164406

Die Zukunft der Benutzeroberflächen

09.06.2008 | 11:45 Uhr |

Die wenig euphorische Reaktion auf Windows Vista hat sicher nichts damit zu tun, dass sich die WPF als inoffizieller Nachfolger der Winforms noch nicht hat durchsetzen können. Der neue WPF-Designer ist ein erster Schritt in Richtung mehr Akzeptanz, denn bislang war Microsoft den Entwicklern ein offizielles Tool schuldig geblieben. Der WPF-Designer ist relativ komfortabel und reaktionsfreudig, bietet eine zweigeteilte Entwurf/XAML-Ansicht, aber nur einen Bruchteil der Möglichkeiten, welche die WPF-Klassen zur Verfügung stellen. Die Arbeitsteilung der Zukunft sieht daher so aus, dass ein Designer mit Microsofts "Expression Blend" eine Oberfläche erstellt und der Entwickler in Visual Studio den Code ergänzt. Auch wenn Blend das Visual-Studio-Projektformat verwendet und sich daher als natürliche Erweiterung von Visual Studio versteht, wird es noch eine Weile dauern, bis WPF die Bedeutung von Winforms, die offiziell nicht mehr weiterentwickelt werden, erlangt. Das weiß auch Microsoft und setzt deshalb mehr auf Interoperabilität als auf Verdrängung. Mit der ElementHost-Komponente lassen sich WPF-UserControls komfortabel auf einem Winforms-Formular platzieren. Umgekehrt können über den WinformsHost Winforms-Elemente in eine WPF-Anwendung eingebaut werden. Wer WPF-Anwendungen erstellen möchte, benötigt dazu nicht unbedingt Visual Studio 2008, denn auch die Open-Source-IDE "SharpDevelop" bietet in Version 3 einen komfortablen WPF-Designer.

Unmanaged Code wächst und gedeiht
Vista selber wird durch Visual Studio 2008 nur ansatzweise unterstützt. Der einzige direkte Vista-Bezug findet sich in dem Umstand, dass sich für die Ausführung bei aktiver Benutzerkontensteuerung die empfohlene Manifestdatei per Knopfdruck anlegen lässt. Wer die Vista-Oberflächenelemente in seine Anwendung einbauen möchte, muss dazu nach wie vor auf Visual C++ und eine aktualisierte MFC und damit wie eh und je auf Unmanaged Code zurückgreifen. Überhaupt hat man in Redmond seit einiger Zeit C++ wieder richtig lieb gewonnen, was sich nicht nur durch zahlreiche Verbesserungen an Visual C++ 2008 (intern besitzt der Compiler bereits die Versionsnummer 15), sondern auch durch ehrgeizige Ziele für die kommende Version 10 bemerkbar macht.

VSTO 3.0 - Managed Code für Office
Mit Visual Studio 2008 erhalten Office-Entwickler die komplette Funktionalität der Visual Studio Tools for Office 3.0 auch in der Professional Edition. Damit lassen sich Erweiterungen auf Anwendungsebene (Add-ins) für alle großen Office-2003/2007-Anwendungen erstellen und Erweiterungen auf Dokumentenebene für Excel und Word 2003/2007. Zu den Neuerungen gehört auch ein komfortabler Ribbon-Designer, mit dessen Hilfe sich Multifunktionsleisten für Office-2007-Erweiterungen ähnlich komfortabel erstellen lassen wie Winforms-Formulare. Ferner gibt es einen Designer für Outlook-Formularbereiche und weitere Kleinigkeiten wie eine Datenbindung an Word-Inhaltsbereiche sowie eine noch direktere Integration zwischen VSTO und VBA. Die wichtigste Neuerung hier betrifft die Auslieferung von VSTO-Anwendungen. Mussten dazu in der Vergangenheit auf jedem System Sicherheitsrichtlinien angelegt werden, genügt nun als Vertrauensbeweis für sämtliche zur Anwendung gehörenden Dateien ein Zertifikat. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber, denn diese Komfortvariante funktioniert leider nur mit .NET 3.5 und Office 2007.

Das Language Integrated Query Framework (Linq) ist ein Teil von .NET 3.5, C# 3.0 und VB 9.0. In Visual Studio 2008 tritt es (sogar in den Express-Editionen) nur durch eine unscheinbare Vorlage mit dem Namen Linq-to-SQL-Klassen in Erscheinung. Dahinter verbirgt sich nicht weniger als der offizielle Eintritt von Microsoft in den Markt der O/R-Mapper. Entwickler ziehen Tabellen aus dem Server-Explorer auf den Designer und legen damit eine Zwischenschicht an, gegen die Linq-Abfragen zum Abruf der Daten erstellt werden können. Das Aktualisieren der Daten geschieht direkt über diesen Layer.

Das intern generierte SQL kann nicht nur sichtbar gemacht, sondern auf Wunsch auch modifiziert werden, bevor es an den SQL Server geschickt wird. Linq to SQL bietet allerdings nur ein Minimum an Funktionen und läuft zudem nur mit dem Microsoft SQL Server. Erst das kommende Linq to Entity wird als allgemeine O/R-Mapping-Technologie für alle DBMS-Typen offen sein. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass mit Visual Studio 2008 auch eine SQL Server 2005 Compact Edition installiert wird. Diese schlanke SQL-Engine arbeitet dateiorientiert, läuft sowohl auf Desktops als auch auf mobilen Geräten und übernimmt im Zusammen-hang mit den neuen Sync Services for ADO.NET die Rolle des lokalen Cache.

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
164406