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Drohnen im Einsatz bei Feuerwehr, Polizei und Rettung

11.05.2016 | 10:30 Uhr |

Drohnen können vor allem bei Spezialeinsätzen enorme Vorteile bringen und – richtig eingesetzt – die Einsatzkräfte vor Ort erheblich unterstützen.

Die kleinen Fluggeräte halten mittlerweile Einzug in den verschiedensten Lebensbereichen. Im Hinblick auf den Datenschutz fürchten zwar viele Menschen noch eine unsachgemäße Nutzung. Doch Drohnen sind weit mehr als nur Spielzeuge. Bei Spezialeinsätzen mit Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften können sie das Personal vor Ort unterstützen und eine schnelle Einschätzung der Lage ermöglichen.

Was leistet das Equipment?

Mit einer Flugzeit je nach Gerät von 20 bis 60 Minuten lassen sich Einsatzorte aus der Luft überwachen und sondieren. Adaptive Konstruktionen erweitern je nach Bedarf den Leistungsumfang des Fluggerätes. So kann beispielsweise die Drohne zusätzlich zur Standardkamera (4 K oder 8 K) mit einer Thermografiekamera ausgestattet werden.

DJI Inspire1 FLIR-Edition V2 mit zusätzlicher Infrarotkamera (640 x 512 Pixel)
Vergrößern DJI Inspire1 FLIR-Edition V2 mit zusätzlicher Infrarotkamera (640 x 512 Pixel)
© Hessendrohne

Die Komponenten können einzeln getauscht bzw. adaptiv erweitert werden. Der Umfang des Equipments lässt sich dadurch so gestalten, dass es perfekt zum jeweiligen Einsatzzweck passt. Je nach Bedarf der Einsatzkräfte können individuelle Möglichkeiten und Wünsche im Rahmen der modularen Bauweise umgesetzt werden. Ab Mitte des Jahres wird sogar der Einbau eines Strahlungsmessgerätes sowie ein Messgerät für Aerosole möglich sein.

Universal-Gimbel mit Aufbau, Bestückung nach Wunsch
Vergrößern Universal-Gimbel mit Aufbau, Bestückung nach Wunsch
© Hessendrohne

Lesetipp: Kleines Drohnen-ABC

Drohneneinsatz und Analyse

Die Live-Aufnahme aus der Luft wird in Echtzeit an den Boden übertragen und kann von der Einsatzleitung auf einem separaten Monitor oder mit einer Videobrille angesehen werden. Gesteuert wird die Drohne je nach Modell und Einsatzzweck von bis zu drei Personen.

Schulungs-Drohne Edition THW
Vergrößern Schulungs-Drohne Edition THW
© Hessendrohne

Bereits etabliert hat sich die Steuerung mit zwei Personen: einem Piloten, dessen Aufgabe lediglich in der Steuerung der Drohne liegt, und einer weiteren Person, die die Kamera und unabhängig von der aktuellen Fluglage das Bild steuert. Ist eine zusätzliche Thermografiekamera verbaut, kann auch diese separat von einer weiteren Person unabhängig gesteuert werden.

Alternativsteuerung für professionellen Einsatz
Vergrößern Alternativsteuerung für professionellen Einsatz
© Hessendrohne

Die Thermografiekamera ermöglicht auf freiem Feld eine Personenortung in bis zu 500 Metern Entfernung. Selbst in dicht bewachsenem Gebiet und Wäldern liefert sie noch exzellente Ergebnisse. Die verbauten FLIR-Optiken (FLIR = Forward Looking Infrared, „vorausschauendes Infrarotgerät“) sind bei den Rettungskräften eine optimale Ergänzung zu den ohnehin vorhandenen FLIR-Handgeräten.

Vereinfacht lässt sich sagen: Es sind dieselben Ergebnisse wie von einem Helikopter zu erwarten.

Durch die Kombination aus Live-Bild, Thermografie-Bild und Gegebenheiten am Boden lässt sich innerhalb kürzester Zeit eine kompetente Einschätzung der Lage abgeben. Lange Wartezeiten auf Hubschrauber und horrende Kosten für deren Einsatz werden damit künftig der Vergangenheit angehören.

Neben der Nutzung zum eigentlichen Einsatzzweck lassen sich durch die erstellten Aufnahmen auch die Einsätze im Nachgang kompetent analysieren, um bei zukünftigen Einsätzen die Abläufe zu optimieren. Zusätzlich kann der Einsatz aus der Luft dokumentiert werden, um mögliche Schäden festzuhalten.

Lesetipp: Drohneneinsatz bei der Pariser Polizei

Allzeit bereit – ready to fly

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil des Drohneneinsatzes im B.O.S-Bereich (B.O.S = Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ist die schnelle Einsatzbereitschaft. Es ist durchaus denkbar, dass schon in naher Zukunft alle Einsatzwagen mit Drohnen ausgestattet werden. Die Drohnen liegen dann startbereit im Koffer und können direkt bei Ankunft am Einsatzort gestartet werden, damit sich die Einsatz- und Rettungskräfte aus der Luft schnell einen Überblick über die Lage verschaffen können.

Funksteuerung für B.O.S-Drohnen
Vergrößern Funksteuerung für B.O.S-Drohnen
© Hessendrohne

Wo kommen im B.O.S-Bereich Drohnen zum Einsatz?

Bei Feuerwehren leisten Drohnen bereits heute einen entscheidenden Beitrag zum Auffinden von Glutnestern, vermissten Personen und im Katastrophenfall. Feuerwehren in waldbrandgefährdeten Gebieten können einen möglichen Brand anhand des aufsteigenden Rauches bereits mit einer normalen Kamera lokalisieren und zum Einsatzort aufbrechen. Bei Bränden in dicht verbauten Altstadtbereichen kann die Drohne genutzt werden, um zu prüfen, ob der Brand vielleicht schon auf weitere Häuser übergegriffen hat.

Schulungs-Drohne Edition Feuerwehr
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© Hessendrohne

Aus- und Weiterbildung muss sein

Eine Drohnen-Besatzung muss in jedem Fall kompetent geschult werden. Dazu gehören neben Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen auch Aufbau, Technik und Funktionsweise der Drohne. Dann geht es um Flugpraxis – starten, landen, einfache Flugmanöver sowie Flugmodi und -manöver mit Wärmebildkamera an Bord ebenso wie Einsatz der Drohne bei schlechtem Wetter und Einsatz in Stress- und Gefahrensituationen.

Lesetipp: Drohnen in der Tierrettung

Das alles will gelernt und immer wieder geübt sein. Gerade in der Anfangszeit sollten Drohnenpiloten daher wöchentlich feste Termine für Übungsflüge machen.

Wer im B.O.S-Bereich Drohnen einsetzen will, sollte in der Planung nicht nur Kosten für das Equipment, sondern auch für ausreichend Manpower berücksichtigen und bedenken, dass geschultes Personal regelmäßig Auffrischungskurse besuchen sollte, um bei den Themen „Technik“ und „Recht“ auf dem Laufenden zu sein.

Am Himmel über den Einsatzorten wird sich jedenfalls in naher Zukunft einiges verändern.

Allzeit guten Flug!

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