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Grub: Versteckte Funktionen für Linux nutzen

01.12.2019 | 08:09 Uhr | Thorsten Eggeling

Grub 2 kann mehr, als sich auf den ersten Blick erahnen lässt. Über die Grub-Shell können Sie Linux auch bei Problemen starten. Oder Sie booten von der Festplatte über eine ISO-Datei ein Livesystem für Reparaturen.

Die Hauptaufgabe des Bootloaders Grub 2 besteht darin, den Linux-Kernel von der Festplatte zu starten. Grub kann auch das Kommando an andere Bootloader übergeben, etwa dem von Windows, und Systeme aus ISO-Dateien booten. Das ist beispielsweise für Diagnosetools oder Reparatursysteme nützlich. Für die Untersuchung der Bootumgebung bietet Grub eine eigene Shell, über die sich das System auch manuell starten lässt. Die Bedienung ist zwar wenig intuitiv, bei Startproblemen kann die Grub-Shell jedoch eine große Hilfe sein.

Relevant: Grub-Probleme und ihre Lösungen

Die Grub-Shell verwenden

Grub funktioniert in der Regel auch dann noch, wenn etwas falsch konfiguriert ist und Linux deswegen nicht startet. Zur Analyse der Grub-beziehungsweise Bootumgebung dient die Grub-Shell. Bei Fehlern landen Sie meist automatisch in der Shell. Wenn nicht, halten Sie nach dem Einschalten des PCs die Shift-Taste gedrückt. Danach sehen Sie das Grub-Menü und gelangen über die C-Taste in die Shell.

Die Bedienung der Grub-Shell erfolgt ähnlich wie in einem Terminalfenster der Bash-Shell unter Linux. Welche Befehle es gibt, lassen Sie sich über

pager=1
help

anzeigen, jeweils gefolgt von der Eingabetaste. Grub verwendet die US-amerikanische Tastaturbelegung. Wo Sie die Zeichen auf einer deutschen Tastatur finden, zeigt die Tabelle „Tastaturbelegung in der Grub-Shell“. „pager=1“ sorgt bei der langen Liste für die Ausgabe jeweils einer Bildschirmseite, mit der Leertaste blättern Sie weiter.

Sie benötigen nur wenige Befehle, um ein Linux-System zu starten. Mit

ls

lassen Sie sich die Partitionen anzeigen. Tippen Sie

ls (hd

ein und drücken Sie die Tab-Taste. Grub gibt dann als mögliche Geräte beispielsweise „hd0 hd1“ aus. Angenommen, Linux ist auf der ersten Partition der ersten Festplatte mit MBR-Partitionsstil installiert. Wenn Sie

ls (hd0,

eintippen und dann die Tab-Taste drücken, ergänzt Grub automatisch „ls (hd0, msdos1)“, wenn nur eine Partition vorhanden ist. Andernfalls sehen Sie Angaben zu den möglichen Partitionen, die Sie dann selbst ergänzen müssen. An das Ende der Zeile fügen Sie noch ein „/“ an, dann können Sie sich mit der Tab-Taste Ordner und Dateien anzeigen lassen. Den Inhalt eines Ordners ermitteln Sie etwa mit

ls (hd0,msdos1)/boot/

gefolgt von der Tab-Taste. Hier liegen der Linux-Kernel und die dazugehörige Ramdisk. Mit den folgenden vier Zeilen lässt sich ein Linux-System starten:

set root=(hd0,msdos1)
linux /boot/vmlinuz-4.15.0-29- generic root=/dev/sd[XY] ro
initrd /boot/initrd.img-4.15.0-29 generic
boot

Die Namen der Dateien passen Sie für Ihr System an, „/dev/sd[XY]“ ersetzen Sie durch den Gerätepfad der Linux-Installation. Bei „hd0,msdos1“ ist das „/dev/sda1“, bei „hd1,msdos1“ verwenden Sie „/dev/sdb1“ und so weiter. Sollte das System im Uefi-Modus installiert sein, lautet die Bezeichnung der Partition beispielsweise „hd0,gpt2“, was im Dateisystem „/dev/sda2“ entspricht.

Wurde Linux erfolgreich gestartet, lässt sich Grub über diese beiden Befehlszeilen im Terminal neu installieren:

sudo grub-install /dev/sd[X]
sudo update-grub

„/dev/sd[X]“ ersetzen Sie durch den Laufwerkspfad der Festplatte, auf der das System installiert ist. Bei einem Uefi-System genügt „update-grub“.

Linux-Live: Die besten Rettungssyteme im Überblick

Grub individuell anpassen

Mit dem Tool Grub-Customizer lässt sich unter anderem die Reihenfolge der Einträge im Bootmenü sowie der Standardeintrag festlegen. Außerdem können Sie Schriftart, Farben und ein Hintergrundbild einstellen. Das Tool speichert Anpassungen in der Datei „/etc/default/grub“ sowie zusätzlichen Scripts in „/etc/grub.d“, die bei einem Update nicht angetastet werden. Die Standard-Scripts in „/etc/grub.d“ sollten Sie nicht selbst bearbeiten, weil Änderungen bei einem Grub-oder Kernel-Update verlorengehen können.

Zur Installation des Grub-Customizers führen Sie die folgenden drei Zeilen in einem Terminal aus:

sudo add-apt-repository ppa:danielrichter2007/grubcustomizer
sudo apt update
sudo apt install grub-customizer

Nach dem Start zeigt Grub-Customizer drei Registerkarten. Unter „Bootmenü-Konfiguration“ bearbeiten Sie die Einträge des Bootmenüs. Über die Pfeil-Schaltflächen ändern Sie die Reihenfolge und über das Kontextmenü können Sie Einträge umbenennen, bearbeiten oder löschen. Auf der Registerkarte „Allgemeine Einstellungen“ legen Sie beispielsweise den Standard-Booteintrag und die Zeit bis zum automatischen Start fest. Unter „Darstellung“ bestimmen Sie Schriftart, Farben und das Hintergrundbild. Wichtig: Das Hintergrundbild muss eine PNG-Datei sein und exakt die Größe haben, wie sie bei „Auflösung festlegen“ angegeben ist.

Wenn Sie eine Schriftart auswählen, weist Grub-Customizer auf Probleme hin, die bei der Kombination von zu großer Schrift und kleiner Bildschirmauflösung entstehen können. Im schlimmsten Fall wird das Grub-Menü nicht mehr angezeigt, jedoch startet das System meist trotzdem. Wie sich das Problem beheben lässt, ist im Infofenster beschrieben.

ISO-Dateien mit Grub booten

Live-DVDs einbauen: Über Grub lassen sich Systeme aus ISO-Dateien von der Festplatte booten.
Vergrößern Live-DVDs einbauen: Über Grub lassen sich Systeme aus ISO-Dateien von der Festplatte booten.

Grub-Customizer kann ISO-Dateien in das Grub-Menü einbinden und die darin enthaltenen Livesysteme direkt von der Festplatte booten. Das funktioniert ohne größere Anpassungen mit Distributionen, die auf Ubuntu basieren, beispielsweise Xubuntu, Lubuntu und Linux Mint. Das System aus der ISO-Datei ist schreibgeschützt und lässt sich etwa als Surfsystem oder für Reparaturen nutzen.

Gehen Sie im Grub-Customizer auf die Registerkarte „Bootmenü-Konfiguration“ und dann auf „Bearbeiten –› Neu“. Wählen Sie hinter „Typ“ den Eintrag „Linux-ISO“. Hinter „Name“ tragen Sie die Bezeichnung des Systems ein; bei „ISO-Abbild“ wählen Sie die gewünschte ISO-Datei aus. Für Ubuntu Mate 18.04.2 beispielsweise, dessen ISO-Datei Sie auf der LinuxWelt-DVD finden, tragen Sie hinter „Initiale RAMdisk“ die Zeile „/casper/initrd“ ein. Die anderen Felder bleiben unverändert. Der Pfad zur Ramdisk lautet bei den meisten Ubuntu-basierenden Systemen „/casper/initrd“. Linux Mint verwendet „/casper/initrd.lz“. Klicken Sie auf „Speichern“ und starten Sie Linux neu. Über das Bootmenü lässt sich jetzt das Livesystem Ubuntu Mate startet.

Es gibt zahlreiche Optionen, über die sich der Start eines Livesystems beeinflussen lässt, beispielsweise die Sprache der Oberfläche oder die Tastaturbelegung. Welche Einträge dazu nötig sind, ist bei jeder Distribution anders.

Zeichen

auf deutscher Tastatur

=

umschalt-` (links neben der rücktaste)

-

(Bindestrich/Minus) Taste ß

/ (Slash)

Taste – (neben Umschalt rechts)

\

(Backslash) und | (Pipe) # und Umschalt-#

:

(Doppelpunkt) Umschalt -ö

_

(Unterstrich) Umschalt -ß

" und ' (Anführungszeichen)

Umschalt -Ä und ä

z

y und Y (Großbuchstabe mit Umschalt)

y

z und Z (Großbuchstabe mit Umschalt)

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