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Diese Cloud-Geschäftsmodelle gibt es

Das wahrscheinlich am weitesten verbreitete Nutzungsmodell eines Cloud-Dienstes dürfte SaaS (Software as a Service) sein. Laut einer Prognose des IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner erreichen die weltweiten Umsätze mit SaaS im Markt für Unternehmensanwendungen im Jahr 2010 9,2 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 15,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 7,9 Milliarden Dollar.

Salesforce bietet Software-Entwicklern mit der PaaS-Plattform Force.com eine komplette Entwicklungsumgebung für das Erstellen und den Betrieb von Geschäftsanwendungen.
Vergrößern Salesforce bietet Software-Entwicklern mit der PaaS-Plattform Force.com eine komplette Entwicklungsumgebung für das Erstellen und den Betrieb von Geschäftsanwendungen.
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Bei einem SaaS-Geschäftsmodell kauft der Kunde nicht die Software-Lizenz selbst, sondern zahlt lediglich für ihre Nutzung. Unter SaaS fallen beispielsweise Produkte wie die CRM-Lösung von Salesforce. Das Unternehmen betreibt sie in eigenen Rechenzentren, die Nutzer greifen per Web darauf zu. Andere prominente Beispiele wären die Office-Lösungen Google Docs und Apple iWork oder die Marketing- und Sales-Lösungen von Marketo. Vorteile für den Kunden: Keine zusätzlichen Server im eigenen Rechenzentren und keine Probleme mit zu wenigen oder zu vielen Lizenzen, sondern perfekt kontrollierbare Kosten - bezahlt wird exakt nur so viel, wie man tatsächlich nutzt.

Amazon verkauft nicht nur Bücher und viele andere Waren, sondern ist einer der größten Cloud-Anbieter überhaupt.
Vergrößern Amazon verkauft nicht nur Bücher und viele andere Waren, sondern ist einer der größten Cloud-Anbieter überhaupt.
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Einen Schritt weiter geht IaaS (Infrastructure as a Service). Hier unterhält der Kunde keine eigene IT-Infrastruktur wie Archivierungs- und Backup-Systeme oder Server mehr, sondern er mietet die Hardware komplett vom Anbieter. Für einmalig oder selten ausgeführte Anwendungen muss keine eigene Infrastruktur vorgehalten werden – stattdessen wird mit präzise kalkulierbaren Kosten angemietet. Brachliegende Kapazitäten können sofort freigegeben und plötzlichem Wachstum kann flexibel begegnet werden. Prominenter Anbieter eines IaaS-Dienstes ist Amazon mit seinen Amazon Web Services (AWS), speziell dem Angebot Amazon Elastic Cloud Compute (Amazon EC2).

OpSource vermietet als IaaS-Anbieter seinen Kunden komplette IT-Infrastrukturen, die nach Bedarf gebucht werden können. Abgerechnet wird pro CPU-Stunde oder pro Gigabyte pro Tag.
Vergrößern OpSource vermietet als IaaS-Anbieter seinen Kunden komplette IT-Infrastrukturen, die nach Bedarf gebucht werden können. Abgerechnet wird pro CPU-Stunde oder pro Gigabyte pro Tag.
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Ein weiteres populäres Beispiel wäre OpSource mit seinem Enterprise Cloud Hosting.

Azure ist die im Februar 2010 gestartete Cloud-Computing-Plattform von Microsoft, die eine wesentliche Kursänderung für Microsoft repräsentiert. Sie richtet sich primär an Software-Entwickler.
Vergrößern Azure ist die im Februar 2010 gestartete Cloud-Computing-Plattform von Microsoft, die eine wesentliche Kursänderung für Microsoft repräsentiert. Sie richtet sich primär an Software-Entwickler.
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PaaS (Platform as a Service) wiederum stellt dem Kunden eine integrierte Laufzeit- oder Entwicklungsumgebung zur Verfügung, für deren Nutzung eine Gebühr entrichtet werden muss. Ein PaaS-Angebot besteht in der Regel aus einer Kombination von Hard- und Software und kann beispielsweise komplette Web-Applikationen oder Dienste umfassen. Ein weiterer Nutzungsbereich wäre das Testen von Software: Mit PaaS kann man unkompliziert verschiedene oder völlig neue Plattformen testen, ohne fix in sie investieren zu müssen. Bekannte PaaS-Anbieter wären etwa Google App Engine und Force.com für App-Entwicklungen oder der Webseiten-Entwickler Intuit. Ein weiteres prominentes Beispiel ist Microsofts Cloud-Services-Plattform Windows Azure, die Software-Entwicklern Anwendungen und Datenbanken für eine netzbasierte Nutzung zur Verfügung stellt. Auch die Daten des Nutzers liegen auf den Servern des Anbieters.
 
Weitere Lösungen über die Wolke
Ein Sonderfall ist CaaS (Communications as a Service). Hier werden keine reinen IT-, sondern komplette Kommunikations- oder Unified-Communications-Lösungen angemietet. Dazu gehören beispielsweise Voice over IP (VoIP), Instant Messaging sowie Kollaborations- und Videokonferenzlösungen mit stationären oder mobilen Geräten. Der CaaS-Dienstleister stellt Hard- und Software sowie das dazugehörige Software-Management und garantiert eine vereinbarte Dienstqualität.
 
Ein weiterer Spezialfall ist HuaaS (Humans as a Service). Dabei wird auf die Dienstleistung von Menschen für Aufgaben zurückgegriffen, die durch einen Computer nur sehr schlecht, langsam oder gar nicht erledigt werden können. Die bekannteste Anwendung dürfte wohl Amazon Mechanical Turk (Amazon MTurk) sein.
 
XaaS (Anything as a Service) oder EaaS (Everything as a Service) ist das Komplettangebot unter den Cloud-Modellen. Hierbei wird buchstäblich alles als Dienstleistung zur Verfügung gestellt: Hardware, IaaS, PaaS, SaaS und bei Bedarf auch HuaaS.
 
Es gibt noch zwei weitere im Entstehen begriffene Cloud-Modelle, die derzeit primär im wissenschaftlichen Bereich genutzt werden. Namentlich sind das HPCaaS (High Performance Computing as a Service) und DICaaS (Data Intensive Computing as a Service). Ersteres stellt Rechenleistung und Verarbeitungskapazität - beispielsweise auf Basis des Grid-Computings mit Hochleistungsrechnern - bereit, während Letzteres sich mit der Verarbeitung und Speicherung großer Datenmengen im Petabyte-Bereich beschäftigt.
 
Der Mix: Hybride Cloud-Dienste
 
Mittelständische und große Unternehmen verfügen in der Regel über eine bestehende Infrastruktur und können es sich auch gar nicht leisten, auf eine eigene Basis zu verzichten. Zu groß ist das Risiko der totalen Abhängigkeit.
 
Ein aktuelles Beispiel, das zu profundem Unbehagen bei Cloud-Interessenten führen dürfte, ist der Umgang von Amazon mit Wikileaks. In diesem Fall hat ein Cloud-Anbieter seine Dienstleistung einseitig schlagartig eingestellt. Für ein Unternehmen, das sich komplett auf eine solche Dienstleistung verlässt, wäre dies katastrophal.
 
Der Vorteil einer hybriden Cloud-Strategie: Das Kerngeschäft sollte auf eigenen Infrastrukturen laufen, während weniger wichtige Bereiche oder plötzliche Bedarfsspitzen via Cloud Computing abgefedert werden. Cloud-Engagements sollten zudem so rechtsverbindlich wie nur möglich gestaltet werden.
 
Eigene Infrastrukturen für mittelständische oder Großunternehmen müssen übrigens nicht unbezahlbar sein und brauchen auch kein ausgewachsenes Rechenzentrum mehr: Wer heute auf moderne Hardware wie die aktuellen Xeon-Prozessoren von Intel umstellt, kann bereits im Vergleich zu nur wenige Jahre alten Lösungen von einem Mehrfachen an Rechenleistung profitieren – und das auf weniger Fläche bei geringerer Energieaufnahme .

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