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Battlefield 2042: Apaches, Ospreys, Wing-Suits und Cyberpunk-Taxis

12.06.2021 | 13:30 Uhr |

Battefield 6 wird Battlefield 2042, liefert die größten Schlachten der Battlefield-Geschichte mit 128 Spielern und lässt uns mit F35-Jets, Apaches und Ospreys Südkorea, Katar, Französisch-Guayana, Indien und Ägypten erobern. Und in der Antarktis mit dem Ripsaw aus Fast & Furious 9 übers Eis rutschen. Dafür gibt’s keine Kampagne, rockt es trotzdem? Battlefield 2042 – die E3-Weltpremiere.

Es sind die ersten Sekunden in Battlefield 2042: Flares schießen aus der V22 Osprey, Funken schlagen, Feuer brechen an Bord des Hightech-Helikopters aus. Der Senkrechtsstarter geht in den Sturzflug, will kontrolliert auf der kleinen Basis auf einem hohen Berg landen, doch eine zweite Rakete zerreißt die linke Tragfläche, der Pilot kann den Vogel nicht mehr halten, er kracht mit voller Wucht in die Satelliten-Station. Soldaten werden mitgerissen und durch die Luft geschleudert, der Rotor schneidet sich durch die Plattform, und ehe wir uns umgucken können, wird der Protagonist von der Absprungplattform für die Fallschirmspringer gerissen.

Er strauchelt, wird schneller, atmetet schwer und crasht beinahe in die vielen, vielen anderen Fallschirmspringer, die sich fluchtartig von der Basis geworfen haben. Das 64-Spieler-Limit ist Geschichte, in Battlefield 2042 stürzen wir uns mit 128 Soldaten ins Gefecht. Nur wir haben eben keinen Fallschirm, straucheln, fliegen nach unten, der Osprey folgt uns im Sturzflug und explodiert in der Luft – schnell drunter hinweg tauchen, Wing-Suit auf und rein gestürzt in das 2021er Battlefield. Es ist die große Rückkehr zu modernem Militär, auf das die Fangemeinde seit 2013, seit Battlefield 4, so sehnsüchtig gewartet hat. Battlefield 1 und 5 waren ja ganz nett, aber endlich dreht DICE wieder so richtig auf. Denn was den letzten beiden Teilen fehlte, war vor allem die Möglichkeit, mit Helikoptern Truppen in den Rücken des Feindes zu fliegen oder auch einfach mal überraschend einen Punkt einzunehmen und so die Front zu verlagern.

Battlefield 2042 soll sich anfühlen wie Battlefield 3 trifft 4, aber auch viele Überraschungen mitbringen. Etwa einen Sandsturm in Katar, der nicht nur Piloten von Ospreys und Apaches die Sicht raubt…
Vergrößern Battlefield 2042 soll sich anfühlen wie Battlefield 3 trifft 4, aber auch viele Überraschungen mitbringen. Etwa einen Sandsturm in Katar, der nicht nur Piloten von Ospreys und Apaches die Sicht raubt…
© DICE

BF1 und BF5 waren in ihrer Front sehr statisch, sehr berechenbar. Battlefield 2042 ist hier komplett anders: Mit dem Osprey lässt sich ein komplettes Squad einfliegen, er bringt dank Mini-Gun vorne plus MGs an der Seite satt Feuerpower mit und kann überall Soldaten absetzen. Das gilt auch für den Little Bird, den Battlefield-Fans natürlich aus BF3 und BF4 kennen und schon sehnsüchtig vermisst haben. Der Little Bird macht Truppen an Bord verwundbarer, dafür kann man von den Kufen aber auch runterschießen, ergo sehr kompakt Feuerkraft auf einen Punkt konzentrieren oder mal schnell einen Trupp auf das Dach eines Hochhauses fliegen.

Battlefield wird größer und bekommt viel, viel mehr Fahrzeuge

M2 Abrams rücken vor, dicht gefolgt von Little Birds. Ospreys verlegen Truppen an die Front, F35 sichern aus der Luft ab. Battlefield ist wieder Battlefield.
Vergrößern M2 Abrams rücken vor, dicht gefolgt von Little Birds. Ospreys verlegen Truppen an die Front, F35 sichern aus der Luft ab. Battlefield ist wieder Battlefield.
© DICE

Was direkt auffällt: Battlefield 2042 hat nicht nur die größten Maps der Reihe, die in der Antarktis namens Breakaway ist zum Beispiel 5,9 Quadratkilometern groß, also noch mal deutlich größer als die bislang größte Map El Alamein. Sie fühlen sich auch vielschichtiger an: Von der arabischen Wüste mit einem herrschaftlichen Palast im Mittelpunkt, die durch eine mächtige Mauer, Türme und Tore geschützt wird über den Hafen Singapurs, wo wir in einem riesigen Labyrinth aus Frachtcontainern kämpfen, ergo eher das Nahkampf-Gefühl von Karten von Metro haben. Zu Songdo in Südkorea, eine Mega-City mit gewaltigen Wolkenkratzern, die uns natürlich direkt an Siege of Shanghai aus Battlefield 4 erinnerten, wo wir mit Seilrutschen schnell auf andere Gebäude vordringen und ganze Hochhäuser in majestätischen Levelution-Momenten in sich zusammenkrachen können.

Battlefield 2042 hat ein paar coole Überraschungen parat: Mit dem neuen Wingsuit stürzen wir uns nicht nur Gebäude herunter, sondern können auch einen Tsunami nutzen, um uns nach oben katapultieren zu lassen.
Vergrößern Battlefield 2042 hat ein paar coole Überraschungen parat: Mit dem neuen Wingsuit stürzen wir uns nicht nur Gebäude herunter, sondern können auch einen Tsunami nutzen, um uns nach oben katapultieren zu lassen.
© DICE

Diese Karte fühlt sich bislang sehr ähnlich zu Siege of Shanghai an, sprich, es gibt auch hier einen Fluss, wo wir mit Speedbooten, Jetskis und anderen Wasserfahrzeugen Infanterie an Land unter Beschuss nehmen können. Aber lustigerweise auch Hightech-Tuk-Tuks, die Original aus Cyberpunk 2077 stammen könnten. Na ja, 2042 und 2077 sind ja auch nur 30 Jahre auseinander. Besonders cool finden wir, dass jede Karte ihren eigenen Vibe hat – ihre eigene Farbgebung, ihren eigenen Architekturstil und ihre eigenen Fahrzeuge. Doha in Katar ist komplett in einen orange-braunen Teppich gehüllt, der die Sicht einschränkt und mit ihrem rötlichen Schimmer schon so ein bisschen an Blade Runner 2049 erinnert. Für dieses Szenario wurden spezielle Hightech-Helikopter entwickelt, die auch in diesen Sandstürmen operieren können.

Das Schlachtfeld wird jetzt in Sektoren eingeteilt, für die wir mehrere Objektives erledigen müssen. Das wilde, unkoordinierte Hetzen von Flagge zu Flagge dürfte damit Geschichte sein.
Vergrößern Das Schlachtfeld wird jetzt in Sektoren eingeteilt, für die wir mehrere Objektives erledigen müssen. Das wilde, unkoordinierte Hetzen von Flagge zu Flagge dürfte damit Geschichte sein.
© DICE

Es ein Lichtermeer, kombiniert mit richtig harten Dogfights zwischen Apaches und russischen Kollegen, der ein Kamow KA 52 Alligator sein könnte, die Bezeichnung im Spiel könnte aber abweichen. Wirklich fantastisch übrigens auch, was DICE hier von Fabian Siegismunds Suicide Buggy Squad gelernt hat – wir können nämlich wieder C4 an Buggys packen, über Rampen springen, vorher loslassen und das Gefährt holt den Vogel runter, in diesem Fall einen AH-6 Little Bird, dessen dreiläufiges 17,7mm Gatling-Gun mit 1000 Schuss sonst unseren kompletten Infanterietrupp auf dem Dach eines Hotels ausradieren würde.

F35-Kampfjets, Luftkissenboote und Radpanzer in der Arktis

Weil Battlefield 2042 zumindest 20 Jahre in der Zukunft spielt, erlaubt sich DICE ein paar Prototypen auszupacken, von denen ihr einige bereits kennen könntet: Der Ripsaw etwa, ein Kettenpanzer für Eis und Schnee feierte sein Debüt in Fast & Furious 6. Er ist stark gepanzert, hält Raketenbeschuss und Minen aus, wiegt 10 Tonnen, kann aber trotzdem dank seiner Radketten auf Eis sliden, was ziemlich spannend für das Gameplay des neuesten DICE-Blockbusters werden dürfte. Spannend: In Fahrzeugen gibt es jetzt mehr Möglichkeiten, seinem Team zu helfen, sprich, jeder Beifahrer bekommt eine bestimmte Rolle zugewiesen – in Helikoptern und Flugzeugen wären das etwa Flares auf der Position der Anti-Air-Seats. Oder Rauch, auf Seiten der Panzer. Eventuell gibt’s ja sogar spezielle Fahrzeuge, die eher gegen die Luftwaffe optimiert sind, diese wurden aber bislang nicht gezeigt.

Hier der erste Shot aus einem Little Bird. Jeder Sitzplatz steuert in Vehikeln jetzt andere Spezialfähigkeiten – etwa Flares, die Gatling, die Seitengeschütze.
Vergrößern Hier der erste Shot aus einem Little Bird. Jeder Sitzplatz steuert in Vehikeln jetzt andere Spezialfähigkeiten – etwa Flares, die Gatling, die Seitengeschütze.
© DICE

Den Gunner-Seat kennen wir aus den letzten Battlefields, neu hinzu kommt der Spotter, der Feinde zum Abschuss markieren kann. In der Luftwaffe konnten wir auf US-Seite bereits den Apache AH-64 Guardian und eine moderne Variante des AH-6 Little Bird sichten sowie einen V22 Osprey, ebenfalls in einer futuristischeren Version und den F35-Kampfjet sichten. Auf russischer Seite finden sich ein schwerer Hind-Angriffshelikopter, ein Kamow KA 52 Alligator als Apache-Pendant und der Tarnkappenjet Suchoi-57. In der Fiktion von Battlefield 2042 bilden die USA und Russland die letzten beiden Supermächte, für die Söldner vieler anderer Länder kämpfen. So will DICE sich etwas mehr kreativen Freiraum schaffen, wir werden etwa auch Gerät und Waffen des israelischen, ägyptischen oder südkoreanischem Militär verwenden. Bei den Bodenkampffahrzeugen konnten wir bereits eine modernere Version des M1A1 Abrams Kampfpanzers sehen, den Ripsaw-Kettenpanzer und ein russischer T14. Außerdem gibt’s reine Transportvehikel ohne Bewaffnung wie besagtes Tuk-Tuk im Cyperpunk-Stil.

Battlefield spielt nur 21 Jahre in der Zukunft, entsprechend kämpfen wir in erster Linie mit aktuellen Sturmgewehren im Mix mit ein paar Hightech-Gadgets, etwa einem Robo-Hund mit Gatling.
Vergrößern Battlefield spielt nur 21 Jahre in der Zukunft, entsprechend kämpfen wir in erster Linie mit aktuellen Sturmgewehren im Mix mit ein paar Hightech-Gadgets, etwa einem Robo-Hund mit Gatling.
© DICE

Und einen Robo-Dog, der frappierend an Boston Dynamics erinnert und ebenfalls eine Gatling ausfahren kann. Generell sollen sich die Klassen sehr viel unterschiedlicher spielen, weil DICE das Operator-System von Rainbow Six: Siege adaptieren wird - sprich, es wird eine riesige Flut an Spezialists geben, die unterschiedliche Eliteeinheiten der Länder repräsentieren. Maria Falck etwa aus Deutschland als Sanitäter, die mit ihrer Syrette-Hightech-Spritze, auch auf Distanz heilen kann. Oder Casper aus Südafrika, der eine OV-P-Überwachungsdrohne startet. Oder Boris aus Russland, der eine SG 36 Sentry-Gun mitbringt, weil die Speznas ja auf schweres Geschütz stehen. Battlefield soll sich so überraschender spielen und dynamischer anfühlen. Stranden wird übrigens in Battlefield 2042 auch keiner mehr, weil sich alle Fahrzeuge via Fallschirm-Airdrop einfliegen lassen – ja genau, wer will, kann mit einem Panzer einen lästigen Camper zermatschen, denn der hat es ja verdient. Gab’s da noch was? Oh ja – wir unser Kampfjet von einem anderem Stealth-Fighter gejagt wird, können wir die Jetdüsen ausschalten, aus dem Vogel rausspringen und mit einem Raketenwerfer kurz mal aufräumen. Und dann via Wingsuit wieder rein ins Cockpit. Battlefield-Moments, sie sind zurück…

Besonders gut gefällt uns, dass bisher jede Karte ihren eigenen Charme, eigenen Designstil und eigene Mechaniken hat – in Ägypten driften wir mit Luftkissenbooten durch die Wüste etwa.
Vergrößern Besonders gut gefällt uns, dass bisher jede Karte ihren eigenen Charme, eigenen Designstil und eigene Mechaniken hat – in Ägypten driften wir mit Luftkissenbooten durch die Wüste etwa.
© DICE

Erster Eindruck:

Endlich, endlich ist Battlefield wieder Battlefield. Denn Battlefield funktioniert einfach nicht ohne seine Helikopter, mit denen wir Truppen in den Rücken des Feindes fliegen und das Schlachtfeld mal schnell transformieren. Battlefield 1 und 5 waren gute Spiele, zuletzt sogar sehr gut durch ihre DLCs wie War in the Pacific, aber sie waren mir etwas zu statisch im Gameplay. Battlefield 2042 wird also in erster Linie Fan-Service liefern, das will DICE sich ganz groß auf die Fahne schreiben und der Trailer schreit förmlich danach.

Wirklich schlechte Nachrichten gibt’s für Singleplayer-Fans: Ich hätte persönlich wahnsinnig gerne eine Kampagne gehabt, weil die aus Battlefield 3 unvergessene Momente hervorbrachte - der epische Start von einem Flugzeugträger bei starkem Regen und rauer See. Die beinharten und intensiven Infanteriegefechte. Auch Battlefield 4 hatte seine Highlights. Verständlich ist es aber durchaus, denn Battlefield ist ein sehr fehleranfälliges Spiel - DICE brauchte bei Battlefield 5 fast ein Jahr, bis der Shooter wirklich rund lief. Und mit 128 Spielern und signifikant größeren Karten, die in ihrer Komplexität stark wachsen, wird DICE viel zu tun haben. Und mit dem Specialist-Modell, was man sich wohl von Rainbow Six Siege abgeschaut hat - damit wird EA Unmengen an Geld verdienen (Ubisoft druckt damit förmlich Geld, 700 Millionen Euro jährlich) und ständig neue Eliteeinheiten nachschieben. Kann man kritisieren, wird aber auch dafür sorgen, dass wir permanent neuen Content für Battlefield 2042 erhalten und gerade daran mangelte es ja in Battlefield 5.

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