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Ein Farbcode für mehr Ordnung

10.09.2010 | 14:01 Uhr | Panagiotis Kolokythas,

Prototyp HbbTV: Sport1 sieht schick aus - aber anders als die anderen Sender. Das verwirrt manche Nutzer. (Foto: PC-WELT)
Vergrößern Prototyp HbbTV: Sport1 sieht schick aus - aber anders als die anderen Sender. Das verwirrt manche Nutzer. (Foto: PC-WELT)
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Die Macher versuchen das Durcheinander der jungen Technologie zu ordnen. Zum Beispiel bei der Bedienung des hybriden Fernsehens, das ausschließlich über vier farbige Knöpfe an der Fernbedienung funktioniert. Der rote Knopf hat eine kontextsensitive Funktion, hinter ihm verbirgt sich stets eine Zusatzinformation zum aktuellen Bewegtbild – wie die Probefahrt bei der Autowerbung. Gelb ist stets die Mediathek, grün das aktuelle Programm und blau der neue Videotext. Zudem bleiben vorerst die dreistelligen Zahlen im Videotext. Die sind zwar technisch sinnlos, schließlich navigiert der Nutzer per Steuerkreuz auf die Links. Aber sie helfen, sich zu orientieren. So bleibt das Neueste vorerst auf Seite 110, Sport auf Seite 200 und das Fernsehprogramm auf 300.

Hardware: Schon wieder ein neuer Receiver
Auch bei der Hardware gibt es noch ein paar Haken. Denn: Wer das Fernseh-Internet-Gemisch sehen will, braucht aktuell noch einen HbbTV-fähigen Receiver. Aber wer kauft sich schon einen, wenn er jüngst erst einen für HD-Fernsehen erworben hat? Zudem benötigen Nutzer einen Breitbandinternetzugang. 2009 surften allerdings nur 60 Prozent der deutschen Haushalte in Hochgeschwindigkeit (Quelle: statistisches Bundesamt). Eine flächendeckende Verbreitung wie der aktuelle Videotext ist daher vorerst ausgeschlossen. Zudem wirken die ersten Geräte noch nicht vollständig durchdacht.

Portalübersicht HbbTV-Receiver von Videoweb: Inhalte, die zum Wohnzimmer passen. (Foto: Videoweb)
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So zeigt Hersteller Videoweb auf der IFA zum Beispiel einen HD-HbbTV-Receiver mit Extrafeatures: Zusätzliche digitaler Videothek inklusive aktueller Kinofilme, Programme wie Nasa TV plus Verknüpfungen zu Internetdiensten wie dem Fotoportal Picasa oder dem Kurznachrichtendienst Twitter. Bilder hochladen oder Twitterbotschaften versenden aber muss der Nutzer noch auf dem Computer, eine Tastatur zum Beispiel fehlt im Angebot. Zudem: Wer braucht zusätzliche Internetdienste auf dem Fernseher, wenn er das Web im Wohnzimmer bereits via Tablet-PC erreicht? „Unser Produkt ist kein Replacement für das Internet. Wir konzentrieren uns auf Entertainment im Leanback-Bereich“, erklärt Videoweb-Chef Matthias Greve. Und meint damit: Internet im Wohnzimmer ist nur sinnvoll, wenn es unterhaltend ist und zur bequemen Nutzungssituation beim Fernsehschauen passt.

Wer aber liest seine Twitter-Nachrichten auf dem Fernseher, um die Antwort später via Computer zu geben? Oder zurück zur interaktiven Auto-Werbung: Wer gibt zum Beispiel per Fernbedienung mühsam Name, Adresse und Termin ein, um ein Auto zu reservieren? "Für mich ist das alles Spielerei", kommentiert der IFA-Besucher. "Warten wir ab, ob sich diese Technologie wirklich durchsetzt."

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