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Debian 7 „Wheezy“: Alle Details und Neuerungen

30.08.2013 | 11:31 Uhr | David Wolski

Nach 2 Jahren Entwicklungszeit ist die neue Version von Debian erschienen, die den Namen „Wheezy“ bekommen hat und Maßstäbe in Sachen Stabilität und Zuverlässigkeit setzt.

Wie keine andere Distribution steht Debian seit 20 Jahren für die Vorzüge von Linux und trug mit seiner Zuverlässigkeit, Stabilität und Anpassungsfähigkeit maßgeblich zum Erfolg von Linux bei. Debian, mit vollem Namen Debian GNU/Linux genannt, ist im Meer der Distributionen der Fels in der Brandung: Avantgardistische und schnelllebige Entwicklungen finden sich bei anderen Distributionen, Debian steht vor allem für Stabilität. Das System ist zwar besonders häufig auf Servern anzutreffen, da besonders Administratoren ein berechenbares System ohne große Überraschungen zu schätzen wissen. Aber auch auf dem Desktop sind die Debian-Tugenden nicht fehl am Platz, denn einmal installiert, bekommt das System Aktualisierungen und Sicherheits-Updates bis ein Jahr nach der Veröffentlichung der nächsten stabilen Version – insgesamt also rund drei Jahre. Dabei vermeiden neue Pakete hohe Versionssprünge und bleiben immer innerhalb der Hauptversionsnummern von Programmen und Bibliotheken.

Behutsame Neuerungen
Debian 7 „Wheezy“ setzt auf gut gereifte Versionen von Programmen und Systemkomponenten. Die neue Ausgabe holt zu anderen Distributionen ein gutes Stück auf, markiert aber natürlich aufgrund ihres Modells nicht die Speerspitze der Linux-Entwicklung, sondern bleibt schön berechenbar. Das vorgeschlagene Standard-Dateisystem ist jetzt EXT4 für alle Partitionen, und der Linux-Kernel liegt in der Version 3.2.0 mit Langzeitunterstützung des Kernel-Teams vor. Open Office wurde mit Libre Office 3.5.4 ersetzt, während sich Debian beim mitgelieferten Browser treu bleibt und Firefox als Iceweasel mit eigenem Produktnamen und Logo ausliefert, um nicht an die Markenpolitik der Mozilla Foundation gebunden zu sein. Der Browser ist in der alten Version 10 in dem Live-System enthalten, wird aber bei einem installierten Debian auf die Version 17 mit erweiterten Support-Zeitraum (ESR) aktualisiert.

Hier spielt die Musik

Multimedia-Codecs: Ab Debian 7 finden sich Codecs für Audio- und Videoformate in den Standard-Paketquellen zur einfachen Installation. Ein Umweg über fremde Repositories ist bei den wichtigen Codecs und Playern nicht mehr nötig.
Vergrößern Multimedia-Codecs: Ab Debian 7 finden sich Codecs für Audio- und Videoformate in den Standard-Paketquellen zur einfachen Installation. Ein Umweg über fremde Repositories ist bei den wichtigen Codecs und Playern nicht mehr nötig.

Als Neuzugang, der besonders Desktop-Anwendern gefallen wird, bringt Debian 7 bessere Unterstützung für Multimedia-Codecs. Bisher gab es diese nur über externe, zusätzlich hinzugefügte Paketquellen wie deb-multimedia , ansonsten blieb Debian beim Abspielen von proprietären Formaten stumm. Viele frei verfügbare Codecs und Player haben die Debian-Entwickler jetzt in die Standard-Paketquellen aufgenommen, etwa für die verbreiteten Formate MP3, H264 und AAC, damit sie sich von dort einfach installieren lassen. Und auch VLC und der Mplayer liegen dort vor, so dass Debian ohne große Modifikation ein gutes Stück Desktop-freundlicher wird.

Linux Mint Debian: Grundlagen

Einige Neuheiten kann der Nutzer optional nachinstallieren
Weitere, neuere Systemkomponenten, die zwar ausgereift sind, aber einen Bruch mit der Vorgängerversion von Debian darstellen, haben die Debian-Entwickler in den Paketquellen gelassen. Es bleibt Aufgabe der Anwender, diese auf Wunsch manuell nachzurüsten. Darunter fällt die Unterstützung für den neuen Init-Daemon Systemd, der das alte System-V-Init ersetzt und den parallelen Start von Diensten erlaubt. Die wichtigsten Dienste von Debian sind bereits für Systemd umgebaut. Wer eigene Init-Scripts in Betrieb hat, muss diese allerdings erst anpassen, deshalb läuft der System vorerst noch mit der herkömmlichen Startumgebung. Im englischsprachigen Wiki von Debian beschreibt eine Anleitung die wenigen Schritte zum Umstieg nach Systemd.

Für die Absicherung von laufenden Programmen setzt Debian nun künftig wie Ubuntu und Open Suse auf Apparmor, um Prozesse bei Dateisystemzugriffen in ein restriktives Regelwerk einzusperren, das gegen bisher unerkannte Sicherheitslücken schützen soll.

In der Standard-Installation ist Apparmor aber noch deaktiviert, und es bleibt wieder dem Anwender überlassen, das Regelwerk mit einigen Zusatzpaketen und Konfigurationsbefehlen in der Shell einzuschalten. Eine englischsprachige Anleitung dazu bietet das Debian-Wiki .

Versionen ausgewählter Software-Pakete

Distributionen bieten in ihren Standard-Repositories Programme und Desktop-Umgebungen in unterschiedlichen Entwicklungsständen. Debian (Stable) hängt im Vergleich generell einige Versionsnummern zurück, während Debian Sid (Unstable) als Vorstufe zur stabilen Version schon neuere Pakete bietet. Angegeben ist hier nur der Stand in den offiziellen Repositories.

Debian 7

Debian Sid

Ubuntu 12.04 LTS

Open Suse 12.3

Libre Office

03.05.2004

4.0.4

03.05.2007

4.0.2

Firefox/Iceweasel

17.0.1

17.0.7 ESR

22.0

21.0.1

Gimp

02.08.2002

02.08.2004

02.06.2012

02.08.2002

Gnome

03.04.2002

03. Aug

03.04.2002

03.06.2003

GCC

04.07.2002

04.08.2001

04.06.2003

04.07.2002

KDE

04.08.2004

04.08.2004

04.08.2005

04. Okt

Kernel

03.02.2000

03.09.2001

03.05.2000

03.07.2010

VLC

2.0.3

2.0.7

2.0.5

x

Wine

01.04.2001

01.05.1930

01.04.2000

01.05.2023

XFCE

04. Aug

04.10.2002

04. Aug

04.10.2000

Gezeigt werden die Hauptversionsnummern. Stand: Juli 2013

Vier Desktop-Umgebungen für Debian 7 an Bord

Hallo Gnome 3! Zwar liegt Debian 7 als Live-System mit XFCE-Desktop auf DVD, aber es gibt auch eine Variante mit Gnome Version 3.4.2, die das alte Gnome 2 ersetzt hat.
Vergrößern Hallo Gnome 3! Zwar liegt Debian 7 als Live-System mit XFCE-Desktop auf DVD, aber es gibt auch eine Variante mit Gnome Version 3.4.2, die das alte Gnome 2 ersetzt hat.

Auf dem Desktop bleibt nicht mehr alles beim Alten: Dem ehrwürdigen Gnome 2 hat nun auch in Debian das letzte Stündlein geschlagen. Ab sofort ist auch in Debian die Gnome-Shell verfügbar, allerdings noch in Version 3.4.2, die noch keinen Classic-Modus bietet, aber immerhin schon ohne 3D-fähige Grafikkarte auskommt und den Software-Renderer Llvmpipe nutzen kann. Da Gnome 3 nicht nur Freunde hat, gibt es auch weiterhin gleichberechtigt KDE 4.8.4, das schlanke LXDE und die klassische Arbeitsumgebung XFCE 4.8.

Fazit: Große Paketauswahl
Debian ist mit Abstand eine der Distributionen mit der größten Verbreitung und gleichermaßen für Server oder konservative Desktops geeignet. Es ist zudem das technische Vorbild für eine ganze Reihe weiterer Distributionen, etwa auch Ubuntu, die das DEB-Paketsystem und den effizienten Paketmanager apt übernommen haben. Mit der Pflege und Verbesserung von Debian sind rund 1000 Entwickler beschäftigt, viele davon mit Rang und Namen in der Linux-Community.

Der Paket-Vorrat in den Quellen ist inzwischen auf über 37 000 angewachsen. Das macht die Distribution zum Linux-System mit der größten Software-Auswahl. Mit seiner unkomplizierten Installation über einen grafischen Installer und Paketmanager für den Desktop bleibt Debian auch heute noch ein System für eher ambitionierte Einsteiger: Der Großteil der Administration und Konfiguration findet nämlich weiterhin auf der Kommandozeile statt.

Mehr Infos
Die nachfolgenden Webseiten bieten alle Versionen von Debian als ISO zum Download und unterstützen Sie mit teils deutschsprachiger Dokumentation beim Einstieg und bei der Konfiguration:

Webseite: http://debian.org

Dokumentation: http://wiki.debian.org

Forum: http://wiki.debianforum.de

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