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Linux-Komfort: Welcher Desktop passt zu Ihnen?

26.05.2017 | 14:00 Uhr |

Egal ob Mate, KDE oder Gnome - wer Linux nutzt, hat die Qual der Wahl. Wir stellen die beliebtesten Oberflächen vor und verraten die wesentlichen Unterschiede.

Welche Oberfläche eignet sich für wen? Und für welche Hardware? Nahezu jede namhafte Linux-Distribution liegt nicht nur in einer Edition mit einem einzigen Desktop vor, sondern in mehreren Varianten. Das bedeutet viele Auswahlmöglichkeiten und Freiheiten bei der Zusammenstellung des eigenen Systems, macht es aber Einsteigern nicht einfacher, das passende Linux-System zu wählen. So zählt etwa allein die Ubuntu-Familie nicht weniger als zehn offizielle Editionen mit ebenso vielen Oberflächen.

Der Systemunterbau bleibt stets der Gleiche, aber die Bedienung an der Oberfläche unterscheidet sich erheblich. Diese Unterschiede machen eine bestimmte Edition eines Linux-Systems für eine bestimmte Zielgruppe interessant und kommen entweder Einsteigern oder eher Fortgeschrittenen entgegen. Zudem spielt der Desktop eine wesentliche Rolle dabei, welche Anforderungen ein Linux-System an die Hardware hat.

Der Beitrag stellt als Entscheidungshilfe die populärsten Desktops für Linux vor. Die Auswahl orientiert sich an der Popularität der Desktops und beschränkt sich dabei auf die wichtigsten vier Oberflächen.

Linux: Die Wahl der optimalen Distribution

Gnome 3: Der elegante Purist

Die ehemals populärste Linux-Oberfläche hat mit Version 3 ihre traditionellen Bestandteile rigoros über Bord geworfen. Nach diesen radikalen Änderungen entstand ein Desktop im Stil einer Tabletoberfläche. Das ungewöhnliche Konzept wirft klassische Elemente wie das Startmenü über Bord, bietet aber einen ebenso schicken wie einfach zu bedienenden Desktop. Hier findet sich jeder Einsteiger nach kurzer Orientierung schnell zurecht. Unter konservativen Linux-Nutzern erntete Gnome 3 viel Kritik und viele wanderten zu anderen Oberflächen ab. Inzwischen gibt es einen Classic-Modus, der traditionelle Menüelemente zurückbringt. Fortgeschrittene können die Oberfläche mit Shell-Erweiterungen anpassen .

Die Alternative: Unity der Ubuntu-Hauptausgabe basiert auf Gnome, verfolgt aber einen konventionelleren Ansatz. Zielgruppe: Einsteiger, Anpassungen erfordern Erfahrung
Hardwareanforderungen: moderat, verlangt flotten Grafikchip, ab 2 GB RAM
Repräsentative Distributionen: Ubuntu Gnome, Debian, Fedora

KDE: Der Anpassungsfähige

Für anspruchsvolle Anwender und ambitionierte Einsteiger: Das komplexe KDE bietet maximale Anpassungsfähigkeit und hat mit KDE Plasma 5 ein geradliniges Gewand bekommen.
Vergrößern Für anspruchsvolle Anwender und ambitionierte Einsteiger: Das komplexe KDE bietet maximale Anpassungsfähigkeit und hat mit KDE Plasma 5 ein geradliniges Gewand bekommen.

Die heute populärste Desktopumgebung unter Linux ist KDE . Umsteiger aus der Windows-Welt kommen mit den vertrauten intuitiven Menüelementen meist gut zurecht. Langjährige Anwender schätzen wiederum den Funktionsumfang und die Anpassungsfähigkeit. Diese beiden Eigenschaften stehen bei KDE im Vordergrund. Mit Version 5 hat sich KDE neu erfunden und diese gilt inzwischen nach zwei Jahren Arbeit als stabil. Große Sprünge und hehre Ziele gibt es bei KDE rund alle acht Jahre.

Der letzte Sprung auf KDE Plasma 5 brachte ein klare Linie in die zuvor kleinteilige Oberfläche. KDE ist die richtige Wahl für Anwender, die maximale Anpassungsfähigkeit und eine umfangreiche Programmausstattung erwarten. Der Dateimanager Dolphin gehört beispielsweise zu den besten Programmen seiner Klasse.

Die schlanke Alternative: Der Desktop Lxqt verwendet ähnliche Bibliotheken wie KDE, ist aber deutlich schlichter und ressourcenschonender. Zielgruppe: ambitionierte Einsteiger, Fortgeschrittene
Hardwareanforderungen: hoch, Mehrkern-Prozessor empfohlen, ab 2 GB RAM (besser 4 GB) Repräsentative Distributionen: Kubuntu, KDE Neon, Open Suse

Schritt für Schritt: So klappt der Umstieg zu Linux

Mate: Der Neo-Klassiker

Vertraute Oberfläche: Mit dem Mate-Desktop lebt die klassische Oberfläche von Gnome 2 in einer modernisierten Variante weiter, die sich besonders gut für Einsteiger eignet.
Vergrößern Vertraute Oberfläche: Mit dem Mate-Desktop lebt die klassische Oberfläche von Gnome 2 in einer modernisierten Variante weiter, die sich besonders gut für Einsteiger eignet.

Der Desktop Mate ist eine konservative Antwort auf die Modernisierung von Gnome 3: Mate baut auf dem Quellcode des alten Klassikers Gnome 2 auf und wurde damit zur ernsthaften Alternative für Einsteiger und Anwender, die einen traditionellen Desktop bevorzugen. In den letzten Monaten hat Mate wichtige Aktualisierungen erfahren, die dem Desktop trotz althergebrachter Bedienkonzepte ein modernes Äußeres geben.

Auch aktuelle Gnome-Anwendungen neuerer Bauart fügen sich perfekt in den Desktop ein. Es handelt sich bei Mate wie einst bei Gnome 2 um eine komplette Desktopumgebung, in der auch einige Programme für die täglichen Arbeiten mit von der Partie sind. Auch diese Programme sind von Gnome 2 übernommen. Die Vorzeigedistributionen Ubuntu Mate und Linux Mint Mate dürfen als besonders einsteigerfreundliche Systeme gelten.

Die Alternative: Cinnamon von Linux Mint ist eine Neuentwicklung mit höheren Anforderungen an den Grafikchip, aber einem ähnlichen klassischen Bedienkonzept. Zielgruppe: Anfänger und Umsteiger
Hardwareanforderungen: moderat, verlangt nach flottem Grafikchip, ab 1 GB RAM
Repräsentative Distributionen: Ubuntu Mate, Linux Mint Mate, Debian

XFCE: Der Tugendhafte

Leichtfüßige Eleganz: XFCE unterstützt auch ohne speziellen Grafikchip Schattenwurf und Transparenz über das Menü ?Einstellungen, Feineinstellungen der Fensterverwaltung?.
Vergrößern Leichtfüßige Eleganz: XFCE unterstützt auch ohne speziellen Grafikchip Schattenwurf und Transparenz über das Menü ?Einstellungen, Feineinstellungen der Fensterverwaltung?.

Klein, charmant, komfortabel und zufrieden mit älterer Hardware: XFCE zeigt, dass eine umfassende Desktoplösung keine Gigahertz-Boliden braucht und ein GB RAM eine Menge Speicher sein können. Seine Bescheidenheit bei gleichzeitig hoher Anpassungsfähigkeit und gutem Aussehen verdankt XFCE leichtgewichtigen Komponenten. Zwar basiert auch XFCE auf dem Gnome-Toolkit, das diese Oberfläche gestaltet. Allerdings kommt XFCE ohne umfangreiche Gnome-Bibliotheken aus und setzt dafür seine eigenen ein. Diese ergänzt es um eigene Anwendungen wie den Dateimanager „Thunar“, dem Editor „Mousepad“ und komfortable Menüs für die Desktopkonfiguration. XFCE gilt seit gut 14 Jahren als ausgereift, galt aber lange als graue Maus und schlichte Gnome-Alternative. Als erste prominente Distribution hat Xubuntu XFCE mit einem eleganten Äußeren ausgestattet. XFCE ist eine gute Wahl für Windows-Umsteiger und Anwender, die sich einen unkomplizierten Desktop wünschen.

Die Alternative: Soll ein Linux-System mit grafischer Oberfläche auf angestaubter Hardware laufen, so ist LXDE ein noch schlankerer Desktop. Zielgruppe: Windows-Umsteiger, Nutzer älterer Hardware
Hardwareanforderungen: gering, ab 1 GB RAM
Repräsentative Distributionen: Xubuntu, Debian

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