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Bargeldlos bezahlen: Mit diesen Apps geht's

30.04.2019 | 11:02 Uhr |

Wird das mobile Bezahlen in Deutschland 2019 im Massenmarkt ankommen? Es gibt erste Anzeichen: Google Pay steht in Position. Aber auch andere Anbieter haben bereits Lösungen.

Deutschland war bis jetzt immer ein Land des Bargelds. Laut einer Statistik der Deutschen Bundesbank für das Jahr 2017 haben die deutschen Bürger 74 Prozent der Transaktionen mit Banknoten und Münzen getätigt. Bei einer Kaufsumme bis fünf Euro waren es sogar 96 Prozent.

Dagegen besagt eine Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Emarketer, dass im Jahr 2018 nur rund elf Prozent aller Deutschen regelmäßig mit dem Smartphone im stationären Handel bezahlt haben. Klare Spitzenreiter in Europa hier sind die skandinavischen Länder Dänemark (über 40 Prozent), Schweden (gut 36 Prozent) und Norwegen (gut 25 Prozent).

Die Händler zeigen aktuell in Deutschland keine großen Bestrebungen, diesen Sachverhalt zu ändern. Mitte Februar 2019 wurde eine weitere Studie des Handelsinstituts EHI in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbank veröffentlicht. Aus dieser geht hervor, dass der Bezahlvorgang mittels Bargeld mit durchschnittlich 22 Sekunden immer noch am schnellsten funktioniert. Zwar ist das bargeldlose Bezahlen – solange Sie keine PIN eingeben müssen – mit 15 Sekunden deutlich schneller, mit PIN dauert das Bezahlen jedoch im Schnitt rund 30 Sekunden. Bei älteren Geräten mit Unterschrift erhöht sich die Dauer der Transaktion sogar auf bis zu 38 Sekunden. Die Basis für diese Statistik waren über 3000 Bezahlvorgänge in 15 Geschäften.

NFC - Blitzschnell per Karte oder App bezahlen

Deutschland steht in den Startlöchern

Das Bezahlen per Payback-App ist entweder per QR-Code oder über NFC möglich.
Vergrößern Das Bezahlen per Payback-App ist entweder per QR-Code oder über NFC möglich.

Dennoch hat sich in den letzten Monaten in Deutschland einiges getan. Nachdem lange Zeit nur einige Nischenplayer auf dem Markt unterwegs waren, ist seit Ende Juni 2018 auch Google Pay auf dem deutschen Markt vertreten. Voraussetzung ist ein Android-Smartphone mit Android 5 oder höher und NFC. Das Bezahlen per Smartphone setzt auch beim Händler ein für NFC ausgestattetes Terminal voraus. Laut einer aktuellen Statistik unterstützen in Deutschland bereits über 400.000 Geräte diesen Standard.

Es gibt aber noch weitere Anbieter für mobiles Bezahlen. Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen alle wichtigen Anbieter auf dem deutschen Markt vor.

Google Pay: Die Android-Lösung für kompatible Geräte

Die Bezahllösung von Google ging im Jahr 2015 in den USA an den Start, damals noch unter dem Namen Android Pay. Seitdem kommen jedes Jahr zahlreiche neue Länder hinzu – Deutschland im letzten Jahr als immerhin 18. Land. Für die Nutzung ist ein Smartphone mit Android 5 oder höher sowie NFC-Chip notwendig. In den USA können Sie Google Pay auch unter iOS nutzen. Dies ist bis jetzt allerdings das einzige Land, in dem dies möglich ist. Innerhalb Google Pay stehen Ihnen mehrere Bezahlmethoden zur Verfügung: Sie können eine Kreditkarte eines Bankunternehmens oder Finanzdienstleisters einrichten, welcher Google Pay unterstützt. Dies sind aktuell im Wesentlichen die Commerzbank, comdirect, N26, die BW-Bank, VIM Pay, Revolut und boon ( Infos hier ).

Die Anzahl von Banken, die Google Pay in Deutschland unterstützen, ist noch überschaubar.
Vergrößern Die Anzahl von Banken, die Google Pay in Deutschland unterstützen, ist noch überschaubar.

Alternativ steht Ihnen Paypal als Bezahlungsmethode zur Verfügung; das Konto ist mit wenigen Klicks mit Google Pay verknüpft.

Android Pay wird bereits von einigen Apps und Diensten als Bezahlmittel unterstützt, etwa von mytaxi oder Flixbus. Eine aktuelle Liste finden Sie online auf der Google-Pay-Website .

Der Bezahlvorgang mit Google Pay ist denkbar einfach: Sie entsperren Ihr Smartphone und halten es an das für NFC ausgestattete Terminal. Der Betrag der Transaktion wird angezeigt. Warten Sie noch, bis der blaue Haken erscheint – damit ist der Bezahlvorgang abgeschlossen und erscheint in der Liste der Transaktionen. Achtung: Bei älteren Bezahlterminals oder größeren Beträgen kann auch die Eingabe einer PIN oder eine Unterschrift vonnöten sein.

Ihre letzten Transaktionen sehen Sie in der App unter „Aktivitäten“. Dort sind sowohl das Datum und der Betrag wie auch die Zahlungsmethode hinterlegt.

Payback Pay: Alternative mit Einschränkungen

Nutzen Sie bereits heute Payback zum Sammeln von Punkten und haben Sie die App installiert , sind Sie nur wenige Klicks von der nächsten Bezahllösung entfernt: Payback Pay. Das Verfahren ist für Android und iOS verfügbar, und die Hardware-Anforderungen sind zudem denkbar gering: Sie brauchen nicht zwingend ein für NFC ausgestattetes Smartphone, sondern können alternativ auch einen QR-Code abscannen.

Für die Bezahlung hinterlegen Sie innerhalb der App eine Bankverbindung; die Bezahlung erfolgt anschließend im Lastschriftverfahren. Eine Kreditkarte ist für die Bezahlung mit Payback Pay nicht erforderlich. In den meisten Fällen können Sie die App nach Eingabe der Bankverbindung direkt nutzen. Teilweise ist jedoch eine zusätzliche Verifizierung notwendig. In diesem Fall wird eine 1-Cent-Überweisung auf Ihr Konto getätigt, um die Gültigkeit zu prüfen.

Das Bezahlen per App ist aktuell bei acht Händlern möglich: den Supermärkten Real und Rewe, Aral-Tankstellen, Galeria Kaufhof, dem Drogeriemarkt dm, den Alnatura-Läden, Thalia und Tee Geschwendner. Trotz des einfachen und komfortablen Vorgehens hat sich dieses Bezahlverfahren noch nicht weiter verbreiten können.

Boon: Bezahlen mit Vorauskasse

Vor der Nutzung von boon müssen Sie erst Geld auf Ihr Konto übertragen.
Vergrößern Vor der Nutzung von boon müssen Sie erst Geld auf Ihr Konto übertragen.

Boon ist auch bei Google Pay eine akzeptierte Bezahlmethode. Dahinter verbirgt sich eine Bezahllösung des DAX-Unternehmens Wirecard. Wirecard ist ein Lösungsanbieter für den elektronischen Zahlungsverkehr und bietet unter anderem auch Bezahlterminals für den Handel an.

Die boon-App gibt es bereits seit dem Jahr 2015, kann aber inzwischen fast als Exot angesehen werden: Sie ist als eine der wenigen nach einer Testphase von drei Monaten kostenpflichtig und lässt sich nur nutzen, wenn Sie auf das virtuelle Konto zuvor Geld überwiesen haben. Dies geht per Überweisung oder Kreditkarte. Die Hürde wird an dieser Stelle jedoch recht hoch gelegt, da Sie anfangs mindestens 100 Euro aufladen müssen. Haben Sie einmal die Bankverbindung hinterlegt, ist ein automatisches Aufladen möglich, sobald Sie einen Schwellwert unterschritten haben.

Von der Handhabung her lässt sich boon wie die anderen Apps auch zum direkten Bezahlen an jedem NFC-Terminal verwenden. Alternativ dazu steht Ihnen boon auch für Google Pay zur Verfügung. In diesem Fall wird die Bezahlung über Ihr boon-Guthaben abgewickelt.

Siehe auch: Apple Pay mit Boon nutzen – Wenn die Bank nicht mitmacht

Angebote von Banken: Nur für eigene Kunden

Einige Banken mischen auch bereits direkt im Markt der mobilen Bezahlverfahren mit. Die Sparkassen haben das „ Mobile Bezahlen “ für Ihre Kunden im Angebot. Dabei handelt es sich um eine Android-App, die Sie entweder mit Ihrer Sparkassen-Card (Debit) oder mit Ihrer Sparkassen-Kreditkarte (Mastercard) einsetzen. Für die Umsetzung nutzt das Angebot NFC, der zum Teil kostenpflichtige Bezahlvorgang wird wie bei den anderen Angeboten durch Annäherung des Smartphones ans Terminal getätigt.

Bei den Volksbanken gibt es für das mobile Bezahlen die VR-Banking-App . Dieses Angebot richtet sich an alle Volksbank-Kunden mit NFC-fähigem Android-Smartphone. Mit der App und einer hinterlegten Girocard oder Kreditkarte können Sie dann unterwegs bargeldlos bezahlen. Das mobile Bezahlen wird aktuell allerdings noch nicht von allen Volksbanken unterstützt .

Weitere Nischenangebote: Einzelhändler und Gastronomie

Bei Edeka und Netto können Sie Ihren Einkauf auch direkt mit einem Einmal-Code abwickeln.
Vergrößern Bei Edeka und Netto können Sie Ihren Einkauf auch direkt mit einem Einmal-Code abwickeln.

Bereits seit einigen Jahren haben Edeka und Netto in Ihre Apps ein einfaches Bezahlverfahren integriert. Bei diesen müssen Sie vorab ein Konto einrichten und Ihre Bankdaten hinterlegen. Die Abwicklung erfolgt anschließend über den Dienstleister Paymorrow . Bei allen Händlern, welche diese Art des Bezahlens unterstützen, geben Sie am Ende des Bezahlvorgangs eine generierte vierstellige Nummer an. Diese übernimmt die Kassiererin manuell und schließt damit den Bezahlvorgang ab. In Ihrer App sehen Sie den Kassenbon.

Einen echten Mehrwert bietet das integrierte Bezahlverfahren in der McDonalds-App . Damit lässt sich bereits bequem zu Hause oder auf dem Weg zum nächstgelegenen Schnellrestaurant die Bestellung aufgeben und bezahlen. Die Zubereitung der Bestellung geschieht allerdings erst, wenn Sie in einem Radius von 200 Metern um die Filiale befinden. Ab dann können Sie die Abholung in der App auslösen. Das System wird schrittweise eingeführt, bis Ende des zweiten Quartals 2019 soll es bereits in 900 Filialen verfügbar sein, bis Ende 2019 dann flächendeckend in Deutschland.

Dank integrierter Bezahlfunktion können Sie künftig Ihre Burger bereits von zu Hause aus bestellen.
Vergrößern Dank integrierter Bezahlfunktion können Sie künftig Ihre Burger bereits von zu Hause aus bestellen.

Ähnliche Vorteile erhalten Sie, wenn Sie beispielsweise die Starbucks-App oder die Vapiano-App nutzen. Im Falle des Kaffeeanbieters nehmen Sie beim Bezahlen über die App automatisch am Treueprogramm teil und erhalten jeden fünfzehnten Kaffee gratis. Beim Pizza-und Pasta-Restaurant Vapiano ersparen Sie sich das Anstellen und können über die App direkt vom Platz aus bestellen. Beim Verlassen bezahlen Sie direkt am Terminal.

Fazit: Von den Kunden kaum akzeptiert

Bringt Google Pay die Wende und verdrängt das Bargeld aus Deutschland? Bis jetzt hat es noch nicht den Anschein. In vielen Geschäften wird heute immer noch wie selbstverständlich mit Bargeld bezahlt. Aber: Die Technik ist inzwischen nahezu flächendeckend angekommen. Viele Händler haben ihre alten Terminals gegen NFC-fähige getauscht, und kompatible Girocards und Kreditkarten treiben den Trend weiter voran.

Am Ende liegt es jedoch an den Händlern, den Kunden die neue Art des Bezahlens schmackhaft zu machen – vor allem angesichts der vielen proprietären Bezahlsysteme, die mehr verwirren als vereinfachen. Da niemand Lust hat, für jeden Händler eine individuelle App zu installieren, wird nicht nur für den Einkauf beim Bäcker und auf dem Wochenmarkt in Deutschland voraussichtlich noch lange das Bargeld überwiegen.

Bargeldlos bezahlen

Anbieter

Google Pay

Apple Pay

Payback Pay

boon

Sparkasse Mobil Bezahlen

VR-Banking

URL

http://bit.ly/2TThzCA

https://apple.co/2IpjVrE

http://bit.ly/2BG1p8y

http://bit.ly/2S90VND

https://bit.ly/2AzZRPx

https://bit.ly/2DRHfcb

Betriebssystem

Android, iOS (nur USA)

iOS

Android, iOS

Android, iOS

Android

Android

Kosten Anwender

keine

keine

keine

ab 1,49 EUR / Monat

von Filiale abhängig

keine

Unterstützte Banken und Finanzdienstleister

boon, comdirect, Commerzbank, N26, BW-Bank, VIM Pay, Revolut

American Express, boon, bunq, comdirect, Deutsche Bank, fidor Bank, Hanseatic Bank, HypoVereinsbank, N26, O2 Banking, VIM Pay

nur über Payback

Sparkasse

VR-Banken

Andere Bezahlverfahren

Paypal, VIM Pay

Ticket Restaurant Edenred, VIM Pay

SEPA-Lastschrift

Guthabenaufladung per Einzugs oder Kreditkarte

Weitere Einschränkungen

nur Sparkassen-Kunden

nicht alle VR-Banken nehmen teil

NFC / QR-Code

ja / nein

ja / nein

ja / ja

ja / nein

ja / nein

ja / nein

Sonstiges

Weitere Banken für 2019 angekündigt

Digitale Kreditkarte

Die Themen in Tech-up Weekly #150: Artikel 13 / 17 - So geht’s jetzt weiter +++ RAM-Preise sinken immer weiter +++ Xiaomi lädt 4.000-mAh-Akku in 17 Minuten +++ Quick-News +++ Fail der Woche +++ Kommentar der Woche +++ Die Links findet Ihr unten!

► Artikel 13 / 17 - So geht’s jetzt weiter: www.pcwelt.de/news/Artikel-13-17-EU-Parlament-stimmt-ab-Live-Stream-10563005.html

► RAM-Preise sinken immer weiter: www.pcwelt.de/news/RAM-Preise-sinken-und-sinken-10563344.html

► Xiaomi lädt 4.000-mAh-Akku in 17 Minuten komplett auf: www.pcwelt.de/news/Xiaomi-laedt-4.000-mAh-Akku-in-17-Minuten-auf-100-10563181.html

Quick-News:

► Autonome Busflotte fährt bald durch Monheim in NRW: www.pcwelt.de/news/Autonome-Busflotte-faehrt-bald-durch-Monheim-in-NRW-10564217.html

► 5G-Mobilfunknetz in Österreich gestartet: www.pcwelt.de/news/Oesterreich-startet-bereits-heute-5G-Mobilfunknetz-10563477.html

► Angeblicher Playstation-5-Controller geleaked: www.pcwelt.de/news/Angeblicher-Playstation-5-Controller-geleaked-10564355.html

► Gratis-WLAN in allen IC-Zügen bis Ende 2021: www.pcwelt.de/news/Gratis-WLAN-in-allen-IC-Zuegen-bis-Ende-2021-10563194.html

► EA entlässt 350 Mitarbeiter: www.pcwelt.de/news/EA-Kuendigungswelle-350-Mitarbeiter-werden-entlassen-10564232.html

Fail der Woche:

► Twitter-Scherz sperrt Nutzer aus dem Account aus: www.pcwelt.de/2418612

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