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Manjaro mit Gnome für PCs & Notebooks

29.09.2017 | 10:40 Uhr |

Nicht zu Unrecht gilt Arch als Linux-System für Kenner. Erst in dieser Dekade erschließen jüngere Distributionen (Manjaro, Antergos) Arch für normale Desktop-nutzer. Unser Arch-Favorit ist das hier beschriebene Manjaro.

Ein Vorteil von Arch und seinen Abkömmlingen ist die Aktualität: Das Paketformat erlaubt es den Entwicklern, fertige Pakete ohne großen Aufwand aus dem Quellcode von Programmen zu erzeugen. Das ist wichtig beim Kernel, der permanent erweitert wird, um Treiber für neueste Hardware zu bieten. Auch bei Anwendungssoftware bringt Aktualität einen Pluspunkt. Manjaro, aktuell Version 17.0.1, öffnet Arch Linux für Einsteiger und Desktopanwender, indem es einen an Ubuntu angelehnten komfortablen Installer und grafische Verwaltungstools mitbringt. Das System ist wie Arch ein „Rolling Release“, das einmal installiert dauerhaft über den Paketmanager auf dem neuesten Stand gehalten werden kann.

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Freundliches Setup: Manjaro benutzt einen Installer, der deutlich an Ubuntu erinnert.
Vergrößern Freundliches Setup: Manjaro benutzt einen Installer, der deutlich an Ubuntu erinnert.

Voraussetzungen, Installation, Anpassung

Mit Gnome 3 ist Manjaro ein Schwergewicht, das einen modernen Rechner fordert. Mehr als ein GB RAM nimmt sich das System ab Anmeldung und es benötigt einen Intel-/AMD-/Nvidia-Grafikchip für Desktopeffekte. Die Gnome-Variante ist aber nur eine von drei offiziellen Editionen, die unter http://manjaro.org/get-manjaro zum Download bereitstehen. Manjaro gibt es hier außerdem mit XFCE und KDE und nicht weniger als weitere sieben Desktopeditionen werden als inoffizielle „Community Releases“ angeboten (Mate, Cinnamon, LXQT und mehr). Wer es deutlich sparsamer haben will, greift daher etwa zur XFCE-oder LXQT-Edition. Ein richtig schlankes System (etwa für ältere Rechner) wird Manjaro aber auch damit nicht.

Installation: Das Livesystem bietet am Desktop das Setup mit dem neuen Installationsprogramm Thus an, das Manjaro vom Arch-Mitstreiter Antergos übernommen hat. Offensichtliches Vorbild ist der Ubuntu-Installer. Auch der bei der Installation eingerichtete Erstbenutzer ist wie bei Ubuntu-Varianten gleich für die Verwendung von sudo vorkonfiguriert; eine Anmeldung als root ist nicht vorgesehen.

Software installieren: Paketsystem und Paketmanager auf der Kommandozeile sind von Arch übernommen. Manjaro hat aber zusätzlich das grafische Front-End Pamac-Manager an Bord (standardmäßig im Starterdock als „Software hinzufügen/entfernen“ oder im Hauptmenü unter „Systemwerkzeuge“). Dieses Tool ist zwar schmucklos, aber schnell und funktional. Im Suchfeld geben Sie einen Paketnamen wie „gimp“ oder einen Teilnamen wie „term“ ein und erhalten sofort die Ergebnisse, die Sie wahlweise alle oder einzeln installieren. Wenn Sie den Paketnamen nicht kennen, helfen auch Beschreibungen weiter: Die Eingabe „simulator flight“ wird etwa das Paket „flightgear“ zu Tage befördern. Die Beschreibung muss allerdings englischsprachig erfolgen.

Der zuverlässige Pamac-Manager sollte den Gang zum Terminaltool pacman weitgehend erübrigen.

Pacman ist zwar für langjährige Arch-Nutzer eine Effizienzperle, Neueinsteiger oder Umsteiger von Linux-Distributionen mit anderem Paketmanager kostet die Syntax von pacman aber erst einmal viel Einarbeitung. Mindestens an den Befehl

sudo pacman -Syu

sollte man sich aber gewöhnen, weil er umstandslos das komplette System einschließlich Software aktualisiert.

Optimierte Treiber: Die Möglichkeit, proprietäre Treiber zu installieren, finden Sie in den „Manjaro-Einstellungen“ (manjaro-settings-manager) unter „Hardware-Erkennung“. Das Applet erkennt, ob Herstellertreiber etwa für Grafikkarten oder WLAN-Adapter verfügbar sind. Zur Installation genügt dann ein Klick auf „Auto Install Proprietary Driver“.

Das gnome-tweak-tool zeigt für diese Gnome-Erweiterung minutiöse Einstellungsoptionen.
Vergrößern Das gnome-tweak-tool zeigt für diese Gnome-Erweiterung minutiöse Einstellungsoptionen.

Der Gnome-Desktop

Die typische moderne Gnome-3-Bedienung unterscheidet sich nicht von anderen Distributionen. Der „View“-Button oder wahlweise die aktive Ecke links oben löst eine Task-und Arbeitsflächenübersicht aus sowie ein Suchfeld für Programme. Ferner gibt es eine elegantes und funktionsreiches Menü und über das Apps-Icon im Starterdock eine großzügige Gesamtsicht aller Anwendungen. Wie bei Gnome üblich sind scheinbar zentrale Komponenten wie Startmenü und Dock nur Gnome-Erweiterungen, die Manjaro bereits dosiert, aber stimmig vorkonfiguriert anbietet.

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Für eigene Anpassungen ist das gnome-tweak-tool an Bord, mit dem Sie nicht nur Arbeitsflächen, Titelleisten, Themen einrichten, sondern auch die flexiblen Erweiterungen. Insbesondere Menü und Dock erlauben über diesen Weg minutiöse Vorgaben – inhaltlich, positionell und optisch. Zahlreiche zusätzliche Erweiterungen für die Systemleiste sind bereit installiert und müssen nur aktiviert werden. Weitere Gnome-Erweiterungen beziehen Sie im selben Dialog über den Link ganz unten aus dem Web.

Nicht ganz konsistent ist unter dem aktuellen Manjaro Gnome die Aufgabenteilung zwischen den allgemeinen „Systemeinstellungen“ (gnome-control-center) und den schon angesprochenen „Manjaro-Einstellungen“. Bis auf die Treibersuche und die Option „Kernel“ zur Installation aktueller Kernel-Versionen zeigt der manjaro-settings-manager eine redundante Teilmenge der „Systemeinstellungen“. Für typische Anpassungen von Bildschirm, Tastatur, Spracheinstellungen, Leistung, Benutzerkonten besuchen Sie daher besser die Gnome-Zentrale.

Manjaro 17.0

Systembasis:

Arch Linux

Einsatzzweck:

Desktop für PCs und Notebooks

Zielgruppe:

Einsteiger bis Fortgeschrittene

Hardwareansprüche:

hoch (mit Gnome-Desktop)

Projektseite:

http://manjaro.org

Merkmale:

einsteigertauglicher Arch-Ableger mit komfortablem Installer und funktionaler grafischer Softwarezentrale

Antergos 2016.11.20

Der Ubuntu-analoge Installer, den auch Manjaro nutzt, stammt aus dieser Distribution, und für Softwareinstallationen gibt es auch hier den grafischen Pamac-Manager.

Dennoch ist Antergos ( https://antergos.com ) ein gutes Stück näher am originalen Arch Linux: Es verzichtet auf grafische Werkzeuge zur Systemverwaltung und hat auch kein einfaches Tool an Bord, um Hersteller-Grafiktreiber zu installieren. Zur Auswahl stehen neben dem Gnome-Desktop auch Cinnamon, KDE, Mate, XFCE und Openbox.

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