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Gestenbasierte Fernsteuerung, Abschied von Kabelsalat und DRM

02.12.2008 | 12:55 Uhr |

Die gestenbasierte Fernsteuerung

Gestenbasierte Technik auf dem Stand von M-Net auf der Systems 2008.
Vergrößern Gestenbasierte Technik auf dem Stand von M-Net auf der Systems 2008.
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Wir lieben unsere Computermaus wirklich sehr. Manchmal kommt sie aber an ihre Grenzen: Wenn wir zum DVD schauen auf der Couch sitzen oder auf einem entfernt stehenden PC MP3s abspielen, können wir mit der Maus nicht gleichzeitig alles mögliche anklicken oder einen Hockey-Puck aufnehmen. Alle Versuche, die altehrwürdige Maus durch Spracherkennung oder Gedankensteuerung zu ersetzen, sind bisher ausnahmslos gescheitert. Aber eine Alternative steht gerade in den Startlöchern

M-Net präsentierte auf der Systems 2008 ein gestenbasiertes Bowling-Spiel.
Vergrößern M-Net präsentierte auf der Systems 2008 ein gestenbasiertes Bowling-Spiel.
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Die Technologie: Verglichen mit der Komplexität der Spracherkennung ist die Gestenerkennung eine recht simple Idee, die gerade ihren Weg in die Consumer-Elektronik findet. Die Idee besteht darin, eine Kamera – analog zur Webcam eines Notebooks - auf den Anwender zu richten, damit sie auf die Hand- und Armbewegung der Person reagieren kann. Die Fernsteuerung flach zu halten würde beispielsweise das Abspielen eines Films oder eines Songs stoppen. Und wenn Sie Ihre Faust in der Luft bewegen, könnte dies das Zeigesystem in Bewegung setzen: Bewegen Sie die Faust nach rechts, folgt der Mauszeiger nach rechts und so weiter.

RealDVD - der Totengräber für DRM?
Vergrößern RealDVD - der Totengräber für DRM?
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Der Zeitplan: Gestenbasierte Fernsteuerungen kommen gerade auf den Markt. Toshiba, ein Pionier dieser Technologie, hat zumindestens ein Produkt am Markt, das eine frühe Version dieser Technologie unterstützt: Das Qosimo G55 Notebook kann Gesten für die Multimediasteuerung erkennen. Das Unternehmen experimentiert gerade mit einer Version dieser Technologie für Fernsehgeräte, die die Handsignale mithilfe einer kleinen Kamera auf dem Fernsehgerät aufnimmt. Die Genauigkeit dieser Systeme benötigt allerdings noch einiges an Entwicklung.

Gestensteuerung ist zwar eine nette Möglichkeit, die DVD-Wiedergabe auf Ihrem Notebook anzuhalten, aber von den Ansprüchen der breiten Masse an Nutzern ist die Technologie noch weit entfernt. Zumindestens würde die Technologie bei den Nutzern auf großes Interesse stoßen, die ständig nach ihrer Fernbedienung suchen. Wir können davon ausgehen, dass die Entwicklung der Gestensteuerung in den nächsten Jahren in großen Schritten vorankommen wird – mit der endgültigen Marktreife rund um das Jahr 2012.

Radikale Vereinfachung im Wohnzimmer

Die Rückseite der meisten Unterhaltungselektronik-Nischen sehen aus wie ein Durcheinander von Schlangen, von dem sich selbst Medusa abwenden würde. Auch die Schüssel mit den ganzen Fernbedienungen auf Ihrem Couchtisch begeistert niemanden. Die Tru2way-Plattform könnte die Dinge ein für alle Mal vereinfachen.

Die Fakten: Die Cablecard-Technologie versprach, die häusliche A/V-Installation zu vereinfachen, verschwand aber trotz großem Hype wieder in der Versenkung. Cablecard hat in vielen Bereichen zuviel versprochen und seine Aufgaben nicht zufriedenstellend erledigt. Lernen Sie Tru2way kennen.

Tru2way ist ein Paket aus Services und Technologien, die einige Features von Cablecard in weiterentwickelter Form wieder aufnehmen und seine Fehler ausgleichen. Dies beinhaltet eine Unterstützung für interaktives Fernsehen wie Programmführer und Pay-per-View, mit der Cablecard nicht aufwarten konnte und es bietet eine bessere Stabilität, Kompatibilität sowie auf Anhieb eine Unterstützung für 2-Kanal-Receiver. Wenn Sie einen Tru2way-fähigen Fernseher besitzen, brauchen Sie nur noch ein einziges Kabel anzuschließen, um auf eine große Bandbreite an TV-Kabeldiensten zugreifen zu können, einschließlich lokaler Branchensuchdienste, Newsfeeds, Online-Shopping und Spiele. Und das alles ohne zusätzliche Settop-Box, zusätzliche Fernbedienung und ohne dass der Besuch eines Technikers von Ihrem Kabel-TV-Anbieter notwendig wird.

Der Zeitplan: In den USA wurden Tru2way-Sets schon das ganze Jahr 2008 über vorgestellt und Chicago und Denver werden die ersten Städte sein, in denen die Technologie eingeführt wird. Kann Tru2way ein großer Wurf werden? In den USA haben die meisten TV-Kabelanbieter einer Implementierung zugestimmt, ebenso die wichtigsten Gerätehersteller einschließlich LG, Panasonic, Samsung und Sony. Panasonic hat zwei Tru2way-TVs im Oktober ausgeliefert und Samsung könnte in der ersten Jahreshälfte 2009 Geräte anbieten, die die Technologie enthalten.

Ende der Vorstellung für DRM

Gestenbasierte Fernsteuerung
Vergrößern Gestenbasierte Fernsteuerung
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Aufgrund der Filmpiraterie war Hollywood lange Zeit vor Schreck wie gelähmt und hat lange auf technische Systeme vertraut, die die Werke der Filmindustrie davor bewahren sollten, in Tauschbörsen zu kursieren. Das hat nicht funktioniert. Es gibt genügend Tools, mit denen man DRM bei allen aktuellen Dateiformaten umgehen kann. Spielfilme tauchen oft noch vor ihrer Kinopremiere bei Bittorrent auf. Unglücklicherweise ist DRM nicht so sehr eine Abschreckung vor der Piraterie, sondern gerade für rechtschaffene Bürger ein Ärgernis, weil sie dank DRM keine Möglichkeit haben, ihre legal erworbenen Datenträger auf mehr als nur einem Gerät abzuspielen.

Die Fakten: DRM hat endgültig ausgedient. Der Abschied von DRM bedeutet, dass es keine Richtlinien mehr dafür gibt, wie man Audio und Video von einem Datenformat in ein anderes konvertieren und von einem Datenträger auf einen anderen kopieren darf. Die leidenschaftlichsten DRM-Kritiker träumen von dem Tag, an dem man einfach eine DVD in den Computer einlegen kann und sofort eine komprimierte Video-Datei erhält, die man auf jedem beliebigen Gerät abspielen kann. Noch besser wäre: Man würde diese DVD gar nicht erst benötigen. Man würde einfach ein paar Euro bezahlen für eine Datei des Films zum Download, verbunden mit der Berechtigung, dieselbe Datei unbegrenzt von Zeit, Ort und Häufigkeit immer wieder herunterladen zu können.

Der Zeitplan: Rein technisch betrachtet gibt es keinen Grund, der die Firmen davon abhält, DRM besser heute als morgen in die Tonne zu treten. Aber auf rechtlicher und politischer Ebene gibt es Widerstand. In der Musikwelt hat der Wechsel bereits stattgefunden: Amazon und iTunes verkaufen DRM-freie Musikdateien, die man auf unbegrenzt vielen Geräten abspielen kann.

Im Filmbereich gibt es bereits die ersten unbeholfenen Schritte in diese Richtung, wenngleich auch noch sehr langsam. Ein aktuelles Beispiel: Die RealDVD-Software von RealNetworks, die inzwischen in die Illegalität abgedrängt wurde, erlaubt dem Anwender das Rippen einer DVD mit einem Klick – aber die Datenträger sind immer noch mit einem DRM-System geschützt. Inzwischen experimentieren die Filmstudios damit, dass sie legal kopierbare Datenträger ihrer Filme den herkömmlichen DVDs beilegen, während Download-Anbieter den Käufern auf Zehenspitzen erlauben, eine Kopie des heruntergeladenen Films auf eine Disc zu brennen. Das sind bereits Fortschritte, aber um jegliche Form von DRM, so wie wir es im Moment kennen, über Bord zu werfen, dauert es noch einige Jahre. Peilen wir dafür einmal das Jahr 2020 an.

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