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Geheime Hersteller-Infos und Hotelmodus

08.10.2012 | 10:09 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Mit etwas Glück finden Sie eine ausführliche Beschreibung über die Funktionen der neuen Firmware, aber eben nicht immer. Dazu ein Beispiel: Philips-Fernseher mit Netzwerkanschluss ab dem Modelljahr 2009 lassen sich nach einem Firmware-Update mit einer Fernbedienungs-Apps steuern – allerdings erst, nachdem auf dem Fernseher die sogenannte Jointspace-Funktion aktiviert wurde. Dazu ist im TV-Modus, also während des ganz normalen Programms, einmalig auf der Fernbedienung zügig die folgende Zahlenkombination einzutippen: 5646877223. Die Zahlen entsprechen dem Wort „jointspace“ auf der Handy-Tastatur. Als Philips die neue Firmware mit der Remote-Control-Erweiterung für Smartphones herausbrachte, erfuhr man auf den offiziellen Herstellerseiten nichts davon. Solche Infos finden sich zunächst in speziellen Foren, später natürlich auch über Internet-Suchmaschine wie Google.

Der niederländische TV-Hersteller steht mit dieser Politik der Nicht-Information keineswegs alleine da, andere Firmen sind nicht unbedingt besser: Da haben beispielsweise einige Toshiba-Fernseher ein Soundproblem, ab und an krächzt der Ton. Abhilfe schafft ein Firmware-Update, aber Toshiba stellt die Aktualisierung nicht etwa ins Netz, sondern verschickt sie nur gezielt an Kunden, die sich beim Support melden: „Sollten das Echogeräusch die Nutzung Ihres Fernsehers beeinträchtigen, wenden Sie sich bitte an den
Toshiba Garantie Service unter der Telefonnummer: 0208 – 8577696“, heißt es hierzu von Seiten der Firma.

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Confidential, also vertraulich: Nicht alle Fernsehhersteller geben gerne neue Firmware für ihre TV-Geräte heraus und klären darüber auf, wie das Update funktioniert.
Vergrößern Confidential, also vertraulich: Nicht alle Fernsehhersteller geben gerne neue Firmware für ihre TV-Geräte heraus und klären darüber auf, wie das Update funktioniert.

LG agiert ähnlich: Noch vor Kurzem suchte man auf offiziellen Wegen vergeblich, wie sich die Firmware der Fernseher per USB-Stick updaten lässt: „LGE Confidential“ prangt da in großen roten Buchstaben auf einem Dokument, das der Redaktion der PC-WELT vorliegt. Inzwischen hat LG die Strategie geändert und erklärt das Firmware-Update ausführlich im Support-Bereich – sogar in deutscher Sprache. Die beschriebenen Fälle sind willkürlich herausgegriffene Beispiele. Letztlich kommen Sie nicht umhin, immer wieder einmal individuell für Ihren Fernseher nach einer Aktualisierung zu suchen: entweder auf offiziellem Weg auf den Webseiten der Hersteller oder in Internetforen wie dem Hifi-Forum , das auch in Sachen TV eine besonders ergiebige Quelle darstellt.

Hotelmodus: Versteckte Einstellungen und mehr
Die Sache leuchtet sofort ein: Stellen Sie sich vor, jeder Hotelgast könnte am Fernseher in seinem Zimmer alles individuell einstellen ... Das Personal hat schließlich noch anderes zu tun, als die individuellen Einstellungen wieder rückgängig zu machen. Im sogenannten Hotelmodus, oft auch englisch mit „Hotelmode“ bezeichnet, sind viele Einstellungen gesperrt. Dieser Hotelmodus lässt sich in aller Regel durch eine „geheime“ Tastenkombination oder Ziffernfolge auf der Fernbedienung ein- und wieder ausschalten. Die gezielte Google-Suche nach dem Modell, dem Hersteller und dem Stichwort „Hotelmode“ hilft auch hier schnell weiter.

Mitunter lassen sich aber gerade über den Hotelmodus weitere Funktionen nutzen: Wer ein LG-Gerät benutzt, kann nach dem Aktivieren dieses Spezialmodus die Senderliste über die zuvor versteckte Funktion „Send to USB“ auf einen Stick exportieren und dann mit einem speziellen Tool am PC bearbeiten. Das ist weitaus bequemer und einfacher, als die Listen für digitale und analoge Sender mühsam mit der TV-Fernbedienung anzupassen. Das Sortieren, Ändern der Sendernamen, Nummerieren und so weiter ist mit Tastatur und Maus schnell erledigt, anschließend exportiert man die bearbeitete Liste wieder auf den Fernseher.

OLED: Die Display-Technik der Zukunft

„chlpced“ steht für Channel PC Editor: Manche TV-Tools findet man vorwiegend auf russischen Webseiten. Um die Datei herunterzuladen, hilft nur, stets zu bestätigen.
Vergrößern „chlpced“ steht für Channel PC Editor: Manche TV-Tools findet man vorwiegend auf russischen Webseiten. Um die Datei herunterzuladen, hilft nur, stets zu bestätigen.

Solche Tools zum Bearbeiten am PC stammen meist nicht von den Geräteherstellern, sondern von findigen Programmierern: Für Fernseher von LG existiert der „LG Channel Editor“, für die von Samsung der „Channel List PC Editor“, Philips-Modelle lassen sich einfach mit dem „Philips Channel Editor“ programmieren und so weiter. Manchmal führt die globale Suche auch in russische Foren, wo man ein paar Links oder Schaltflächen ausprobieren muss, um die Software herunterzuladen (siehe etwa die Abbildung).

Daneben existieren zahlreiche weitere, ebenfalls inoffizielle Tools: Ein Beispiel ist der „ ruSamsungTVCommunicator “, der beispielsweise SMS verschickt und neuere Samsung-Fernseher sogar anrufen kann. Andere kleine Nervereien lassen sich unter Umständen wiederum im Hotelmodus abstellen: Beispielsweise, wenn der Fernseher immer im TV-Modus startet, man als Signalquelle aber „HDMI 1“ oder einen anderen Eingang benötigt. Und einen Trick, wie Sie auch bei Samsung-Fernsehern die Videorecorderfunktion analog zu den Philips-Geräten aktivieren können, finden Sie auf der PC-Welt-Webseite .

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