821526

Datenschützer warnen Facebook-Nutzer

07.04.2011 | 10:15 Uhr |

Auch die Facebook-Nutzer bringen sich selbst zum Teil in prekäre Situationen: In Frankreich wurde ein Angestellter gekündigt, weil er seine Firma auf Facebook „Club der Unheilvollen“ nannte. Das Gericht entschied auf eine rechtmäßige Kündigung, weil auch „Freunde von Freunden“ diese Aussage mitlesen konnten. In der Schweiz wurde einer Versicherungsmitarbeiterin gekündigt, die trotz verordneter Bettruhe höchst aktiv auf Facebook unterwegs war. Aus Australien und Großbritannien sind mehrere Fälle bekannt, in denen sich Mitarbeiter negativ über ihr Unternehmen geäußert hatten und deshalb gefeuert wurden.

Zu den Privatsphären-Einstellungen bei Facebook meint Dr. Thilo Weichert, Landesdatenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein: „Mir sind keine Datenschutzbestimungen von Facebook bekannt, die diesen Namen verdienen.“
Vergrößern Zu den Privatsphären-Einstellungen bei Facebook meint Dr. Thilo Weichert, Landesdatenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein: „Mir sind keine Datenschutzbestimungen von Facebook bekannt, die diesen Namen verdienen.“
© 2014

Doch auch Facebook-Mitglieder, die sich mit Schmähschriften zurückhalten, sollten sich über die schwammigen Datenschutzbestimmungen im Klaren sein. Dr. Thilo Weichert, Landesdatenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein im PC-WELT-Interview: „Mir sind keine Datenschutzbestimungen von Facebook bekannt, die diesen Namen verdienen. Es handelt sich um Nutzungsregelungen, die grob nach dem Muster laufen: Du Nutzer bist für alles verantwortlich, was Du bei uns machst. Und wir dürfen mit diesen Daten dann alles machen, was uns gefällt.“ Und die Politik tut offenbar nicht genug, um die Nutzer zu schützen. Zwar ist Deutschlands Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner (CSU) aus Protest gegen die laschen Datenschutzbestimmung bei Facebook ausgetreten. Doch diese und ähnliche Aktionen machen jedoch eher einen hilflosen Eindruck und schmecken nach fadem Public-Relations-Tamtam.Datenschützer Dr. Weichert geht mit den öffentlichen Entscheidern deshalb hart ins Gericht: „Die Politik zielt zunächst auf positive Pressemeldungen, nicht unbedingt auf langfristige gute Lösungen. Deshalb steht die Politik definitiv nicht in der ersten Reihe beim Kampf um den Datenschutz.“

PC-WELT Marktplatz

821526