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Die Geschichte der IFA: Röhrenradios, UKW, tragbare TVs & Miss IFA

03.09.2020 | 08:05 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Wenn die IFA am 3.9. ihre (virtuellen) Pforten öffnet, kann sie auf eine lange Geschichte zurückblicken. Eine Zeitreise inklusive Foto-Galerie.

Wenn am 3. September 2020 die IFA in Berlin startet, ist alles anders: Die IFA 2020 findet für Privatanwender ausschließlich virtuell/digital statt. Vor Ort in Berlin findet nur eine IFA 2020 Special Edition für Fachbesucher und Journalisten statt. Daran nehmen aber einige renommierte Unternehmen nicht teil, so sagte beispielsweise AVM seine Teilnahme ab. Grund genug auf die lange Geschichte der IFA zurück zu blicken: Von den Anfängen bis zur Jahrtausendwende.

Startschuss fiel während der Weimarer Republik

Der Startschuss fiel am 4.12.1924 mit der ersten "Großen Deutschen Funk-Ausstellung". 242 Aussteller und 180.000 Besucher trafen bei der Premiere in Berlin zusammen. Deutschland hatte damals gerade die Hochinflation überwunden, die junge Republik erfreute sich eines kurzen Wirtschaftsaufschwungs und einer lebhaften Kulturszene - es waren die "Goldenen 20er Jahre".

Veranstalter der ersten Rundfunkausstellung waren der Verband der Radioindustrie und die Gemeinnützige Berliner Messe- und Ausstellungs-GmbH.

Detektorgeräte und die ersten Röhren-Rundfunkempfänger faszinierten damals die Messebesucher. Es folgten "Große Deutsche" Funkausstellungen im jährlichen Rhythmus, auf denen vor allem der Rundfunk, ab 1928 auch Fernsehvorführungen die Hauptrolle spielten.

Unter dem Funkturm

1926 gab es die ersten Live-Rundfunksendungen vom Messegelände. Der Berliner Funkturm wurde während der Messe am 3. September feierlich eröffnet.

1928 hatten die ersten Flimmerkisten mit dem "Bildrundfunk" ihr Debüt. Doch diese Fernseh-Geräte haben mit heutigen TV-Geräten allenfalls den Namen gemeinsam: Bilder in Briefmarkengröße, 30zeilig mit 900 Bildpunkten.

Die Nazis instrumentalisieren die Ausstellung

1929 konnten die Besucher einen Hörfunk-Empfänger mit Netzanschluss bestaunen. 1932 präsentierte die Große Deutsche Funk-Ausstellung das erste europäische Autoradio. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 griff die NSDAP auch nach der Funk-Ausstellung, Schirmherr wurde Propaganda-Minister Dr. Josef Goebbels. Doch der eigentliche Star der Ausstellung war der Volksempfänger VE 301. Die Nazis erkannten sofort die Möglichkeiten des Rundfunks für ihre Propaganda-Zwecke, bis zur letzten Vorkriegsausstellung (1939) eröffnete Hitlers Propaganda-Minister die Messe persönlich.

1936 gab es einen Fernsehempfänger mit 375 Bildzeilen und Zeilensprung zu bestaunen. Das erste Live-Programm lieferten die olympischen Spiele in Berlin. 1937 kam Farbe ins Spiel: Farbiger Fernsehbilder wurden dem Publikum vorgeführt.

1938 - als der "Volksempfänger" zum Preis von 35 Reichsmark die Palette der Billigangebote bereicherte - wurde mit 360.000 Besuchern ein Rekord erreicht. 1939 sahen 320.000 Zuschauer die Schau - damals gab es knapp 13 Millionen Rundfunkteilnehmer.

Neustart nach dem Krieg - in Düsseldorf

1939 fand für lange Zeit die letzte Große Deutsche Rundfunk- und Fernseh-Rundfunk-Ausstellung in Berlin statt. Erst 1950, nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, nahm die "Deutsche Funkausstellung" einen neuen Anlauf, allerdings in Düsseldorf statt in Berlin. Einen neuen Schirmherr hat die Ausstellung jetzt auch: Bundesminister für Wirtschaft Prof.Dr. Ludwig Erhard, der Vater des deutsche Wirtschaftswunders.

Die Messe begann mit 211 Ausstellern und 220.000 Besuchern. Highlights sind die ersten UKW-Empfänger. Die Funkausstellung fand jetzt im Zweijahres-Rythmus statt und blieb zunächst in Düsseldorf bevor sie 1959 mit tragbaren Fernsehgeräten in Frankfurt gastierte. Ab 1953 wurde das Radio zunehmend vom Fernsehen als Zuschauermagnet verdrängt. Dass anfangs der Fernsehboom ausblieb, lag an den Anschaffungskosten von rund 1500 Mark für ein Gerät. Erst sinkende Preise und steigende Kaufkraft brachten dann den Durchbruch.

Die Ausstellung wird international

1961 ging es dann wieder zurück nach Berlin, die Schirmherrschaft hatte jetzt Bundespräsident Dr.h.c. Heinrich Lübke. 158 Aussteller und 387.500 Besucher fanden den Weg in die Hallen. Ab 1965 ging die Funkausstellung auf Wanderschaft nach Stuttgart, Berlin, wieder Stuttgart und schließlich Düsseldorf. 

Die Ausstellung 1970 in Düsseldorf wurde parallel zur "2. Internationalen Ausstellung mit Festival hifi '70" veranstaltet. Zählte die Funkausstellung 192 deutsche Aussteller, so kamen mit der hifi-Ausstellung 144 Aussteller aus zwölf Ländern hinzu, die der Schau erstmals einen internationalen Charakter gaben.

Zurück in Berlin mit neuem Namen

Dieser Internationalisierung trug die Ausstellung im Jahre 1971 Rechnung - sie hieß jetzt "Internationale Funkausstellung". Sie fand in Berlin statt, wo sie bis heute unter diesem Namen durchgeführt wird. 598.710 Besucher gaben ihr das nötige Flair. Zu den Innovationen gehörten VCR-Heim-Videorecorder und Fernbedienungen.

1977 erblickten Bildschirmtext und Videotext das Licht der Welt. 1979 war die Compact Disc (CD) eine Innovation.

Schrittmacher der Innovation

Die IFA blieb auch in den 70er und 80er Jahren Schrittmacher der Innovation. 1991 fand die erste IFA im wiedervereinigten Berlin statt. Technische Highlights waren Mini Disc, wiederbespielbare CD und Photo CD. 1995 wurden Dolby-Surround-Anlagen und Flachbildschirme vorgestellt. 1999 konnten die Besucher MP3-Player und Mobiltelefone mit Internet-Zugang bewundern.

2001 drehte sich alles um DVD-Recorder, TV-Gerät mit Internetzugriff, DVD+RW PC-Brenner und Mobiltelefon mit GPRS und Bluetooth.

Die berühmte "Miss IFA" ist übrigens vergleichsweise jung: 1999 trat sie erstmals als Maskottchen auf der Messe auf und erst einige Jahre später wurde sie jedes Jahr durch eine neu ausgewählte Frau mit Leben erfüllt.

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