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Backups mit Cover Your Assets

18.10.2019 | 10:02 Uhr | David Wolski

Kein kompliziertes Backupprogramm, sondern ein solides Script: Cover Your Assets ist eine Systemherstellung für Linux-Systeme, die auch dann noch zuverlässig abläuft, wenn der grafische Desktop nicht mehr funktioniert.

Ein Linux-System aus der Kategorie der Langläufer wie Debian, Ubuntu LTS oder Cent kann jahrelang auf Desktop und Server ohne bemerkenswerte Zwischenfälle laufen. Das gilt vor allem dann, wenn Linux-Installationen die vorgezeichneten Bahnen der Distribution nicht verlassen. Auf Langzeitdesktops sind aber neue Versionen von Anwendungen meist unentbehrlich, die dann über inoffizielle Paketquellen wichtige Fehlerbehebungen oder Weiterentwicklungen bringen. Auf Servern, die möglichst unverändert ihre Dienste verrichten sollen, ist das Dilemma noch brisanter: Einerseits verlangen Serverdienste derzeit häufiger eine neue Version von PHP, Node.JS, Apache oder Nginx. Andererseits ist deren Aktualisierung kein kleines Unterfangen, sofern Administratoren nicht gleich auf Container gesetzt haben. Um die Risiken zu minimieren, die Installationen aus inoffizielle Paketquellen mitbringen, ist eine solide Backupstrategie von Vorteil.

Für die Shell gemacht

Eine einfache Backuplösung ist die Script-Sammlung Cover Your Assets, die das Rad nicht neu erfindet, sondern das bekannte Kopierwerkzeug Rsync verwendet, um Snapshots anzulegen. Die Idee ist nicht neu: Das Programm Timeshift ( https://github.com/teejee2008/timeshift ) arbeitet auf ganz ähnliche Weise, allerdings mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Cover Your Assets ist hingegen auf Minimalismus getrimmt, damit es in jedem Fall auch in der Shell und auf Servern ohne grafische Benutzeroberfläche funktioniert. Es handelt sich um ein Bash-Script unter Verwendung von verbreiteten Standardtools und ist damit nicht an eine Linux-Distribution gebunden. Die Backupmethode von Cover Your Assets betrachtet Systemdateien in Verzeichnissen wie „/bin“, „/lib“, „/usr“, „/var“, nicht jedoch die Home-Verzeichnisse mit den Benutzerdateien. Es ist möglich, diese hinzuzufügen, aber primär geht es um das System selbst. Das Backup wird dabei nicht komprimiert, sondern liegt in einem Verzeichnis vor, aus dem sich – mit root-Rechten – auch einzelne Dateien wiederherstellen lassen.

Die Einrichtung des Tools

Der minimalistische Ansatz von Cover Your Assets bedeutet aber auch, dass es nicht als fertiges Paket für Linux-Distributionen vorliegt und einfach per Paketmanager installiert werden kann. Das ist aber keine hohe Hürde. Denn das Script-basierte Programm liegt auf Github vor ( https://github.com/cleverwise/cya.git ) und ist am einfachsten über Git installiert. Auf Debian/Ubuntu holt das Kommando

sudo apt install git rsync curl

zunächst die benötigten Programme für Backups aus den Standard-Paketquellen und der Befehl

git clone https://github.com/cleverwise/cya.git

lädt Cover Your Assets in das aktuelle Verzeichnis herunter. Dort soll es natürlich nicht bleiben, weil es als systemweit nutzbares Programm gedacht ist. Mit

sudo cp cya/cya /usr/local/bin/

kopieren Sie das Backuptool in das Zielverzeichnis – es handelt sich um eine einzige Script-Datei. Das Kommando

sudo chmod +x /usr/local/bin/cya

macht das Script ausführbar und damit ist das Tool auch schon einsatzbereit. Cover Your Assets verlangt root-Recht beziehungsweise sudo für seine Aktionen. Backups speichert es im neu angelegten Ordner „/home/cya“. Die Backupsets können recht groß werden und auf Systemen mit wenig Festplattenplatz sollte man den freien Speicher im Auge behalten.

Wiederherstellungspunkt erstellen: Cover Your Assets sichert das komplette System in einer unkomprimierten Ordnerstruktur unter „/home/cya“.
Vergrößern Wiederherstellungspunkt erstellen: Cover Your Assets sichert das komplette System in einer unkomprimierten Ordnerstruktur unter „/home/cya“.

Sicherungspunkt anlegen und wiederherstellen

Vor dem ersten Backup ist einmalig die Initialisierung mittels

sudo cya script

nötig. Damit erstellt Cover Your Assets sein Verzeichnis unter „/home“ und legt dort das Wiederherstellungs-Script „recovery.sh“ ab, das später eine Hilfe bei der Wiederherstellung eines Sicherungspunkts ist. Einen ersten Sicherungspunkt erstellt der Befehl

sudo cya save

unter „/home/cya/points/1“. Ein Blick zeigt nach dem Backup die Ordnerstruktur des Linux-Systems abzüglich der Benutzerordner von „/home“. Ein weiteres Backup mit dem gleichen Befehl legt den zweiten Wiederherstellungspunkt als „/home/cya/points/2“ an. Cover Your Assets unterhält drei solcher Punkte und überschreibt dann wieder den ersten Wiederherstellungspunkt mit einem neuen Backup.

Die Wiederherstellungspunkte enthalten alle Dateien des Systems als Kopie. Benötigt man nur eine bestimmte, versehentlich geänderte Datei, dann genügt zur Wiederherstellung ein als root gestarteter Dateimanager, beispielsweise der Midnight Commander.

Nach einer größeren Havarie, etwa wenn zu viele Konfigurationsdateien geändert wurden oder die letzten Modifizierungen nicht mehr nachvollziehbar sind, dann stemmt Cover Your Assets auch die Restauration des gesamten Linux-Systems aus einem der Wiederherstellungspunkte.

Das gelingt natürlich nicht im laufenden System, sondern nur über ein externes Livesystem. Ein beliebiges Installationsmedium, etwa ein Ubuntu, genügt dazu.

Wiederherstellung starten: Das zuvor angelegte Script „restore.sh“ unter „/home/cya“ führt durch den Wiederherstellungsvorgang und hängt die Zielpartitionen automatisch ein.
Vergrößern Wiederherstellung starten: Das zuvor angelegte Script „restore.sh“ unter „/home/cya“ führt durch den Wiederherstellungsvorgang und hängt die Zielpartitionen automatisch ein.

1. Nach dem Start des Livesystems hängt man dort im Dateimanager die „/home“-Partitionen des installierten Linux-Systems ein. Im Ordner „/home/cya“ findet sich das Wiederherstellungs-Script „restore.sh“, das der Befehl

sudo ./restore.sh

startet

2. Das Script verlangt zunächst eine Bestätigung und zeigt nach der Meldung „First pick the name of a backup to restore“ bei einem Druck auf die Eingabetaste die angelegten Wiederherstellungspunkte an. Die Auswahl erfolgt mit der Eingabe der Nummer. Vor dem Wiederherstellen bietet Cover Your Assets an, auch vom aktuellen Stand des Systems nochmal ein Backup zu erstellen.

3. Die nächste Frage „Should files that do NOT exist in backup de deleted from destination“ bezieht sich darauf, ob das Script Dateien aus den Zielverzeichnissen löschen soll, wenn diese nicht im Backup vorhanden sind. Die sichere Antwort ist hier „n“ („no“), um zwischenzeitlich angelegte Dateien, etwa Logdateien, zu behalten. Im Anschluss will das Script wissen, ob es einzelne Verzeichnisse wiederherstellen soll. Weil dies das Zielsystem in einem inkonsistenten Zustand hinterlassen könnte, ist auch hier die Antwort „n“ die empfohlene.

4. Zur abschließenden Bestätigung ist noch die Eingabe des Worts „restore“ nötig. Danach beginnt die Systemwiederherstellung mittels Rsync. Dieser Weg stellt sicher, dass auch die Dateiberechtigungen exakt wiederhergestellt werden – eine Grundvoraussetzung zum Funktionieren eines Linux-Systems. Rsync überschreibt beim Zurückspielen grundsätzlich nur geänderte Dateien. Gab es seit der letzten Sicherung keine umfangreichen Änderungen, dann ist der Job von Cover Your Assets blitzschnell erledigt. Nach der erfolgten Wiederherstellung kann das installierte System wieder im vorherigen Zustand neu gebootet werden.

Cover Your Assets: Stärken und Schwächen

+ verlangt keine bestimmten Dateisysteme wie BTFS oder ZFS
+ arbeitet im Hintergrund mit bewährtem Rsync
+ funktioniert auch ohne Desktop
– manuelle Installation
– anspruchsvoller Einstieg mangels grafischer Oberfläche
– Dokumentation nur in Englisch

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