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Online-Shopping: Die Tricks der Vergleichsportale

27.02.2019 | 09:08 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Wirklich günstig einzukaufen, ist trotz der Preissuchmaschinen im Internet eine Kunst. Wir erläutern die „dynamischen Preise“ im Onlinehandel und zeigen, wie Sie das ständige Auf und Ab clever zur Schnäppchenjagd nutzen – und zwar mit minimalem Aufwand.

Preisvergleiche versprechen nicht nur den günstigsten Flug, Tarif und Versicherer, sondern auch den billigsten Preis für praktisch jedes Produkt. Und tatsächlich kann man über Check24 , Billiger.de , Geizhals oder Google Shopping auf einen Blick sehen, was die gesuchte Ware wo aktuell kostet. Den günstigsten Preis garantieren diese Angaben allerdings nicht.

Was zunächst einmal paradox klingt, leuchtet bei genauerer Betrachtung schnell ein. Denn die Preisportale stellen eben nur das momentan gültige Preisgefüge am Markt dar. Was davor war und – vermutlich – danach kommt, bilden sie nicht ab. Und genau das nutzen immer mehr Onlinehändler aus und verändern blitzschnell ihre Kurse. Während hierzu im stationären Handel die Schilder am Regal geändert werden müssen, können Internet-Shops ihre Ware jederzeit und ohne viel Aufwand hoch-und runtersetzen. Erfolgen diese Änderungen per Algorithmen automatisch, dann steigt oder fällt innerhalb kürzester Zeit für ein Produkt das allgemeine Preisniveau, sobald auch nur ein großer Händler vorprescht. Nicht zuletzt deshalb blenden Preissuchmaschinen stets Hinweise wie „Preisänderungen in der Zwischenzeit möglich“ ein.

„Dynamische Preise“ sorgen für digitale Preistreiberei

Tagtäglich abhängig von der Uhrzeit immer die gleichen Preisänderungen für das gleiche Produkt.
Vergrößern Tagtäglich abhängig von der Uhrzeit immer die gleichen Preisänderungen für das gleiche Produkt.

Weil sich Waren so quasi selbstständig verteuern können, hatte die Monopolkommission Mitte 2018 vor „überhöhten Preisen“ im Onlinehandel gewarnt. Das unabhängige Beratungsgremium der Bundesregierung kam in dem Gutachten „Wettbewerb 2018“ bereits zu dem Schluss, dass Softwarealgorithmen die Preise ansteigen lassen und dadurch eben zu überhöhten Preisen führen könnten. Die Gefahr bestehe insbesondere dann, wenn zahlreiche Händler dieselben technischen Dienste für die Preisgestaltung verwenden.

Genau beobachtet hat auch das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Brandenburg das Auf und Ab von Onlinepreisen: Während des Untersuchungszeitraums von gut einem Monat änderten sich die Preise von über einem Drittel der überprüften Artikel, teilweise haben sie sich in dieser Zeit sogar verdoppelt. Für ein Smartphone bei Mediamarkt betrug die Preisdifferenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot mehr als 200 Euro – im gleichen Geschäft. Von den insgesamt 16 untersuchten Shops entzog sich nur ein einziger dieser „ dynamischen Preisgestaltung “.

Darüber hinaus offenbarte die Studie der Verbraucherzentrale bei einigen OnlineShops ein Auf und Ab der Preise mit dem Tagesverlauf, also ähnlich wie bei den Benzinpreisen an der Tankstelle. So waren Autobatterien und Reifen bei Auto Teile Unger (ATU) am Vormittag bis zu 30 Prozent teurer als am Nachmittag. Bei Mediamarkt wurden zahlreiche Produkte hingegen am frühen Abend gegen 18:45 Uhr billiger, so die Beobachtung der Verbraucherschützer.

Lesetipp: Günstige Smartphones mit bester Preis-Leistung

Günstig einkaufen: Wie lassen sich dynamische Preise nutzen?

Das gleiche Smartphone, der gleiche Online-Shop, aber knapp 24 Stunden später.
Vergrößern Das gleiche Smartphone, der gleiche Online-Shop, aber knapp 24 Stunden später.

Ausgehend von diesen beiden Studien, deren Erhebungszeitraum und -daten nunmehr bereits einige Monate zurückliegen, beobachteten wir im Oktober und November über mehrere Wochen hinweg die Preise von mehreren Dutzend Produkten. Damit wollten wir der Frage nachgehen, wie sich die Preisgestaltung im Onlinehandel aktuell darstellt und welche Kaufempfehlungen sich daraus eventuell ableiten lassen.

Die Quintessenz unserer Recherchen lautet: Die Sache ist komplex. Denn Verlass, beispielsweise auf günstige Reifenpreise für Autoreifen oder eine generelle Preissenkung beim großen Elektronikhändler am Abend gab es nicht (mehr). Wer wirklich sparen und ein bestimmtes Produkt günstig erwerben möchte, sollte den Preis mindestens mehrere Tage verfolgen. Dass viele Online-Shops ihre Preise ständig ändern, können wir jedoch bestätigen. Wann und in welcher Höhe dies erfolgt, lässt sich allerdings nur bedingt vorhersehen.

So macht es unter Effizienzaspekten sicher wenig Sinn, über einen längeren Zeitraum immer wieder ein Medikament für 15 Euro zu checken. Wenn aber das gleiche Smartphone ein paar Tage nach dem Kauf plötzlich 100 Euro weniger kostet, kann man sich schon ärgern. Die gute Nachricht an dieser Stelle: Eine solche vermeintliche Mehrausgabe ist nicht verloren, wie der Kasten zum Rückgaberecht erläutert.

14 Tage Rückgaberecht nutzen

Da hat man gerade online einen Artikel gekauft und erhält kurz danach vom Händler eine Mail mit einem Rabattcode über 10, 15 oder gar 20 Prozent. Darüber kann man sich ärgern oder – wenn die Zustellung der online gekauften Ware noch keine zwei Wochen zurückliegt – handeln. Entweder schicken Sie das teurere Gerät innerhalb der grundsätzlich für Internetkäufe geltenden Rückgabefrist von 14 Tagen zurück und bestellen den gleichen Artikel neu zum nun reduzierten Preis. Wer sich den Aufwand sparen möchte, schreibt alternativ den Händler an, weist ihn auf die Rückgabeoption hin und bittet um einen nachträglichen Rabatt. Unserer Erfahrung nach gehen die Shops darauf ein und stellen meist Gutscheine für den nächsten Einkauf bereit.

Ein weiteres Beispiel jenseits des Kernbereichs der IT zeigt, wie viel Geld sich durch den Kauf zum richtigen Zeitpunkt sparen lässt. So sprang beispielsweise der Preis für einen bestimmten Continental-Winterreifen während unserer Beobachtung innerhalb von drei Tagen von 127,70 Euro auf 171,10 Euro – und zwar einfach so und lange vor dem Wintereinbruch. Für den kompletten 4er-Satz summierte sich die Differenz somit auf über 170 Euro.

Hier übt der Händler maximalen Druck aus, tatsächlich stieg der Preis später nur wenig.
Vergrößern Hier übt der Händler maximalen Druck aus, tatsächlich stieg der Preis später nur wenig.

Bei Artikeln unter 150 Euro schwankten die Preise während unserer Beobachtung mal um fünf, mal um zehn Euro. Natürlich lassen sich auch fünf oder zehn Euro sinnvoller investieren als für genau den gleichen Drucker oder Bohrschrauber. Auf der anderen Seite darf man die aufgewendete Zeit für den ständigen Preisvergleich nicht aus dem Blick verlieren.

Aufzupassen gilt es unserer Erfahrung nach bei zeitlich oder mengenmäßig begrenzten Schnäppchen. Denn da werben Shops gerne mit Rabatten um 50 Prozent, als Vergleichspreis dient jedoch häufig die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers. Diese liegt aber zumeist weit über dem tatsächlichen Preis des Onlinehandels. So bewarb der IT-Händler Comtech einen Multifunktionsdrucker anstatt mit der UVP von knapp 90?Euro zu einem „Count-Down-Preis“ für knapp 50 Euro – tatsächlich kostete das Gerät später nur gut 9 Euro mehr.

Tipp: Die besten Android-Apps, mit denen Sie sparen können

Vor dem Kauf den Markt und die Preise beobachten

Bei diesem HP-Notebook sollte man gegebenenfalls zwei Wochen mit dem Kauf warten.
Vergrößern Bei diesem HP-Notebook sollte man gegebenenfalls zwei Wochen mit dem Kauf warten.

Besonders bei teureren Gütern ist es empfehlenswert, vor dem Kauf einen Blick auf die „Preisentwicklung“ zu werfen. Dazu bieten alle großen Vergleichsportale eine Grafik, die die Produktpreise in der Vergangenheit zeigt. Der Beobachtungszeitraum lässt sich meistens zwischen einem Monat und einem Jahr wählen – so werden kurz-und langfristige Entwicklungen sichtbar.

Viele Elektronikprodukte fallen während ihres Lebenszyklus beständig weiter im Preis, bis sie dann schließlich in nur noch wenigen Shops wieder teuer angeboten werden. Artikel werden aber auch – mal in kürzeren, mal in längeren Zyklen – regelmäßig billiger und wieder teurer. Und genau das spiegelt die Preisentwicklung der Vergleichsportale wider: Man sieht sofort, ob man sich gerade in einer Hoch-oder in einer Niedrigpreisphase befindet.

Darüber hinaus bieten viele Preisvergleiche einen Preisalarm oder Preiswecker. Ausgehend vom aktuellen Preis und dem Verlauf definiert man für den Artikel einen persönlichen Schwellenwert. Sobald er von irgendeinem Händler unterschritten wird, erhält man eine Info darüber per Mail.

Allerdings geben die Onlinevergleiche die günstigsten Preise nur bedingt wieder, da sie den stationären Handel vor Ort nicht erfassen. Echte Schnäppchen gibt es teilweise allerdings wirklich nur dort, zwei Beispiele nennt der folgende Kasten.

Echte Schnäppchen häufig nur vor Ort

Tatsächlich sorgen die Vergleichsportale für einen schnellen Überblick, den günstigsten Preis findet man damit aber nicht unbedingt. Denn Billiger.de, Geizhals, Idealo und die weiteren Preissuchmaschinen scannen nur die Preise im Internet, Angebote des stationären Handels bleiben unberücksichtigt. Was sich unter Umständen vor Ort sparen lässt, zeigen zwei Beispiele.

Während eine Computerkette Mitte 2018 ein Lenovo-Notebook mit (damals) aktueller Intel Core-i7-CPU der achten Generation und SSD sowie Full-HD-Display online zum marktüblichen Preis zwischen 600 und 700 Euro anbot, verkaufte sie das exakt gleiche Gerät im Ladengeschäft für nur 444 Euro!

Ein zweites Beispiel: Anfang November verteilte Saturn gedruckte Angebotsprospekte, die groß einen Wäschetrockner mit stromsparender Wärmepumpentechnik für 399 Euro bewarben. Online kostete das gleiche Gerät weiterhin 529 Euro. Im konkreten Fall sparte man gegebenenfalls noch die beim Internetkauf obligatorischen Lieferkosten von 40 Euro, in Summe also 170 Euro – der Trockner war insgesamt also über 40 Prozent teurer als vor Ort.

Fazit: So kaufen Sie online mit ein paar Tricks günstiger ein

Wer möchte, der kann natürlich Dutzende Newsletter abonnieren, um nur ja keinen Deal zu verpassen – und so den persönlichen Zeitaufwand fast beliebig steigern. In unserer Schlussbetrachtung aber sollen die Sparmöglichkeiten durch die eingangs angesprochenen Preisautomatismen und den Konkurrenzdruck im Onlinehandel im Fokus stehen. Dazu nochmals drei Beispiele:

Im Herbst senkte Amazon den Preis für seinen aktuellen Echo-Lautsprecher vorübergehend von den üblichen knapp 100 auf knapp 70 Euro. Andere Shops passten ihren Echo-Preis danach wie erwartet sofort an. Wer dann clever nach dem Namen von einem dieser Händler und Begriffe wie „Deal“ oder „Gutschein“ googelte, fand sofort einen 15-Euro-Rabatt und bekam das Amazon-Gerät so für 55 Euro, also etwa für die Hälfte des Originalpreises.

Hier funktionierte die „Best-Preis-Garantie“.
Vergrößern Hier funktionierte die „Best-Preis-Garantie“.

Beispiel zwei: Mancher Händler bietet eine sogenannte „Best-Preis-Garantie“, die im Wesentlichen Folgendes beinhaltet: Entdeckt der Käufer eines Produktes die gleiche Ware innerhalb von zumeist 30 Tagen nach dem Kauf irgendwo anders günstiger, so zahlt der Händler die Differenz nachträglich zurück. Als aufgeklärter Verbraucher ist man da angesichts diverser Bedingungen und Einschränkungen zunächst mal skeptisch. Doch zum Beispiel beim Brillenhändler Mr. Spex genügte ein dreiminütiger Chat unter Verweis auf einen bei Google Shopping – und zwar ausschließlich dort – angezeigten niedrigeren Preis für die gleiche Brille. Ohne Diskussion und völlig komplikationslos erhielt der Kunde daraufhin den Unterschied in Höhe von 40 Euro erstattet.

Darüber hinaus lassen sich Gutscheine der Händler und Cashback-Aktionen der Hersteller sogar miteinander kombinieren, das haben wir bei einem Fernseher von Panasonic erfolgreich getestet.

Auf Google Shopping und die Shopping-Anzeigen bei der Preis-und Produktsuche ist aber nicht immer Verlass. Denn dort erscheinen unter Umständen auch günstige Preise von reduzierter B-Ware, den Hinweis auf mögliche Beschädigungen oder Rücklaufware sieht man dann jedoch erst nach dem Aufrufen des Shops.

Zum Schluss soll der Hinweis nicht fehlen, dass Sie nahezu immer sehr viel Geld sparen, wenn Sie nicht direkt beim Hersteller, sondern bei einem unabhängigen Internet-Shop kaufen. Das gilt für Hardware inklusive Verbrauchsmaterial wie Toner und Tinte und für Software: Hier liegt das Sparpotenzial für die gleichen Programme bei bis zu 80?Prozent. Mehr hierzu online unter www.pcwelt.de/guenstige-software – wohlgemerkt in den Originalboxen der Hersteller.

Studie: Kaum individualisierte Preise

In einer weiteren Studie untersuchte die Verbraucherzentrale Brandenburg sogenannte „individualisierte Preise“. Der Ausdruck bezeichnet unterschiedliche Preise für das gleiche Produkt beim gleichen Onlinehändler, wenn man die Shop-Seite von verschiedenen Standorten oder unterschiedlichen Endgeräten aufruft. Um das Thema ranken sich viele Gerüchte, wie etwa dass Händler mehr von Kunden mit Apple-Geräten verlangen als von anderen. Belastbare Fakten gab es bisher aber kaum.

Die neue Untersuchung kommt nun zu einem klaren Ergebnis: Bei der überwiegenden Mehrheit der untersuchten Händler konnte keine individualisierte Preissetzung nachgewiesen werden.

So gab es bei lediglich zwei der überprüften 16 Shops Preisdifferenzen über den Standort. Auch Unterschiede je nach Endgerät zeigten sich nur vereinzelt, darüber hinaus waren die Preise beim Aufrufen über ein iPhone oder iPad tendenziell kleiner! Die These, dass iOS-Nutzer als zahlungskräftigere Kundengruppe einen höheren Preis sehen, kann also nicht bestätigt werden. Auch wir konnten bei unseren Stichproben auf verschiedenen Plattformen (Android, iPad, Mac, Linux und Windows) keine Preisunterschiede feststellen.

Sehr wohl aber unterscheiden sich die Preise zwischen iOS und den übrigen Plattformen beim Musikstreaming. Der Grund ist, dass die Dienste bei In-App-Käufen auf iPhone und iPad 30 Prozent des Umsatzes an Apple zahlen müssen – und einige Anbieter geben diese Gebühren an ihre Kunden weiter. Marktführer Spotify bietet Neukunden das Bezahlabo auf Mobilgeräten von Apple deshalb gar nicht mehr an . Nutzer anderer Streamingdienste sollten ihr Musikabo am Desktop-Rechner, Notebook oder Android-Telefon abschließen, nutzen lässt es sich danach auch auf dem iPhone und iPad.

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