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Facebook angriffslustig: Der Krieg mit Google

07.04.2011 | 10:15 Uhr |

Das rasante Wachstum von Facebook führt zur Schlacht um die wertvollen von Nutzern hinterlassenen Daten. Google war bisher führend in diesem Bereich. Doch jetzt setzt sich die Mundpropaganda per Facebook immer mehr durch. Ein wertvolles Marketing-Instrument: Die von den Nutzern des sozialen Netzwerks gelieferten privaten Vorlieben sind aufgrund der freigiebigen Aussagen noch genauer und präziser als die Suchprofile bei Google. Google-Chef Eric Schmidt bekannte auf der Zeitgeist-Konferenz seines Konzerns: „Das Beste wäre, wenn Facebook den Zugang zu seinen Daten öffnen würde. Wenn das nicht passiert, gibt es andere Wege, um an diese Informationen heranzukommen.“

Näheres führte er nicht aus. Klar ist nur eins: Zwischen Google und Facebook hat der Krieg um den Werbemarkt der Zukunft begonnen. Dabei geht es um Milliardenumsätze, die mit auf den Verbraucher zugeschnittener Werbung gemacht wird. Was den Google-Chef auch provoziert: Mit dem „Like“-Knopf („Gefällt mir“) bekommt Facebook immer mehr Daten über die Nutzer von Internetseiten, also weit über das eigene Portal hinaus. Das war bisher eigentlich Googles Kerngeschäft. Facebook nutzt geschickt einen Schneeballeffekt. Wird ein Mitglied des Netzwerks per Klickauf die „Gefällt mir“-Schaltfläche „Fan“ einer Internetseite, erscheint dies auch auf der so genannten Pinnwand. Dort erfahren alle Freunde dieses Nutzers von seiner neuen Leidenschaft. Das sorgt für neue Fans.

Ein Rechenbeispiel: Wer es schafft, 1000 Fans für seine Seite zu gewinnen, dessen Seite wird bei 130 Freunden pro Fan (die Facebook-Durchschnittszahl) 130 000 Mal vorgeschlagen. Wenn die Hälfte dieser Mitglieder den Freundschaftsvorschlag annimmt, laufen alle zukünftigen Nachrichten und Neuigkeiten bei 65 000 Facebook-Nutzern auf. Sicherlich nur ein Idealbeispiel, aber diese Verbreitungsmöglichkeit lässt sich kein Internetunternehmen entgehen…

Kein Wunder also, dass der „Gefällt mir“-Knopf auf diversen Internetseiten rund um den Globus zu finden ist. Mit diesem eingebunden Code kann Facebook auch die Besucherströme dieser Seiten verfolgen. Und damit hat das Unternehmen – ähnlich wie das inzwischen umstrittene Google Analytics – Herkunft, Zugriffe und Klicks in der Hand. Für Schleswig-Holsteins Datenschützer Dr. Thilo Weichert ist das schlichtweg „rechtswidrig.“ Inzwischen kann man Facebook-Freundesgruppen und damit den Zugang zu deren Nachrichten kaufen. Ein Online-Marketing-Insider: „Inzwischen treten immer mehr Anbieter auf, die Schein-Identitäten bei Facebook aufbauen, darüber ,Freunde‘ sammeln und das alles komplett verkaufen.“ Wie viele der 600 Millionen Facebook-Mitglieder „Karteileichen“ sind, ist übrigens nicht bekannt.

Die künstlichen Avatare samt erschlichenem Freundeskreis sind nicht nur für Seitenbetreiber interessant, die ihre Facebook-Fanseite künstlich aufwerten wollen. Auch Datensammler, die mehr über die privaten Vorlieben der Internetnutzer ausforschen wollen, verwenden sie. In den USA gibt es zum Beispiel schon erste Fälle, in denen Inkasso-Büros über das soziale Netzwerk versuchen, Schuldner aufzuspüren und zu bedrängen.

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