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Cuttlefish für Ubuntu: Auf Ereignisse reagieren

13.06.2016 | 13:49 Uhr |

Das Projekt Cuttlefish ermöglicht unter Ubuntu einfache Systemautomatismen, die im Prinzip weder Scripting noch tiefe Systemkenntnisse erfordern. In Kombination mit eigenen Shell-Scripts wird Cuttlefish allerdings noch flexibler.

Wie wäre es, einen bestimmten USB-Stick anzustecken und dessen Daten automatisch in einen vorgesehenen Festplattenordner zu kopieren? Während jedes Linux-System über Cron oder Anacron Programme zeitgesteuert oder per Autostart bei der Anmeldung lädt, sind zeitunabhängige Hardware-oder Softwareereignisse auf gängigem Wege nicht zu funktionalisieren und zu automatisieren. Das Projekt Cuttlefish stößt in diese Lücke: Es ist allerdings auf Ubuntu spezialisiert und wird seit 2012 nicht mehr aktiv gepflegt. Dennoch ist es für Ubuntu-Systembastler eine lohnende Spielwiese.

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Die Installation von Cuttlefish

Nur auf älterem Ubuntu 12.04 LTS, das noch bis April 2017 unterstützt wird, ist Cuttlefish in den Standardpaketquellen und kann im Terminal mit

sudo apt-get install cuttlefish

installiert werden. Auf neuerem Ubuntu müssen Sie erst das PPA des Entwicklers einbinden:

sudo add-apt-repository ppa:ubuntuhandbook1/apps
sudo apt-get update
sudo apt-get install cuttlefish

Im Prinzip können Sie Cuttlefish auf diese Weise auch auf anderen Ubuntu-Varianten wie etwa dem aktuellen Linux Mint installieren. Es wird auch dort funktionieren, allerdings müssen Sie aufgrund mangelnder Oberflächen-Integration bestimmte Nachteile in Kauf nehmen (siehe unten).

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Einrichtung von „Stimulus“ und „Reaction“

Sie starten Cuttlefish das erste Mal manuell über die Dash-Übersichtsseite, indem Sie dort den Programmnamen eingeben. Beachten Sie, dass neben dem Konfigurationsfenster auch das Cuttlefish-Symbol im oberen Ubuntu-Hauptpanel erscheint. Über dieses dauerhaft präsente Symbol nutzen und konfigurieren Sie Ihre Cuttlefish-Aktionen. Das eigentliche Programmfenster kann hingegen jederzeit geschlossen werden.

Cuttlefish im Infobereich: Über das Symbol des Tools stehen alle eingerichteten Wenndann-Einträge als Menüpunkt bereit, um diese manuell auszuführen.
Vergrößern Cuttlefish im Infobereich: Über das Symbol des Tools stehen alle eingerichteten Wenndann-Einträge als Menüpunkt bereit, um diese manuell auszuführen.

Exkurs zu Linux Mint und anderen Ubuntu-Varianten: Die angesprochene Integration in Ubuntus Unity-Oberfläche mit dem Cuttlefish-Programmindikator ist nicht ganz unwichtig, wie Sie etwa bei einer Installation in Linux Mint feststellen: Wenn Sie dort – speziell bei der Einrichtung der ersten Automatismen –Cuttlefish mehrmals über das Hauptmenü aufrufen, startet jeweils eine neue Instanz. Dies führt dann vorläufig dazu, dass definierte Makros gehorsam von allen laufenden Cuttlefish-Instanzen absolviert werden, und so startet dann etwa ein Programm nicht einmal, sondern fünfmal. Wenn Sie sich dieser Tatsache bewusst sind, lässt sich Cuttlefish aber auch unter Ubuntu-Varianten wie Linux Mint nutzen. Wenn das Tool einmal eingerichtet ist und Sie den Konfigurationsdialog nicht mehr benötigen, tritt das Problem mehrfacher Instanzen nicht mehr auf.

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Cuttlefish in Ubuntu: Als ersten Einrichtungsschritt sollten Sie für den automatischen Start von Cuttlefish sorgen. Dies erledigen Sie in der Menüleiste mit dem Schalter unter „Edit -> Preferences -> Autostart“. Danach geht es an das Wesentliche, die Einrichtung der Automatismen. Der englischsprachige Konfigurationsdialog zeigt zunächst keine Aktionen. Mit einem Klick auf „New“ erstellen Sie den ersten Eintrag. Jeder Eintrag besteht aus einer optionalen Bedingung unter „Basics“ und der gewünschten Aktion unter „Reaction“.

Registerkarte „Basics“: Neben „Name“ vergeben Sie einen sprechenden Namen für die Aktion wie etwa „USB-Stick-Intenso“ oder „Screenshot“ – je nach Auftrag der Aktion. „Show notification“ und „List in indicator menu“ können Sie aktivieren, um erstens bei jeder Cuttlefish-Aktion eine kleine Bildschirmmeldung zu erhalten, und um zweitens die Aktion beim Klick auf das Programmsymbol in der Ubuntu-Leiste angezeigt zu bekommen. Unbedingt notwendig ist diese Anzeige für Aktionen ohne Bedingung („Activated by stimulus“ abgeschaltet auf „OFF“). Solche Aktionen ohne „Stimulus“ können nur manuell über das Cuttlefish-Symbol gestartet werden. Für automatische Aktionen setzen Sie den Schalter „Activated by stimulus“ auf „ON“ und haben dann neben „Stimulus“, der zunächst auf „None“ steht, die Auswahl zahlreicher Software-, Hardware-, Netzwerk-und Zeitereignisse. Die Liste präsentiert unter „All Categories“ alle verfügbaren Ereignisse, lässt sich aber auch etwa nach „Applications“ oder „Hardware“ filtern. Ein Stimulus, also Aktionsauslöser, kann beispielsweise der Start oder das Beenden einer bestimmten Software sein („Applications starts“, „Application stops“). Darunter wählen Sie dann neben „Application“ die betreffende Software aus. Der Auslöser ist damit definiert.

Registerkarte „Reaction“: Hier definieren Sie, was nach dem Auslöser konkret passieren soll. Beachten Sie, dass Sie mit dem „Plus“-Symbol unten nicht nur eine, sondern mehrere Reaktionen einrichten können, die nacheinander ausgeführt werden. So kann es etwa zweckmäßig sein, bei einer Aktion auf einem FTP-Server mit Filezilla zusätzlich das Mailprogramm zu starten („Start applications“ und Auswahl des Programms), weil Sie nach dem FTP-Transfer standardmäßig einen Mitarbeiter benachrichtigen. Ebenso einfach ist es, auf den Start eines Multimedia-Players („Stimulus“) automatisch die Reaktion „Unmute volume“ folgen zu lassen.

Einige praktische Cuttlefish-Beispiele

Als Anregung folgen einige nützliche Automatismen, die das Potenzial des Tools andeuten.

Standarddrucker wechseln: Wenn ein Notebook zu Hause und im Büro einen anderen Standarddrucker verwenden soll, können Sie dies abhängig vom WLAN machen. Der passende Stimulus auf der Registerkarte „Basics“ lautet „Connect to WLAN“, und darunter wählen Sie die SSID des Drahtlosnetzwerks aus. Als Reaktion dient dann „Change default printer“, und eine anklickbare Liste zeigt die eingerichteten Drucker auf dem Ubuntu-System an.

Cuttlefish zum Systemstart: In Unity und Gnome-artigen Desktop-Umgebungen richten Sie das Tool über „Startprogramme“ im Autostart ein.
Vergrößern Cuttlefish zum Systemstart: In Unity und Gnome-artigen Desktop-Umgebungen richten Sie das Tool über „Startprogramme“ im Autostart ein.

Strom oder Akku: Um sofort zu sehen, ob das Notebook vom Akku läuft oder mit dem Netzteil verbunden ist, kann Cuttlefish das Hintergrundbild wechseln. Der Stimulus dazu ist „Power cable plugged in“ und die Reaktion „Change desktop background“. Eine Bilddatei können Sie über einen Dateibrowser einrichten. Das Gegenstück dazu wäre ein Eintrag mit dem Stimulus „Power cable unplugged“, auf den Sie einen anderen Desktophintergrund als „Reaction“ folgen lassen.

USB eingesteckt und schon kopiert: Um den in der Einleitung angedeuteten Automatismus zu realisieren, kommen Sie um eine Kombination von Cuttlefish und Shell-Script nicht herum. Der Stimulus unter „Basics“ lautet „USB device plugged in“. Erfreulicherweise lässt sich darunter ein ganz bestimmter USB-Stick definieren, den Sie dazu aber erst einstecken müssen. Der Auslöser gilt dann nur für diesen einen Datenträger. Als „Reaction“ lässt sich jedes Shell-Script starten, indem Sie dem Terminal („gnome-terminal“) unter „Parameters“ den Eintrag

-x sh [Pfad]/[scriptname].sh

mitgeben (siehe Aufmacherbild).

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