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Elementary OS 5: Schicke Desktop-Optik für Linux

06.03.2019 | 15:03 Uhr | David Wolski

So wie Linux Mint hat auch Elementary OS seine Anfänge in einem Ergänzungspaket für Ubuntu. Daraus ist eine Ubuntu-Variante mit vielen frischen Ideen und einem eigenständigen Desktop geworden, der dem System das Flair von Mac-OS verleiht.

Weit gesprungen: Mit der einschneidenden Versionsänderung von 0.4 auf 5 signalisiert Elementary OS, dass die Zeit der Experimente vorüber ist. Mit einer Menge Geduld haben die Entwickler von Elementary OS über den Zeitraum von zwei Jahren an der neuen Version 5 und seinem neuen, semikommerziellen App Center gefeilt. Die Entwicklung trägt sich, die inoffizielle Ubuntu-Variante sitzt fest im Sattel, hat ihren Stil und ihre Anwenderschaft gefunden. Elementary OS punktet bei jenen Anwendern, die einen unkomplizierten Linux-Einstieg suchen, eine Alternative zu Ubuntu mit Gnome oder auch nur eine auf Hochglanz polierte Desktopumgebung.

Ein Hauch von Mac-OS

Auf der Arbeitsfläche ging es nicht nur darum, mal hier und da ein paar grafische Elemente auszutauschen. Die komplett eigenständige Desktopumgebung Pantheon stellt als Abspaltung von Gnome 3 eine Arbeitsfläche bereit, die bisher in keiner anderen Distribution zu finden ist. Wie Gnome 3 basiert diese Desktopumgebung auf GTK3 und nutzt eine Abspaltung des Gnome-Compositors, hier ebenfalls mit Hardwarebeschleunigung. Allerdings regieren bei Elementary OS klassische Bedienelemente die Arbeitsfläche: Es gibt einen Programmstarter und ein Dock, das sowohl als Ablagefläche für häufig benötigte Anwendungen dient als auch laufende Programme anzeigt. Den Eindruck, den Elementary OS damit erzielt, ist jenem von Mac-OS nicht unähnlich.

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An neuen Funktionen gibt es einen Picturemodus für Programmfenster: Die Tastenkombination Windows-Taste-F verwandelt ein ausgewähltes Fenster in eine kleineres, frei skalierbares Abbild im Vordergrund, das als platzsparendes Vorschaufenster dienen kann. Nützlich ist das beispielsweise für Player, Systemmonitore oder für Prozesse im Terminalfenster. Auf Bildschirmen mit hoher 4k-Auflösung (Hi-DPI) passt der Pantheon-Desktop seine Symbol- und Fenstergrößen automatisch an, was aufgrund der GTK3-Grundlage bei den eigenen Programmen und Gnome-Anwendungen gut funktioniert.

Der Dateimanager und das Terminal sind nicht von Gnome übernommen, sondern Eigenentwicklungen.
Vergrößern Der Dateimanager und das Terminal sind nicht von Gnome übernommen, sondern Eigenentwicklungen.

Der Aufwand einer selbst entwickelten Arbeitsumgebung benötigt natürlich eine solide Basis, die nicht so schnell veraltet. Wie das aktuelle Linux Mint setzt Elementary OS deshalb auf Ubuntu 18.04 LTS, das noch bis April 2023 Updates erhält, nach den Plänen Canonicals eventuell sogar noch länger. Wer an diesem System Gefallen findet, muss also so schnell nicht auf eine neuere Ausgabe wechseln, die im Entwicklungszyklus von Elementary OS rund alle zwei Jahre erscheint.

Siehe auch: Linux-Systemstart beschleunigen

Software: Nur wenig vorinstalliert

Semi-kommerzielles App-Center in Elementary OS.
Vergrößern Semi-kommerzielles App-Center in Elementary OS.

Bei den vorinstallierten Anwendungen macht Elementary OS weiterhin einen Bogen um die bekannten großen Softwarepakete und liefert stattdessen Alternativen eigener Machart oder von Gnome mit. So ist der Webbrowser das Programm Epiphany der Gnome Foundation. Die anderen Programme für Mail, Dateimanagement, Fotoverwaltung und zum Abspielen von Musik und Filmen sind ähnlich elegant wie der Desktop, aber in ihrem Funktionsumfang begrenzt. Immerhin aber werden sich durch die klare Benennung auch Linux-Neulinge schnell zurechtfinden. Auf vorinstallierte Office-Anwendungen verzichtet Elementary OS und bietet nur einen PDF-Reader und einen simplen Texteditor. Es bleibt den Anwendern überlassen, aus den Ubuntu-Repositorys das System komplett für die Büroarbeit einzurichten. Dies gelingt problemlos im neuen App Center über die Systemeinstellungen, während sich Fortgeschrittene in der Kommandozeile mit apt install die benötigte Software aus den Ubuntu-Paketquellen holen.

Bemerkenswert sind die fast 90 exklusiven Apps für Elementary OS im App Center: Alle Apps sind als freie Software und grundsätzlich kostenlos. Allerdings können die Programmierer auch einen Obolus vorschlagen, der allerdings freiwillig zu entrichten ist und die weitere Entwicklung der App unterstützen soll.

Elementary OS 5: Installation und Einrichtung

Die Hardwarevoraussetzungen sind ähnlich wie jene der Basis Ubuntu 18.04 (mindestens zwei GB RAM und Dualcore-CPU). Als Installationsprogramm dient der Ubuntu-Installer Ubiquity.

Während der Desktop von Elementary OS überzeugen kann, gelingt dies bei den mitgelieferten Programmen nicht immer. Zu reduziert sind die Funktionen, was gerade im Dateimanager, bei den Playern und im Browser Epiphany ein Manko ist. Es empfiehlt sich der Ersatz mit bewährten Linux-Programmen. Auch in Sachen Bürosoftware und Bildbearbeitung bleibt es Benutzern überlassen, das System aus den Ubuntu-Repositories zu komplettieren.

Bis das System bereit für den PC-Alltag ist, sind nach der Installation noch einige Handgriffe nötig beziehungsweise zu empfehlen.

Sprachpakete vervollständigen: Wie bei den anderen Ubuntu-Varianten sind nach der Installation noch nicht alle deutschen Sprachpakete vorhanden. Erst nach dem Besuch im Menü „Apps –› Systemeinstellungen –› Sprache & Region“ installiert das System von sich aus die noch fehlenden Pakete nach.

Tastenkombinationen: So wie Gnome lässt sich auch Pantheon unter Elementary OS gut mit der Tastatur bedienen und zeigt bei einem Druck auf die Windows-Taste eine Übersicht der wichtigsten Tastenkombis an.

Nachtlicht: Passend zur Tageszeit kann der Desktop seine Farbbalance automatisch anpassen und gegen Abend den Blauanteil reduzieren. Diese Einstellung findet sich über das Apps-Menü unter „Systemeinstellungen –› Bildschirme –› Nachtmodus“.

Multimedia-Codecs: Die mitgelieferten Player können die verbreiteten Audio- und Videoformate abspielen, aber es empfiehlt sich die Installation weiterer Codecs über diesen Befehl im Terminal:

sudo apt install ubuntu-restricted-extras  

Paketverwaltung: Das App Center dient nicht als Front-End für apt in der Kommandozeile und kann folglich keine einzelnen DEB-Pakete installieren. Das Programm Gdebi ist aber mit dem Kommando

sudo apt install gdebi  

einfach nachinstallierbar und kann sich dann um DEBs und ihre Abhängigkeiten kümmern.

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