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Das ist neu bei Chrome, Firefox und Co.

26.03.2019 | 10:06 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Alle sechs bis sieben Wochen erscheinen neue Versionen von Google Chrome und Mozilla Firefox. Was steckt hinter den schnellen Release-Zyklen – und welche neuen Funktionen bieten diese beiden Browser sowie Edge, Opera und Vivaldi wirklich.

Chrome 73 und Firefox 66 sind die aktuellen Versionen der beiden beliebtesten Browser. Während andere Softwarehersteller neue Versionen häufig mit viel Tamtam ankündigen, aktualisieren sich die Browser alle paar Wochen still und leise im Hintergrund. Erschiene da nicht ein Hinweis, dass der Browser neu gestartet werden muss, würde man von der neuen Version häufig gar nichts mitbekommen.

Da stellt sich die Frage: Welche wichtigen neuen Funktionen sind zuletzt überhaupt hinzukommen und welchen Nutzen bringen sie? Die Entwicklungen der letzten Monate finden Sie hier kurz zusammengefasst.

Siehe auch: Google Chrome blockt endlich Auto-Play-Videos mit Ton

Chrome: Mehr Sicherheit, Komfort und ein paar neue Funktionen

Mehr Sicherheit stand bei dem zu Anfang 2018 veröffentlichten Chrome 64 im Vordergrund, darunter der Schutz gegen die neuen CPU-Lücken Spectre und Meltdown. Hinzu kam die HDR-Videowiedergabe unter Windows 10. Chrome 65 wartete mit dem neuen Verschlüsselungsstandard TLS 1.3 und einem modifizierten Werbeblocker auf. Der Version 66 spendierte Google einen Autoplay-Stop von selbststartenden Videos, eine Exportoption für die persönlichen Passwörter und eine Warnfunktion vor unsicheren Webseitenzertifikaten. Während die Android-Variante von Chrome 67 mit neuen Programmierschnittstellen für Bewegungen von Smartphones aufwartete, beschränkte sich der Desktop-Browser einmal mehr auf Sicherheitsaspekte. So ging es weiter, Version 68 brandmarkte alle HTTP-Webseiten – also solche ohne verschlüsselte Übertragung – ohne weitere Prüfung pauschal als unsicher.

Schon auf den ersten Blick sichtbare Änderungen gab es in Chrome 69 im Herbst: eine neue Benutzeroberfläche mit weißen, abgerundeten Tabs. Hinzu kamen ein Passwortgenerator zum Erzeugen sicherer Zugangscodes, sobald man den Mauszeiger im Web auf ein Passwortfeld setzt. Das Abspielen von Flash-Inhalten musste ausdrücklich bestätigt werden. Die zuvor klammheimlich eingeführten Funktionen Auto-Log-in und -Synchronisation nahm Google mit Version 70 nach viel Kritik teilweise wieder zurück. Hinzu kamen eine bessere Add-on-Kontrolle, der Bild-im-Bild-Modus zum Abspielen von Videos in einem separaten Fenster und die Unterstützung von Progressive Web Apps unter Windows: Obwohl es sich dabei um Webseiten beziehungsweise Web-Apps handelt, fühlen sich solche PWAs wie gewöhnliche Desktop-Anwendungen an. Chrome 71 und 72 brachten jenseits neuer Sicherheits-Updates kaum Neues, der Dark Mode lässt also unter Windows weiter auf sich warten.

Firefox: Die Neuerungen nach der Quantum-Version 57

Ab der Firefox-Version 62/63 vereinfachte Mozilla den Tracking-Schutz jenseits des Privat-Modus.
Vergrößern Ab der Firefox-Version 62/63 vereinfachte Mozilla den Tracking-Schutz jenseits des Privat-Modus.

Die grundlegend neue Version 57 mit neuer Oberfläche, Multiprozessorarchitektur, Umstellung der Add-on-Technik und der Priorisierung des jeweils aktiven Tabs war Anfang 2018 gerade einmal ein paar Wochen alt. Das „Doppelt so schnell-Versprechen“ konnte das „größte Firefox-Update aller Zeiten“, wie der Hersteller Mozilla damals stolz verkündete, in unseren Messungen jedoch nicht einlösen: Die Quantum genannte Version 57 war gerade einmal 20 Prozent schneller als ihr Vorgänger.

So war danach in Firefox 58 inhaltlich kaum Neues zu erwarten, zu nennen ist hier das automatische Ausfüllen von Webformularen mit Kreditkartendaten. In Version 59 ließen sich Screenshots erstmals zuschneiden und markern, die Kontrolle von Web-Benachrichtigungen wurde verfeinert und der Privatsphäre-Modus verbessert. In Version 60 führte Mozilla die umstrittenen Werbeeinblendungen ein, vorerst allerdings nur in den USA. Außerdem warnte Firefox wie Chrome vor unsicheren Seitenzertifikaten. In der nächsten Fassung gab es außer weiteren Verbesserungen bei der Sicherheit und der Performance wenig Neues.

Mit Firefox 62 ließ sich der zuvor nur im Privatmodus mögliche Tracking-Schutz per Schalter einfach auch beim normalen Surfen aktivieren. Warum Mozilla diesen „Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ schon in der nächsten Version in „Seitenelemente blockieren“ umbenannte, muss man nicht verstehen – dafür ließ er sich in Version 63 nun feiner einstellen. Der Dark Mode wurde automatisch an den von Windows 10 gekoppelt, außerdem kann das Auto-Update des Browsers nicht mehr deaktiviert werden. Firefox 64 unterstützte die kaum noch genutzten RSS-Feeds nicht mehr nativ, die aktuelle Version 65 bietet einen besseren Trackingschutz und Taskmanager mit RAM-Verbrauch. Unterstützt wird zudem das Bildformat WebP mit höherer Kompression als bei JPG oder PNG. Die nächste Version macht Schuss mit dem Springen des Seiteninhalts beim Laden von Webseiten sowie mit dem Abspielen der Audio-spur bei Autoplay-Videos.

Tipp: Mozilla verrät, was es über alle Firefox-Nutzer weiß

Die Neuerungen in Edge, Opera, Vivaldi – und ein Fazit

Über das Ende des Microsoft-Browsers Edge als Software mit eigener Rendering-Engine haben wir bereits berichtet: Statt Edge HTML kommt künftig Chromium zum Einsatz. Mit der Umstellung wird Edge nicht wie bisher nur auf Windows 10 laufen, sondern auch unter Windows 8.1 und mindestens bis zum Support-Ende im Januar 2020 unter Windows 7. Schließlich hat Microsoft angekündigt, dass Edge künftig die verbreiteten Chrome-Add-ons unterstützt.

Der norwegische Browser Opera folgt nicht zuletzt wegen des Chromium-Unterbaus dem schnellen Update-Zyklus von Google. Schutz gegen Bitcoin-Mining, mehr Bedienkomfort, Import der Lesezeichen aus anderen Browsern, Sofort-Suche, modernes Design, verschiedene Methoden zum Zurücksetzen und die einfachere Installation der Chrome-Add-ons sind einige der zurückliegenden Neuerungen. Das VPN-Tool des Desktop-Browsers ist weiter kostenlos, in den Android-und iOS-Versionen wurde dies vor knapp einem Jahr eingestellt.

Bei Vivaldi stand mit der neuen Version 2.0 im Herbst das bisher größte Update überhaupt an. Funktionell am wichtigsten war die Einführung von Vivaldi Sync zum Synchronisieren von Lesezeichen, Verlauf, Erweiterungen, Notizen und gespeicherten Passwörtern über ein Vivaldi-Konto – alles Ende-zu-Ende-verschlüsselt in der Cloud. Die aktuelle Version 2.2 punktet mit Bild-im-Bild-Fenster für Videos sowie besserem Tab-Management.

Rückblickend, so lässt sich die Browser-Entwicklung von 2018 und der ersten Monate dieses Jahres zusammenfassen, haben die Hersteller zwar viel für die Sicherheit getan und hier und da den Komfort erhöht, bahnbrechend Neues gab es dagegen kaum. Statt einer „ganz neuen Version“ würde da manches Mal ein schlichtes Update völlig ausreichen.

Neue Funktionen vorab in den Beta-Versionen

Vor der Veröffentlichung als stabile Fassung durchlaufen die nächsten Browser-Versionen von Google und Mozilla im Beta-Status den gleichen Update-Zyklus – nur dass die Beta-Versionen jeweils eine um eins höhere Versionsnummer tragen.

Neue Funktionen in den Beta-Versionen
Vergrößern Neue Funktionen in den Beta-Versionen

Wenn Sie die neuen Funktionen bereits vorab ausprobieren möchten, erhalten Sie die aktuelle Beta-Variante von Chrome über www.google.com/chrome/beta , die von Firefox über www.mozilla.org/en-US/firefox/channel . Beim Google-Browser lassen sich normale und Beta-Fassung parallel installieren und nutzen. Bei Mozilla spielen Sie zuerst die aktuelle Beta-Version auf, danach folgt die normale über den Offline-Installer ( neueste 64-Bit-Variante ) . Wichtig ist, dass Sie hier nach dem Entpacken beim Setup über „Weiter –› Benutzerdefiniert“ den Zielordner ändern, um die Beta-Version nicht zu überschreiben und dadurch zu löschen.

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