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Smartphone-Daten trotz defektem Display retten

08.01.2020 | 14:00 Uhr |

Nach einem Sturz ist der Bildschirm eines Smartphones oder Tablet in den meisten Fällen kaputt - und das macht die Daten-Rettung besonders schwierig, aber nicht immer unmöglich. Dieses Tutorial zeigt Ihnen, wie Sie trotzdem an Bilder und Kontakte kommen.

Auch wenn das Display Ihres Smarphones oder Tablets beschädigt und die Bedienung unmöglich ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Daten zu retten. Eine Erfolgsgarantie gibt es allerdings nicht. Wenn nichts mehr geht, suchen Sie eine Reparaturwerkstatt auf. Weisen Sie darauf hin, nicht die Daten zu löschen und keine Firmware-Updates aufzuspielen. So haben Sie eine Chance, an Ihre persönlichen Daten zu kommen.

Datenverlust durch Backup und Synchronisierung vermeiden

Seien Sie vorbereitet für den Fall der Fälle und sichern Sie Ihre Daten regelmäßig entweder in die Cloud, übertragen Sie sie auf den PC oder exportieren Sie die Daten in andere Programme. So lassen sich in Android und iOS problemlos Kontakte und Termine mit Online-Kalendern wie Outlook.com oder zu iCloud und mit Google synchronisieren. Da für den Zugriff auf die Smartphones ohnehin Konten von Apple oder Google notwendig sind, muss diese Synchronisierung nur eingerichtet werden. Alles was dazu notwendig ist, steht vollkommen kostenlos zur Verfügung.

Einen bequemen Weg, um eine passende Reparaturwerkstatt zu finden, bietet der Online-Dienst Clickrepair . Wählen Sie hier zunächst Ihr Gerät und den Defekt aus. Sie erhalten dann eine Liste mit Werkstätten, denen Sie das Gerät vorbeibringen (meist schneller) oder kostenlos zuschicken können (meist günstiger). Außerdem sehen Sie hier auch den für die Reparatur veranschlagten Preis. Klären Sie vor der Beauftragung noch direkt mit der Werkstatt, ob eine Rettung ohne Datenverlust möglich ist. Die entsprechenden Kontaktdaten bekommen Sie im Rahmen des Bestellvorgangs angezeigt.

Vorbereiten der Wiederherstellung und erste Maßnahmen ergreifen

Teilweise müssen Sie beim Neustart des Smartphones die PIN der SIM-Karte eingeben. Das hängt von den Einstellungen ab, die Sie auf Ihrem Gerät gesetzt haben. Um diese Hürde zu umgehen, kann es sinnvoll sein, die SIM-Karte zu entfernen. Sie müssen zwar in den meisten Fällen noch das Kennwort für das Gerät selber eingeben, ersparen sich aber die Eingabe der SIM-Karten-PIN.
 
Vor allem auf Android-Smartphones werden Daten oft auf Micro-SD-Karten ausgelagert. Diese Daten können Sie relativ leicht retten, indem Sie die Karte aus dem System entfernen. Die Daten lassen sich in Windows und Linux lesen. Haben Sie keinen passenden Anschluss am PC, gibt es Adapter für SD-Karten und USB-Schnittstellen, an denen Sie die Micro-SD anschließen können.

Szenario 1: Kein Sperrbildschirm eingerichtet

Ist auf Ihrem Handy keine Display-Sperre eingerichtet, haben Sie Glück im Unglück (allerdings ist das eher selten der Fall). Haben Sie also keine Sperre, booten Sie Ihr Smartphone wie gewohnt, verbinden es mit Ihrem Computer und sichern die gewünschten Daten über den Windows-Explorer. Sollten Sie nicht genau wissen, in welchem Verzeichnis sich diese befinden, nutzen Sie am besten die Software, die der Hersteller für Ihr Smartphone vorsieht und die Ihnen in den meisten Fällen einen Backup-Modus für die Handy-Daten bietet. In den meisten Fällen werden die Datenträger des Smartphones im Windows-Explorer als Laufwerk eingebunden.

Szenario 2a: Sperrbildschirm vorhanden, kein USB-Debugging aktiviert

Einer der schwierigsten Fälle tritt bei aktiviertem Sperrbildschirm ein, falls Sie außerdem kein USB-Debugging aktiviert haben. Damit ist kein direkter Zugriff auf Ihr Handy möglich. Sie könnten die Sperre dennoch überwinden, falls Ihr Smartphone über eine USB-Schnittstelle On-the-Go (OTG) verfügt. Dies lässt sich per Suchmaschine und „<Handymodell> OTG“ ermitteln, etwa „ Samsung Galaxy S10 OTG“.

Unterstützt Ihr Smartphone OTG, lässt sich unter Umständen die PIN oder das Muster mit einer USB-Tastatur oder USB-Maus eingeben.
Vergrößern Unterstützt Ihr Smartphone OTG, lässt sich unter Umständen die PIN oder das Muster mit einer USB-Tastatur oder USB-Maus eingeben.

In diesem Fall ist es möglich, mithilfe eines OTG-Adapters Maus oder Tastatur anzuschließen und damit das Muster oder den PIN-Code einzugeben. Danach ist das Smartphone entsperrt, und Sie können wie in "Szenario 1" die Daten sichern.

Einen OTG-Adapter kann man bereits für wenige Euro über den Fachhandel bestellen.

Szenario 2b: Sperrbildschirm vorhanden, kein USB-Debugging aktiviert

Eine besondere Lösung gibt es in diesem Fall jedoch für Samsung-Geräte, falls diese den Dienst „Find My Mobile“ unterstützen und Sie sich dort angemeldet haben. Rufen Sie die Website des Dienstes auf und geben Sie Ihre Mailadresse und das Passwort ein, mit dem Sie bei Samsung registriert sind. Wählen Sie das registrierte Gerät mit dem defekten Bildschirm, deaktivieren Sie den Sperrbildschirm und sichern Sie dann mit Samsung Kies Ihre Daten.

Unterstützt Ihr Samsung Smartphone „Find My Mobile“ und ist der Dienst aktiviert, lässt sich darüber der Sperrbildschirm deaktivieren.
Vergrößern Unterstützt Ihr Samsung Smartphone „Find My Mobile“ und ist der Dienst aktiviert, lässt sich darüber der Sperrbildschirm deaktivieren.

Nutzen Sie ein anderes Smartphone, bietet der Hersteller oft ein eigenes Sicherungs- und Wiederherstellungsprogramm an. Bekannte Beispiele dafür sind Huawei Hisuite und Sony Xperia Companion. Laden Sie die Software am besten in der neuesten Version direkt beim Anbieter herunter.

Szenario 3: Sperrbildschirm vorhanden, USB-Debugging aktiviert

Der folgende Hinweis funktioniert nicht auf allen Geräten, ist jedoch einen Versuch wert. Ihr Smartphone muss in diesem Szenario nicht zwingend gerootet sein. Es erhöht jedoch die Erfolgschancen – so allein in unserem Test.

Sie benötigen für diese Aktion die Android-Debugging-Bridge (ADB)-Dateien. Diese finden Sie über das Android SDK . Nach der Installation von ADB verbinden Sie Ihr Smartphone mit Ihrem Computer und rufen die Eingabeaufforderung über den Ausführen -Befehl (Win+R) sowie die Anwendung cmd auf. Navigieren Sie mittels cd-Kommando zum Installationsverzeichnis der ADB-Treiber, und prüfen Sie, ob Ihr Smartphone als Gerät erkannt wurde. Die Eingabe adb devices sollte Ihnen eine Liste aller angeschlossenen Android-Geräte anzeigen.

Geben Sie anschließend den Befehl adb shell rm /data/system/gesture.key ein, und warten Sie die Rückmeldung ab. Sollten Sie keine Fehlermeldung wegen unzureichender Berechtigungen erhalten, ist die Aktion erfolgreich. Sie können Ihr Handy neu booten und die Daten sichern.

Know-How: Android-Smartphone reparieren

Szenario 4: Sperrbildschirm vorhanden, Bootloader aktiv, USB-Debugging deaktiviert

Die nächste Beschreibung funktioniert bei Smartphones, die über einen aktiven Bootloader wie CWM (Clock Work Mod) verfügen. Dies ist der Fall, wenn Sie ein Custom-ROM installiert haben. Dann booten Sie als erstes in den Recovery-Modus. Von diesem können Sie die benötigten Daten mittels ADB-Kommandos auf Ihren Computer ziehen.

Zum Booten in den Recovery-Modus nutzen Sie am besten die Tasten auf Ihrem Smartphone. Dazu schalten Sie dieses vollständig aus. Halten Sie die drei Tasten Lauter + Home + Power gleichzeitig gedrückt, und warten Sie, bis das Recovery-Menü erscheint. Mehr müssen Sie auf Ihrem Smartphone nicht tun.

Stellen Sie mittels USB-Kabel eine Verbindung zum PC her. Auch wenn Sie kein USB-Debugging aktiviert haben, wird das Smartphone in diesem Zustand von Ihrem Computer erkannt. Rufen Sie wieder die Eingabeaufforderung mittels Win+R auf, geben Sie den Befehl cmd ein und rufen Sie das Verzeichnis mit adb.exe auf. Navigieren Sie mit dem Kommando cd... aus dem aktuellen Verzeichnis eine Ebene höher und mit cd <Name> in ein Verzeichnis hinein. Bevor Sie mit dem Kopieren beginnen, prüfen Sie die mit dem Befehl adb devices die Verbindung zum Smartphone. Erscheint es in der Liste, haben Sie Zugriff darauf.

Überprüfen Sie als Erstes mit „adb devices“, ob Ihr Smartphone vom Computer erkannt wird.
Vergrößern Überprüfen Sie als Erstes mit „adb devices“, ob Ihr Smartphone vom Computer erkannt wird.

Ziehen Sie nun alle Daten vom Smartphone auf den PC. Dies kann zwar ein wenig dauern, dafür lassen sich diese anschließend in Ruhe untersuchen. Dafür steht Ihnen der Befehl adb backup zur Verfügung.

adb backup –all –f :\<meinverzeichnis>\backup.ab

Mit dem ersten Parameter „-all” machen Sie ein nahezu komplettes Backup Ihres Smartphones. Mit dem zweiten ändern Sie noch den Pfad, in welchem Sie die Daten speichern. Ersetzen Sie entsprechend <meinverzeichnis> durch den gewünschten Pfad.

Alternativ gibt es mit dem „ Ultimate Backup Tool “ eine interessante grafische Oberfläche. Das Windows-Programm starten Sie, nachdem Sie in den Recovery-Modus gebootet haben. Auf der Oberfläche stehen Ihnen Sicherungsoptionen zur Verfügung. Wenn Sie auch SMS sichern möchten, ist dies nützlich.

Daten vom defekten iPhone retten - auch ohne vorhandenes Backup

Viele der hier genannten Vorgehensweisen funktionieren auch für iPhones. Generell ist es sehr empfehlenswert, VOR einem Datenverlust in den Optionen des iPhones Einstellungen\<Ihre Apple-ID>\iCloud\iCloud-Backup auf Ein zu setzen. Dadurch werden Ihre wichtigsten Daten regelmäßig zu iCloud gesichert. Sie können auf die Daten mit einem Browser über icloud.com zugreifen und natürlich nach der Reparatur des Displays oder dem Kaufen eines neuen Smartphones die Daten wieder zurückübertragen.

Eine weitere Möglichkeit, Daten wiederherzustellen, ist die Software iMazing . Sie kann noch mehr Daten sichern als iTunes und diese im Notfall auch wiederherstellen. Auch SMS, iMessages und Dateianhänge lassen sich dadurch sichern und wiederherstellen.

Mit Phone Resuce von iMobie können Sie ebenfalls Daten von iPhones retten. Die Software steht zum Testen kostenlos zur Verfügung, so dass Sie zuerst prüfen können, ob sich die Daten überhaupt retten lassen. Das Tool arbeitet mit iTunes zusammen und kann auch über iTunes Daten wiederherstellen.

Aber auch ohne iTunes lassen sich Daten wiederherstellen. Dafür müssen Sie kein IT-Profi sein. Ein Assistent führt durch den Wiederherstellungsvorgang. Sie können wählen, welche Art von Daten Sie wiederherstellen wollen, also zum Beispiel Fotos, Videos, Musik, Nachrichten, Voicemails, die Anrufliste, Kontakte, Notizen, den Safari-Verlauf und die Lesezeichen.

Ein weiteres Tool, das bei der Wiederherstellung von Daten von einem iPhone helfen kann, ist Fondedog . Die Vorgehensweise ist die gleiche wie bei den anderen Programmen. Sie installieren das Tool in Windows oder macOS und verbinden Ihr iPhone mit dem Computer. Das Tool versucht einen Verbindungsaufbau und kann die Daten anschließend herunterladen und sichern. Auch hierbei hilft ein einfach zu bedienender Assistent. Auf der Seite des Herstellers erhalten Sie darüber hinaus eine umfassende Anleitung zum Wiederherstellen der Daten.

Mit Dr.fone steht noch ein solches Tool zur Verfügung, das die Daten von iPhones retten kann. Die Wiederherstellung der Daten wird auf der Seite „ Kaputtes iPhone wiederherstellen: Daten von einem kaputten iPhone retten “ beschrieben.

Fazit

Die Sicherung von Daten ohne den Zugriff auf das Display kann sehr schwierig sein. Sichern Sie deshalb wichtige Daten kontinuierlich. Die Synchronisationsprogramme der Hersteller bieten sich für die Standarddaten an. Alles andere lässt sich mit dem adb-Befehl bei eingeschaltetem USB-Debugging problemlos sichern.

Wir empfehlen auch: Daten ungewollt gelöscht - so reagieren Sie richtig

Hersteller-Software  

Hersteller

Software

Link

Samsung

Kies

www.pcwelt.de/gj85

HTC

Sync Manager

www.pcwelt.de/eg89

LG

PC Suite

www.pcwelt.de/juxk

Sony

PC Companion

www.pcwelt.de/unde

Motorola

Device Manager

www.pcwelt.de/63c5



Huawei

Hi Suite

www.pcwelt.de/tjg1

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