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Elementary OS: Schicke Desktop-Optik

12.07.2017 | 10:04 Uhr |

Wenn Ihnen der Ubuntu-Desktop nicht gefällt und Linux Mint zu schlicht ist, sollten Sie sich Elementary OS ansehen, dessen Oberfläche Mac-OS X ähnelt. Das relativ schlanke System eignet sich als Standard-Desktop und als portables Komplettsystem.

Der Pantheon-Desktop von Elementary OS ähnelt auf dem ersten Blick Max-OS X. Wichtige Programme lassen sich direkt über ein Dock starten, das auch als Taskleiste dient. Das Panel am oberen Bildschirmrand enthält nur das Menü „Anwendungen“ und wie bei Ubuntu Symbole etwa für den Netzwerkmanager und die Lautstärkeregelung. Der Desktop reagiert relativ schnell, was das System auch für weniger gut ausgestattete PCs tauglich macht. Insgesamt ist das System sehr reduziert, aber mit ein paar Tricks lassen sich auch individuelle Anpassungen vornehmen.

Motive für Elementary OS

Der Pantheon-Desktop von Elementary OS ist eine komplette Eigenentwicklung und basiert auf keiner der bekannten Desktopumgebungen. Es gibt ein Dock im Stil von Mac-OS X, das auch ähnliche Aufgaben erfüllt. Außerdem orientieren sich die Desktophintergrundbilder, Fensterelemente und die Gestaltung der Icons am Vorbild aus Cupertino. Wem diese Ästhetik gefällt, sollte sich Elementary OS ansehen. Das System eignet sich außerdem für alle, die ein sehr reduziertes System bevorzugen, das sich auf die wichtigsten Aufgaben beschränkt.

Standardmäßig sind bei Elementary OS nur wenige Anwendungen installiert, die sich allesamt an die Gestaltungsrichtlinien der Systementwickler halten. Das bedeutet: Es gibt keine Menüleiste, die Steuerung erfolgt ausschließlich über die Symbolleiste oder das Kontextmenü. Fenster lassen sich standardmäßig nur per Klick auf das zugehörige Icon im Dock minimieren. In den Fensterleisten gibt es nur eine Schaltfläche für die Darstellung im Vollbild (siehe „Elementary OS optimieren“). Das gilt auch für Anwendungen, die nicht standardmäßig zu Elementary OS gehören. Hier erscheint jedoch ein Menü, wenn das Programm es anbietet.

Elementary OS basiert auf Ubuntu und zeigt es bei der Installation auch ein Bootmenü.
Vergrößern Elementary OS basiert auf Ubuntu und zeigt es bei der Installation auch ein Bootmenü.

Installation von Elementary OS

Die Installation von Elementary OS birgt keine Überraschungen, da Bootmenü und Installer von Ubuntu stammen. Es stehen fast die gleichen Optionen zur Verfügung wie bei Ubuntu 16.04 oder Linux Mint 18.

Elementary OS gibt es nur in der 64-Bit-Ausführung, andere Versionen stehen nicht zur Verfügung. Der Download erfolgt über https://elementary.io/de/ . Die Entwickler bitten um eine kleine Spende, deshalb ist die Downloadschaltfläche auch mit „Elementary OS kaufen“ beschriftet. Tragen Sie bei „Benutzerdefiniert“ den Betrag „0“ ein, dann wechselt die Beschriftung zu „Elementary OS herunterladen“.

Elementary OS

Elementary OS basiert auf Ubuntu 16.04 LTS. Das System bietet damit die gleiche sehr gute Hardwareunterstützung wie Ubuntu. Standardmäßig sind nur wenige Anwendungen installiert, die zwar zum optisch ansprechenden Pantheon-Desktop passen, aber nicht den von anderen Linux-Systemen gewohnten Funktionsumfang bieten. Sie können aber über das „AppCenter“ oder im Terminalfenster per apt jedes Programm installieren, das es auch für Ubuntu gibt. Elementary OS finden Sie als bootfähige 64-Bit-Version auf der Heft-DVD.

Projektseite: https://elementary.io

Download: https://elementary.io/de/

Infos: https://elementary.io/de/support

Elementary OS anpassen

Auch wenn Sie bei der Installation „Deutsch“ als Sprache ausgewählt haben, erscheint die Oberfläche von Elementary OS zunächst in englischer Sprache. Um das zu ändern, gehen Sie links oben auf „Applications“, klicken auf „System Settings“ und dann auf „Language & Region“. Bei Elementary OS genügt übrigens immer ein einfacher Klick, was beispielsweise auch für den Dateimanager gilt. Klicken Sie unter „Installed Languages“ auf „Deutsch“. Passen Sie hinter „Region“ und „Formats“ die Einstellung auf „Deutschland“ beziehungsweise „Germany“ an. Klicken Sie auf „Set Language“, dann im oberen Bereich des Fensters auf „Complete Installation“, geben Sie Ihr Passwort ein und bestätigen Sie mit „Authenticate“. Warten Sie, bis die Installation abgeschlossen ist, klicken Sie auf „Unlock“, geben Sie erneut Ihr Passwort ein und klicken Sie auf „Set System Language“.

Nach der Installation zeigt Elementary OS eine englischsprachige Oberfläche.
Vergrößern Nach der Installation zeigt Elementary OS eine englischsprachige Oberfläche.

Melden Sie sich über die Schaltfläche rechts oben auf dem Bildschirm und „Log out“ beim System ab und dann wieder an. Es erscheint ein Fenster, das Sie zum Umbenennen der Standardordner auffordert. Wenn Sie auf „Namen aktualisieren“ klicken, wird beispielsweise aus „Documents“ „Dokumente“ und aus „Pictures“ „Bilder“. Wählen Sie „Alte Namen beibehalten“, um die Ordner mit englischsprachigen Bezeichnungen weiterzuverwenden. Auswirkungen auf die Funktion des Systems haben die geänderten Ordnernamen nicht.

Als Nächstes sollten Sie sich um anstehende Updates kümmern. Diese werden durch eine Ziffer im roten Kreis neben dem blauen Icon des App Centers im Dock angezeigt. Klicken Sie das Icon an, gehen Sie auf „Aktualisierungen“ und auf „Alle aktualisieren“. Über das App Center lässt sich auch weitere Software aus den Ubuntu-Repositorien installieren, beispielsweise Libre Office oder Firefox.

Lesetipp: Welche Linux-Distribution ist die Richtige?

Konfiguration des Systems: Gehen Sie auf „Anwendungen“ und auf „Systemeinstellungen“. Der Inhalt des Fensters ähnelt dem von Ubuntu, es gibt jedoch einige Unterschiede. Es fehlt beispielsweise „Helligkeit und Sperren“. Um die automatische Abschaltung des Monitors bei Nichtbenutzung des PCs zu konfigurieren, gehen Sie auf „Stromversorgung“. Hier lässt sich außerdem „Display bei Inaktivität abdunkeln“ aktivieren und darunter ein Zeitraum einstellen. Wer kein Passwort eingeben möchte, nachdem sich der Bildschirm abgeschaltet hat, findet die passende Option unter „Sicherheit & Datenschutz“ nach einem Klick auf „Sperren“. In dieser Kategorie lässt sich nach einem Klick auf „Firewall“ auch die standardmäßig installierte, aber deaktivierte Softwarefirewall anschalten und konfigurieren.

Über „Systemeinstellungen -> Bildschirme“ ändern Sie die Monitoreinstellungen.
Vergrößern Über „Systemeinstellungen -> Bildschirme“ ändern Sie die Monitoreinstellungen.

Wer die Auflösung des Monitors ändern oder mehrere Monitore konfigurieren will, klickt in den „Systemeinstellungen“ auf „Bildschirme“. Die Auflösung lässt sich nach Klick auf das Zahnradsymbol ändern, außerdem können Sie hier Monitore aktivieren oder deaktivieren. Den primären Monitor (und damit die Position des Docks) legen Sie per Klick auf das Sternchen beim gewünschten Bildschirm fest. In den „Systemeinstellungen“ lohnt sich auch ein Blick auf „Tastatur“ und das Register „Tastenkürzel“. Sie sehen hier die bereits vergebenen Tastenkombinationen, die Sie bei Bedarf ändern können. Außerdem lassen sich unter „Benutzerdefiniert“ neue Tastaturkürzel festlegen, etwa für den Start häufig genutzter Programme. Die Tastenkombinationen werden für eine Mac-Tastatur angezeigt. Das Symbol mit dem Pfeil steht bei einer Windows-Tastatur für die Alt-Taste, das Schleifenkreuz für die Windows-Taste.

Vorinstallierte Software

Über das Dock oder das Menü unter „Anwendungen“ starten Sie die standardmäßig installierten Programme. Das Menü zeigt große Icons, was bei vielen installierten Programmen schnell unübersichtlich wird. Per Klick auf die zweite Schaltfläche links oben im Fenster lässt sich aber auch die Ansicht „Kategorien“ aktivieren. Alternativ verwenden Sie das Eingabefeld und filtern die Anwendungsliste über einen Suchbegriff.

„Dateien“: Der Dateimanager von Elementary OS leistet in etwa das Gleiche wie seine Kollegen Nautilus und Nemo unter Ubuntu oder Linux Mint. Dateien lassen sich beispielsweise über das Kontextmenü kopieren und in einen anderen Ordner einfügen. Per Drag & Drop mit der linken Maustaste verschieben Sie Dateien. Wenn Sie die rechte Maustaste verwenden, erscheint ein Menü mit „Hierhin verschieben“, „Hierhin kopieren“ und „Verknüpfung hier anlegen“. Halten Sie die Strg-Taste gedrückt, um mehrere Dateien zu markieren, oder setzen Sie in Häkchen beim Miniaturbild der gewünschten Datei.

Über die „+“-Schaltfläche oder Strg-T erzeugen Sie neue Tabs für die bequeme Navigation zwischen Ordnern. Wenn Sie ein zweites Fenster benötigen, verwenden Sie den Kontextmenüpunkt „Neues Fenster“ des Dateimanager-Icons im Dock.

„Mail“: Das E-Mail-Programm fordert Sie beim ersten Start zur Eingabe der Anmeldeinformationen auf. Vorkonfiguriert sind Einstellungen für Konten bei Gmail, Yahoo-Mail und Outlook.com. Nach Auswahl von „Andere“ lassen sich Imap-Konten beliebiger Anbieter konfigurieren. Mail erfüllt die wichtigsten Anforderungen an ein Mailprogramm, reicht aber im Funktionsumfang nicht an Thunderbird heran. Es fehlt beispielsweise die Möglichkeit, Nachrichten über Filter automatisch aus dem Posteingang in andere Ordner zu verschieben. Die Erweiterung über Add-ons ist ebenfalls nicht vorgesehen.

„Epiphany Internet-Browser“: Epiphany ist ein schneller Browser, der auf Webkit basiert. Der Browser bietet alle nötigen Funktionen, etwa eine Lesezeichenverwaltung und einen Inkognitomodus. Add-ons werden nicht unterstützt, weil diese nach Ansicht der Entwickler zu oft für Abstürze verantwortlich waren.

„Video“: Der Player spielt die meisten gebräuchlichen Formate ab. Über das Zahnradsymbol rechts unten im Fenster können Sie die Audiospur wählen und Untertitel aktivieren.

Musik abspielen: Der Audioplayer „Musik“ sollte den meisten Ansprüchen genügen.
Vergrößern Musik abspielen: Der Audioplayer „Musik“ sollte den meisten Ansprüchen genügen.

„Musik“: Der einfache Audioplayer kann eine Musikbibliothek verwalten und es lassen sich Wiedergabelisten anlegen. Fehler in der von uns getesteten Version 0.4.0.2 verhindern jedoch, dass das einwandfrei funktioniert. Neue Dateien werden beispielsweise nicht automatisch in die Musikbibliothek aufgenommen. Das Problem lässt sich zumindest temporär beheben, indem Sie das Programm beenden und in einem Terminalfenster folgende Befehlszeile ausführen:

rm ~/.local/share/noise/*.db

Starten Sie Musik neu, klicken Sie auf „Musikordner ändern“ und geben Sie das Verzeichnis an, in dem die Audiodateien liegen. Sie müssen diese Schritte allerdings jedes Mal wiederholen, wenn Sie neue Dateien in die Bibliothek aufnehmen wollen. Das Programm erkennt außerdem nicht automatisch Coverbilder, die in einem Ordner mit Audiodateien liegen. Sie können die Bilder aber manuell zuweisen. Dazu wechseln Sie über das Icon in der Symbolleiste zur „Albumansicht“. Klicken Sie das gewünschte Album an, dann mit der rechten Maustaste auf das Platzhalterbild und auf „Neues Albumcover festlegen“. Wählen Sie das gewünschte Bild aus.

„Fotos“: Das Programm ist ein einfacher Bildbetrachter, der startet, wenn Sie eine Bilddatei im Dateimanager anklicken. Wenn Sie das Programm über „Anwendungen“ aktivieren, zeigt es eine Übersicht mit den Dateien aus dem Ordner „Bilder“. Sie können dann eine Diashow starten oder ein Bild bearbeiten. Es stehen Funktionen zur Verfügung, um Bilder zu drehen, zu schneiden, rote Augen zu entfernen oder die Farben zu verändern.

Auch interessant: Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

Elementary OS optimieren

Wer Elementary OS individuell anpassen möchte, sollte das Tool Elementary-Tweaks installieren. Da die Installation über PPAs standardmäßig deaktiviert ist, führen Sie in einem Terminalfenster zuerst folgende Befehlszeile aus:

sudo apt-get install software-properties-common

Danach nutzen Sie die folgenden drei Kommandos:

sudo apt-add-repository ppa:versable/elementary-update
sudo apt-get update
sudo apt-get install elementary-tweaks

Sie starten dann das Tool über „Anwendungen -> Systemeinstellungen“ per Klick auf „Tweaks“. In der Rubrik „Erscheinungsbild“ konfigurieren Sie hinter „Aussehen“ die Schaltflächen für die Fensterbedienung. Wählen Sie beispielsweise „Windows“, damit die Schaltflächen „Minimieren“, „Maximieren“ und „Schließen“ am rechten Rand der Fensterleisten erscheinen. Unter „Dateien“ ändern Sie das Mausverhalten auf „Doppelklick“, indem Sie „Einfacher Klick“ deaktivieren.

Mehr Einstellungen: Mit Elementary-Tweaks passen Sie das System individuell an.
Vergrößern Mehr Einstellungen: Mit Elementary-Tweaks passen Sie das System individuell an.

In der Rubrik „Starter“ lässt sich die Darstellung des Fensters unter „Anwendungen“ anpassen. Sie können beispielsweise die Anzahl der Spalten erhöhen und damit die Anzeige verbreitern.

Desktop aktivieren: Der Desktop ist bei Elementary OS keine Dateiablage. Es gibt kein Kontextmenü und Sie können keine Ordner oder Verknüpfungen ablegen. Das lässt sich aber ändern. Installieren Sie in einem Terminalfenster die nötigen Programme

sudo apt-get install –-no-install-recommends nautilus dconf-tools

und starten Sie dann das Tool (ohne sudo):

dconf-editor

Gehen Sie auf „org -> gnome -> nautilus -> desktop“. Setzen Sie Häkchen vor die Elemente, die auf dem Desktop sichtbar sein sollen, beispielsweise bei „home-icon-visible“ und „network-icon-visible“. Gehen Sie auf „org -> pantheon -> desktop -> cerbere“. Bei „monitored-processes“ ergänzen Sie „nautilus -n“. Der komplette Wert sieht dann so aus:

['wingpanel', 'plank', 'nautilus -n']

Danach beenden Sie den dconf-editor und geben den Befehl

nautilus -n

ein. Nun starten Sie den dconf-editor erneut und gehen auf „org -> gnome -> desktop -> background“.

Setzen Sie ein Häkchen hinter „show-desktop-icons“. Beenden Sie das Programm und melden Sie sich beim System ab und wieder an. Sie sehen jetzt die gewählten Icons auf dem Desktop und es gibt jetzt ein Kontextmenü mit Einträgen wie „Neuer Ordner“ und „Hintergrund des Schreibtischs ändern“.

Über den Dateimanager können Sie ab jetzt Ordner und Dateien auf den Desktop kopieren und auch Verknüpfungen erstellen.

Pantheon-Desktop für Ubuntu 16.04

Den Pantheon-Desktop gibt es offiziell nur für Elementary OS. Er lässt sich jedoch auch unter Ubuntu 16.04 installieren. Bei unseren Tests funktionierte das ohne Probleme. Ein Wechsel der Desktopumgebung stellt jedoch einen gravierenden Eingriff ins System dar – Nebenwirkungen nicht auszuschließen. Deshalb empfehlen wir das Verfahren nur auf einem PC, den Sie nicht produktiv nutzen. Sicherheitshalber sollten Sie ein Backup des kompletten Systems anlegen.

Die Installation ist schnell geschehen. Führen Sie in einem Terminalfenster folgende drei Befehlszeilen aus:

sudo add-apt-repository ppa:elementary-os/stable
sudo apt-get update
sudo apt-get install elementary-desktop

Melden Sie sich beim System ab. Wählen Sie über das Icon rechts von Ihrem Benutzernamen „Pantheon“. Danach melden Sie sich wie gewohnt an.

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