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Geheimdienste als Datendiebe

Daß Schnüfflern und Spionen der Zugriff auf sensible Daten zunehmend leichter fällt, ist ein Nebeneffekt der boomenden Telekommunikation. Selbst mittelständische Unternehmen kommen heute kaum noch ohne lokales Netz aus, und ein Internet-Anschluß ist längst auch für Privatpersonen erschwinglich. Wird das Eindringen über das Netz in fremde Rechner noch vergleichsweise häufig bemerkt, so entziehen sich Daten jeder Kontrolle, sobald sie (etwa per E-Mail) über das Netz gesendet werden. Schnüffler können dabei aus dem vollen schöpfen: "In der EU werden im Jahr 2005 pro Tag 2,5 Milliarden E-Mails verschickt werden", prophezeit Wendelin Bieser vom Bundesinnenministerium. Und in den USA werden bereits heute mehr Geschäftsbriefe per E-Mail verschickt als per Briefpost.

Die Abhörgefahr geht dabei nicht nur von Administratoren oder Mitarbeitern von Internet-Providern aus, die übertragene Daten oft uneingeschränkt einsehen können. Als Datendiebe betätigen sich längst auch Geheimdienste, die nach Ende des kalten Krieges ein neues Betätigungsfeld in der Wirtschaftsspionage gefunden haben. Von der US-Geheimbehörde NSA (National Security Agency) ist beispielsweise bekannt, daß sie mit einem Milliardenetat Zehntausende von Mitarbeitern ausschließlich zum Zweck des systematischen Nachrichtenabhörens beschäftigt. Als Schutz vor derartigen digitalen Wegelagerern bleibt da nur das aus Mesopotamien bekannte Mittel: die Verschlüsselung.

Natürlich hat sich in den letzten 3500 Jahren nicht nur die Speicher- und Übertragungstechnik geändert. Auch die Wissenschaft von der Datenverschlüsselung (Kryptografie) hat unübersehbare Fortschritte gemacht. Kryptografisches Know-how wurde jedoch allzeit wie ein Schatz gehütet. So dauerte es bis in die 70er Jahre dieses Jahrhunderts, ehe sich die Kryptografie zu einer akademischen Disziplin entwickeln konnte, die heute ohne große Geheimniskrämerei an vielen Universitäten gelehrt wird.

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