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Die 20 häufigsten Linux-Probleme lösen

19.02.2022 | 08:20 Uhr | Hermann Apfelböck

„Was bereitet unter Linux die meisten Probleme?“ Wir haben die Antworten – nicht auf alle, aber doch auf die meisten Probleme.

1. Defekte Grub-Bootloader

Der Grub-Bootmanager ist sehr robust, es gibt jedoch ein Szenario, das diesen regelmäßig vernichtet: Eine Windows-Installation ignoriert bei einer Parallelinstallation den Grub-Bootloader und ersetzt diesen durch den Windows-Bootloader, der lediglich Windows-Systeme bootet. Von den möglichen Reparaturmaßnahmen empfehlen wir Ihnen die einfachste: Starten Sie den Rechner mit dem Tool Super Grub Disk . Der Boothelfer durchsucht mittels „Detect and show boot methods“ alle Datenträger nach Betriebssystemen und zeigt diese im Anschluss daran an. In der Liste markieren Sie das bootunfähige System und starten es danach mit der Eingabetaste.

Super Grub Disk beherrscht den Bios- und den Uefi-Modus. Es ist aber notwendig, das Tool im richtigen Modus zu starten. Wenn es sich bei Ihrem Bootproblem um das typische Szenario nach einem Windows-Setup handelt, ging offenbar eine Bios-Installation voraus (Uefi und das GPT-Partitionsschema vermeiden das Problem).

Super Grub Disk findet und startet Systeme, repariert allerdings nicht die Bootumgebung. Hierfür verwenden Sie nach der Starthilfe im laufenden Linux-System das Terminal. Für die Reparatur von Bios-Installationen helfen folgende Kommandos: 

sudo grub-install --recheck /dev/sd[X] 
sudo update-grub 

Anstatt „[X]“ ist die Angabe des Datenträgers erforderlich, der zum Booten dient. In den allermeisten Fällen ist dies die erste interne Festplatte „/dev/sda“.

Uefi-Installationen reparieren Sie mittels nachstehender Befehle:

sudo grub-install 
sudo update-grub

Ein Ziellaufwerk geben Sie in diesem Fall nicht an.

Der Boothelfer Super Grub Disk findet und startet Linux-Installationen. Die Reparatur des Grub-Bootloaders erledigen danach zwei Terminalbefehle im gestarteten System.
Vergrößern Der Boothelfer Super Grub Disk findet und startet Linux-Installationen. Die Reparatur des Grub-Bootloaders erledigen danach zwei Terminalbefehle im gestarteten System.

2. Paket-Dilemmas nach Updates und Installationen

Nicht nur Windows hat Update-Probleme, wenngleich bei Debian/Ubuntu/Mint die Systemaktualisierung zunächst sehr einfach erscheint: Der Befehl „sudo apt distupgrade“ oder ein Klick auf die automatische Meldung der „Aktualisierungsverwaltung“ genügt für ein Komplett-Update inklusive Software. System-Upgrades mel- det die Aktualisierungsverwaltung ebenfalls automatisch.

Bei der Vielzahl abhängiger Softwarepakete ist allerdings nie auszuschließen, dass es nach Installationen oder Updates zu Fehlern kommt. Fremdquellen wie PPAs erhöhen das Risiko. Derartige Probleme äußern sich mit Meldungen wie „Pakete konnten nicht installiert werden“.

Die Mehrzahl solcher Konflikte lässt sich unter Ubuntu/Mint mit

sudo apt-get -f install

lösen. Der Schalter „-f“ oder „--fix-broken“ (Langform) korrigiert inkonsistente Paketabhängigkeiten und entfernt defekte Pakete. Wo dies nicht funktioniert, verwenden Sie den spezielleren Befehl

sudo dpkg -r [Paketname]

und löschen damit genau das eine genannte Paket ohne Prüfung der Abhängigkeiten. Wer Paketkonflikten für wichtige Anwendungen aus dem Weg gehen will, kann über die Softwareverwaltung Snap- oder Flatpak-Container installieren: Diese Container bringen alle notwendigen Pakete selbst mit. Der Preis ist ein deutlich (!) erhöhter Platzbedarf auf der Festplatte.

Paket-Dilemmas: Wer Paketkonflikten aus dem Weg gehen will, bleibt am besten konsequent bei den Standardquellen oder installiert Containerformate.
Vergrößern Paket-Dilemmas: Wer Paketkonflikten aus dem Weg gehen will, bleibt am besten konsequent bei den Standardquellen oder installiert Containerformate.

3. Installationen: Uefi und Bios

Bei der Linux-Installation dominiert das Problemfeld „Uefi-Bios“. Mit anderen Worten: Die Installation als alleiniges System bereitet mit Installern wie Ubiquity und Calamares offenbar keine Probleme. Für das heiklere Multiboot gilt das einfache Grundprinzip, das Setup sogleich abzubrechen, wenn der Installer keine Parallelinstallation vorschlägt, obwohl bereits ein System vorliegt.

Dies ist ein klares Indiz, dass der Installer im falschen Modus gebootet wurde und die vorhandene Partitionierung nicht versteht: Ein Bios-Boot versteht nur das alte MBR-Schema, Uefi-Boot nur die GPT-Partitionierung. Um den Installer im richtigen Modus zu booten, müssen Sie beim PC-Start das Bios-Bootmenü aktivieren (meistens eine F-Taste wie F8 oder F12) und dort sodann das Installationsmedium im richtigen Modus starten: Es erscheint dort zweimal – mit und ohne „Uefi“-Angabe.

Wenn Sie nicht wissen, in welchem Modus das vorhandene System installiert ist, booten Sie bei Bedarf zweimal und installieren in dem Modus, in welchem der Installer das Parallelsystem erkennt.

Linux & Co: Die Neuerungen für 2022

4. Installationen auf USB

Installation auf USB-Speichermedium: Hier wird die Systempartition eingerichtet. Der Bootloader muss ebenfalls auf den USB-Datenträger (hier „/dev/sdd“).
Vergrößern Installation auf USB-Speichermedium: Hier wird die Systempartition eingerichtet. Der Bootloader muss ebenfalls auf den USB-Datenträger (hier „/dev/sdd“).

Das Linux-Setup auf USB-Medien ist komplizierter als jene auf die interne Festplatte, weil der Installer diese Möglichkeit nicht von sich aus anbietet. Hier benötigen Sie bei der Partitionierung die Option „Manuell“ oder „Etwas Anderes“. Daraufhin muss Klarheit über das richtige Laufwerk herrschen, weil dieses neu formatiert wird. Da die Kennung „/dev/sda“ für die erste interne Festplatte steht, ist „/dev/sdb“ der erste mögliche Kandidat, je nach Ausstattung mit internen Platten eventuell auch erst „/dev/ sdc“ oder „/dev/sdd“. Bester Anhaltspunkt ist die angezeigte Kapazität des Laufwerks. Wichtig ist ferner, dass auch der Bootloader auf dem USB-Laufwerk landet. Wenn das Laufwerk beispielsweise als „/dev/sdc“ als Installationsziel eindeutig erkannt ist, dann kommt der Bootloader auf „/dev/sdc“ und das System auf Partition „/dev/sdc1“.

5. Linux-Start mit langer Verzögerung

Der Start von Ubuntu/Mint sollte je nach Hardware nicht länger als etwa 10 bis 40 Sekunden dauern. Wesentlich längere Ladezeiten sprechen für einen fehlerhaften Eintrag in der Datei „/etc/fstab“, der entweder nach der Installation oder nach manuellem Editieren auftritt. Beweis dafür ist die Meldung „A start job ist running for dev-disk-by…“, die sich beim hängenden Start durch Druck der Esc-Taste offenbart oder durch einen Systemstart über „Erweiterte Optionen –› recovery mode“. Das System will eine Festplatte mounten, die es nicht vorfindet. Erste Abhilfe ist ein Auskommentieren der betreffenden Zeile in der „fstab“ (mit „#“). Falls die Festplatte zwingend gemountet werden muss, ermitteln Sie mit lsblk -f deren korrekte UUID-Kennung und tragen diese ein. Kontrollieren Sie zudem den Mountpunkt, da auch ein nicht existierendes Mountverzeichnis Starthänger verursacht.

6. Kompatible und inkompatible WLAN-Adapter

WLAN per USB-Dongle: Nicht alle Billiggeräte werden von Linux unterstützt, die meisten Markengeräte wie hier von AVM jedoch schon.
Vergrößern WLAN per USB-Dongle: Nicht alle Billiggeräte werden von Linux unterstützt, die meisten Markengeräte wie hier von AVM jedoch schon.
© AVM

Die allermeisten in Notebooks integrierten WLAN-Chips arbeiten problemlos, externe USB-WLAN-Adapter sind dagegen nicht immer Linux-kompatibel. Wie die Übersicht auf https://wiki.ubuntuusers.de/WLAN/Karten zeigt, werden die USB-WLAN-Adapter von Asus, AVM, D-Link und TP-Link nahezu alle unterstützt. Durch praktischen Einsatz verifiziert haben wir die Tauglichkeit bei den nachfolgenden günstigen (etwa 10 bis 20 Euro), allerdings älteren Geräten:

Weitere, zunächst inkompatible WLAN-Sticks lassen sich über einen cleveren Trick in Betrieb nehmen. Das gilt etwa für Sticks von AVM wie etwa den Fritz-WLAN-USBStick v 1.0 und v1.1. Der Trick besteht darin, Windows-Treiber unter Linux einzubinden. Es handelt sich dabei aber um eine Notlösung, die nicht immer stabil funktioniert, dennoch ist sie einen Versuch wert. Unter Ubuntu installieren Sie die Pakete „ndisgtk“, „ndiswrapper“, „ndiswrapperutils- 1.9“ und „ndiswrapper-dkms“. Bei Linux Mint sind diese Pakete bereits installiert. Den Windows-Treiber erhalten Sie hier . Entpacken Sie das „gz“-Archiv.  Nach dem Terminalbefehl

sudo ndisgtk

klicken Sie auf „Neuen Treiber installieren“ und wählen hinter „Ort“ die Datei „fwlan64. inf“ (64 Bit) oder „avm_mod.inf“ (32 Bit) aus dem Ordner, wo Sie den Treiber entpackt haben. Klicken Sie auf „Installieren“. Nun erscheint in der Liste „Hardware verfügbar: Ja“. Anschließend können Sie eine WLAN-Verbindung herstellen.

7. Drucker und Scanner funktionieren nicht

Wenn verschiedene Druckerhersteller den Marktanteil von Linux als zu gering erachten, um dafür in kostspielige Treiberentwicklung zu investieren, arbeitet das Gerät gar nicht oder unbefriedigend. Der beste Rat ist, bereits beim Kauf auf Linux-Kompatibilität zu achten, wobei die Chancen bei Brother, Epson und HP am besten stehen. Eine detaillierte Übersicht finden Sie in der Datenbank http://openprinting.org/printers . Was jedoch tun, wenn der störrische Drucker nun mal im Haus steht, aber unter Linux nicht arbeitet?

A. Wenn die Einrichtung über „Einstellungen –› Drucker“ keinen Treiber anbietet, sollten Sie die Herstellerseite und dort den Download-Bereich aufsuchen. Unter Umständen gibt es dort bei der Suche nach dem genauen Modell ein DEB-Paket (Debian, Ubuntu, Mint) oder RPM-Paket (Open Suse, Fedora), das Sie herunterladen und installieren können.

B. Wenn der Drucker einen Standard wie Postscript oder GDL unterstützt, kann der bei der Einrichtung empfohlene generische Treiber genügen. Ob diese Variante ohne nativen Gerätetreiber funktioniert (und mit welcher Qualität), ist nur durch Ausprobieren zu verifizieren.

C. Hersteller wie Dell lizenzieren lediglich die Geräte anderer Hersteller. Es kann sich daher lohnen, das Druckermodell in der oben genannten Druckerdatenbank zu recherchieren und den passenden Treiber beim eigentlichen Hersteller zu suchen.

8. Druckhilfe über Windows-PC

Drucken ohne Treibersorgen: Wenn ein Windows-Rechner im Dauerbetrieb vorhanden ist, dann ist der Remote- Desktop der einfachste Weg zum Ausdruck.
Vergrößern Drucken ohne Treibersorgen: Wenn ein Windows-Rechner im Dauerbetrieb vorhanden ist, dann ist der Remote- Desktop der einfachste Weg zum Ausdruck.

Die Druckerfreigabe eines Windows-Rechners erreichen Sie über „Geräte –› Netzwerkdrucker“ mit dem Unterpunkt „Windows-Drucker via SAMBA“. Dieser Weg hilft aber nicht weiter, wenn es keinen Linux-Treiber gibt – denn auch bei dieser Druckereinrichtung muss ein Treiber installiert werden. Ausnahmen sind Postscript-, GDL- oder GDI-taugliche Drucker, die möglicherweise auch mit einem generischen Open-Source-Treiber auskommen. Alle Versuche dieser Art, einen von Windows freigegebenen Drucker mit Linux anzusprechen, sind aber unnötig kompliziert und fehlerträchtig. Denn wenn für den Druck schon ein laufendes Windows vorausgesetzt wird, dann bietet sich eine viel einfachere Lösung an – die Desktop-Freigabe des Windows-Rechners: 

  1. Der Windows-Rechner muss Remote-Verbindungen erlauben. Dies ist unter „Systemsteuerung –› System –› Remoteeinstellungen –› Remoteverbindung … zulassen“ zu aktivieren. Das gerade angemeldete Benutzerkonto erhält dabei automatisch Zugriff, weitere erlaubte Nutzer sind optional möglich. Konto und Kennwort brauchen Sie später beim Linux-Zugriff.

  2. Auf dem Linux-System verwenden Sie am besten Remmina. Die Software ist bei Bedarf schnell nachinstalliert. Unentbehrlich für den Windows-Zugriff ist das RDP-Plugin, aber am besten holen Sie gleich alle Plug-ins an Bord: 

sudo apt install remmina remmina-plugin-rdp remmina-plugin-nx remmina-plugin-telepathy remmina-plugin-vnc 

Danach legen Sie in Remmina eine Konfiguration mit dem Protokoll RDP an und hinterlegen dort IP-Adresse, Konto und Passwort des Windows-PCs. Den Austausch der Druckdateien können Sie weiter vereinfachen, indem Sie in Remmina die Option „Ordner freigeben“ aktivieren (etwa den „Schreibtisch“ des Linux-Rechners). Dann hat das Remote-Windows automatisch einen Austauschordner zur Hand, wo die zu druckenden Dateien liegen.

9. Unzureichende Grafikleistung

Bei Notebooks mit Hybridgrafik können Sie über „Nvidia X Server Settings“ den Intel-Grafikadapter aktivieren, um die Akkulaufzeit zu verlängern.
Vergrößern Bei Notebooks mit Hybridgrafik können Sie über „Nvidia X Server Settings“ den Intel-Grafikadapter aktivieren, um die Akkulaufzeit zu verlängern.

Linux-Desktop-Systeme verwenden einen Open-Source-Grafiktreiber, der für Office und Web ausreicht. Wenn jedoch die Videowiedergabe ruckelt oder ein Spiel nicht die volle Auflösung zeigt, sollten Sie überprüfen, ob ein proprietärer Treiber verfügbar ist („Systemeinstellungen –› Treiberverwaltung“). Bei Grafikadaptern von Nvidia oder AMD ist dies die Regel, wobei Sie bei mehreren Angeboten den Treiber mit dem Zusatz „empfohlen“ wählen sollten. 

Notebooks sind oft mit Hybridgrafik ausgestattet. Standardmäßig sollte der Grafikadapter der Intel-CPU aktiv sein, um den Stromverbrauch zu minimieren. Voraussetzung dafür ist, dass Sie den Nvidia-Treiber über die Treiberverwaltung installiert haben. Gehen Sie im Menü auf „Systemverwaltung –› Nvidia X Server Settings“ und danach auf „PRIME Profiles“. Aktivieren Sie dort bitte die Option „Intel (Power Saving Mode)“. Als Nächstes melden Sie sich neu an. Wenn Leistung gefragt ist, schalten Sie auf dem gleichen Weg auf den Nvidia-Adapter um, indem Sie die Option „NVIDIA (Performance Mode)“ aktivieren.

10. Grafikprobleme mit Herstellertreiber

Die Installation des Herstellertreibers ist nicht immer erfolgreich. In seltenen Fällen führt das zu Darstellungsfehlern oder verhindert den Start der Oberfläche. Dann hilft es nur, die Treiber wieder zu deinstallieren. Dies können Sie in der virtuellen Konsole (Strg-Alt-F2) erledigen: Bei Nvidia-Treibern hilft der Befehl:

sudo apt purge nvidia* 

und bei Treibern von AMD verwenden Sie dieses Kommando: 

sudo apt purge fglrx*

Nach einem Neustart wird der Desktop wieder funktionieren – allerdings nun wieder mit Open-Source-Treiber.

Lesetipp: Daten unter Linux gelöscht - was nun?

11. Die Akkulaufzeiten auf Notebooks

Stromsparen insbesondere auf Notebooks: Ubuntu-Systeme sparen immerhin dort, wo es sich am meisten lohnt – sowohl beim Bildschirm als auch beim Timeout für den Bereitschaftsmodus.
Vergrößern Stromsparen insbesondere auf Notebooks: Ubuntu-Systeme sparen immerhin dort, wo es sich am meisten lohnt – sowohl beim Bildschirm als auch beim Timeout für den Bereitschaftsmodus.

Mit Ubuntu & Co. erreichen Notebooks nicht die Akkulaufzeiten eines Windows-Systems. Aus diesem Grund sollten Sie die vorhandenen Stromsparoptionen maximal nutzen – die Bildschirmabschaltung und den S3-Suspend-Modus („Bereitschaft“). Unter „Systemeinstellungen –› Energie“ finden Sie den Timer für den Bereitschaftsmodus. Nach der angegebenen Frist (oh- ne Benutzer-Aktivität) geht der Rechner in stromsparende Bereitschaft. Für das Verdunkeln und das Ausschalten des Bildschirmes bei Inaktivität finden Sie die Optionen an der gleichen Stelle.

Im S3-Modus („Bereitschaft“) verbrauchen Notebooks und PCs nur noch 0,5 bis ein Watt. Die Leistungsaufnahme zwischen einem maximal hellen Notebook-Display und einem maximal abgedunkelten unterscheidet sich um drei bis vier Watt.

12. Probleme mit SMB-Freigaben

Administrative Freigaben in der oben gezeigten „smb.conf“: In diesem Fall darf lediglich ein einziges Konto („ha“) zugreifen.
Vergrößern Administrative Freigaben in der oben gezeigten „smb.conf“: In diesem Fall darf lediglich ein einziges Konto („ha“) zugreifen.

Die Samba-Konfiguration steht in der Liste der Problemfelder weit oben. Bei Samba-Freigaben gibt es zwei Methoden: zum einen die „persönliche“ Freigabe aus dem Benutzerkonto (net usershare oder direkt im Dateimanager) und die „administrative“ Freigabe. Auf die persönliche Freigabe gehen wir hier nicht näher ein, weil sie sehr begrenzt nur im eigenen „Home“ und für das eigene Konto funktioniert. Für einen Datenserver, und sei es nur ein kleiner Platinenrechner, eignet sich nur die „administrative“ Freigabe. Zuständig ist die Konfigurationsdatei „/etc/samba/smb.conf“, deren Bearbeitung root-Recht erfordert. Freigaben werden am Ende unter „Share Definitions“ eingetragen. Eine Freigabe lässt sich im Minimalfall mit drei Zeilen erstellen:

[Daten] 
path = /media/daten 
writeable = yes

Das Beispiel gibt das Verzeichnis „/media/ daten“ unter der Bezeichnung „Daten“ frei. Sollen auch Benutzer ohne Konto die Freigabe nutzen, ergänzen Sie die Zeile 

guest ok = yes

Umgekehrt kann die Anweisung

valid users = ha sepp fritz

die zugriffsberechtigten Konten einschränken. Beachten Sie, dass manuelle Änderungen erst wirksam werden, wenn Sie Samba neu starten ( sudo service smbd restart ). Zugriffsprobleme ergeben sich nahezu nie durch die Netzwerkrechte. Weitaus häufiger fehlen die lokalen Dateirechte (siehe dazu Punkt 14). Der zugreifende Benutzer muss für lokale Dateiberechtigungen ein Systemkonto auf dem Server besitzen (sudo adduser sepp). Des Weiteren muss das zugreifende Konto als Samba-User mit Passwort angelegt sein:

sudo smbpasswd -a sepp 

Es vereinfacht den Überblick, System- und Samba-Passwort identisch zu wählen. 

13. Samba-Problem unter Ubuntu & Co.

Die Netzwerkübersicht scheitert. Sie können den Samba-Fehler kompensieren, indem Sie wichtige Freigaben als Lesezeichen ablegen.
Vergrößern Die Netzwerkübersicht scheitert. Sie können den Samba-Fehler kompensieren, indem Sie wichtige Freigaben als Lesezeichen ablegen.

Seit Ubuntu 18.04 gibt es eine neue Samba-Version. Diese verhindert im Dateimanager die Verbindungsaufnahme zu Windows-Netzwerken. Konkret: Beim Klick auf das „Windows-Netzwerk“ im Dateimanager erscheint „Einhängen des Ortes nicht möglich“. Das Suchen nach Servern und Freigaben ist also nicht mehr vorgesehen. Stattdessen muss man sich mit einem Rechner direkt mit Hostnamen oder IP-Adresse verbinden. Das geht auch über das Adressfeld des Dateimanagers: 

smb://[IP-Adresse]

Um sich ständige Eingaben dieser Art zu ersparen, sollten Sie wichtige Samba-Freigaben im Dateimanager als Lesezeichen ablegen (dies geht mittels Strg-D in den meisten Dateimanagern).

14. Falsche lokale Dateirechte

Falsche Dateirechte sind Ursache für manche Zugriffsprobleme, zumal auch Netzfreigaben lokale Dateirechte voraussetzen. Linux-Einsteiger können nichts Klügeres machen, als manuelle Rechteänderungen zu vermeiden. Dabei helfen die Dateimanager, die lokale Datenträger sowie Netzwerklaufwerke automatisch so in das Dateisystem mounten, dass keine Rechtekonflikte entstehen. Derartiges Automount geht Rechteproblemen aus dem Weg und gilt bis zur Abmeldung.

Bei Zugriffsproblemen, wo statt des normalen Users nur root die erforderlichen Dateirechte besitzt, ist deshalb die richtige Antwort eine andere Mountmethode – und nicht das rekursive Ändern massenhafter Dateirechte. Dennoch ist das bei Bedarf natürlich möglich. Der Terminalbefehl chown ändert den Besitzer und arbeitet sich mit Schalter „-R“ rekursiv durch ganze Ordnerebenen: 

sudo chown -R [Benutzer] [Pfad]

Zum Ändern der Rechte dient der Befehl chmod – mit leider zwei Beschränkungen. Er arbeitet nicht rekursiv, was sich mithilfe des find-Befehls allerdings kompensieren lässt. chmod unterscheidet aber auch nicht zwischen Dateien und Ordnern. Wenn man Dateien und Ordnern dieselben Zugriffsrechte zuteilt, führt das zu dem Dilemma, dass sich entweder Ordner nicht öffnen lassen oder sämtliche Dateien das „Ausführen“- Recht erhalten. Aus diesem Grund sind zwei Befehle notwendig:

find . -type f -exec chmod 664 {} \; 
find . -type d -exec chmod 775 {} \; 

„-type f“ bearbeitet Dateien, „-type d“ die Ordner. Die Beispielbefehle arbeiten ab dem aktuellen Verzeichnis (Punkt „.“).

15. Das ungeliebte Terminal

Viele Linux-Nutzer haben Probleme mit dem Terminal. Diese Tatsache ist jedoch durch den einen oder anderen Tipp nicht zu beheben, da Terminalkompetenz jahrelange Erfahrung erfordert. Eine Grundregel gibt es aber: Zumindest das, was man sich schon erarbeitet hat, sollte schnell wieder abrufbar sein. Um dies sicherzustellen, sollte man die Suchmechanismen für die Standarddatei „~/.bash_history“, ferner die Konfigurationsdatei „~/.bashrc“ optimieren: 

Das Terminal vergisst so schnell nichts, weil alle Befehle in der „~/.bash_history“ gespeichert werden. Bei welcher Zeilenmenge Schluss sein soll, bestimmt diese Anweisung in der Datei „~/.bashrc“: 

HISTFILESIZE=8000

Je höher die Zahl ist, desto umfangreicher ist das Gedächtnis.

Eine systematische Suche in der „bash_history“ bietet der Hotkey Strg-R: Nach Eintippen etwa von apt erscheint der letztgenutzte apt-Befehl. Ist er passend, lässt er sich mit Eingabetaste ausführen oder mit Alt-Eingabetaste auf den Prompt holen. Ist der angezeigte History-Treffer nicht der passende, geht es mit Strg-R zum vorletzten und so fort. Eine nützliche Ergänzung ist die Filtersuche mit der Taste Bild-oben. Nach Eingabe etwa von apt befördert diese Taste den letzten apt-Befehl auf den Prompt, ein weiteres Bild-oben den vorletzten und so fort. Solch eine Suche funktioniert aber nur, wenn Sie die Bildtasten entsprechend belegen – und zwar in der Datei „/etc/inputrc“. Das Editieren erfordert root-Recht. Sie werden dort die beiden Zeilen

\"e[5~\": history-search-backward 
\"e[6~\": history-search-forward 

antreffen und müssen nur das führende Kommentarzeichen „#“ entfernen.

16. Datenträger für Linux und Windows

exFAT unter Linux: Das einfache, aber verbesserte Microsoft-Dateisystem überwindet das 4-Gigabyte-Limit von FAT32 und ist unter Linux umstandslos nachzurüsten.
Vergrößern exFAT unter Linux: Das einfache, aber verbesserte Microsoft-Dateisystem überwindet das 4-Gigabyte-Limit von FAT32 und ist unter Linux umstandslos nachzurüsten.

Sollen interne Festplatten (bei Multiboot) oder mobile USB-Datenträger unter Linux und Windows genutzt werden, gibt es Einschränkungen, die sich jedoch durch richtige Formatierung vermeiden lassen: Linux-Dateisysteme (Ext4) sind für Windows nicht lesbar. Sind lediglich Linux- und Windows-Rechner im Spiel, ist das Microsoft-Dateisystem NTFS die erste Wahl. Linux wie Windows haben dort Lese- und Schreibzugriff, Mac-OS kann dort immerhin lesen.

Laufwerke mit dem alten Dateisystem FAT32 unterstützen nach wie vor alle Systeme. Allerdings gibt es dort das lästige Limit von 4 GB pro Einzeldatei. Theoretisch kommt noch das Microsoft-Dateisystem exFAT in Betracht, das ein solches Limit nicht kennt. Unterstützung für exFAT ist unter Debian/Ubuntu/Mint mit 

sudo apt install exfat-fuse exfat-utils

ganz leicht nachzurüsten.

17. Fehlende Software und Spiele

Linux bietet für jede Aufgabe eine reiche Auswahl geeigneter Software. Wenn es aber statt Gimp oder Libre Office eine Microsoft- oder Adobe-Software sein muss, kann Linux nicht dienen. Wer aus beruflichen Gründen uneingeschränkte Kompatibilität mit Excel oder Photoshop benötigt, der wird mit Linux mittelfristig nicht froh: Der Austausch der Formate erfordert immer wieder lästige Detailkorrekturen (siehe Punkt 18).

Die Erfolge, welche das Projekt Wine mit dem Nachbau der Windows-API vorweisen kann (https://appdb.winehq.org), fallen sehr unterschiedlich aus: Dass hier genau die benötigte Version einer Windows-Software einen störungsfreien „Platinum“- oder „Gold“-Status erreicht, bleibt ein Glücksfall. Ferner ist die Benutzung von Wine durchaus komplex: Die Einrichtung ist einfach, der produktive Umgang damit aber keineswegs trivial.

Linux ist trotz der Steam-Anbindung keine Gaming-Plattform. Das Angebot bleibt gegenüber Windows reduziert und leistungstechnisch kann selbst das Gaming-Linux Steam-OS ein Windows nicht schlagen.

18. Kompatibilitätsprobleme mit MS Office

Libre Office lädt und bearbeitet mit Ausnahme von Access-Datenbanken im Prinzip alle Dateien, die mit MS Office erstellt wurden. Umgekehrt verarbeitet MS Office die Open-Document-Formate von Writer und Calc problemlos. Wo es lediglich um die Produktion von Text, Tabellen und Präsentationen geht, da ist Libre Office uneingeschränkt für die Zusammenarbeit mit der Microsoft-Suite geeignet. Problematischer wird es, wenn Microsoft-Formate unter Libre Office weiterbearbeitet werden müssen, denn Word, Excel und Powerpoint bieten Formate, mathematische Funktionen, Diagramme oder Übergangseffekte, die Libre Office nicht kennt. Beim Bearbeiten müssen Sie daher eventuell nachbessern. Eine generelle Maßnahme kann helfen, den Korrekturaufwand zu verringern: Libre Office kommt mit den älteren Binärformaten DOC, XLS, PPT besser zurecht als mit dem jüngeren Office Open XML (OOXML) von Microsoft Office ab Version 2007. Deshalb sollten Libre-Office-Nutzer die Austauschdokumente von den Microsoft-Nutzern besser im älteren „97-2003“-Format anfordern.

19. Probleme mit virtuellen Maschinen (VMs)

VM unter Virtualbox: Technisch ist das Einrichten virtueller Maschinen eine einfache Übung. Windows-VMs benötigen im Dauerbetrieb allerdings eine kostenpflichtige Lizenz.
Vergrößern VM unter Virtualbox: Technisch ist das Einrichten virtueller Maschinen eine einfache Übung. Windows-VMs benötigen im Dauerbetrieb allerdings eine kostenpflichtige Lizenz.

Virtualisierung ist für viele Linux-Nutzer eine Herausforderung. Dieses Thema ist ein weites Feld, zumal unsere Umfrage nicht zeigt, ob es sich um technische oder prinzipielle Probleme handelt. Nicht verhandelbar ist etwa die Tatsache, dass ein Windows nur 90 Tage als Gratis-Testversion läuft und für einen Dauereinsatz kostenpflichtig aktiviert werden muss. Für Adobe- und Microsoft-Programme, die oft unter virtuellem Windows laufen sollen, gelten noch viel kürzere kostenlose Testfristen (30 Tage und weniger).

Technisch sind VMs unter einem Virtualisierer wie Oracle Virtualbox keine Aufgabe, die Profiwissen fordert. Im Prinzip ist eine VM nach Angabe des Betriebssystemtyps, der Speicherkapazität und der Festplattengröße bereits angelegt, wonach mit „Ändern –› Massenspeicher“ nur noch das Startmedium definiert werden muss. Der noch „leere“ IDE-Controller erhält ein optisches Laufwerk („Sekundärer Master“), dort wird die ISO-Datei des Windows- oder Linux-Systems eingehängt. Ob das danach gestartete Windows- oder Linux-Installationsmedium zur Installation genutzt wird oder (im Falle von Linux) nur als Livesystem, entscheidet der Nutzer.

20. Bedienbarkeit der Oberfläche

Schwierigkeiten mit Linux-Desktops sind für Linux-Nutzer ein immer wieder gern erwähntes, allerdings nachrangiges Problem. Daher können wir uns dazu kurz fassen: Es gibt Linux-Desktops, die ungewöhnlich (Gnome, Moksha, Deepin), hermetisch (Gnome, Budgie, Pantheon) oder zu komplex ausfallen (KDE). Aber nichts ist einfacher, als diese ihren Fans zu überlassen und sich an Desktops mit klassischen Elementen zu halten.

Der Desktop mit der derzeit umfassendsten Funktionalität ist Cinnamon, der Standard unter Linux Mint. Aber auch ein XFCE (Xubuntu) oder Mate (Ubuntu Mate) geben kaum Anlass zum Rätselraten. Nach unserer Erfahrung haben damit auch Benutzer, die Windows gewöhnt sind, kaum Orientierungsprobleme.

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