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Familien-PC: Windows für mehrere Benutzer einrichten

29.07.2022 | 10:04 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Neue Benutzerkonten sind in Windows im Nu erstellt. Damit der gemeinsam genutzte Familienrechner nicht zu Verdruss führt, ist anschließend noch etwas Feinjustierung erforderlich: für striktes Trennen der persönlichen Daten bis zum Starten von Software.

Windows bietet seit jeher die Möglichkeit, mehrere Benutzerkonten einzurichten. Zwar verfügen die meisten Haushalte längst über mehr als einen Computer, trotzdem haben gerade nicht alle jüngeren Kinder eigene Geräte für ihren Bedarf. Oder man beschränkt sich aus Platzgründen auf einen stationären Rechner mit großem Bildschirm für alle.

Individuelle Windows-Zugänge sorgen dafür, dass jeder den gemeinsamen Computer so nutzen kann, als sei es sein eigener: mit seinen Daten, seinen Programmen und seinen Einstellungen. Gleichzeitig sorgen die unterschiedlichen Profile dafür, dass man keine fremden Daten löschen kann, nicht einmal versehentlich. Auch Berufliches und Privates lässt sich über zwei Konten trennen, oder man nutzt einen Account zum Ausprobieren und Testen. Einsatzszenarien gibt es reichlich.

Dieser Ratgeber erläutert für die Home Editionen von Windows 10 und 11, wie Sie mehrere Konten einrichten, die persönlichen Nutzerdaten separieren und schützen sowie den Windows-Desktop und die Programme individuell einstellen. Wo Windows Home gegenüber der Professional-Variante funktionell eingeschränkt ist, helfen Tools weiter.

Siehe auch:  Windows 11 ohne Microsoft-Konto nutzen - die Vor- und Nachteile

Rechte und Pflichten: Der Administrator ist verantwortlich

Seltener als früher ist die Installationsoption anzutreffen, ob das Programm nur für den aktuell angemeldeten Benutzer oder auch für die anderen Konten zur Verfügung stehen soll.
Vergrößern Seltener als früher ist die Installationsoption anzutreffen, ob das Programm nur für den aktuell angemeldeten Benutzer oder auch für die anderen Konten zur Verfügung stehen soll.

Separate Benutzerkonten sorgen dafür, dass jedes Familienmitglied „seinen“ PC stets so vorfindet wie erwartet – alles andere würde über kurz oder lang zu Chaos und Stress führen. Gleichzeitig sollte eine Person für den gemeinsamen Rechner verantwortlich sein, sich also um die Administration kümmern. Vernünftigerweise sollte nur diese Person über Administratorrechte verfügen, alle anderen melden sich in Windows per Standardkonto mit eingeschränkten Rechten an. Benötigen sie trotzdem einmal mehr Befugnisse wie für die Installation einer Software, müssen sie sich an den „Administrator“ wenden. Dies ist auch schnell über das Internet per Fernhilfe möglich.

Der Administrator hat jedoch nicht nur mehr Rechte, sondern zugleich gegenüber allen Mitbenutzern die Verpflichtung, dass der Rechner läuft und die Nutzerdaten sicher sind! Regelmäßige Backups sind deshalb Pflicht – Sie können dazu die Vollversion Ease Us Todo Backup Free  nutzen.

Nur mit Administratorrechten lassen sich in den Windows-Einstellungen neue Benutzerkonten erstellen, der Typ der Konten ändern oder die Benutzerrechte erhöhen.
Vergrößern Nur mit Administratorrechten lassen sich in den Windows-Einstellungen neue Benutzerkonten erstellen, der Typ der Konten ändern oder die Benutzerrechte erhöhen.

Tipp: Auch für den PC-Verantwortlichen bietet es sich an, die normale PC-Arbeit über ein gewöhnliches Benutzerkonto zu erledigen und einen zusätzlichen Administrator-Account nur für die Wartung zu nutzen.

Neue Benutzerkonten erstellen: online oder offline

Windows bietet sowohl in der Systemsteuerung (im Bild) als auch in der Einstellungen-App einen genauen Überblick über alle eingerichteten Benutzerkonten.
Vergrößern Windows bietet sowohl in der Systemsteuerung (im Bild) als auch in der Einstellungen-App einen genauen Überblick über alle eingerichteten Benutzerkonten.

Die Home-Editionen von Windows verlangen bei der Installation und Einrichtung mittlerweile zwingend ein Microsoft-Konto. Zwar lässt sich dieser Zwang mit Tricks umgehen, im Folgenden beschreiben wir jedoch das Standardszenario, also mit Onlineaccount.

Zum Einrichten eines Kontos melden Sie sich mit Administratorrechten an, öffnen die Einstellungen-App (Win-I) und klicken auf „Konten –› Familie & andere Benutzer“. Windows bietet hier mit „Ihre Familie“ und „Andere Benutzer“ zwei Möglichkeiten: Die Familienoption eignet sich insbesondere für (kleinere) Kinder und ermöglicht die Kontrolle darüber, was der Nachwuchs am PC machen darf und was nicht. Am Schluss des Ratgebers kommen wir auf die Kindersicherung zurück.

Ohne diese Einschränkungen ist die zweite Option richtig für Jugendliche und Erwachsene. Über die Schaltfläche „Konto hinzufügen“ rechts daneben erstellen Sie ein weiteres Windows-Konto, wahlweise als Onlinekonto durch Eingabe der zugehörigen Microsoft-Mailadresse oder als lokale Variante. Dazu klicken Sie auf „Ich kenne die Anmeldeinformationen für diese Person nicht –› Benutzer ohne Microsoft-Konto hinzufügen“, vergeben einen Kontonamen und ein Passwort. Dieses kann der Konteninhaber später ändern. So erstellen Sie als Administrator allen Familienmitgliedern einen eigenen Zugang. Wenn Sie sich danach abmelden oder den PC neu starten, sind die neuen Benutzerkonten verfügbar.

Beim erstmaligen Anmelden über die neuen Accounts vervollständigt Windows die zugehörigen Profile. Jeder Benutzer kann und sollte sein Kennwort anschließend in der Einstellungen-App über „Konten –› Anmeldeoptionen –› Kennwort –› Ändern“ neu festlegen. Apropos Anmeldeoptionen: Wer sich am PC mit einem Microsoft-Konto einloggt, muss zusätzlich eine Zugangs-PIN vergeben. Diese ist hardwaregebunden und gilt anders als die Passwörter in Onlinekonten nur für dieses eine Gerät .

Alle zusätzlich eingerichteten PC-Konten besitzen per Voreinstellung eingeschränkte Rechte, daran sollten Sie normalerweise auch nichts ändern.

Daten schützen und den Desktop individualisieren

Wenn Sie den Pfad zum Speichern der persönlichen Daten aller PCNutzer auf eine separate Partition verschieben, minimieren Sie mögliche Probleme und erhöhen die Sicherheit Ihrer Daten.
Vergrößern Wenn Sie den Pfad zum Speichern der persönlichen Daten aller PCNutzer auf eine separate Partition verschieben, minimieren Sie mögliche Probleme und erhöhen die Sicherheit Ihrer Daten.

Bevor nun alle PC-Nutzer loslegen, sollte das System wie weiter unten im Absatz „So beugen Sie Problemen am gemeinsamen PC vor“ erläutert so konfiguriert angepasst werden, dass Windows alle persönlichen Daten auf einer separaten Partition speichert. Weil das Verschieben des Speicherpfades auf den zweiten Datenträgerbereich nur für das jeweils eingeloggte Familienmitglied möglich ist, müssen Sie sich dazu jeweils neu anmelden und den Ordnerpfad wie beschrieben ändern. Das ist bei mehreren Benutzern etwas mühsam, aber die Mühe allemal wert, weil sich so später auftretende Windows-Probleme einfacher und gefahrlos beseitigen lassen.

Jedes Konto behält dabei einen separaten Bereich zum Speichern der eigenen Daten bei, auf den die anderen PC-Nutzer abgesehen vom Administrator keinen Zugriff haben. Dieser Schutz ist jedoch nur über die Rechtevergabe geregelt, sicheren Zugriffsschutz bietet nur die Verschlüsselung der Daten in den Pro-Versionen von Windows. In der Home-Edition nutzen Sie dazu das Programm Veracrypt . Der „Öffentlich“-Ordner im Benutzerverzeichnis steht allen offen, eignet sich also zum gemeinsamen Datenzugriff und -austausch. Über die rechte Maustaste auf „Öffentlich“ und „An Schnellzugriff anheften“ gelangen Sie im Explorer über die Leiste links zukünftig schneller dahin.

Den eigenen Desktop und vieles mehr kann jeder Benutzer nun individuell anpassen. Das erledigen Sie in der Einstellungen-App über „Personalisierung“; unser Online-Workshop beschreibt dies im Detail .

Programme starten und neue Software installieren

Programme, die vor dem Erstellen der neuen Benutzerkonten bereits auf dem Rechner liefen, lassen sich danach auch aus den übrigen Profilen starten. Allerdings scheinen viele der ursprünglichen Programme zunächst zu fehlen, weil die zusätzlichen Desktops die Icons nicht mehr darstellen. Aufrufen lässt sich die „fehlende“ Software jedoch weiterhin über die App-Liste im Startmenü; für häufig genutzte Programmen können Sie wieder neue Desktopverknüpfungen anlegen.

Die eigenen Standardprogramme kann jeder PC-Nutzer selber festlegen, also welche Software beim Doppelklick auf einen bestimmten Dateityp oder Link starten soll. Das erledigen Sie nach dem Einloggen im eigenen Benutzerkonto über „Einstellungen –› Apps –› Standard- Apps“. In Windows 11 ist das teilweise deutlich umständlicher als bei Windows 10.

Mithilfe von Teamviewer Quicksupport kann der Administrator des gemeinsam genutzten Familien-PCs auch aus der Ferne helfen und schnell ein Programm freigeben.
Vergrößern Mithilfe von Teamviewer Quicksupport kann der Administrator des gemeinsam genutzten Familien-PCs auch aus der Ferne helfen und schnell ein Programm freigeben.

Während Administratoren neue Software jederzeit installieren können, ist das als Standarduser nur stark eingeschränkt möglich. Da dies auch für „portable Apps“ – also solche, die per Doppelklick ohne Installation starten – gilt, hilft hier im Einzelfall nur Ausprobieren weiter. Scheitert die Installation oder benötigt man für eine sonstige Einstellung die Rechte des Administrators, kann dieser schnell über Teamviewer aus der Ferne eingreifen, sogar von unterwegs über das Mobiltelefon. Am PC selbst startet und läuft Teamviewer Quicksupport  auch per Standardkonto. Wie Sie einzelne Tools, die bereits zum Starten Administratorrechte erfordern, auch Mitbenutzern mit Standardrechten zur Verfügung stellen können, lesen Sie am Schluss dieses Ratgebers.

Tipp: Selbst wenn ein anderes Familienmitglied „nur einmal ganz schnell“ etwas am PC mit seinem Konto machen möchte, melden Sie sich dazu aus Ihrem ab. Denn der schnelle Kontowechsel birgt die Gefahr, dass beim zwischenzeitlichen Neustarten im anderen Zugang geöffnete Dateien verloren gehen.

Windows-Kindersicherung erstellen und konfigurieren

Microsoft bietet mit Family Safety eine Kindersicherung mit allerlei Funktionen, gestaltet allerdings die Einrichtung und das Hinzufügen von Familienmitgliedern etwas umständlich.
Vergrößern Microsoft bietet mit Family Safety eine Kindersicherung mit allerlei Funktionen, gestaltet allerdings die Einrichtung und das Hinzufügen von Familienmitgliedern etwas umständlich.

Die Einrichtung der Windows-Kindersicherung erfolgt über die Windows-Einstellungen am Rechner und Microsofts Online-Portal Family Safety im Browser , ist aber wenig komfortabel.

So geht’s: Im ersten Schritt erstellen Sie in Windows eine „Familiengruppe“. Dazu melden Sie sich am Computer als Administrator an, öffnen die Einstellungen-App und klicken auf „Konten –› Familie & andere Benutzer –› Familienmitglied hinzufügen: Konto hinzufügen“. In das Adressfeld tippen Sie Ihr Microsoft-Konto ein und fahren mit „Organisator –› Einladen“ fort – und zwar selbst dann, wenn Sie mit diesem Account am Rechner angemeldet sind. Daraufhin erhalten Sie per E-Mail die Einladung, die Sie bitte annehmen und anschließend im Browser bestätigen.

Als Organisator der Gruppe können Sie nun im Browser oder in den Windows-Einstellungen neue Familienmitglieder hinzufügen und deren Geräte über „Verbinden eines Geräts“ für die weitere Einrichtung aktivieren. Das kann ein PC, eine Xbox-Konsole und/oder ein Smartphone sein. Im Fall des Smartphones muss darauf die App „Microsoft Family Safety“ über den eingeblendeten QR-Code oder manuell installiert werden (Android oder iPhone).

Nach diversen weiteren Bestätigungen können Sie die Computerzeit für Ihre Kinder begrenzen, die Benutzung von Programmen zulassen oder blockieren sowie Webinhalte freigeben beziehungsweise sperren. Das lässt sich individuell einstellen, alternativ geben Sie ein Alter vor und folgen damit den Empfehlungen von Microsoft. Weitere Erläuterungen zur Familiengruppe bietet der Hersteller .

So beugen Sie Problemen am gemeinsamen PC vor

Weil Fehler bei Software, Hardware und der Bedienung immer passieren können, lohnt es sich, die möglichen Folgen zu minimieren. Das gilt im Besonderen für einen Rechner, den mehrere Personen gemeinsam nutzen. Nehmen Sie sich deshalb rund 15 Minuten Zeit und beugen so möglichen Problemen vor. Damit bekommen Sie selbst ein (gar) nicht mehr funktionierendes Betriebssystem schnell wieder flott, ohne dass persönliche Daten verloren gehen.

So geht’s: Falls noch nicht vorhanden, erstellen Sie auf dem eingebauten Datenträger eine zweite Partition. Das erledigen Sie über die Windows-Datenträgerverwaltung oder das Minitool Partition Wizard . Achten Sie beim Erstellen der zusätzlichen Datenpartition darauf, dass Sie die erste, also die Systempartition, nicht zu stark verkleinern. Das Laufwerk „C:“ sollte mindestens 100 GByte fassen, die Windows-Installation beansprucht etwa 20 GByte davon.

Im nächsten Schritt verschieben Sie Ihre persönlichen Daten auf die neu erstellte zweite Partition „D:“. Das Abtrennen Ihrer individuellen Daten vom Betriebssystem und den installierten Programmen sorgt dafür, dass Sie die Windows-Partition reparieren können, ohne dass Ihre persönlichen Daten in Gefahr geraten. Da Windows und die installierten Programme alle nutzergenerierten Dateien wie Dokumente und Fotos standardmäßig in den Bibliotheken – Bilder, Desktop, Dokumente, Downloads, Musik und Videos – speichern, brauchen Sie nur die auf die zweite Partition zu verschieben.

Klicken Sie im Windows-Explorer mit der rechten Maustaste auf die erste Bibliothek, wählen „Eigenschaften“ und ersetzen im Register „Pfad“ in der Zeile mit dem Speicherpfad den Buchstaben „C:“ durch den passenden der zweiten Partition. Bestätigen Sie mit „Über- nehmen –› Ja –› Ja –› OK“. Auf die gleiche Weise verschieben Sie die übrigen Bibliotheken auf das Datenlaufwerk. Diese Umstellung sorgt dafür, dass auch zukünftige Dokumente, Bilder & Co. auf der Datenpartition gespeichert werden. Mehr zum perfekten Datenmanagement lesen Sie online .

Im letzten Schritt sichern Sie mit Ease Us Todo Backup Free  die komplette Systempartition als Imagedatei. Wenn der Rechner später einmal nicht oder nicht mehr richtig läuft, stellen Sie das funktionierende System aus dem Image wieder her.

Admin-Programme mit Standardkonto starten

Manche Programme erfordern auch nach der Installation zum Ausführen Administratorrechte. Mit einem kleinen Eingriff lässt sich ein solches Programm auch von einem Standardkonto ausführen, ohne dass es der Administrator jedes Mal erneut freigegeben muss.

So geht’s: Melden Sie sich mit dem betreffenden Standardkonto am PC an und öffnen Sie die Windows-Einstellungen, klicken nun auf „System –› Info“ und kopieren den Eintrag hinter „Computername“ in eine Textdatei. Danach klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Icon des Programms, das Administratorrechte erfordert. Auf der Registerkarte „Verknüpfung“ fügen Sie in der „Ziel“-Zeile vor (!) dem vorhandenen Eintrag einen Befehl nach folgendem Muster ein:

runas /user:Rechnername\Adminkontoname /savecred 

In unserem Beispiel also:

runas /user:PC\Klaus /savecred

Dahinter folgt ein Leerzeichen, anschließend der ursprüngliche Programmeintrag beginnend mit dem Anführungszeichen. Bestätigen Sie mit „Übernehmen –› Fortsetzen“, tippen das Passwort des Administratorkontos ein und schließen mit „Ja –› OK“ ab. Damit ein Standardnutzer das Programm künftig ohne Ihre Bestätigung starten kann, müssen Sie dies noch einmal selbst durchführen. Dabei öffnet sich ein Kommandozeilenfenster, in dem Sie erneut Ihr Administratorpasswort eintippen.

Achtung: Da Ihre Eingabe nicht sicht- bar ist, tippen Sie sorgfältig und drücken anschließend die Enter-Taste. Nun lässt sich die Software auch mit eingeschränkten Rechten ausführen.

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