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Linux-Server: Die besten Distributionen im Überblick

03.05.2019 | 15:05 Uhr | David Wolski

Linux ist zwar zunächst auf dem Heimcomputer von Linux Torvalds entstanden, aber auf Servern groß geworden. Bis heute sind Server und Platinen für Serveraufgaben die wichtigsten Linux-Habitate geblieben.

Dort, wo wenig von Betriebssystemen zu sehen ist, befindet sich das größte Linux-Reservat: in Tausenden Racks bei Hostingunternehmen, in Serverfarmen und bei Cloudanbietern. Bisweilen verschachtelt in Containerinstanzen oder in virtuellen Maschinen, hält Linux das Internet am Leben. Linux unterstützt heute als Server mehr Architekturen und Prozessoren als jeder andere Kernel – von ganz groß bis ganz klein. Spezialisiertes Linux ist das dominierende Betriebssystem für Ein-Platinen-Rechner und im Internet of Things.

Debian: Gutmütiger Urahn

Debian ist eine der wenigen Distributionen geblieben, die auf dem Namenszusatz „GNU/Linux“ beharrt, um darauf zu verweisen, dass ein Linux-System ohne die GNU-Tools und den GNU-Compiler nicht komplett wäre. Auch sonst geht es traditionell zu: Bei Debian steht Stabilität im Vordergrund und die Pakete werden ausgiebig getestet.

Für einen Linux-Desktop wären Linux-Kernel und Softwareversionen schon etwas alt, aber für einen gutmütigen Server, der nicht zum Experimentieren gedacht ist, sind sie genau richtig. Die Distribution existiert seit 1993 und führte das Paketformat DEB für Software ein. Eines der wichtigsten Merkmal ist der Paketmanager Apt, der Softwarepakete erstmals vergleichsweise einfach installieren und aktualisieren konnte. Der Paketmanager dient auch vielen anderen Distributionen als Vorbild. Eine Debian-Ausgabe wird rund fünf Jahre mit Updates versorgt und aktuell steht die nächste Debian-Version 10 namens „Buster“ vor der Fertigstellung. Debian wird eine der letzten Distributionen sein, die 32-Bit-CPUs noch über die nächsten Jahre unterstützen.

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Ubuntu Server: Ambitionierter „Neuling“

So ganz neu ist Ubuntu für Server nicht mehr: Der Aufstieg als Serversystem begann mit Ubuntu 12.04 LTS vor gut sieben Jahren. Der erfolgreiche Newcomer unter den Serverdistributionen ist ein enger Verwandter von Debian, übernimmt dessen Paketformat sowie Paketmanager, ist aber aktueller als das Vorbild. Generell gibt es neuere Softwareversionen und eine flotte Adaption neuer Technologien. So war Ubuntu 16.04 beispielsweise die erste große Distribution, die auf PHP 7 wechselte. Alle zwei Jahre erscheinen Ubuntu-Versionen mit fünf Jahren Langzeitsupport, die sich besonders für Server eignen.

Ubuntu ist als Serversystem die richtige Wahl, wenn aktuelle Technologien wie LXD-Container, Webserver mit HTTP-2-Unterstützung und Rahmenwerke wie Node.js gefragt sind. Zur Installation gibt es verschiedene bootfähige Medien: ein Livesystem, einen neuen textbasierten Installer und Installationsmedien mit netzwerkbasiertem Textinstaller, der alle gewünschten Pakete bei der Einrichtung herunterlädt.

Ubuntu Core: Ubuntu Core ist für Embedded-Geräte konzipiert und basiert nicht auf dem Debian-Paketsystem, sondern auf der Eigenentwicklung „Snap“ von Canonical. Erklärtes Ziel ist ein äußerst kompaktes Ubuntu-System für Hardwarehersteller, das transaktionale Updates beherrscht, die den Betriebssystemkern stets unverändert lassen. Ubuntu Core soll damit für Hersteller zugänglicher sein und die Entwicklung von Softwarepaketen vereinfachen, die als Container installiert werden.

Cent-OS: Der Red-Hat-Klon

Steht auf gemieteten Servern hoch im Kurs: Cent-OS 7.
Vergrößern Steht auf gemieteten Servern hoch im Kurs: Cent-OS 7.

Red Hat ist mit seinen Serversystemen Marktführer und bedient weltweit 67 Prozent aller Linux-Server. Das hauseigene Linux-System von Red Hat entstand 1994 und setzte auf das eigene Paketformat RPM. Der Erbe Red Hat Enterprise ist heute aber nur im Rahmen eines kostenpflichtigen Supportvertrags erhältlich, steht aber als frei erhältlicher Klon in Form von Cent-OS zum Download bereit.

CentOS überzeugt mit einem Unterstützungszeitraum von zehn Jahren, liefert aber eher ältere Software mit. Die Administrationsmethoden und Namen von Serverdiensten unterscheiden sich teils erheblich von Debian, Ubuntu und Co.

Exkurs Fedora: Eine von Red Hat gesponserte Linux-Distribution, die als Vorstufe für die Serversysteme gilt, ist Fedora . Auch Fedora liegt in einer Serverausgabe vor, die aber wegen der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit des Systems als Exot gilt und mit einem Jahr Unterstützungszeitraum nur für Experimentierfreudige in Betracht kommt.

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Open Suse: Wechselhafter Weg

Die Linux-Distributionen der Suse GmbH waren Meilensteine auf dem Weg zu einsteigerfreundlichen Linux-Systemen. Das Merkmal war stets das Konfigurationssystem Yast, das sich zwar weit von der traditionellen Linux-Administration entfernt, dafür aber grafische Menüs im Stil von Windows Server bietet. Wer sich von Yast entfernt, stößt schnell auf größere Unterschiede zu Debian, Ubuntu & Co. Dafür gibt es aber Parallelen im Systemaufbau zu Red Hat Linux, etwa das Paketformat RPM. Nach der Übernahme durch Novell im Jahr 2005 teilte sich die Distribution nach dem Vorbild von Red Hat in die Zweige Open Suse und Suse Linux Enterprise (SLE). Ersteres ist wie Fedora ein von der Community entwickeltes Projekt, während SLE für Firmenkunden mit Supportvertrag gemacht ist.

Der Unterstützungszeitraum von Open Suse liegt derzeit bei drei Jahren.

Raspbian: Platinen-Primus

Platine als Server: Für viele Aufgaben im Heimnetzwerk reicht die Leistung des Raspberry Pi.
Vergrößern Platine als Server: Für viele Aufgaben im Heimnetzwerk reicht die Leistung des Raspberry Pi.

Ein neuerer Bereich, in dem Linux als Serversystem dominiert, ist das wachsende Angebot der Platinencomputer und das Internet of Things (IoT). Hier geht es um kleine, stromsparende Systeme, die mit ARM-Prozessoren funktionieren. Dass auf dieser Plattform Linux-Systeme sofort zum Standard wurden, hat eine Vorgeschichte: Für die ARM-Architektur gibt es den Linux-Kernel schon seit Version 2.2. Für die Raspberry Pi Foundation lag es also nahe, Linux als Standardbetriebssystem für den Raspberry Pi zu wählen, zumal dadurch keine Lizenzkosten entstanden. Die Revolution der Ein-Platinen-Computer hat Linux für Miniserver in vielen heimischen Netzwerken etabliert. Tatsächlich haben die Linux-Distributionen für diese Boards eine Menge mit Serverdistributionen gemein: Eine grafische Oberfläche ist optional, die Administration erfolgt per SSH über das Netzwerk, Serverdienste stehen im Mittelpunkt. Die Installation erfolgt per Transfer einer Imagedatei auf SD-Karte.

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