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„Bring your own device“

13.09.2014 | 07:52 Uhr |

Wer also sein privates Gerät für die Firma einbringt, setzt damit also sowohl positive wie negative Aspekte in Gang. Zum einen sorgt  „Bring your own device.“ dafür, dass Firmen wie auch die Mitarbeiter davon profitieren, wenn die privaten IT-Geräte wie Ipads, Smartphones und Notebooks in Unternehmen zum Einsatz kommen, schließlich ermöglicht der Ansatz freiere und mobilere Arbeitsbedingungen. Aber es geht auch um die Angst, dass Firmen nun die Ausgaben für IT ihren Angestellten in die Schuhe schieben wollen, und zuletzt müssen auch Datenschutz-rechtliche Fragen neu beantwortet werden. Lesen Sie im Anschluss an diesen Artikel zu dazu ein Kurzinterview mit Professor Dr. Dirk Heckmann, einem der bekanntesten IT-Rechtsexperten Deutschlands. Sein Fazit: „Grundsätzlich können Firmen nicht ohne eindeutige Gegenleistung verlangen, dass Mitarbeiter private IT zu geschäftlichen Zwecken nutzen. Es kann aber eher sinnvoll sein, etwa zur Motivation, zur Kostenersparnis oder auch Flexibilisierung der Arbeitszeiten. „Bring your own device“ ist aber kein Freibrief für eine Umgehung von Compliance-Anforderungen.“

Hier stimmt auch die Industrie zu. Gegenüber PC-Welt sagt Thomas Schröder, verantwortlich für das Großkundengeschäft von Microsoft: „Consumerization of IT wird oft in einem Atemzug mit „Bring your own device“ genannt. Das ist im Kern nicht falsch, jedoch viel zu kurz gefasst. Consumerization of IT ist  in einen breiteren Kontext zu fassen, der die gesamten IT-Nutzungsgewohnheiten der Mitarbeiter einschließt.“

Schröder nimmt die Firmen sogar in die Pflicht: “Wie Unternehmen mit dem Phänomen der Consumerization umgehen, entscheidet langfristig auch über ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Verschmelzung beruflicher und privater IT-Nutzung erfordert allerdings ein Umdenken derIT-Strategie im Unternehmen. CIOs stehen vor der Herausforderung, Consumerization of IT insoweit zuzulassen, dass Sicherheits- und Datenschutzrisiken für die Unternehmens-IT ausgeschlossen werden können.“

Wettbewerbsfähig bleiben und Grenzen finden

Es gilt also für Unternehmen, die Chancen der neuen Freiheit, die vor allem die Cloud und neue Hardware  bietet, zu nutzen, um Workflows effektiver zu machen und so wettbewerbsfähig zu bleiben

Man denke nur an den Vertriebler, der sich vor Ort beim Kunden einer unerwarteten Nachfrage gegenüber sieht, sich schnell per Smartphone in die Unternehmens-IT einloggt,  und somit das Problem schnell klären kann. Und im Gegensatz dazu den Kollegen, der diese Reaktion nicht bieten kann. Oder an den Mitarbeiter, der seine Arbeitsbedingungen schätzt, weil er seine nächste Reise auch mal über den Firmencomputer buchen darf oder spontanes Home-Office kein Problem darstellt. Oder an eine Firma, die sich elegant im Social-Media-Web bewegt, und an so manch unerwarteter Stelle potentielle Kunden gewinnt.

Dagegen stehen die Grenzen: „Die Risiken der Consumerization liegen kurzfristig in der Handhabung und Steuerung von für Unternehmen neuartiger Geräte wie Smartphones und Tablets, die in kurzer Zeit und großer Zahl von den Anwendern in die Unternehmens- IT "reingetragen" werden. Es gibt zwar auch hier mittlerweile sehr viele neue Lösungen auf dem Markt, aber die meisten Unternehmen sind bei diesem Thema in der Findungsphase und haben noch keinen strategischen Ansatz definiert. Langfristig besteht das Risiko, dass Produkte und Lösungen durch Consumerization zu früh und zu unausgereift eingesetzt werden. Und die Bedenken von Anwenderseite liegen natürlich in der zu starken Verschmelzung von geschäftlicher und privater IT, wenn es zu einer ungewollten und unausgereiften Vermischung von Freizeit und Beruf kommt und die entsprechenden Richtlinien fehlen“, so Analyst Moussavi-Amin.

Wie auch immer Firmen diese Fragen beantworten: Sie müssen reagieren und sich der Consumerization stellen. Die IT-Revolution, ausgelöst durch die Mitarbeiter, hat unaufhaltsam begonnen. Eins wird sich einfach nicht mehr zurückdrehen lassen: Die Cloud und die vielen neuen Mobilgeräte haben uns Hunger auf den Spaß an der IT gemacht. Und den lassen wir uns jetzt von keinem mehr nehmen.

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