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Das Transport-Dilemma

Methoden, die wie der DES mit geheimen Schlüsseln arbeiten, werden von den Kryptografen Secret-Key-Verfahren genannt. Verschlüsselt man Daten lediglich für den eigenen Gebrauch, dann kommt man damit sehr gut zurecht. Sendet man dagegen eine verschlüsselte Nachricht über ein abhörbares Datennetz, stellt der Transport des Schlüssels ein schwieriges Problem dar. Überträgt man den Key nämlich auf dem gleichen Weg wie die Nachricht, liefert man ungebetenen Lauschern gleich die Information zum Entschlüsseln mit. Glücklicherweise fanden Kryptografen schon wenige Jahre nach Erfindung des DES einen verblüffenden Ausweg aus diesem Transportdilemma, und zwar in Form der sogenannten Public-Key-Verfahren. Auch sie codieren Nachrichten mit Hilfe eines Schlüssels. Dieser ist jedoch öffentlich bekannt und kann somit gefahrlos vor den Augen von Mitlesern transportiert werden. Das Besondere an Public-Key-Verfahren ist, daß das Decodieren mit dem öffentlichen Schlüssel nicht möglich ist. Denn dazu braucht man ein Gegenstück, den privaten Schlüssel, der jedoch nur dem Empfänger einer Nachricht bekannt ist.

Im Gegensatz zum industriell entwickelten DES ist das wichtigste Public-Key-Verfahren im universitären Umfeld entstanden. Die drei Kryptografen Rivest, Shamir und Adleman ließen es sich 1980 patentieren. Es wird nach den Erfindern RSA genannt.

Obwohl Public-Key- auf den ersten Blick den Secret-Key-Methoden überlegen sind, haben sie einige Nachteile. Ins Gewicht fällt vor allem, daß etwa das RSA-Verfahren mindestens um den Faktor 100 langsamer ist als der DES. In der Praxis werden daher Secret-und Public-Key-Anwendungen oft zusammen eingesetzt: erstere zum Schlüsseltransport, letztere für das Verschlüsseln des anschließenden Nachrichtenaustauschs.

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