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Google: So verhindern Sie ungewollte Standort-Verfolgung

19.01.2022 | 13:01 Uhr | Roland Freist

Android-Smartphones versuchen mit allen Mitteln, Ihren aktuellen Aufenthaltsort zu erfassen. Mit den gesammelten Daten legt Google Bewegungsprofile an, und Apps nutzen sie zum Einblenden lokaler Werbung. Das lässt sich verhindern.

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie im Urlaub in Italien auf Ihrem Smartphone plötzlich italienische Werbung angezeigt bekommen. Das Gleiche in anderen Ländern: Sobald Sie die Grenze passiert haben, erscheinen Banner, die auf lokale Produkte, Dienstleistungen und Firmen hinweisen. Und das, obwohl Sie die Standortbestimmung auf dem Telefon ausgeschaltet haben.

Das hat zum einen etwas mit der Art und Weise zu tun, wie Android Ihren aktuellen Standort bestimmt. Zum anderen aber auch damit, dass Google den Benutzer bewusst im Unklaren lässt, was das Deaktivieren der Android-Funktion „Standort verwenden“ tatsächlich bewirkt.

Denn für Google ist es sehr wichtig zu wissen, wo sich ein Smartphone-Benutzer gerade aufhält. Zum einen wird diese Information von zahlreichen Apps benötigt, von Navigationsdiensten über Reiseführer und Services, die auf nahe gelegene Restaurants, Sehenswürdigkeiten oder Ähnliches hinweisen, bis hin zu Führern für den öffentlichen Nahverkehr und Corona-Apps. Gleichzeitig erhöht die Firma damit ihre Werbeeinnahmen, denn standortbezogene Anzeigen für Restaurants, Hotels, Geschäfte etc. sind deutlich teurer, da die Firmen damit Streuverluste vermeiden. Aber auch die App-Entwickler verdienen mehr, wenn in ihren Programmen Banner mit standortbezogener Werbung auftauchen.

Tipp: Diese Seite verrät, was Google über Sie weiß - so löschen Sie die Daten

So ermittelt Google den Standort Ihres Geräts

Sie finden in den „Einstellungen“ Ihres Android- Smartphones zwar die Funktion „Standort verwenden“. Was ein Deaktivieren jedoch genau bewirkt, ist vielen Anwendern nicht bewusst.
Vergrößern Sie finden in den „Einstellungen“ Ihres Android- Smartphones zwar die Funktion „Standort verwenden“. Was ein Deaktivieren jedoch genau bewirkt, ist vielen Anwendern nicht bewusst.

Um den aktuellen Aufenthaltsort zu finden, benutzt ein Smartphone gleich mehrere Datenquellen. Zum einen wertet es die SSIDs der umliegenden WLAN-Netze aus. Das funktioniert nur, wenn der WLAN-Empfang auf dem Handy aktiviert ist. Zum zweiten sucht es nach Bluetooth-Signalen, allerdings ebenfalls mit der Einschränkung, dass Bluetooth dazu eingeschaltet sein muss. Des Weiteren ermittelt es den Standort der aktuell verbundenen Mobilfunkantenne. Google gibt an, dass es bereits seit einigen Jahren jeder Mobilfunkzelle eine eigene ID zuweist und in einer Datenbank speichert. Insbesondere außerhalb der großen Städte, wo eine Mobilfunkstation nur vergleichsweise wenige Smartphones versorgen muss, sind diese Zellen jedoch oft sehr groß. Diese Standort-Informationen sind daher ungenau.

Bleibt als wichtigste Informationsquelle das GPS-Modul des Telefons. Es greift nicht nur auf die Signale der amerikanischen GPS-Satelliten zu, sondern auch auf das russische Glonass-System. Ist die Signalstärke dieser Dienste nicht ausreichend für eine Positionsbestimmung, suchen moderne Smartphones darüber hinaus nach den Signalen der europäischen Galileo- und der chinesischen Beidou-Satelliten.

Abschalten der Standortbestimmung genügt nicht

Die amerikanische Nachrichtenagentur AP veröffentlichte 2018 einen Bericht, der auf die Sammlung von Standortdaten durch Android auch bei ausgeschaltetem Standortverlauf hinwies.
Vergrößern Die amerikanische Nachrichtenagentur AP veröffentlichte 2018 einen Bericht, der auf die Sammlung von Standortdaten durch Android auch bei ausgeschaltetem Standortverlauf hinwies.

Bereits im August 2018 recherchierte die amerikanische Nachrichtenagentur AP, dass Google trotz ausgeschaltetem Standortverlauf die Bewegungsdaten des Benutzers sammelt. Sobald er sich per Mobilfunk oder WLAN mit dem Internet verbindet, wird zum Beispiel automatisch der lokale Wetterbericht aktualisiert. Die zuständige App verwendet dazu die Kennung der verbundenen Mobilfunkstation sowie die Bezeichnungen der umliegenden WLAN- und Bluetooth-Netze. Auch beim Öffnen von Google Maps oder beim Start einer Suchanfrage fragt Android den Standort ab. Sogar Besitzer eines Apple iPhones bleiben von Googles Sammelleidenschaft nicht verschont: Sobald sie eine App wie Google Maps öffnen, erfasst diese automatisch den aktuellen Standort. Falls der iPhone-Besitzer ein Google- Konto besitzt, trägt das Programm die Daten in seine Zeitachse ein und speichert sie.

Selbst die NSA muss ihren Agenten helfen

Die NSA weist in einem Dokument darauf hin, dass sich das GPS-Modul des Smartphones in Android nicht ausschalten lässt. Lediglich der Zugriff auf die Daten wird begrenzt.
Vergrößern Die NSA weist in einem Dokument darauf hin, dass sich das GPS-Modul des Smartphones in Android nicht ausschalten lässt. Lediglich der Zugriff auf die Daten wird begrenzt.

Im August 2020 kamen weitere Details zur Erfassung von Bewegungsprofilen durch Google ans Licht. Damals publizierte der amerikanische Geheimdienst NSA ein dreiseitiges Whitepaper mit Hinweisen, wie Smartphones heute Standortdaten sammeln und wie sich das verhindern lässt, wenn man in geheimer Mission unterwegs ist. Sie können das Dokument hier  herunterladen. Die NSA weist darauf hin, dass das Deaktivieren der Funktion „Standort verwenden“ in den Android-Einstellungen unter „Standort“ nicht die GPS-Funktion ausschaltet, wie viele Benutzer annehmen. Das GPS sei stattdessen ständig aktiv, lediglich der Zugriff von Apps auf die Daten werde eingeschränkt.

Die Funktion Standortverlauf deaktivieren

Das Erfassen des Standorts lässt sich in Android lediglich „pausieren“. Google erklärt zudem in englischer Sprache, dass das Smartphone trotzdem nach dem aktuellen Aufenthaltsort sucht.
Vergrößern Das Erfassen des Standorts lässt sich in Android lediglich „pausieren“. Google erklärt zudem in englischer Sprache, dass das Smartphone trotzdem nach dem aktuellen Aufenthaltsort sucht.

Ähnlich sieht es bei der Speicherung des Standortverlaufs aus. Sie erreichen diese Option in den „Einstellungen“ über „Standort –› Er- weitert –› Google-Standortverlauf“. In der Voreinstellung steht sie auf „An“. Wenn Sie den Schalter antippen, um die Funktion zu deaktivieren, verbindet Android Sie mit Ihrem Google-Konto. Dort finden Sie einen weiteren Schalter für den Standortverlauf. Sobald Sie ihn auf die Aus-Stellung schieben, erscheint eine Infoseite, in der Sie ganz nach unten scrollen müssen, um die Funktion schließlich „Pausieren“ zu können. Anschließend taucht ein Fenster auf, in dem Sie „Alle Aktivitäten löschen“ können. Die Erfassung des Aufenthaltsorts über die Mobilfunkzelle und die umliegenden WLANs geht jedoch dennoch weiter.

Die Standortdaten einsehen und löschen

Auf der in Ihrem Google-Konto gespeicherten Zeitachse können Sie ablesen, wann Sie wo gewesen sind. Das funktioniert auch bei abgeschaltetem Standortverlauf.
Vergrößern Auf der in Ihrem Google-Konto gespeicherten Zeitachse können Sie ablesen, wann Sie wo gewesen sind. Das funktioniert auch bei abgeschaltetem Standortverlauf.

Am einfachsten rufen Sie die gespeicherten Standortdaten über Google Maps auf. Öffnen Sie den Kartendienst nicht in Ihrem Browser, sondern als App auf Ihrem Smartphone. Tippen Sie oben rechts auf Ihr Profilbild und im folgenden Fenster auf „Meine Zeitachse“. Hier

können Sie nach Antippen von „Heute“ einen Kalender öffnen und sich dort für jeden Tag ansehen, wo Sie gewesen sind. Alternativ dazu rufen Sie in Ihrem Browser https://accounts.google.com auf, melden sich bei Ihrem Google-Konto an, klicken im Menü auf „Daten und Datenschutz“, scrollen nach unten zu „Aktivitäten und besuchte Orte“ und klicken auf „Google Maps-Zeitachse“.

Um die Daten zu löschen, tippen oder klicken Sie auf „Standortverlauf –› Aktivitäten verwalten“. Tippen Sie bei der Anzeige der Zeitachse rechts oben auf die drei Punkte, gehen Sie im Menü auf „Einstellungen und Datenschutz“ und tippen Sie auf dem nächsten Bildschirm auf „Gesamten Standortverlauf löschen“. Wenn Sie sich die Zeitachse auf dem PC im Browser ansehen, klicken Sie rechts unten auf das Zahnradsymbol und gehen im Pop-up-Menü auf „Gesamten Standortverlauf löschen“.

Android-Privatsphäre : Was Google über Sie weiß

Standort-Erkennung und -Verfolgung unterbinden

Um das Sammeln von Standortdaten zu verhindern, können Sie ein wenig an den Android-Einstellungen drehen. Zum einen sollten Sie

„Standort verwenden“ ausschalten, auch wenn das nur einen eingeschränkten Schutz bietet. Falls Sie Apps benutzen, die auf Positions- angaben angewiesen sind, können Sie ihnen das als Ausnahme über „Standortzugriff von Apps“ erlauben. „WLAN- und Bluetooth-Suche“ sollten abgeschaltet bleiben, damit im Hintergrund keine Suche nach Funknetzen stattfindet. Nach Antippen von „Erweitert“ sollten Sie die „Standortfreigabe“, die „Standortgenauigkeit“, den „Standortverlauf“ und den „Notfall-Standortdienst“ auf „Aus“ stellen.

Um das Speichern des Standortverlaufs zu verhindern, ist das jedoch noch nicht ausreichend. Dazu rufen Sie wie zuvor beschrieben über Google Maps die „Zeitachse“ auf und tippen rechts oben auf die drei Punkte. Gehen Sie auf „Einstellungen und Datenschutz“, scrollen Sie nach unten und deaktivieren Sie den „Standortverlauf“. Über „Gesamten Standortverlauf löschen“ entfernen Sie die bereits gespeicherten Daten. Über „Standortverlauf automatisch löschen“ erreichen Sie eine Einstellung, mit der Sie Google anweisen können, ältere Standortdaten selbsttätig zu löschen. Um schließlich auch die Standort-Erfassung durch die Google-Apps zu stoppen, tippen Sie auf „Web- und App-Aktivitäten sind aktiviert“ und stellen auf der folgenden Seite den Schalter auf „Aus“. An gleicher Stelle können Sie weiter unten die Web- und App-Aktivitäten nach einer bestimmten Zeit auch automatisch löschen lassen.

Die Erfassung Ihres Standorts hat auch Vorteile

Wenn Sie die entsprechenden Funktionen deaktivieren, liefert die Google-Suche keine personalisierten, standortbasierten Ergebnisse mehr. Auch gibt es keine auf Ihren Aufenthaltsort zugeschnittenen Ergebnisse etwa bei Apps für den öffentlichen Nahverkehr, bei Benzinpreis-Vergleichsportalen oder auch bei Kartendiensten aller Art, wozu zum Beispiel auch Wanderführer gehören.

Die NSA gibt noch eine Reihe weiterer Tipps: Sie empfiehlt, WLAN und Bluetooth zu deaktivieren und möglichst den Flugmodus zu verwenden. Außerdem sollten Sie über „Einstellungen –› Datenschutz –› Erweitert –› Anzeigen“ Ihre Werbe-ID zurücksetzen und durch eine Zufallszahl ersetzen. An gleicher Stelle können Sie „Personalisierte Werbung deaktivieren“. Weiterhin sollten Sie über „Einstellungen –› Sicherheit –› Apps zur Geräteverwaltung“ die Funktion „Mein Gerät finden“ ausschalten. Achten Sie schließlich darauf, dass Sie keine Fotos in der Cloud speichern, da die Bilddateien häufig GPS-Informationen enthalten. „Google verrät nicht, was die Android-Funktion ‚Standort verwenden‘ tatsächlich bedeutet.“

Erfassen der eigenen WLAN-SSID verhindern

Neben Google bietet auch Mozilla für Entwickler einen offenen Location Service an, bei dem sie über eine Programmierschnittstelle auf die Standortinformationen von WLAN-Netzen zugreifen können.
Vergrößern Neben Google bietet auch Mozilla für Entwickler einen offenen Location Service an, bei dem sie über eine Programmierschnittstelle auf die Standortinformationen von WLAN-Netzen zugreifen können.

Um den aktuellen Standort eines Smartphone-Users zu ermitteln, erfasst Google unter anderem die SSIDs der WLAN-Netze in der Nähe und gleicht diese Daten mit den Google Location Services ab, einer per Internet erreichbaren Datenbank. Entwickler können über eine freie API (Application Programming Interface, Programmierschnittstelle) auf diese Daten zugreifen und sie für ihre Apps verwenden. Aber auch Mozilla, der Entwickler des Firefox-Browsers, bietet mit dem Mozilla Location Service einen entsprechenden Dienst an.

Falls Sie nicht wollen, dass Ihr WLAN für die Standortbestimmung erfasst wird, hängen Sie ein „_nomap“ an die SSID an. Heißt Ihr Funknetz also beispielsweise „Peters_WLAN“ machen Sie daraus „Peters_WLAN_nomap“. Damit verhindern Sie die Aufnahme in die Location Services sowohl von Google wie auch von Mozilla.

Falschen Standort angeben

Mit Tools wie Fake GPS Location Professional können Sie Android und den installierten Apps einen falschen Standort vorgaukeln. Möglich machen das die Entwickleroptionen des Betriebssystems.
Vergrößern Mit Tools wie Fake GPS Location Professional können Sie Android und den installierten Apps einen falschen Standort vorgaukeln. Möglich machen das die Entwickleroptionen des Betriebssystems.

Anstatt die Standortverfolgung auf Ihrem Smartphone zu deaktivieren, können Sie den installierten Apps auch falsche Standortdaten geben. Möglich macht das eine Reihe von Fake-GPS-Apps aus dem Play Store.

Wir zeigen Ihnen das Vorgehen am Beispiel von Fake GPS Location Professional . Tippen Sie nach der Installation in den „Einstellungen“ Ihres Handys auf „System –› Erweitert –› Entwickleroptionen“. Scrollen Sie nach unten, tippen Sie auf „App für simulierte Standorte auswählen“, und wählen Sie „Fake GPS Location Professional“ aus.

Rufen Sie die App nun auf und geben Sie entweder oben im Suchfeld eine Adresse ein oder wählen Sie einen Punkt auf der Karte aus. Nach Antippen des roten Play-Buttons rechts unten ist das Ihr neuer Standort. Zum Überprüfen Rufen Sie eine App mit Standort- abfrage wie etwa Google Maps auf. Zum Deaktivieren von Fake GPS Location Professional starten Sie das Programm erneut und tippen rechts unten auf den Pause-Button.

FritzApp WLAN ohne Standortabfrage

AVM bietet die Fritzapp WLAN in einer leicht reduzierten Basic-Variante an, die noch nicht nach einer Berechtigung zum Ermitteln des Standorts und zum Einschalten des Standortverlaufs verlangt.
Vergrößern AVM bietet die Fritzapp WLAN in einer leicht reduzierten Basic-Variante an, die noch nicht nach einer Berechtigung zum Ermitteln des Standorts und zum Einschalten des Standortverlaufs verlangt.

Die Fritzapp WLAN ist eine beliebte Software, um Informationen über das eigenen WLAN, die verbundenen Geräte sowie die Funknetze in der Nähe zu gewinnen. Im Play Store liegt das Programm in zwei Versionen vor, einer normalen sowie einer in der Funktionalität leicht eingeschränkten Basic-Version. Als Grund gibt AVM die seit August 2018 geltenden technischen Richtlinien von Android an: Apps, die den Status des WLAN untersuchen, müssen seither eine Berechtigung zum Ermitteln des Standorts anfordern. Außerdem muss die Funktion „Standort verwenden“ auf dem Android-Gerät eingeschaltet sein. Diese Richtlinien sind gültig für alle neuen Apps sowie auch für Updates bestehender Programme.

Die Basic-Variante von Fritzapp WLAN ist auf dem Stand vom Juli 2018 und wurde seither nicht mehr weiterentwickelt. Die genannten Richtlinien sind daher für sie nicht gültig. Die App kann also auch ohne aktivierte Standortabfrage und -berechtigungen genutzt werden.

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