Erfahrenere Linux-Nutzer ziehen Befehle im Terminal vor, wo sich alles zentral an einem Ort erledigen lässt. Die wichtigsten Kommandos von apt, das auf Debian/Ubuntu/Mint für die Paketverwaltung zuständig ist, nennt der nebenstehende Kasten. Obwohl apt noch einiges mehr kann, decken die gezeigten Kommandos den Alltag weitestgehend ab. Alle diese Möglichkeiten sind natürlich auch grafisch zugänglich, aber letztlich umständlicher. Das komplette System plus installierte Software aktualisiert der schlichte Befehl sudo apt upgrade. Mit dem Kommando

sudo apt install vlc

ist eine Software, deren Paketnamen Sie kennen, sofort installiert (im Beispiel der VLC-Player). Wenn Sie einen Paketnamen nicht kennen, hilft apt-cache, das auch nach Beschreibungen suchen kann:

apt-cache search dateimanager

Für das Deinstallieren genügt ein

sudo apt remove vlc

oder radikal „purge“ (statt „remove“).

Achtung: Egal ob im Terminal oder in der grafischen Softwarezentrale – beim Entfernen von Software sollten Sie immer hellwach sein. Eventuell erscheint ein Hinweis „[…] müssen folgende Pakete ebenfalls entfernt werden“. Bei den danach angezeigten Paketen handelt es sich um abhängige Komponenten. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie die betroffene Software noch brauchen, sollten Sie den Vorgang stets abbrechen. Die gedankenlose Deinstallation eines kleinen Systemtools kann eine komplette Desktopoberfläche mit sich ziehen, wenn Sie die angezeigten Paketabhängigkeiten nicht ernstnehmen.

PPAs und weitere externe Softwarequellen

Die Standard-Paketquellen lassen sich durch externe ergänzen. Unentbehrlich wird das, wenn eine Software nur extern erhältlich ist, sinnvoll ist das auch dann, wenn Sie mit einer veralteten Version aus den Standardquellen nicht zufrieden sind. Für Ubuntu/Mint gibt es inoffizielle „Personal Package Archives“ (PPAs), die Sie in Ihr System einbinden:

sudo apt-add-repository ppa:libreoffice/libreoffice-5-2
sudo apt update
sudo apt install libreoffice

Der typische Dreischritt fügt ein Repository hinzu (hier das PPA von Libre Office 5.2), aktualisiert die Paketquellen und startet dann die Installation der Software (oder aktualisiert mit apt upgrade libreoffice auf die neueste Version). Auch dieser Vorgang funktioniert natürlich auch über mehrere Schritte in den grafischen Systemwerkzeugen. Hier kommt aber noch ein weiterer Grund hinzu, besser das Terminal zu benutzen: Die externen Paketquellen zeigen auf der Entwicklerseite bevorzugt die Terminalbefehle, die Sie einfach kopieren und übernehmen können.

PPAs sind vertrauenswürdige Quellen, die sich bei Canonical (Ubuntu) registrieren müssen und auf deren Servern gepflegt werden. Die Serverinfrastruktur nennt sich „Launchpad“ ( https://launchpad.net ).

Abseits von den Distributionspaketen und PPAs auf Launchpad gibt es auch noch DEB-(Debian)-Installationspakete zum direkten Download (prominent etwa der Google-Browser Chrome). Nach Download und Doppelklick eines solchen Pakets startet der grafische Paketmanager des Systems – etwa „Ubuntu Software“ – und bietet die Installation an. Solche Pakete sollten Sie nur aus absolut seriösen Quellen beziehen.

Interessante PPAs für Ubuntu und Mint

Programm

Beschreibung

Name für die Paketverwaltung  

PPA-Webseite auf https://launchpad.net*  

Clementine

Musikplayer  

ppa:me-davidsansome/clementine  

/~me-davidsansome/+archive/ubuntu/clementine  

Darktable

RAW-Bildbearbeitung

ppa:pmjdebruijn/darktable-release

/~pmjdebruijn/+archive/ubuntu/darktable-release

Gimp

Bildbearbeitung  

ppa:otto-kesselgulasch/gimp  

/~otto-kesselgulasch/+archive/ubuntu/gimp

Handbrake

Videokonverter

ppa:stebbins/handbrake-releases  

/~stebbins/+archive/ubuntu/handbrake-releases  

Inkscape

Vektorgrafik  

ppa:inkscape.dev/stable  

/~inkscape.dev/+archive/ubuntu/stable  

Kodi

Mediencenter  

ppa:team-xbmc/ppa  

/~team-xbmc/+archive/ubuntu/ppa  

Libre Office

Office-Suite  

ppa:libreoffice/libreoffice-5-2  

/~libreoffice/+archive/ubuntu/libreoffice-5-2

Systemback

Systemkopien  

ppa:nemh/systemback  

/~nemh/+archive/ubuntu/systemback

Veracrypt

Verschlüsselung

ppa:unit193/encryption

/~unit193/+archive/ubuntu/encryption

VLC

Medienplayer  

ppa:videolan/stable-daily

/~videolan/+archive/ubuntu/stable-daily  

Wine

Windows-API

ppa:ubuntu-wine/ppa

/~ubuntu-wine/+archive/ubuntu/ppa  

*Beispiel für eine vollständige Adresse: https://launchpad.net/~me-davidsansome/+archive/ubuntu/clementine

Apt: Die wichtigsten Befehle

apt (Advanced Package Tool) ist das Terminalwerkzeug unter Debian/Ubuntu/Mint für alle Aufgaben der Paketverwaltung – Softwarequellen, Softwareaktualisierung, Neuinstallation, Deinstallation. Alle apt-Befehle außerapt-cache search benötigen Administratorrechte (vorangestelltes „sudo“):

apt update Softwarepaketquellen aktualisieren (fundamental)

apt install [Paket] Programm installieren

apt remove [Paket] Programm deinstallieren

apt purge [Paket] Programm komplett löschen

apt autoremove nach Deinstallationen überflüssige gewordene Pakete löschen

apt upgrade [Paket] komplettes System [oder bestimmte Software] aktualisieren

apt full-upgrade komplette Aktualisierung des System (inklusive Löschen alter Pakete)

apt-add-repository [Quelle] zusätzliche Softwarepaketquelle definieren

apt-cache search [Name] sucht nach Paketnamen und Beschreibungen

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