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Beim PC-Kauf die Umwelt schützen

31.05.2019 | 14:01 Uhr | Wolfgang Hörmann

Sich alle paar Jahre einen neuen Rechner zu kaufen, mag technisch gesehen Spaß machen – nachhaltig ist es nicht. Wer dagegen professionell aufbereitete PCs oder Notebooks erwirbt, schont nicht nur die Umwelt, sondern auch seinen Geldbeutel.

Auf der UNO-Weltklimakonferenz in Kattowitz brachte es UN-Generalsekretär Antonio Guterres auf den Punkt: „ Wir sind in großen Schwierigkeiten mit dem Klimawandel. Der Klimawandel ist schneller als wir, und wir müssen früher als später aufholen, bevor es zu spät ist.

Zwar gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, ob ausschließlich der Mensch ursächlich für Klimawandel und Erderwärmung sind, und wenn ja, in welchem Ausmaß. Zumindest in einem Punkt sind sich jedoch die meisten ernstzunehmenden Wissenschaftler einig: Unser Klima verändert sich spürbar und in rasantem Tempo. Wollen wir diese Entwicklung zumindest abbremsen, wenn wir sie schon nicht mehr aufhalten können, dann muss schnellstmöglich ein radikales Umdenken stattfinden – und zwar nicht nur auf politischer Ebene, sondern bei jedem Einzelnen von uns. In jeder Firma, in jedem Haushalt, in jedem Arbeitszimmer können und müssen wir etwas für unser weltweites Klima tun.

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Betrieb und Herstellung: So umweltbelastend sind PCs

Bei der Umweltdebatte steht derzeit der Verkehr im Mittelpunkt. Die meisten Menschen schenken dagegen dem großen Bereich der Computerhardware in puncto Klima- und Ressourcenschutz bisher noch kaum Beachtung – obwohl hier ein gigantisches Potenzial für ökologisch sinnvolles Verhalten verborgen liegt.

Wo im Haushalt bleibt der Strom? “ lautet der Titel einer empirischen Erhebung der Energieagentur.NRW von 2016. Diese Studie wertete mehr als eine halbe Million Verbraucherprofile hinsichtlich ihrer Energieverbrauchsdaten aus.

Die Analyse der Daten zeigt: Fast ein Viertel des gesamten Stromverbrauchs aller Privathaushalte in Deutschland entfällt auf Unterhaltungselektronik und Computerhardware. Mit anderen Worten: Jede vierte verbrauchte Kilowattstunde an Strom in Deutschland fließt durch PCs, Notebooks, Fernseher und Stereoanlagen.

Anteil der Computer- und Unterhaltungselektronik am deutschlandweiten Ressourcen- und Energieverbrauch am Beispiel eines 3-Personen-Haushaltes.
Vergrößern Anteil der Computer- und Unterhaltungselektronik am deutschlandweiten Ressourcen- und Energieverbrauch am Beispiel eines 3-Personen-Haushaltes.
© BDEW, Energieagentur.NRW

Rechnet man den Energiebedarf des Herstellungsprozesses für diese Geräte noch mit ein, wird die Öko-Bilanz von PC & Co. noch vernichtender: Satte 3000 Kilowattstunden Energieverbrauch schlagen für jeden neu hergestellten Rechner zu Buche. Damit ließe sich ein üblicher Mittelklasse-PC mehr als acht Stunden täglich betreiben – und zwar sechs Jahre lang.

Um diese Zahlen besser einzuordnen, kann man eine Gesamtrechnung aufmachen: Im Jahr 2018 wurden weltweit rund 258 Millionen PCs verkauft. Bei dem genannten Wert von 3000 Kilowattstunden pro Gerät entspricht dies einer Summe von 774 Milliarden Kilowattstunden nur für die Herstellung der Geräte. Ein durchschnittlicher PKW verbraucht dagegen pro 100 Kilometer Fahrstrecke nur rund 60 Kilowattstunden, käme mit der gleichen Energiemenge also 464 Milliarden Kilometer weit. Dies wären 11,6 Millionen Fahrten entlang des Äquators rund um die Erde oder 1500 Mal eine Fahrt zur Sonne und wieder zurück.

Laut einer aktuellen Statista-Prognose werden diese Werte auch in den nächsten Jahren noch nahezu konstant bleiben. Der Absatz an PCs und Notebooks geht zwar seit einiger Zeit zurück, allerdings nur im einstelligen Prozentbereich. Das genügt bei Weitem nicht, um bezüglich Energieverbrauch und -verschwendung auf einen grünen Zweig zu kommen.

PC-Recycling: Gesetze reichen nicht aus

So sehen die Zahlen und Prognosen zum weltweiten Absatz von PCs aus.
Vergrößern So sehen die Zahlen und Prognosen zum weltweiten Absatz von PCs aus.
© Statista.de

Haben die Rechner dann irgendwann ihr Lebens- oder Nutzungsende erreicht, stellt die fachgerechte Entsorgung der Geräte die Umwelt vor eine weitere Vielzahl an Problemen. Zwar gibt es bereits seit 2015 in Deutschland dazu eindeutige gesetzliche Vorgaben: Das „Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten“ schreibt für Hersteller und Händler umfangreiche Rücknahme-, Entsorgungs- und Nachweispflichten vor. Dennoch landen Jahr für Jahr unzählige Tonnen Elektroschrott in dubiosen Recyclingbetrieben der Entwicklungsländer, wo ohne jegliche Umweltstandards die wertvollen Rohstoffe aus den Geräten entfernt werden. Doch auch bei fachgerechtem Recycling wird immer noch eine große Menge an Energie und Wasser verbraucht sowie CO2 freigesetzt.

Refurbishing: Wie alte PCs zu (fast) neuen werden

Professionelle Wiederaufbereitung bekämpft das Problem an der Wurzel. Statt gebrauchte PCs und andere Hardware also einfach zu entsorgen und teuer zu recyclen, ist es aus ökonomischer wie ökologischer Sicht viel sinnvoller zu vermeiden, dass sie überhaupt zu Abfall werden. Genau diesen Ansatz verfolgen die professionellen Refurbisher. Unter dem Fachbegriff „Refurbishing“ versteht man alle nötigen Arbeitsschritte, um ein gebrauchtes Gerät wieder in einen einwandfreien optischen und technischen Zustand zu versetzen und sie so wieder für ihren eigentlichen Einsatzzweck nutzen zu können.

Unter Refurbishing versteht man also die professionelle Wiederaufbereitung von elektronischer Hardware. Nach Abschluss aller Arbeitsschritte werden die überarbeiteten Geräte als Gebrauchtgeräte verkauft. Die meisten Geräte, die Sie „refurbished“ kaufen können, sind Notebooks und PCs aus dem Business-Segment. Diese Rechner sind meist deutlich robuster, langlebiger und leistungsfähiger als Geräte für Endverbraucher. Sie sind im Schnitt zwei bis drei Jahre alt und meist sogenannte Rückläufer aus Firmen-Leasing-Verträgen. Denn Banken, Versicherungen und große Firmen kaufen ihre Rechner in aller Regel nicht, sondern leasen diese in großen Stückzahlen inklusive der dazugehörigen Service-Verträge. Die Unternehmen können dadurch technisch immer auf dem neuesten Stand bleiben und müssen sich keine Gedanken um die Beschaffung identischer Geräte machen, wenn eines einmal ausfallen sollte.

Windows 10: Energie sparen im Standby-Modus und im Ruhezustand

Schritt für Schritt zum aufbereiteten Rechner

Spezialisierte Firmen für das Refurbishing überarbeiten gebrauchte PCs anhand strenger Testkriterien.
Vergrößern Spezialisierte Firmen für das Refurbishing überarbeiten gebrauchte PCs anhand strenger Testkriterien.
© Quelle: Fotolia / Mike Fouque

Im ersten Arbeitsschritt werden alle Geräte einer ausführlichen Sichtprüfung unterzogen. Entdecken die Fachleute dabei defekte Teile, können sie diese sofort austauschen. Anders als ein Privatnutzer, der CPU, RAM, Festplatte oder ein Notebook-Display nach Möglichkeit selbst tauscht, müssen Refurbishing-Experten dabei extrem sorgfältig vorgehen: Schon kleinste Kratzer im Gehäuse können aus einem Computer in Top-Qualität einen B-Ware-Rechner machen, der den Erwartungen nicht mehr genügt.

Lassen sich bei der Sichtprüfung keine nennenswerten äußerlichen Beschädigungen und Mängel erkennen, folgt als Nächstes die technische Prüfung: Sie erstreckt sich auf jedes Bauteil eines Rechners, angefangen von der Tastatur über die Displayscharniere bis hin zu Festplatte, RAM und Prozessor. Arbeiten alle Komponenten fehlerfrei, kann das vom Kunden gewünschte Betriebssystem installiert werden.

Ganz am Ende der Wiederaufbereitung steht schließlich eine umfassende und Reinigung, die das Gerät sowohl innen wie auch außen auf Hochglanz bringt, bevor es schließlich verpackt und an den Kunden ausgeliefert wird.

Datenschutz hat beim Refurbishing gebrauchter Hardware oberste Priorität. Denn alle Firmen müssen davon ausgehen können, dass sich auf den zurückgegebenen Geräten keine Daten befinden. Alle Geräte, die nach dem Ende der ersten Nutzungsdauer von Unternehmen veräußert werden, haben daher eine zertifizierte Datenlöschung hinter sich. Das ist zum einen notwendig, damit niemand unbefugt sensible Unternehmensdaten rekonstruieren kann, zum anderen kann so der Käufer eines Gebraucht-PCs wirklich sicher sein, dass sein Rechner frei von jeglicher Schadsoftware ist.

Darum lohnt sich Second-Hand-Hardware

Bei vielen großen Herstellern können Sie auch direkt wiederaufbereitete Geräte kaufen.
Vergrößern Bei vielen großen Herstellern können Sie auch direkt wiederaufbereitete Geräte kaufen.

Auch wenn Sie ökologische Belange außer Acht lassen, kann der Kauf eines Rechners, der fachgerecht aufbereitet wurde, für Sie sehr empfehlenswert sein.

Gerade der Wertverfall von Computern mit Windows oder Linux als Betriebssystem ist enorm. Als Faustregel gilt, dass diese PCs und Notebooks pro Jahr rund die Hälfte ihres aktuellen Wertes einbüßen. Ein Computer, der einmal 1000 Euro gekostet hat, ist also vier Jahre später nur noch 125 Euro wert. Wäre der Windowsoder Linux-PC als Kapitalanlage gedacht gewesen, hätte man in dieser Zeit demnach einen sensationellen Verlust von 87,5 Prozent gemacht.

Etwas weniger dramatisch sieht es bei Apple-Rechnern aus. iMacs und Macbooks verlieren im Gegensatz zu anderen wieder schnell veräußerbaren Konsumartikeln unterdurchschnittlich an Wert. Der Preis eines gut erhaltenen Mac liegt auch vier Jahre nach Kauf immerhin noch bei rund der Hälfte des Neupreises.

Selbst die meisten gebrauchten Geräte sind durchaus noch auf dem aktuellen Stand der Technik. Aktuell stößt die Hardwareentwicklung vor allem in Sachen Taktung und Geschwindigkeit an physikalische Grenzen, deren Ausweitung noch lange nicht serienreif ist. Seit einiger Zeit ist daher ein Trend zu beobachten, dass grundlegende Hardwareanforderungen auch für neuere Software relativ konstant bleiben und Sie auch mit einem älteren Rechner problemlos aktuelle Programme einsetzen können.

Ein Beispiel dafür ist das Betriebssystem Windows 10. Dieses gibt sich im Wesentlichen mit der gleichen technischen Grundausstattung zufrieden wie die Vorgängerversionen. Vor allem gewerbliche Anwender können diesen Umstand gewinnbringend für sich nutzen, da sie in der Regel mit ihrem Computer ausschließlich im Internet surfen, typische Office-Programme nutzen und E-Mails schreiben. Die Systemanforderungen von E-Mail-Clients, Browsern, Word, Excel & Co. sind so gering, dass selbst ein zehn Jahre alter PC mit Einkernprozessor und 800 MHz Taktfrequenz noch immer ausreicht, um flüssig arbeiten zu können.

Refurbisher verkaufen vor allem hochwertige Geräte wie etwa Thinkpad-Notebooks von Lenovo.
Vergrößern Refurbisher verkaufen vor allem hochwertige Geräte wie etwa Thinkpad-Notebooks von Lenovo.
© Lenovo

Natürlich gibt es auch schon fabrikneue Notebooks ab 250 Euro. Bei der Ausstattung dieser Geräte muss man dann freilich gewaltige Abstriche machen. Statt eines leistungsstarken Intel-Core-Prozessors gibt es in dieser Preisklasse lediglich eine abgespeckte Intel-Atom-CPU. Statt acht oder vier sind oft nur zwei Gigabyte Arbeitsspeicher eingebaut, und ein gängiges Betriebssystem wie Windows oder gar ein optisches Laufwerk sucht man meist ebenfalls vergeblich.

Legt man jedoch Wert auf leistungsfähige Hardware, die gleichzeitig auch bezahlbar sein soll, dann führt kein Weg an einem professionell wiederaufbereiteten Gerät aus zweiter Hand vorbei. Durch professionelles Refurbishing ist es möglich, robuste und leistungsstarke Businesshardware bei einem Preisvorteil von rund 85 Prozent gegenüber dem Neupreis zu erhalten.

Das wichtigste ökologische Argument, warum man die konsequente Benutzung von wiederaufbereiteter Hardware der Anschaffung von Neugeräten generell vorziehen sollte, ist jedoch der äußerst geringe Energie- und Ressourcenaufwand im Zuge der Aufbereitung.

Die technische Funktion aller Komponenten einmal vorausgesetzt, sind neben Putzund Reinigungsmitteln keinerlei Ressourcen notwendig, und das Gerät startet so gut wie klimaneutral in sein zweites Leben. Auch der Energieaufwand einer Aufbereitung beschränkt sich mit dem Ausblasen per Druckluft sowie dem abermaligen Postversand auf ein Minimum verglichen mit dem Energieeinsatz einer Neuproduktion.

Second-Hand-Computer unterstützen den Klimaschutz

Wenn man sich also für Hardware aus zweiter Hand entscheidet, dann leistet man nicht nur einen wichtigen Beitrag zum schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und zum Umweltschutz, sondern demonstriert auch, dass sich Technikbegeisterung und ökologisches Handeln keineswegs gegenseitig ausschließen.

Sicherlich kann man den Klimawandel allein durch den Kauf gebrauchter und wiederaufbereiteter Hardware nicht komplett aufhalten. Jeder Einzelne von uns kann jedoch einen eigenen Beitrag dazu leisten, dass wir die Erderwärmung doch noch in den Griff bekommen, bevor es zu spät ist. Der Kauf wiederaufbereiteter Hardware ist ein kleiner Schritt von vielen in die richtige Richtung.

Die Themen in Tech-up Weekly #150: Artikel 13 / 17 - So geht’s jetzt weiter +++ RAM-Preise sinken immer weiter +++ Xiaomi lädt 4.000-mAh-Akku in 17 Minuten +++ Quick-News +++ Fail der Woche +++ Kommentar der Woche +++ Die Links findet Ihr unten!

► Artikel 13 / 17 - So geht’s jetzt weiter: www.pcwelt.de/news/Artikel-13-17-EU-Parlament-stimmt-ab-Live-Stream-10563005.html

► RAM-Preise sinken immer weiter: www.pcwelt.de/news/RAM-Preise-sinken-und-sinken-10563344.html

► Xiaomi lädt 4.000-mAh-Akku in 17 Minuten komplett auf: www.pcwelt.de/news/Xiaomi-laedt-4.000-mAh-Akku-in-17-Minuten-auf-100-10563181.html

Quick-News:

► Autonome Busflotte fährt bald durch Monheim in NRW: www.pcwelt.de/news/Autonome-Busflotte-faehrt-bald-durch-Monheim-in-NRW-10564217.html

► 5G-Mobilfunknetz in Österreich gestartet: www.pcwelt.de/news/Oesterreich-startet-bereits-heute-5G-Mobilfunknetz-10563477.html

► Angeblicher Playstation-5-Controller geleaked: www.pcwelt.de/news/Angeblicher-Playstation-5-Controller-geleaked-10564355.html

► Gratis-WLAN in allen IC-Zügen bis Ende 2021: www.pcwelt.de/news/Gratis-WLAN-in-allen-IC-Zuegen-bis-Ende-2021-10563194.html

► EA entlässt 350 Mitarbeiter: www.pcwelt.de/news/EA-Kuendigungswelle-350-Mitarbeiter-werden-entlassen-10564232.html

Fail der Woche:

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