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Benutzeroberfläche

14.12.2010 | 12:55 Uhr |

Bei den ersten Vorabversionen von Windows Phone 7 wurde bereits deutlich, dass die Benutzeroberfläche elegant, einfach und dennoch erfrischend anders als die des iPhones werden würde. In vielerlei Hinsicht ist es sogar noch einfacher als Apples Betriebssystem. Das Windows Phone 7 hat ein paar Bedienelemente vom iPhone abgeschaut, wie die Gesten, die Home-Bildschirmverwaltung und die E-Mail-Verwaltung. Andere Elemente, wie die Menü-Knöpfe, wurden vom Android abgekupfert. Wahrscheinlich ist gerade deswegen daraus eine gute Benutzeroberfläche entstanden.

Das Windows Phone war für uns sehr einfach zu verwenden, auch wenn wir an das iOS von Apple gewöhnt waren und sich die Herangehensweisen unterscheiden. Während Sie beim iPhone im Home-Menü horizontal scrollen, müssen Sie bei Windows Phone 7 vertikal scrollen um zum nächsten Bildschirm zu gelangen. Mit dem "…"-Symbol gelangen Sie bei Windows Phone 7 zu weniger gebräuchlichen Aktionen, welche beim iPhone entweder nicht integriert wurden oder noch einen Platz im Menü gefunden haben.

Manchmal ist die Windows Phone 7 Oberfläche einfach zu leer, so als wäre Sie von einem Möchtegern-Steve Jobs kreiert worden. Dies resultiert in großen lesbaren Listen, die so lang sind, dass man darin schlecht navigieren kann. Dies ist besonders auffällig bei den Favoriten des Browsers und der Listenansicht des Kalenders. Bei anderen Bereichen der Benutzeroberfläche fehlen eindeutigere Unterscheidungsmerkmale. Die Symbole des Home-Bildschirms sind, um ein Beispiel zu nennen, so ähnlich, sodass es schwierig ist genau das zu finden, was Sie gerade suchen. Dennoch sind die Symbole größer, als dies notwendig wäre, insbesondere wenn sie unterschiedlicher gestaltet wären. Weil die Symbole so groß sind, müssen Sie viel Scrollen und die Symbole immer wieder neu anordnen.

Nichtsdestotrotz kann das iPhone mehr als Windows Phone 7. Die Designer bei Apple haben viel Arbeit in die Entwicklung der Benutzeroberfläche gesteckt. Das merken Sie daran, dass es sich auf das Wesentliche beschränkt und bestimmte Symbole erst dann auftauchen, wenn Sie diese benötigen oder per Geste aufrufen. Um auf dieses Niveau zu gelangen, muss sich Windows Phone 7 in nächster Zeit noch weiterentwickeln.

Dynamische Benutzeroberfläche: Wie auch beim iPhone verschwindet die Touch-Tastatur, wenn Sie außerhalb des Textfeldes klicken. Somit ist Ihnen diese nicht im Weg, wenn die Tastatur nicht benötigt wird.

Die visuelle Rückmeldung des iPhones ist etwas besser als die von Windows Phone 7. Wenn Sie beispielsweise ein Textfeld berühren und halten, so erscheint beim iPhone eine kleine Lupe, welche Ihnen den Textbereich vergrößert. Dadurch können Sie besser erkennen, wo sich der Mauszeiger genau befindet. Das Windows Phone 7 blendet Ihnen lediglich ein kleines Symbol oberhalb Ihres ausgewählten Punktes aus.

Um die Großschreibtastatur dauerhaft zu aktivieren müssen Sie bei beiden Betriebssystemen die Umschalttaste doppel-klicken. Für Sonderzeichen gilt das gleiche Vorgehen. Sie müssen die Grundtaste, beispielsweise das "s", kurze Zeit halten, bis ein erweitertes Menü mit den gesuchten Zeichen, hier "ß", erscheint. Das Windows Phone 7 hat einen Aufzählungspunkt in die Tastatur integriert und dafür das *-Symbol hinausgeworfen. Dies ist am Anfang gewiss gewöhnungsbedürftig und es wäre für den Anwender besser, wenn Windows Phone 7 bei der Standardmäßigen QWERTZ-Tastatur geblieben wäre und die Aufzählungspunkt-Taste woanders hinzugefügt hätte. Jedoch hat Microsoft an die unzähligen Nutzer der sozialen Netzwerke gedacht und einen ganzen Satz von Emot-Icons in die Tastatur integriert.

Das Zoomen, Scrollen, automatische Rotieren, wenn Sie das Gerät drehen, funktioniert bei beiden mobilen Betriebssystemen gleich gut.

Zum Navigieren innerhalb der Apps nutzen Sie beim Windows Phone 7 den integrierten Zurück-Knopf. Leider ist die Navigation damit nicht so gut, da es Ihnen immer wieder passieren wird, dass Sie den Zurück-Knopf versehentlich zu häufig drücken. Somit gelangen Sie zum Beispiel schon zum Hauptbildschirm, obwohl Sie die App gar nicht verlassen wollten. Selbstverständlich können Sie die App einfach wieder öffnen und Sie werden sich wieder an der Stelle befinden, an der Sie die App verlassen haben. Dennoch stört dies häufig.

Textauswahl und Kopieren: Das größte Problem, das Windows Phone 7 derzeit zu bewältigen hat, ist der Umgang mit Texten. Es beginnt schon damit, dass Sie keine Textpassagen auswählen können. Sie können einzig und allein ein Wort per Berühren und Halten auswählen, und dieses durch ein anderes vorgeschlagenes Wort ersetzen. In den integrierten Office-Apps können Sie das Wort auch formatieren.

Zweitens können Sie keine Texte oder Grafiken innerhalb, geschweige denn App-Übergreifend, kopieren. Folglich können Sie keinen Text einfach in das Suchfeld einfügen, oder Informationen aus einer E-Mail nachschlagen oder zu Ihren Kontakten hinzufügen. Somit ist das notwendige und grundlegende Teilen von Informationen nicht möglich. Das Windows Phone 7 ist demnach nicht für den Umgang mit Texten geschaffen. Lediglich das einfache Eintippen von Notizen, oder sehr kurzen E-Mails sind möglich.

Das iPhone hingegen zeigt, dass es auch anders geht. Sie können einfach Texte auswählen, kopieren und innerhalb einer App, oder App-übergreifend einfügen. Sie können mit dem Mauszeiger in alle Textfelder durch einfaches Berühren und Halten gelangen. Dies funktioniert mit allen möglichen Texten: Feldern, Webseiten, Nachrichten etc. Sie erhalten sogar eine Vergrößerung des Textes, sodass Sie nie die Übersicht verlieren. Zum Kopieren berühren Sie den Anfang des zu kopierenden Textes, die Markierung erscheint und verbleiben Sie so lange auf dem Bildschirm, bis Sie zum Ende des gewünschten Textes gegleitet sind. Tippen Sie nun einen anderen Bereich des Bildschirmes an, dann erscheinen direkt die Kopieren- und Einfügen-Symbole. Da dies so einfach ist, ist es möglich Texte auf dem iPhone fast so gut wie am Computer zusammenzustellen.

Bezüglich der Autoverbesserung ist die Herangehensweise des Windows Phone 7 angenehmer, als die des iPhones. Das iPhone verbessert alles, wovon es denkt, dass es passt. Sie müssen den Vorschlag explizit blocken, damit dieser nicht erscheint. Wenn Sie schnell tippen und nicht darauf achten, welche "Verbesserungen" das iPhone vornimmt, so kann Ihr Text stark verfälscht werden und Sie benötigen nochmals die gleiche Zeit, um den geschriebenen Text zu verbessern. Das Windows Phone 7 hingegen schlägt Ihnen Begriffe vor, wenn Sie tippen. Sie müssen diese jedoch explizit auswählen, damit diese Begriffe eingefügt werden. Machen Sie dies nicht, so erscheint einfach Ihr getippter Text. Beim Windows Phone 7 können Sie gelernte Verbesserungen, die über die Zeit gespeichert werden, auch wieder löschen. Beim iPhone ist das nicht möglich.

Der Gewinner: Mit großem Vorsprung gewinnt das iPhone. Zwar bietet das Windows Phone 7 eine solide Benutzeroberfläche, aber das große Manko der Textverarbeitung und die strikten Regelungen, was auf dem Smartphone installiert werden darf, schlagen zu Buche und lassen das iPhone an Windows Phone 7 vorüberziehen.

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