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Linux-Server: Große und kleine Einsatzmöglichkeiten

28.07.2020 | 08:01 Uhr | Hermann Apfelböck

Der Linux-Desktop bleibt in der Nische, doch als Server ist Linux ganz groß und dominiert als Lamp-Server (Linux – Apache – My SQL – PHP) das Internet. Zahlreiche kleine und große Linux-Serverlösungen machen aber auch das Heimnetz attraktiver.

Während sich Mac-OS von Serverambitionen weitgehend verabschiedet hat und praktisch nur noch als Dateiserver dienen kann, behauptet Windows weiterhin seinen Platz neben Linux. Typische Serverdienste mit und ohne Apache / Nginx sind plattformunabhängig und laufen auch unter Windows – etwa Wordpress , Drupal , Joomla , Mediawiki , Dokuwiki . Programmpakete wie XAMPP vereinfachen die Einrichtung einer Lamp-Umgebung unter Windows und Mac-OS X und erlauben viele Serverprojekte auch auf diesen Plattformen. Selbstverständlich verzichten auch Medienserver wie Kodi oder Plex nicht auf die verbreitete Windows-Plattform.

Die meisten dieser Serverdienste haben ihre Heimat aber im Open-Source- und Linux-Umfeld. Das zeigt sich nicht nur in der deutlich größeren Anzahl kleiner und spezialisierter Dienste, sondern auch im Variantenreichtum: So gibt es etwa für das Kodi-Mediencenter mit Libre Elec , Geexbox , OSMC , Xbian unter anderem eine ganze Anzahl von Spezialdistributionen für PCs und Platinenrechner. Und zahlreiche kleinere, vor allem für das Heimnetz interessante Dienste laufen ausschließlich unter Linux. Dieser Artikel kann nur einige wenige Beispiele ansprechen.

Nextcloud: Cloud für Web und Intranet 

Die flexible Kollaborations-Suite Nextcloud  eignet sich als Datenzentrale, Terminkalender, Fotogalerie, Adressverwaltung und vieles mehr – und auf Wunsch auch weniger: Denn der Umfang ist modular über „App-Pakete“ zu verwalten. Der Vorgänger Owncloud war unter einer XAMPP-Umgebung auch noch unter Windows zu installieren, die Nextcloud hat sich davon distanziert. Unter Windows sind nur noch Umwege über einen Docker-Container oder eine Linux-VM realisierbar.

Unter Linux ist das Projekt zu Hause und hier gibt es inzwischen besonders komfortable Installationsvarianten, die das Produkt im Handumdrehen startklar machen:

Nextcloud als Snap-Paket: Die Installation als Snap-App ist ideal für Nutzer, die aktuell keinen Apache-Server laufen haben und sich mit dessen Konfiguration auch nicht befassen wollen. Im Snap-Paket wird inklusive Apache alles eingerichtet, was Nextcloud benötigt. In Ubuntu ist die Snap-Verwaltung Standard, wo nicht (etwa bei Raspbian), ist das mit 

sudo apt install snapd 

schnell nachgeholt. Damit ist die Nextcloud mit dem schlichten Befehl 

sudo snap install nextcloud 

installiert, sofort startklar und unter http://localhost am Rechner selbst, über dessen IP-Adresse mit jedem Browser im Netz erreichbar. Da heutige Browser auch im lokalen Netz HTTPS erwarten, verwenden Sie für SSL-Verschlüsselung ein selbst signiertes Zertifikat: 

sudo nextcloud.enable-https self-signed 

Für den Zugriff muss dann jeder Browser im lokalen Netz eine Ausnahmeregel festlegen (Firefox: „Risiko akzeptieren und fortfahren“). Die weitere Konfiguration der Nextcloud ist keineswegs trivial, eine laufende Instanz ist aber mit dieser Snap-Variante in Minuten erreicht.

Nextcloud für Platinen: Nextcloud Pi  ist ein Sorglospaket für Odroid XU4, Rock64, Banana Pi, aber auch für PCs (x86), indem es das Betriebssystem Raspbian gleich mit einer eingebauten Nextcloud kombiniert. Das Image schreiben Sie nach dem Entpacken mit den üblichen Mitteln auf eine SD-Karte. Im Prinzip ist die Nextcloud nach Einlegen der SD-Karte in die Platine sofort lauffähig und konfigurationsbereit.

Nextcloud 18 - Das kann die neue Version der Cloudservers

Die Soundstation Volumio

Hübsche Musikstation: Volumio ist eine spezialisierte Distribution, deren einfache Oberfläche am Gerät selbst und übers Netzwerk identisch zu bedienen ist.
Vergrößern Hübsche Musikstation: Volumio ist eine spezialisierte Distribution, deren einfache Oberfläche am Gerät selbst und übers Netzwerk identisch zu bedienen ist.

Volumio ist ausschließlich als Linux-System verfügbar. Ursprünglich für den Raspberry konzipiert, ist es inzwischen auch für Odroid, Asus Tinker Board und x86 (PC) portiert. Funktional handelt es sich um eine Musikstation, die am lokalen Gerät Musik abspielt, aber über einen Webserver von jedem Netzwerkgerät zu steuern ist. Der ZIP-Download kann nach dem Entpacken mit den üblichen Werkzeugen ( Etcher , dd, Win 32 Disk Imager ) auf USB transferiert werden. Mit schicker und äußerst einfacher Oberfläche kann Volumio auch große Musikbibliotheken performant verwalten und überzeugend präsentieren.

Readymedia: Kleiner Medienserver 

Streamingserver, die Audio und Video an Netzwerkgeräte ausliefern, bietet Linux in Fülle. Kodi, Gerbera, Mopidy sind allesamt Streaminglösungen mit unterschiedlicher Ausrichtung. Fokus bei Readymedia (Mini DLNA) ist Minimalismus und der Verzicht auf jede Oberfläche. Der Server erscheint einfach auf allen DLNA/UPnP-konformen Endgeräten (TV, Smartphone, VLC, Windows Media Player) und erlaubt den Abruf der Medien. Das Programm liegt noch unter seinem alten Namen „minidlna“ in den Paketquellen und ist mit 

sudo apt install minidlna 

schnell installiert. Konfiguriert wird der Purist über die Textdatei „/etc/minidlna.conf“ mit Einträgen wie: 

media_dir=A,/home/ha/Musik 

Das „A,“ steht für Audio („V“ für Videos und „P“ für Bilder) und weist Readymedia an, den Ordner inhaltstypisch zu analysieren (Metainfos). Nach Konfigurationsänderungen ist ein Neustart des Dienstes mit 

sudo service minidlna restart 

erforderlich.

Qbittorrent-Client mit Weboberfläche

Der zentrale Qbittorrent lässt sich über das Netzwerk im Browser bedienen. Diese Aufgabe stemmt auch ein kleiner Platinenrechner der Sorte Raspberry Pi.
Vergrößern Der zentrale Qbittorrent lässt sich über das Netzwerk im Browser bedienen. Diese Aufgabe stemmt auch ein kleiner Platinenrechner der Sorte Raspberry Pi.

Ein Beispiel für eine spezialisierte Serverrolle ist ein zentraler Bittorrent-Empfänger , den alle Netzteilnehmer über seine IP-Adresse nutzen. Das erspart lokale Bittorrent-Programme auf allen anderen Rechnern. Das Tool installieren Sie auf dem Server mit 

sudo apt install qbittorrent-nox 

aus den Paketquellen. Als Serverhardware genügt ein Raspberry vollauf. Nach dem Start (qbittorrent-nox) ist der Server über „[IP]:8080“ mit jedem Browser erreichbar. Der Zugang erfolgt als Benutzer „admin“ mit Kennwort „adminadmin“ (was Sie über „Werkzeuge –› Optionen –› Weboberfläche“ ändern können). Jeder Rechner im Netz kann Torrent-Dateien zum Server hochladen und somit dort den Download auslösen. Idealerweise ist umgekehrt das – in Qbittorrent-nox einstellbare – Downloadverzeichnis per Samba freigegeben.

Wenn Qbittorrent immer laufen soll, braucht es einen Aufruf mit vollem Pfad „/usr/bin/qbittorrent-nox“ in der Crontab. Oder Sie starten es bei Bedarf über SSH, wobei dann auf dem Server zusätzlich ein SSH-Server laufen müsste (nie verkehrt).

Serverdienst für Server

Kein Linux-Server ohne Open-SSH-Server! Es gibt keinen verbreiteteren Serverdienst unter Linux und keinen, der eine schnörkellosere Serveradministration ermöglicht. Ein Benutzerkonto auf dem Server und ein SSH-Befehl genügen, um über das Netz den kompletten Server im Terminal unter sich zu haben. Mit dem zugehörigen Datenprotokoll SFTP steht das komplette Dateisystem auch grafischen Dateimanagern zu Diensten. SSH beherrscht auch das unixoide Mac-OS X, während Windows sich lange Zeit auf native Remotefähigkeiten zurückzog (Win RM) und erst neuerdings an einem SSH-Server arbeitet (als SSH-Client dient seit Ewigkeiten das Tool Putty ).

Die Themen in Tech-up Weekly #196:

► AMD: Vier neue Threadripper Pro mit bis zu 64 Kernen: www.pcwelt.de/news/AMD-Vier-neue-Threadripper-Pro-mit-bis-zu-64-Kernen-10846746.html

► Elon Musks Gehirn-Chip von Neuralink soll auch Depressionen heilen: www.pcwelt.de/news/Elon-Musks-Gehirn-Chip-soll-auch-Depressionen-heilen-10845309.html

Quick-News

► Saturn wird zu MediaMarkt - in Österreich: www.pcwelt.de/news/Saturn-wird-zu-Media-Markt-in-Oesterreich-was-ist-mit-Deutschland-10845493.html

► Deutsche Bahn: Neue Fenster im ICE für besseren Empfang: www.pcwelt.de/news/Deutsche-Bahn-Mobilfunkdurchlaessige-Fenster-in-neuen-ICEs-10847192.html

► Microsoft Flight Simulator startet am 18. August: www.pcwelt.de/news/Microsoft-Flight-Simulator-auch-per-10-DVDs-erhaeltlich-10845874.html

► Sparkasse: Apple Pay mit Girocard kommt bald: www.pcwelt.de/news/Apple-Pay-Sparkasse-mit-EC-Karte-noch-diesen-Sommer-10846688.html

Kommentar der Woche

www.youtube.com/watch?v=_z30vtKUw8w&lc=UgxUAw5DUqQJXnNp0pJ4AaABAg

Fail der Woche

► Twitter-Hack auf Promi-Konten für Bitcoin-Betrug: www.pcwelt.de/news/Twitter-Promis-werben-fuer-Bitcoin-Betrug-das-steckt-dahinter-10847219.html

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