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Die Notfalltipps der Experten: 3. Fakeshops & Co.

24.04.2021 | 08:06 Uhr | Arne Arnold

Onlinebetrug, Virenbefall oder Raub beim Banking: Wenn ein solcher Notfall eintritt, benötigen Sie meist Hilfe von Experten. Wir haben vier Spezialisten befragt, wie Sie bei Notfällen richtig reagieren oder besser noch vorbeugen.

Im dritten Teil geht es um Notfalltipps gegen Fakeshops & Co. Fakeshops zählen nach wie vor zu den großen Bedrohungen beim Onlineshopping. Als neue Bedrohung sind kriminelle Onlinebroker aufgetaucht. Wie Sie sich gegen solche und andere Betrügereien wehren, haben wir mit Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern e. V. besprochen.

Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern e. V.
Vergrößern Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern e. V.
© Tatjana Halm

PC-WELT: Die Verbraucherzentrale warnt vor betrügerischem Onlinetrading. Wie funktioniert diese Masche?

Halm: Es geht darum, dass Internetnutzer per Werbebanner oder Mails auf vorgebliche Onlinebroker aufmerksam gemacht werden. Die Dienste versprechen sagenhafte Renditen, wenn man bei ihnen Geld anlegt. Das Geld soll meist in Kryptowährungen angelegt wer- den, die stark im Wert steigen sollen. Nach einem ersten Kontakt per Mail oder Internetseite, rufen diese Betrüger übrigens oft auch an und versuchen, ihre Opfer persönlich zu einer Einlage zu bewegen. Oder die Betrüger verlangen, dass man sich eine Software installiert, um das Brokerkonto einzurichten. Tatsächlich handelt es sich bei der Software aber um einen Trojaner, der dann die Kontrolle über den PC übernimmt.

PC-WELT: Und legen diese „Broker“ das Geld ihrer Opfer überhaupt an oder stehlen sie es sofort nach einer Überweisung?

Halm: Natürlich gibt es auch seriöse Broker, bei denen man Kryptowährungen kaufen kann. Bei der aktuellen Betrugsmasche sind aber Kriminelle am Werk, die das Geld ihrer Opfer umgehend einsacken.

PC-WELT: Wie reagiere ich, sollte ich auf diese Masche hereingefallen sein?

Halm: Meistens ist das Geld dann tatsächlich weg. Besonders dann, wenn ich das Geld überwiesen habe. Darum sollte man beim Geld- anlegen vor einer Überweisung genau nachschauen, wo der Broker seinen Geschäftssitz hat, wo seine Plattform registriert ist und ob er als seriöser Händler bekannt ist. Wenn er im Ausland sitzt, hat man kaum noch eine Chance, sein Geld zurückzubekommen.

PC-WELT: Wie stehen meine Chancen auf Geldrückgabe, wenn ich beim Onlineshopping auf einen Fakeshop hereingefallen bin? Wenn ich also bestellte Ware bezahlt, diese aber nie erhalten habe.

Halm: Wenn Sie Opfer eines Fakeshops sind, der tatsächlich überhaupt keine Ware versendet, dann sollten Sie zur Polizei gehen. Dann gibt es eine kleine Chance, dass Sie über diese Ihr Geld zurückbekommen. Grundsätzlich ist das aber schwierig, denn diese Shops bestehen eigentlich immer auf eine Form der Vorkasse, die man nicht rückgängig machen kann. Dazu zählt natürlich die einfache Überweisung auf ein Konto, bevor ich die Ware erhalten habe. Dazu zählt aber auch die Bezahlmethode Nachnahme. Dabei bezahle ich den Paketboten bei der Paketübergabe. Allerdings kann ich in den erhaltenen Karton erst hineinschauen, nachdem ich bezahlt habe. Sollte der Karton dann nichts oder nicht das bestellte enthalten, ist das Geld ebenfalls weg.

Die Verbraucherzentrale zeigt unter www.pcwelt.de/fakeshop diesen Fakeshop. Per Klick auf eines der Ausrufezeichen lernt man, woran sich ein Fakeshop erkennen lässt.
Vergrößern Die Verbraucherzentrale zeigt unter www.pcwelt.de/fakeshop diesen Fakeshop. Per Klick auf eines der Ausrufezeichen lernt man, woran sich ein Fakeshop erkennen lässt.

PC-WELT: Ist Phishing noch ein Problem für die Verbraucher oder fallen heute weniger Internetnutzer auf diese betrügerischen Mails herein?

Halm: Es ist leider immer noch häufig, dass Internetnutzer Opfer von Phishingmails werden. Dazu muss man sagen, dass die Mails heute sehr echt aussehen. Wo früher nur anonyme Ansprachen versendet wurden, also etwa „Sehr geehrte Damen und Herren“, stimmt heute teilweise die namentliche Anrede oder es wird eine korrekte Kundennummer des Empfängers genannt. Dadurch, dass es so persönlich wird, die Rechtschreibung der Mail passt und auch die Absendeadresse plausibel erscheint, kann man schon darauf herein- fallen. Geben Sie also nie persönliche Daten nach einer solchen Mail preis und öffnen Sie auch keine Anhänge dieser Mails.

PC-WELT: Kriminelle versenden auch Erpressermails, in denen sie behaupten, Videoaufnahmen des Empfängers zu besitzen, wie dieser Pornos ansieht. Melden sich auch solche Opfer bei Ihnen?

Halm: Ja, die gibt es. Wir vermuten aber, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. Viele werden sich keine Hilfe holen, da das Thema Pornokonsum meist schambesetzt ist. Tatsächlich ist es sehr selten, dass ein Angreifer wirklich die Kamera des Opfers gehackt hat. Man kann sie einfach löschen.

PC-WELT: Wo finde ich Hilfe, wenn ich Opfer eines Betrugs geworden bin oder ein betrügerisches Angebot im Internet entdeckt habe? Halm: Sie können sich zum Beispiel an die Verbraucherzentrale in Bayern unter www.verbraucherzentrale-bayern.de/kontakt wenden. Auf unserer Seite finden Sie außerdem viele nützliche und weiterführende Infos.

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