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Ein Gerät für alle Netze, Touchscreen überall, Handy als Papierersatz , Location-based Services

02.12.2008 | 12:55 Uhr |

Jedes Gerät in jedem Funknetz-Standard benutzen

Der Grund, warum Mobiltelefone so billig sind, liegt darin, dass sie von den Netzbetreibern bezuschusst werden – als Gegenleistung dafür müssen Sie einen längerfristigen Vertrag abschließen. Öffentliche nutzbare Hotspots könnten die Wirtschaftlichkeit dieses Geschäftsmodells sowie der mobilen Datenübertragung dramatisch verändern. Die Barrieren, die manche Geräte noch daran hindern, in gewissen Funknetz-Standards zu funktionieren, werden bald niedergerissen werden. Wir werden einen weiteren Zuwachs bei der Modellpalette von Mobiltelefonen erleben, und dabei werden sich mehr und mehr kleinere Firmen in einem ehemals recht geschlossenen Mobiltelefonmarkt etablieren.

Die Fakten: Zwei Jahre sind im Mobilfunkmarkt eine Ewigkeit. Das allererste iPhone wurde innerhalb von weniger als 2 Jahren angekündigt, am Markt eingeführt und wieder vom Markt genommen. Aber immer noch zwingen Sie die Hersteller gewohnheitsmäßig, einen Zweijahresvertrag zu unterschreiben, wenn Sie in den Genuss eines subventionierten Geräts kommen möchten. Das könnte sogar noch schlimmer sein – in anderen Ländern sind bis zu drei Jahre Vertragslaufzeit üblich. Letztes Jahr hagelte es noch Vorwürfe gegen Verizon, als die Firma ankündigte, dass bald jedes Gerät und jede Applikation auf ihr ehemals geschlossenes Netz zugreifen könne. Inzwischen weisen AT&T und T-Mobile USA darauf hin, dass ihre GSM-Netze schon längst „offen“ sind.

Der Zeitplan: Zum Teil gibt es den offenen Zugang in den USA schon: Mit beinahe jedem GSM-Telefon ohne SIM-Lock kann man sich in die Netze von AT&T und T-Mobile USA einwählen; Verizon Wireless begann im Juli damit, Geräte aus Fremdnetzen in seinem Netz zuzulassen (allerdings hat das Unternehmen bis jetzt nur zwei Geräte dafür zertifiziert). Aber die Zukunft sieht nicht ganz so rosig aus, weil Verizon die gesetzlichen Bestimmungen ein wenig ausbremsen möchte, die das Unternehmen dazu verpflichten, sein neu erworbenes 700-MHz-Netz für andere Geräte offen zu halten. Dieser Regelung hatte die Federal Communications Commission (FCC) nach erheblichem Lobby-Druck durch Google ursprünglich zugestimmt. Einige Experten hatten allerdings eingewandt, dass diese Vorschriften der FCC wohl nicht gänzlich durchsetzbar seien. Wir werden sowieso nicht genau wissen, was die FCC unter dem Begriff „offen“ versteht, solange der Netzbetrieb nicht gestartet ist – der Start ist für 2010 angekündigt.

Finger in ständiger Bewegung

Letztes Jahr stellte Microsoft die Surface-Technologie vor – in Form eines Tablet-PCs mit integriertem Touchscreen. Manche Marktbeobachter haben die Technologie schon als Leithammel gesehen für die Implementierung von Touchscreen-Technologie in alle denkbaren Geräte. Die Surface-Technologie ist zwar eine hübsche Anwendung, aber die Marktdurchdringung der berührungsempfindlichen Technologien könnte von einem ganz anderem und besser verfügbaren Gerät angetrieben werden: von Apples iPhone.

Die Technologie: Die „Multitouch“-Technologie des iPhone, die es uns erlaubt, für spezifische Aktivitäten mehr als einen Finger zu benutzen, hauchte dem bescheidenen Touchpad neues Leben ein. Nur einen einzigen Finger auf einem Touchpad zu bewegen sieht ziemlich unterentwickelt aus im Vergleich zu den Kunstgriffen, die man mit zwei oder mehr Fingern erzielen kann. Seit der Markteinführung des iPhone hat die Multitouch-Technologie Einzug gehalten bei vielen Mainstream-Geräten, inklusive dem Asus Eee PC 900 und einem Dell Latitude Tablet-PC. Nun sind wieder alle Augen auf Apple gerichtet, um zu sehen, wie das Unternehmen die Multitouch-Technologie weiterentwickeln wird – bei manchen Notebook-Touchpads wird sie bereits eingesetzt. Die Patente, die Apple für einen Multitouch-Tablet-PC angemeldet hat, wecken Erwartungen, dass das Unternehmen in diesen bisher vernachlässigten Markt eintauchen wird – mit dem Ergebnis, dass Tablet-PCs endlich den Massenmarkt erreichen und ein Feuerwerk bei den Absatzzahlen entfachen.

Der Zeitplan: Es ist keine Frage mehr, ob Multitouch kommen wird, sondern wie schnell der Trend wachsen wird. Im Jahr 2006 wurden noch weniger als 200.000 Touchscreens ausgeliefert. Analysten des Marktforschungsunternehmens iSuppli schätzen, dass bis zum Jahr 2013 die kolossale Menge von 833 Millionen Touchscreen ausgeliefert werden wird. Die wirklich interessante Frage ist, bis wann die alten Single-Touchpads ausgedient haben und ob mit ihnen gleichzeitig die physikalische Tastatur aus manchen Geräten verschwinden wird.

Mobiltelefone ersetzen das Papier

Mobiltelefon als Papier-Ersatz
Vergrößern Mobiltelefon als Papier-Ersatz
© 2014

Loggen Sie sich auf der Webseite Ihrer Fluglinie ein. Checken Sie ein und drucken Sie den Boarding-Pass aus. Hoffentlich werden Sie ihn nicht verlieren! Zeigen Sie den völlig zerknitterten Boarding-Pass einem Security-Mitarbeiter und beten Sie, dass Sie nicht zu einer Leibesvisitation beiseite genommen werden. Wenn Sie nach Hause fliegen, reihen Sie sich am Flughafen schön in die Schlange ein, weil Sie vom Hotelzimmer aus leider keinen Zugriff auf einen Drucker hatten. Geht das nicht einfacher?

Die Technologie: Die Idee des papierlosen Büros begleitet uns schon seit der Zeit, als Bill Gates noch in kurzen Hosen auftrat, aber egal wie ausgeklügelt Ihr Betriebssystem daherkommt oder Ihre Verwaltung digitaler Dateien anstelle von Papierausdrucken: All das nützt Ihnen nichts mehr, sobald Sie Ihren Schreibtisch verlassen. Man braucht eben Ausdrucke von Karten, Quittungen oder Bedienungsanleitungen für den Fall, das gerade kein Computer zur Verfügung steht. PDAs haben dabei versagt, diesen Mangel auszufüllen, aber nun erscheinen ihre Nachfolger als Retter: die Mobiltelefone. Anwendungen, die einen Papierausdruck in beinahe jeder Situation ersetzen können, überfluten gerade den Markt. Cellfire bietet mobile Coupons, die Sie auf Ihr Mobiltelefon laden und dem Kassierer im Geschäft zeigen können. Tickets.com ermöglicht digitale Konzertkarten auf dem Mobiltelefon über den Service „Tickets@Phone“. Die letzte Festung, die es zu erobern gilt, ist allerdings der Boarding-Pass der Fluglinien, der sich seit der Möglichkeit zum webbasierten Check-in dem Schritt zur Papierlosigkeit immer noch widersetzt.

Der Zeitplan: Einige Mobiltelefonanwendungen, die das Papier ersetzen können, gibt es schon, beispielsweise für das iPhone. Sogar der papierlose Boarding-Pass kommt langsam voran. Die Fluglinie Continental hat ein Mobiltelefon-basiertes Check-in-System getestet, mit dem man dem Security-Mitarbeiter einen verschlüsselten 2D-Barcode auf seinem Mobiltelefon anstelle eines Boarding-Passes auf Papier zeigt. Der Mitarbeiter scannt den Code mit einem ganz normalen Barcode-Scanner – und schon können Sie losfliegen. Nachdem das Pilotprojekt am Houston International Airport eingeführt wurde, ging es Anfang dieses Jahres in den Regelbetrieb und Continental führte es zusätzlich auf drei weiteren Flughäfen ein. Die Fluglinie verspricht die Einführung auf weiteren Flughäfen und auch die australische Fluggesellschaft Qantas plant ein ähnliches System für das Frühjahr 2009.

Orientierung in der Stadt: Fragen Sie nicht Ihre Freunde, sondern Ihr Mobiltelefon!

Location-based Services auf dem Mobiltelefon
Vergrößern Location-based Services auf dem Mobiltelefon
© 2014

GPS entwickelt sich zur Massenanwendung, nachdem Mobiltelefonhersteller, Netzbetreiber und Service Provider gemerkt haben, dass die Anwender oft nicht wissen, wo sie sich gerade (in einer Stadt) befinden. Ein Location-based Service (LBS) nimmt die nackten GPS-Daten, die Ihnen verraten, wo Sie sich gerade befinden, und erweitert diese Information durch zusätzliche Dienste. Solche Services zeigen Ihnen Restaurants in Ihrer Nähe und den gegenwärtigen Aufenthaltsort Ihrer Freunde.

Die Technik: Location-based Services waren ursprünglich dafür vorgesehen, mit Hilfe der Mobiltelefonnetz-Zelle die Anwender in der Nähe anzuzeigen, aber nachdem GPS-Module immer üblicher und immer ausgefeilter werden, hat die GPS-Technologie den Beweis erbracht, dass sie nicht nur handlich und zuverlässig ist, sondern auch als Basis für neue Dienste herhalten kann. Viele junge Startup-Firmen sind rund um Location-based Services entstanden. Sie wollen ein Date? Heute kommt es nicht mehr darauf an, ob der Partner passt, sondern ob er gerade in der Nähe ist. Der Dienst MeetMoi kann beispielsweise dabei helfen. Sie wollen alle Ihre Freunde an einem Ort versammeln? Die beiden Dienste Whrrl und uLocate verraten Ihnen, wo sich Ihre Freunde gerade aufhalten.

Natürlich ernten Location-based Services nicht nur Begeisterung: Sorgen über heimliche Verfolgung und Stalking sind ständig zu hören und es besteht die Möglichkeit, dass unsere Mobiltelefone mit einer Flut von Spamnachrichten bombardiert werden.

Der Zeitplan: Location-based Services wachsen schnell. Das einzige, was die Technologie noch bremst, ist die langsame Verbreitung von GPS-fähigen Mobiltelefonen bei den Verbrauchern, und die Netzbetreiber kassieren saftige Gebühren für GPS und Location-based Services. Aber wenn sich das iPhone weiterhin so gut verkauft wie bisher, wird diese Hürde bald fallen. Wir können die massenhafte Verbreitung dieser Technologien für die Jahre 2009 und 2010 erwarten.

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