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Flightgear: Der Open-Source-Flugsimulator für Linux

11.02.2021 | 08:01 Uhr |

Die Flugsimulation Flightgear hat sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf wegen ihrer Realitätsnähe erarbeitet. Damit die ersten Schritte bis zum Abheben leichter fallen, stellen wir den Simulator vor.

Simulationsspiele sind ein Kompromiss aus Realitätsnähe und Spielbarkeit. Je stärker sich das Spiel an den realen Vorbildern orientiert, umso schwieriger haben es Einsteiger, überhaupt die ersten Schritte zu unternehmen. Flightgear ist definitiv kein Arcade-Spiel. Wer hier abheben will, muss sich intensiv mit der Steuerung beschäftigen und sich wie ein Pilot auf den Flug vorbereiten.

Flightgear installieren

Zum Installieren von Flightgear richten Sie sich unter Ubuntu & Co. das PPA als zusätzliche Paketquelle ein und installieren von dort: 

sudo add-apt-repository ppa:saiarcot895/flightgear
sudo apt update
sudo apt install flightgear

Der Download dürfte Zeit in Anspruch nehmen, denn Realitätsnähe hat ihren Preis. Flightgear benötigt halbwegs aktuelle Hardware, andernfalls reagiert die Steuerung zu träge. Generell lassen sich zwar viele grafische Details in den Programmoptionen abschalten, darunter leidet dann aber der Spielspaß. Ein Rechner mit i3-Prozessor und vier GB RAM ist die Untergrenze, der Unterschied zu einem besser ausgestatteten System ist aber gewaltig. Sofern das Betriebssystem einen angeschlossenen Joystick erkannt und konfiguriert hat, sollte dieser auch mit Flightgear funktionieren. Wir beschränken uns hier auf die Steuerung mit der Tastatur.

Ein kurzes Wort zum Gameplay: Flightgear ist eine Simulation und will Ihnen das Erlebnis eines Piloten vermitteln. Es gibt keine Missionen oder Ziele, die Sie erreichen können, es geht ausschließlich um das Fliegen.

Programmstart und Fliegerauswahl

Starten Sie das Programm über seinen Menüeintrag. Auf der Übersicht sehen Sie das aktuell gewählte Flugzeug, den Startflughafen und die Flugbedingungen. Mit einem Klick auf „Flugzeug” wechseln Sie in die Bibliothek der auf dem System gespeicherten Flugzeuge. Zum Programmstart ist hier nur eine Cessna-Propellermaschine dabei. Über die Schaltfläche „Durchsuchen” können Sie die Fluggeräte deutlich erweitern. Über den Schalter „Installieren” laden Sie sich anschließend die Parameter und die Grafiken für den gewählten Typ herunter. Das kann je nach Komplexität schon mal einige hundert Megabyte bedeuten. Aber bevor Sie sich an den Steuerknüppel eines Airbus, einer Boeing, Kampfjets oder gar Motorgleiters machen, raten wir dringend dazu, wie andere Flugschüler auch, mit der gutmütigen Cessna zu starten. Über „Ort” verändern Sie auf Wunsch auch den Flughafen. Sie befinden sich beim Aufruf des Menüs sofort im Kartenmodus. Mittels eines Klicks auf „Zurück” rufen Sie sich die Suchmaske auf und können dort nun durch die Eingabe eines Namens oder der internationalen Abkürzung (etwa HAM für Hamburg) den Start auswählen.

Zeitzone beachten und erster Start

Flightgear bietet zahlreiche verschiedene Flugzeugtypen. Für die ersten Flüge sollten Sie auf die gutmütige Propellermaschine zurückgreifen, um die Grundprinzipien der Fliegerei zu verstehen.
Vergrößern Flightgear bietet zahlreiche verschiedene Flugzeugtypen. Für die ersten Flüge sollten Sie auf die gutmütige Propellermaschine zurückgreifen, um die Grundprinzipien der Fliegerei zu verstehen.

Es kann nicht oft genug betont werden: Flightgear ist eine sehr realistische Simulation. Wenn Sie am Vormittag auf einem Flugplatz in den USA starten, ist es wahrscheinlich, dass Ihr erster Flug nachts stattfindet. Mit einem Klick auf „Umgebung” ändern Sie unter „Zeit & Datum” die Tageszeit. Außerdem steht in diesem Bereich unter „Wetter” die Option zur Verfügung, sich das aktuelle Wetter des Startflughafens zu besorgen. Auch das ist aber eher etwas für fortgeschrittene Nutzer.

Mit „Fliegen” geht es jetzt erstmals in das Cockpit des Flugzeugs. Der Start kann einen Moment dauern. Das physikalische Modell, Texturen und die Umgebungsdaten müssen zunächst verarbeitet werden. Anschließend befinden Sie sich im Cockpit der Cessna. Fassen Sie noch nichts an, schauen Sie sich erst einmal um. Ihren Kopf bewegen Sie, indem Sie die rechte Maustaste drücken und dabei die Maus bewegen. Apropos „Umsehen“: Mit Taste „V“ schalten Sie die Außenansicht auf das Flugzeug an, mit Umschalt-V kehren Sie ins Cockpit zurück. Ein Wort zur Realitätsnähe. Über das Menü „Cessna C172P” finden Sie unter „Aircraft Options” zahlreiche Parameter, die das Geschehen beeinflussen. Das geht so weit, dass Sie vor dem eigentlichen Start noch Bremsklötze an den Rädern, Spanngurte lösen und eventuell die Batterien aufladen müssen. In den Optionen schalten Sie am besten das Beschlagen der Cockpitscheiben ebenfalls aus („Enable frost and fog”), sonst müssen Sie sich auch noch um die Kabinenheizung kümmern. Und damit Sie sich keine Gedanken um den Motorenstart machen müssen (bei einer Propellermaschine eine Wissenschaft für sich), aktivieren Sie am besten die Option „Start with engine running”. Da dieser Parameter erst beim nächsten Start funktioniert, drücken Sie einfach „Autostart” im Cessna-Menü. 

Über das Menü des jeweiligen Flugzeugs erreichen Sie zahlreiche Hilfen und Erleichterungen. Dazu gehört auch der Autostart, der zumindest schon mal den Motor anwirft.
Vergrößern Über das Menü des jeweiligen Flugzeugs erreichen Sie zahlreiche Hilfen und Erleichterungen. Dazu gehört auch der Autostart, der zumindest schon mal den Motor anwirft.

Jetzt sitzen Sie mit laufenden Motor im Cockpit. Schalten Sie an der Tastatur den Numlock aus, um mit dem Fliegen zu beginnen. Ein Flugzeug ist kein Auto, deswegen müssen Sie die Bewegungen an den verschiedenen Hebeln stets mit Bedacht und langsam ausführen. Sind die Motoren gestartet, gibt die Taste „Bild hoch” mehr Leistung auf die Propeller.

Entsprechend nimmt „Bild ab” wieder Leistung weg. Zum Starten geben Sie vollen Schub. Die Cessna sollte jetzt ins Rollen kommen. Ist das nicht der Fall, ist vielleicht die Feststellbremse noch gesetzt. Mit Umschalt-B wird diese gelöst. Mit „0” und Eingabetaste stellen Sie erst einmal das Ruder ein. Suchen Sie auf dem Instrumentenbrett die Anzeige „Airspeed”. Behalten Sie die Geschwindigkeit im Blick. Bereits beim Rollen wird das Flugzeug leicht nach links ziehen, „lenken” sie (leicht!) mit den Pfeiltasten dagegen. Das ist ganz normal bei einer Propellermaschine.

Die Außensicht zeigt: Die Maschine steht sicher auf dem Rollfeld und gleich geht es los mit dem Start.
Vergrößern Die Außensicht zeigt: Die Maschine steht sicher auf dem Rollfeld und gleich geht es los mit dem Start.

Dreht sich der Propeller nach rechts, gibt es eine Gegenkraft, die nach links zieht. Ein einfaches physikalisches Prinzip, das in der englischen Fachsprache als „Propeller Torque” bezeichnet wird. Wenn die Rollgeschwindigkeit etwa 65 Knoten beträgt, tippen Sie ein- oder zweimal auf die „2” oder Cursor-unten, um das Ruder zu sich zu ziehen. Das Flugzeug hebt ab. Jetzt stellen Sie das Ruder am besten wieder gerade. Die Taste „5“ zentriert alle Ruder wieder. Versuchen Sie anschließend, einfach in der Luft zu bleiben, und korrigieren Sie sanft die Lage. Neigt sich das Flugzeug zu stark in eine Richtung, lenken Sie leicht in die andere Richtung. Sie werden schnell bemerken, dass die Maschine mit einer gewissen Trägheit reagiert. Deswegen ist es auch wichtig, die Nase nicht zu schnell hoch zu bewegen, weil es dann zum Strömungsabriss kommen kann. Der lässt die Maschine dann wie einen Stein zu Boden fallen. Und wenn Sie sich jetzt damit beschäftigen wollen, wie Sie ihre Flugroute verfolgen und wieder landen, ist es der perfekte Zeitpunkt, sich durch die Tutorials der Maschine zu arbeiten, die Sie über das Menü „Help” erreichen.

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