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Die dunkle Seite der Macht

23.10.2008 | 09:13 Uhr |

Für die deutsche Fassung musste C&C Generäle entschärft werden
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Wer eine fremde oder gar gegensätzliche Weltanschauung vertritt, eignet sich am besten als Feind. Bis in die 80er sind das in erster Linie die Sowjets: In unzähligen Filmen und Romanen verhindern heldenhafte Agenten (allen voran James Bond) den Dritten Weltkrieg, indem sie die bösen Russen immer wieder austricksen. Nach dem Ende des Kalten Krieges suchen westliche Militärs nach neuen Feindbildern und finden sie spätestens mit den Anschlägen vom 11. September 2001: islamische Fundamentalisten. Nazis und Sowjets, die bis dato beliebtesten menschlichen Computerspiel- Gegner, werden durch eine aktuellere Bedrohung ausgetauscht. In Battlefield 2 tauchen statt der Deutschen und Russen nun Araber und Chinesen auf, ebenso in Command & Conquer: Generäle. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) kritisiert die englische Fassung des Strategiespiels wegen ihres starken Bezugs zum mittlerweile tobenden Irak-Krieg. Das Spiel suggeriere eine Verbindung zwischen islamischen Terroristen und weiten Teilen des Nahen Ostens und propagiere die Kreuzzug-Mentalität: »Tötet sie alle, der Herr wird die Seinen schon erkennen! « Das Spiel landet wegen Kriegsverherrlichung umgehend auf dem Index.

Der Name des Bösen
Feindbilder werden zwar stark von aktuellen Ereignissen geprägt, doch diese im Rahmen eines Spiels explizit zu vermarkten, ist für Entwickler oft ein heikles Thema, wie das Beispiel Command & Conquer: Generäle zeigt. Viele Programmierer taufen ihre Schauplätze daher um. So wird in Boiling Point aus Kolumbien Realia, das Entwicklerstudio Pandemic tauft in Full Spectrum Warrior Afghanistan in Zekistan um. Für das im Spiel vermittelte und vom Nutzer aufgenommene Feindbild macht das schwerlich einen Unterschied: Realia wird als typischer korrupter Bananenstaat verstanden, das islamische Zekistan als Terroristen-Schlangengrube – der Kampf gegen seine Bewohner erscheint also legitim. Als Pandemic ankündigt, Ort der Handlung des Spiels Mercenaries 2 solle kein Fantasieland, sondern Venezuela werden, zeigt sich die Bevölkerung des Landes bestürzt. Die Politikerin Gabriela Ramirez: »Dieses Spiel ist die Rechtfertigung imperialistischer Aggression. « Propaganda in Computerspielen?

Die meisten Spieler wollen keine Mutanten
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Das Spiel mit der Angst
Tatsächlich ist die Nähe des venezuelanischen Präsidenten Hugo Chavez zu Fidel Castro dem US-Präsidenten George W. Bush ein Dorn im Auge. Und für Pandemic Grund genug, sich die im Spiel geschilderten Konflikte auszudenken. Denn wenn ein Feindbild schon nicht an ein historisches oder gar aktuelles Szenario anknüpfen kann, dann muss es zumindest ein glaubwürdiges sein. Holland greift Frankreich an? Käse. Mexikanische Rebellen bedrohen die USA? Schon besser – und Thema von Ghost Recon: Advanced Warfighter 2. Bo Anderson vom schwedischen Entwicklerstudio Grin erläutert die Grundlage der Story: »Die Amerikaner haben seit geraumer Zeit Angst davor, mexikanische Plünderer könnten ihr Land überfallen. Die bilden deshalb sogar Bürgerwehren, die die Grenze bewachen.« Wenn die im Spiel geschilderte Bedrohung für uns greifbar wird, empfinden wir die Feinde als besonders gefährlich, und damit das Abenteuer als besonders spannend. Entsprechend will Ubisoft Montreal für Far Cry 2 auf die unglaubwürdigen Science- Fiction-Elemente des Vorgängers verzichten, wie uns Louis-Pierre Pharand, der Produzent des Spiels, erklärt: »Viele Spieler und auch wir hier im Team sind der Meinung, dass Far Cry am meisten Spaß machte, bevor die Monster und der ganze übernatürliche Kram auftauchten.«

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