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Die größten Technik-Mythen aufgedeckt – alles nur gelogen

03.05.2022 | 15:17 Uhr |

Es gibt Geschichten, die werden tausendfach weitererzählt, ohne ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ähnlich verhält es sich bei den Technik-Mythen. Vieles stimmt nicht (mehr) und gehört in das Reich der Fabeln. Wir nehmen 10 gängige Technik-Mythen unter die Lupe.

Immer wieder hört man von Technik-Mythen. Doch was ist das überhaupt? Ein Mythos ist in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Erzählung – immer mit dem Anspruch, dass die aufgestellte Behauptung der Wahrheit entspricht. Gerade Technik-Mythen gibt es zuhauf. Wir haben in diversen Foren und auf vielen Seiten im Internet nach mythischen Tipps geschaut und in unseren eigenen Erinnerungen gekramt. Und ja. Es gibt tatsächlich zahlreiche falsche Tipps, die sich seit Jahren hartnäckig halten und unreflektiert verbreitet werden. Einige Klassiker stellen wir Ihnen nachfolgend vor.

Technik-Mythos 1: Nutzen Sie niemals das Smartphone während des Ladevorgangs 

Angeblich sollen Smartphones am Ladekabel in dem Moment explodiert sein, als Nutzer einen eingehenden Anruf angenommen haben. Entsprechende Fotos gibt es zwar, aber die Ursachen sind ganz andere. So hatte beispielsweise das Note 7 von Samsung ein Akku-Problem und auch die Verwendung eines fehlerhaften Ladegeräts kann zu einer Explosion führen. Das hat aber nichts mit dem verbreiteten Mythos zu tun. Das Schlimmste, was während des Ladevorgangs passieren kann, ist, dass sich das Smartphone stärker als üblich erwärmt. Das deutet auf ein defektes Ladegerät oder einen abgenutzten Akku hin. Unser Tipp: Benutzen Sie niemals ein Handy, das sich so stark erhitzt, dass es unangenehm ist, es in der Hand zu halten. Denn zu hohe Hitze ist die Hauptursache dafür, dass ein Smartphone explodiert.

Handyladen
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© Shutterstock / DenPhotos

Technik-Mythos 2: Handy-Akkus sollen immer vollständig auf- und entladen werden

Auch der zweite Mythos hat mit dem Smartphone-Akku zu tun. Tatsächlich gab es zu Zeiten von Nickel-Cadmium-Akkus einen sogenannten Memory-Effekt. Wurde der Akku wiederholt nicht vollständig aufgeladen, sank die Kapazität merklich. Das ist jedoch schon lange Geschichte. Bei den heutigen Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkus spielt es keine Rolle, wann sie an Ladegerät angeschlossen werden. Die Hersteller garantieren eine bestimmte Anzahl Ladezyklen – das kennen Sie eventuell auch von E-Bikes. Komplett leer bis vollständig aufgeladen ist ein Ladezyklus. Hat der Akku noch 50 Prozent Restanzeige, wird für das vollständige Aufladen ein halber Ladezyklus benötigt. Es macht also keinen Unterschied, ob Sie das Smartphone zwei Mal zu 100 Prozent oder vier Mal zu 25 Prozent aufladen.

Lesetipp: Ist Schnellladen schädlich für den Handy-Akku? Die Antwort

Technik-Mythos 3: Wasserschaden am Smartphone mit Reis beheben

Heutzutage sind viele moderne Smartphones nach IP67 zertifiziert. Sie können für maximal 30 Minuten in maximal einem Meter Wassertiefe „überleben“. Ein Produkt mit der Schutzart IP65 ist gegen Strahlwasser aus beliebiger Richtung geschützt. Sollten Smartphone, Tablet, MP3-Player und Smartwatch dennoch einen Wasserschaden abbekommen, ist schnelle Hilfe wichtig. Oft wird empfohlen, das Gerät in einen verschlossenen Plastikbeutel mit ungekochtem Reis zu legen. 

Wasserschaden
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© Shutterstock / 19x14ph

Das ist jedoch keine gute Idee: Zwar verdunstet das Wasser mit der Zeit, aber es bleiben Salze zurück. Diese können dann die Ursache für Schäden an der Platine. Kontakten und anderen Bauteilen sein. Besser ist es, das Gerät an einem gut belüfteten Ort zu lagern – etwa im Luftstrom eines Ventilators. Wer auf Nummer sicher gehen will, bringt das Smartphone unmittelbar nach dem Unfall zur Reparatur zu einem Spezialisten. Der kann das Gehäuse öffnen und die Bauteile direkt trocknen.

Technik-Mythos 4: Besseres Bild mit teuren HDMI-Kabeln 

Was bei Kabelverbindungen via Chinch-Steckern durchaus Sinn machen kann, ist im Zeitalter von digitalen Audio- und Video-Standards wie DisplayPort, DVI und HDMI tatsächlich ein Mythos. Die Rede ist von scheinbar hochwertigeren Kabeln, die oft mit vergoldeten Steckern ausgerüstet sind. Der mitunter gigantische Aufpreis von mehreren Hundert Euro auf ein Standard-HDMI-Kabel lohnt nicht. Der Grund: Die digitalen Signale sind nicht so sensitiv wie die analogen. Sie bestehen gänzlich aus Einsen und Nullen. Die anliegende Signalspannung müsste schon dramatisch einbrechen, damit eine Eins am Ende der Leitung plötzlich eine Null ist. Trotzdem behaupten Heimkino-Enthusiasten und Heimkino-Verkäufer, dass sie einen Unterschied zwischen billigen und sehr teuren HDMI-Kabeln sehen würden. Das können wir bei unseren Tests mit verschiedenen Kabeln nicht bestätigen. 

Technik-Mythos 5: Handy- und WLAN-Strahlung machen krank

Die Alu-Hut-Fraktion möchte am liebsten sämtliche Mobilfunkmasten aus den Städten verbannen und auch kein WLAN in der Nähe haben. Angeblich soll die Strahlung für eine Vielzahl von Zivilisationskrankheiten wie Krebs und Alzheimer verantwortlich sein. Wissenschaftlich fundierte Studien dafür fehlen. Im Gegensatz dazu zeigen verschiedene Untersuchungen, dass die maximale Strahlung eines WLAN-Gerätes auch bei maximaler Sendeleistung klein ist. 

Handystrahlung
Vergrößern Handystrahlung
© Shutterstock / Lisic

Laut Bundesamt für Strahlenschutz und dem Bundesamt für Gesundheit in Schweiz ist die Strahlung bei Labormessungen in einem Abstand von 20 cm zirka 10-mal und in einem Abstand von einem Meter zirka 40-mal kleiner ist als die gesetzlichen Grenzwerte. Die spezifische Absorptionsrate (SAR) gibt an, wie viel Energie der Körper aufnimmt. Dieser Wert ist in Deutschland auf zwei Watt pro Kilogramm beschränkt. Ähnlich verhält es sich bei der Mobilfunkstrahlung. Das ist eine elektromagnetische Strahlung. Sie gehört wie die Mikrowellenstrahlung zur hochfrequenten Sorte. Sie ist nicht ionisierend – ganz im Unterschied zur Röntgenstrahlung oder Radioaktivität. Das heißt: Die ausgestrahlte Energie ist zu schwach, um etwa das Erbgut zu beschädigen oder Krebs zu verursachen.  

Technik-Mythos 6: Digitaler Zoom für mehr Details bei Smartphone-Fotos

Die Kamera am Smartphone besitzt eine feste Optik. Sie kann ein Motiv also nicht per Zoom vergrößern, indem sie die Linse bewegt. Stattdessen verfügt sie über einen digitalen Zoom. Auf den sollten Sie in aller Regel aber besser verzichten. Er erhöht lediglich die Anzahl der Bildpixel, anstatt feinere Details einzufangen. Dazu steuert der Digitalzoom das Ausleseverhalten des CCD-Sensors – ein Bildausschnitt wird dadurch vergrößert, dass die fehlenden Bildinfos rechnerisch ergänzt beziehungsweise interpoliert werden. Und das geht auf Kosten der Bildqualität. Die einfache Formel lautet: eingestellte Auflösung / digitaler Zoomfaktor = optische Ausgabeauflösung. Die fehlenden Pixel zur eingestellten Auflösung werden von der Kamera interpoliert. Aus diesem Grund können Sie bei aktiviertem Digitalzoom nie ein Bild in maximaler optischer Auflösung schießen. Wichtig: Finden Sie durch Ausprobieren heraus, bis zu welcher Vergrößerung der digitale Zoom Ihrer Smartphone-Kamera noch Bilder in akzeptabler Qualität macht.

Digitalzoom
Vergrößern Digitalzoom
© Shutterstock / Piotr Piatrouski

Technik-Mythos 7: Mehr Megapixel bedeuten immer eine bessere Bildqualität 

Von Generation zu Generation steigern die Smartphone-Hersteller die Leistung der Kameras und werben mit immer mehr Megapixeln. Doch eine höhere Pixelzahl garantiert nicht unbedingt eine bessere Fotoqualität. Üblicherweise werden Kameras nach der Anzahl ihrer Megapixel beurteilt, aber das sagt nicht alles. Zwar ist eine hohe Pixelzahl grundsätzlich wichtig, jedoch sollten Sie die Pixelzahl des Kamera-Chips bei einem Vergleich auf keinen Fall als allein ausschlaggebendes Argument für oder gegen ein bestimmtes Smartphone-Modell werten. Entscheidend ist nicht nur die Anzahl der Megapixel auf dem Bildsensor einer Smartphone-Kamera, sondern auch die Größe des Sensors an sich. 

Megapixel
Vergrößern Megapixel
© Shutterstock / Tati Tata

Je größer der Chip, umso größer sind die einzelnen Pixel. Auch die Lichtempfindlichkeit steigt mit der Größe des Sensors. Im Ergebnis gibt es mehr Details und weniger Rauschen – vor allem bei dunklem Umgebungslicht. Auch Faktoren wie Weißabgleich, Kontrastwiedergabe, Neigung zu Farbsäumen und die Güte des Objektivs spielen eine wichtige Rolle. Auch sagt die Auflösung nichts über das Rauschverhalten der Kamera aus. Einige Foto-Chips neigen besonders bei schlechten Lichtverhältnissen dazu, das Bild durch Störsignale zu verunstalten. Die Bilddatei zeigt dann besonders bei eigentlich einfarbigen Flächen eine unregelmäßige Struktur durch fehlerhafte Bildinformationen. Der einzige Vorteil von mehr Megapixeln ist, dass man damit Bilder zuschneiden, zoomen und große Poster drucken kann.

Technik-Mythos 8: Nicht originale Tintenpatronen zerstören den Drucker

Klar, dass die Druckerhersteller solche Behauptungen in die Welt setzen. Druckertinte ist flüssiges Gold ¬– Literpreise von bis zu 10.000 Euro sind durchaus möglich. Da rollt der Rubel und das Geschäft wollen HP, Canon, Epson & Co. natürlich gerne allein machen. Im Handel gibt es zahlreiche Druckerpatronen von Drittherstellern, die nur ein Bruchteil der originalen Tintenkartuschen kosten. Sie gaukeln dem Drucker vor, dass sie kompatibel (und original) sind und funktionieren daher ohne Einschränkung. Manche Drucker erkennen jedoch diese nicht originalen Tintenkartuschen und geben einen entsprechenden Hinweis aus. Beim Online-Kauf sollten Sie auf die Bewertungen der Druckerpatronen achten. 

Tintenpatronen
Vergrößern Tintenpatronen
© Shutterstock / Wuttisak Promchoo

Wichtig: Der Gebrauch einer Dritthersteller-Tintenpatrone oder das Verwenden einer wieder befüllten Kartusche verletzen nicht die Garantiebestimmungen oder etwaige Service-Verträge zwischen dem Druckerhersteller und dem Kunden. Aber Achtung: Wenn das Versagen des Druckers oder der Schaden jedoch eindeutig auf den Gebrauch einer Fremd- oder wieder befüllten Patrone zurückzuführen ist, wird der Hersteller die Kosten für Material und Service dem Kunden in Rechnung stellen.

Technik-Mythos 9: Röntgenstrahlen am Flughafen löschen den Speicher von Laptops und Smartphones 

Dieser Mythos ist ein Überbleibsel aus den Tagen der analogen Filmkameras: Die elektromagnetische Strahlung eines Röntgenstrahls kann in der Tat unentwickelte Negative beschädigen. Aber die verwendeten Photonen-Scanner können einer Festplatte oder einem Solid-State-Laufwerk in einem Notebook, Tablet oder Smartphone nichts anhaben. Dafür ist die Dosisleistung der Gepäckdurchleuchtungsgeräte an den Personenkontrollpunkten zu gering. Und auch die stärkeren Röntgensysteme für das aufgegebene Fluggepäck können keine Strahlungsschäden an elektronischen Geräten verursachen.

Flughafen
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© Shutterstock / Frame Stock Footage

Technik-Mythos 10: USB-Sticks müssen immer sicher entfernt werden

USB-Laufwerke sehen vielleicht noch genauso aus wie vor 10 Jahren und auch die Handhabung ist gleich: Einstecken, Daten kopieren und anschließend abstecken. Unter Windows 11 verzichtet Microsoft auf die Funktion zum sicheren Entfernen des USB-Speichers. Sie sollte sicherstellen, dass keine Daten vom und zum USB-Stick mehr übertragen werden und der Cache geleert wird. Windows ist nun clever genug, um Datenverlust zu verhindern.

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