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Bedienung, Akkulaufzeit und Bücherkauf der Reader

06.12.2012 | 11:31 Uhr | Peter Stelzel-Morawietz

Die Bedienung ist bei beiden Geräten einfach. Am Anfang sollte man einen kurzen Blick in das Handbuch werfen – das natürlich als Ebook auf dem Gerät daherkommt –, um mit den wichtigsten Funktionen vertraut zu werden. Der Rest erschließt sich dann von  selbst.

Das ausgesprochen gute Ökosystem der Kindle-Familie wurde schon erwähnt. Dazu gehört eine individuelle Mail-Adresse für jeden Reader, an die man auch selbst Dokumente schicken kann. Hier hatte Amazon stets einen riesigen Vorsprung, weil man bei der Konkurrenz seine Bücher lange Zeit praktisch ausschließlich über den Internet-Browser am PC kaufen konnte und dann auf den Reader übertragen musste. Da aber alle kommerziellen Ebooks einen DRM-Kopierschutz aufweisen, war dazu stets zusätzlich die Installation des Verwaltungsprogramms Adobe Digital Editions notwendig.

Das ist beim neuen Thalia-Reader Geschichte, er hat wie alle Kindle einen Online-Shop zum Bücherkauf auf dem Gerät integriert. Kaufen, laden, lesen – das funktioniert bei Thalia genauso einfach wie beim US-Vorbild. Da die Buchpreisbindung in Deutschland auch für elektronische Werke gilt, sind die Preise in beiden Shops ohnehin gleich.

Gleich ist aber keineswegs das Angebot der Ebooks, wenngleich bei Stichproben der Thalia-Shop fast ebenso viele Ebooks im Angebot hat wie Amazon. Von den 20 ersten Titeln der Spiegel-Hardcover-Beststellerlisten war in der Rubrik Belletristik Anfang Dezember 2012 bei Amazon und Thalia jeweils nur ein Titel nicht als Ebook lieferbar, von den 20 meistverkauften Sachbüchern waren es jeweils zwei.

Noch gibt es nicht einmal alle Bestseller als Ebook, große Unterschiede zwischen Amazon und den übrigen Online-Buchhändlern gibt es nicht: Die Quote liegt meist bei etwa 90 Prozent.
Vergrößern Noch gibt es nicht einmal alle Bestseller als Ebook, große Unterschiede zwischen Amazon und den übrigen Online-Buchhändlern gibt es nicht: Die Quote liegt meist bei etwa 90 Prozent.

Der Bookeen-Reader von Thalia bietet, weil er auf gänzlich andere Buchformate aufbaut, jedoch die Möglichkeit, Ebooks auch in anderen Online-Shops wie beispielsweise Ebook.de (früher Libri.de) zu kaufen. Das ist mittels der PC- oder Mac-Software Adobe Digital Editions zwar etwas umständlicher, aber es geht. Bei Amazon ist dies ohne die unerlaubte Umgehung des DRM-Rechtemanagements nicht möglich.

Anzumerken in Sachen Bedienung bleibt noch, dass das Thalia-Gerät insgesamt etwas träger reagiert. Das gilt auch fürs Umblättern. Von Nachteil ist ferner, dass eine Suchfunktion für geladene Bücher fehlt. So ist die Titelwahl in einer umfangreichen Büchersammlung etwas mühsam. Positiv dagegen sind beim Bookeen-Reader die mechanischen Tasten zum Umblättern, die beim Kindle Paperwhite fehlen.

Akkulaufzeit: weit entfernt von den Readern ohne Beleuchtung

Neben der besseren Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung überzeugen die Ebook-Reader mit E-Ink-Bildschirm mit gigantischen Akkulaufzeiten. Ein dreiwöchiger Urlaub ohne Nachladen, das gibt es bei keinem Tablet-PC oder Smartphone mit LCD-Display.

Doch genau in dieser Disziplin schwächeln die neuen Reader mit Leucht-Display – zumindest bei eingeschaltetem Licht. Thalia spricht nur allgemein von „wochenlanger Laufzeit“ mit einer Akkuladung, Amazon verkündet gar „bis zu acht Wochen Akku-Laufzeit, selbst bei eingeschalteter Beleuchtung“. Die Realität aber sieht etwas anders aus. Im Dauertest bei voller Beleuchtungsstärke aber ausgeschaltetem WLAN hielt das Lesegerät von Bookeen gerade einmal gut 16 Stunden durch, das von Amazon auch nur 20 Minuten länger.

Das Ärgernis kennt man von Smartphone und Tablet: Der Akku ist mal wieder leer. Auch die neuen Ebook-Reader .mit beleuchtetem Display müssen häufiger aufgeladen werden als die bisherigen Modelle.
Vergrößern Das Ärgernis kennt man von Smartphone und Tablet: Der Akku ist mal wieder leer. Auch die neuen Ebook-Reader .mit beleuchtetem Display müssen häufiger aufgeladen werden als die bisherigen Modelle.

Die Standzeiten verlängern sich natürlich, wenn man das Licht reduziert. Und ganz ohne Beleuchtung halten die Geräte wie ihre unbeleuchteten Pendants rund 20.000 Seitenwechsel durch – doch dann muss man eben auch auf „Paperwhite“ und „Frontlight“ verzichten.

Verleihfunktion, Apps und weitere Extras: Amazon deutlich vorne

Bei allen Extras, die übers reine Lesen hinausgehen, hat der Kindle Paperwhite klar die Nase vorn. Die neue Restlesezeitanzeige als nettes Gimmick, die Anbindung an Facebook und Twitter sowie die neue Verleihfunktion von Amazon, bei der Kunden für 29 Euro Jahresgebühr neben weiteren Vorteilen der sogenannten Prime-Mitgliedschaft jeden Monat ein Ebook ausleihen können. Allerdings umfasst das Repertoire keineswegs alle Bücher. Nach Angaben von Amazon sind es rund 200.000 Werke, davon rund 8.500 in deutscher Sprache – darunter alle sieben Harry-Potter-Bände. Eine solche Möglichkeit fehlt bei Thalia.

Perfekt ist die Verleihfunktion aber auch bei Amazon nicht: Nach wie vor gibt es offiziell keine Möglichkeit, elektronische Bücher nach dem Lesen weiter zu geben oder auf Zeit zu verleihen – noch ein systemimmanenter Nachteil!

Möglich ist das Verleihen nur für Institutionen wie Bibliotheken. Die Seite Onleihe.net fasst die Büchereien mit Ausleihoption von Ebooks bundesweit zusammen. Voraussetzung für Ausleihe und Download ist ein reguläres, meist kostenpflichtiges Benutzerkonto bei der eigenen, örtlichen Bibliothek.

Die Seite Onleihe.net listet bundesweit die Büchereien mit der Möglichkeit zur Online-Ausleihe von Ebooks auf.
Vergrößern Die Seite Onleihe.net listet bundesweit die Büchereien mit der Möglichkeit zur Online-Ausleihe von Ebooks auf.

In welchem Format ein bestimmtes Ebook dann zur Verfügung steht, hängt sowohl von der Bibliothek als auch vom konkreten Titel ab. Für Bücher mit Adobe DRM ist wieder Adobe Digital Editions erforderlich. Insbesondere für die Kindle-Geräte empfiehlt sich zudem das ausgezeichnete Konvertier- und Management-Tool Calibre .

Schließlich bietet Amazon für PC, Mac und die mobilen Geräte mit Android, iOS sowie Windows Phone eine Kindle-App. Damit kann man also nicht nur auf dem Ebook-Reader lesen, sondern auch am großen Bildschirm, am Smartphone oder auf dem Tablet-PC. Dabei synchronisiert die Whispersync-Technik die Leseinhalte ständig per Online-Verbindung: Selbst die Stelle, an der man beim letzten Mal unterbrochen hat, wird auf einem anderen Endgerät automatisch aufgerufen.

Eine solche E-Reading-App von Thalia existiert bisher nur für Android-Geräte , das Handling ist aber sehr viel umständlicher. Nach dem Kauf eines Ebooks bekommt man mitunter die Nachricht „Ihr neues eBook kann nicht direkt heruntergeladen werden, steht Ihnen aber in Kürze in Ihrem Account zur Verfügung. Wir informieren Sie per Mail“ – willkommen im digitalen Zeitalter.

Noch weniger komfortabel lässt sich der Thalia-Bookstore unter iOS nutzen. Hier steht – neben einer separaten App zum Kaufen bei Thalia.de – die Anwendung Textunes zur Verfügung. Doch spätestens beim Hinweis „Ein In-App-Kauf ist bei diesem Titel leider nicht möglich, so geht’s …“ mit einer langen Erklärung dürfte sich der leseorientierte Anwender genervt abwenden.

Die Thalia-App für iPad und iPhone kann manchmal ganz schön nerven: „Ein In-App-Kauf ist bei diesem Titel leider nicht möglich … So geht’s…“
Vergrößern Die Thalia-App für iPad und iPhone kann manchmal ganz schön nerven: „Ein In-App-Kauf ist bei diesem Titel leider nicht möglich … So geht’s…“

Fazit: guter Thalia-Reader, doch Testsieger ist der Kindle Paperwhite

Keine Frage: Sowohl bei der Hardware als auch bei der Online-Integration ins Gesamtsystem hat Thalia zusammen mit Bookeen deutlich aufgeholt. Ganz dran ist sie aber noch nicht, wenngleich die Kooperation der deutschen Buchkette mit dem französischen Hersteller gelungen ist.

Beschränkt man sich ausschließlich auf die Hardware des Lesegerätes, sind die Unterschiede zwischen Amazon und Bookeen vergleichsweise gering. Im Gesamtsystem aber wird der Abstand deutlicher. Fehlermeldungen oder umständliche Anweisungen auf mobilen Geräten mit Android oder iOS sind besonders für wenig technikaffine Vielleser eine Zumutung. Kindle-Besitzer haben dies nicht zu fürchten.

Da die beiden Testkandidaten mit 129 Euro zudem exakt gleich teuer sind, spricht im Prinzip alles für den Kindle Paperwhite. Im Prinzip, denn das Gerät wird erst im Januar 2013 wieder lieferbar sein. Als Weihnachtsgeschenk bleibt also der insgesamt gute Thalia HD Frontlight oder – falls man auf die Display-Beleuchtung verzichten kann – der etwas teurere und mit 162 Gramm Gewicht zudem besonders leichte Ebook-Reader PRS-T2 von Sony. Von günstigeren Modellen wie dem Trekstore-Reader Liro Pyrus müssen wir leider abraten.

 

 

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