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BMW SIM RACING: Formel-1-Veteran Timo Glock lehrt, den Nürburgring zu meistern

15.01.2020 | 09:41 Uhr |

Die Grüne Hölle wartet, wir sitzen im Cockpit eines virtuellen BMW M2 CS und DTM-Pilot sowie Formel-1-Veteran Timo Glock gibt uns Profi-Tipps. Ein sportlicher Abend in der glamourösen BMW-Welt, um den Einstieg von BMW in den eSports zu feiern.

„Öffne das Auto früher für die Kurve, smooth reingehen, nicht zu viel Gas verlieren. Dann so schnell wie möglich stabilisieren, zurück auf die Ideallinie. Du hast das drauf, ruhig etwas später abbremsen, sonst verlierst du wertvolle Hundertstel in der Kurve“, analysiert Formel-1-Veteran und DTM-Pilot Timo Glock, während wir über den Nürburgring heizen.

Wir befinden uns in der BMW Welt, einem luxuriösen Hightech-Tempel im Herzen Münchens, vom 7er bis zum legendären 750 il und Z8 Roadster, die James Bond einst fuhr, ist hier alles zu sehen. Gerade erst wurde der 2020er BMW M2 CS auf der Bühne enthüllt, jetzt fahren wir ihn erstmals selbst. Noch nicht auf der richtigen Strecke, aber virtuell in RFactor 2. Also langsam Gas kommen lassen, die Ampel schaltet auf Grün – Gas, Hochschalten – Ready, Steady, Go! Der Start verläuft chaotisch, noch bevor wir die erste Kurve erreichen, dreht sich ein Kollege, drei weitere krachen rein. Galant schlängeln wir uns vorbei, nur nicht die Kontrolle verlieren.

Unser Co-Pilot Timo Glock freut sich auf mehr eSports-Action, weil ihn die Rennsimulationen diverser Hersteller schon sehr reizen und er glaubt, dass die Motorsport-Community als Ganzes dadurch stark wachsen werde.
Vergrößern Unser Co-Pilot Timo Glock freut sich auf mehr eSports-Action, weil ihn die Rennsimulationen diverser Hersteller schon sehr reizen und er glaubt, dass die Motorsport-Community als Ganzes dadurch stark wachsen werde.

Neben uns kniet Timo Glock, denn BMW feiert auf diesem Event mit der BMW SIM Racing LIVE Night den Einstieg in den eSports und hat sich eine richtig schöne Idee ausgedacht: Nicht nur fahren alle BMW-Werkspiloten aus allen Klassen gegeneinander, sondern für Journalisten und Influencer stellen sie sich auch als Coach zur Verfügung. Uns wird Timo Glock zugelost: Ein Mann, der schon alles gefahren ist: GP2, Formel 3, DTM und sogar die Königsklasse, die Formel 1. Sein Renndebüt gab er 2004 beim Großen Preis von Kanada für Jordan und reihte sich damit in die großen Deutschen der Formel 1 ein: Michael Schumacher, Ralf Schumacher und Nick Heidfeld - Sebastian Vettel stieß erst später in die Königsklasse des Motorsports. Gerne erinnert er sich daran zurück: „Ich bin dieses Jahr meinen alten F1-Toyota, den TF102, nochmal auf einem Charity-Rennen, der Hockenheim Historic gefahren, und das ließ wirklich all die wundervollen Momente hochkommen, die ich in diesem Auto und der F1 in diesem großartigen Team mit Jarno Trulli erleben durfte.“

Mittlerweile schätzt er die DTM aber sehr, „für seine Freundlichkeit und Offenheit. Wir haben sehr viel engeren Kontakt mit den Fans, die Zutritt zum Fahrerlager haben. Bei der Formel 1 ist alles sehr verschlossen, fast schon hermetisch abgeriegelt und die Fahrer sind recht isoliert, was ich schade finde.“ Fahrtechnisch ließe sich das kaum vergleichen: „Die G-Kräfte sind brutal hoch - ich könnte jetzt nicht mehr so ohne weiteres ein komplettes Formel-1-Rennen fahren, ohne meinen Nacken ein Jahr lang zu trainieren. Die Bremsen sprechen so aggressiv an, da reißt es dir förmlich den Kopf nach unten.“ Dafür müsse er in seinem DTM-Auto deutlich mehr in der Kurve arbeiten: „So ein Formel-1-Auto geht sehr smooth in die Kurve rein, fast schon an der Schnur gezogen. Wir müssen da schon deutlich mehr mit dem Lenkrad arbeiten.“

Relevant: Warum Formel-1-Champ Fernando Alonso jetzt Spiele designt und eSports coacht

DTM-Pilot und Formel-1-Veteran Timo Glock über Gaming und eSports

BMWs DTM-Pilot Timo Glock gibt uns Profi-Tipps im Rahmen von BMW SIM RACING LIVE. Herzlich willkommen im eSports, BMW.
Vergrößern BMWs DTM-Pilot Timo Glock gibt uns Profi-Tipps im Rahmen von BMW SIM RACING LIVE. Herzlich willkommen im eSports, BMW.
© BMW

„Das ist gerade eine ganz faszinierende Zeit. Fernando (Alonso, Anm. d. Red.) ist ja nach seinem aktiven Karriere-Ende sehr stark in der eSports-Szene unterwegs, arbeitet auch, glaube ich, selbst an Spielen und diese fühlen sich immer realistischer an. Gerade vom Handling der Autos, wie sie über- oder untersteuern und wie die Entwickler die Charakteristik unterschiedlicher Fahrzeuge einbauen.“ Wie wir später von BMWs Group Motorsport Direktor Jens Marquardt erfahren, hat BMW ein eigenes Team, welches sich um die Integration der Fahrzeuge in alle Spiele-Serien kümmert – von Forza Motorsport und Gran Turismo bis rFactor. Übrigens nicht nur für diese Hardcore-Simulationen, sondern auch etwa das letzte Need for Speed Heat, welches einige sehr schöne BMW-Modelle aufweist, die sich kosmetisch sehr stark tunen lassen, wie wir in unserem Test aufgezeigt haben.

„Man merkt schon sehr stark, dass immer mehr technische Parameter in die Spiele einfließen. Etwa, wie wichtig die Wahl der richtigen Reifen ist, der Reifendruck, die Motortemperatur. Das ist schon sehr nah dran am echten Auto, auch wenn so ein Simulator trotz der, wie ich finde sehr akkuraten Lenkübersetzung, natürlich nicht die G-Kräfte simulieren kann. Ist vielleicht auch besser so“, da muss er lachen. Wir hatten schon öfter das Vergnügen mit DTM-Piloten als Beifahrer mitzufahren und da wird man schon ordentlich durchgeschüttelt. Würde der Werkspilot SIMRacing eigentlich als Motorsport einstufen? 

„Absolut. Von den motorischen Fähigkeiten über die Kenntnisse der Strecke, das Konzentrationsvermögen. Wir erleben ja auch hier, dass die Top-Athleten um jedes Hundertstel und Zehntel kämpfen. Ich finde es auch toll, dass diese Welten des Motorsports jetzt zusammenfließen und größtenteils sind die Fahrer, wie man hier sieht, ja auch große Auto-Fans und technisch sehr versiert. Der eSports kann also den Motorsport nur beflügeln.“ 

BMW Motorsportchef Marquardt: „Kann mir gut vorstellen, aus eSports-Stars Piloten zu rekrutieren“ 

BMWs Group Motorsport Director Jens Marquardt im Gespräch mit Autor Benjamin Kratsch.
Vergrößern BMWs Group Motorsport Director Jens Marquardt im Gespräch mit Autor Benjamin Kratsch.
© BMW

„BMW steht für Freude am Fahren, und wir möchten jeden einladen, der von Autos und Motorsport begeistert ist. SIM-Racing gehört für uns klar zum Motorsport dazu, und ich denke, dieses Event unterstreicht das nur, wenn ich mir anschaue mit welcher Akribie hier die Rennen vorbereitet werden, wie nahezu fehlerfrei einige Piloten den neuen BMW M2 CS über die Strecke manövrieren“, sagt BMW Group Motorsport Direktor Jens Marquardt im Gespräch mit PC WELT.

„Diese Simulatoren, die wir hier aufgebaut haben, sind, denke ich, eine Faszination für jeden, und das wollen wir auf jeden Fall stärker anbieten. Ich sehe ja, wenn ich durch die BMW Welt laufe, dass gerade jüngere Besucher davon nahezu magisch angezogen werden und dann wollen natürlich auch Papa und Mama mal zeigen, was sie können.“ 

Für BMW ist Sim-Racing aber nicht nur im Marketing spannend, schließlich war eSports 2019 die am stärksten wachsende Sportgattung. Sondern durchaus auch im Scouting: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir in Zukunft Turniere mit genau diesem Fokus veranstalten. Wo man die drei besten Fahrer zu uns einlädt, sie mit unserem hauseigenen Simulator fahren lässt, der sonst nur den Motorsport-Teams zur Verfügung steht und einfach mal schaut, ob das passt.“ In der Tat hat McLaren mit dem Shadow Project bereits ein ähnliches Turnier etabliert, wo sie ihre neuen Simulator-Fahrer für die Formel-1-Piloten Lando Norris und Carlos Sainz rekrutieren. Marquardt bekräftigt das Engagement von BMW: „WIr fangen gerade erst an, aber wir wollen zur Spitze des Motorsport-eSports im SIM-Racing avancieren.“

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Wachsen BMWs Motorsport-Team und die eSports-Welt zusammen?   

PC WELT wirft einen Blick auf BMWs Multi-Millionen Euro teuren Hightech-Simulator für die DTM

BMWs hauseigener Simulator ist ein Original-Nachbau des BMW M4 DTM, mit dem Telemetrie-Daten, Reifenabrieb und Boxenstop-Taktiken überprüft werden.
Vergrößern BMWs hauseigener Simulator ist ein Original-Nachbau des BMW M4 DTM, mit dem Telemetrie-Daten, Reifenabrieb und Boxenstop-Taktiken überprüft werden.
© BMW

Kurz vor dem eSports-Turnier, welches Mitchell de Jong in einem spektakulären Finish für sich entscheiden konnte und damit auch den Preis von 10.000 Euro sein eigen nennen darf, ging es mit 7er-BMW-Limousinen in die Hochsicherheitszone von BMWs Technical Development Center, etwas außerhalb Münchens. Sollten sich Marquardts Wünsche umsetzen lassen, würde dies der Arbeitsplatz für eSports-Athleten werden, denn hier wird in einem speziellen Bereich, der sich nur mit Code-Karten und via Schleusen betreten lässt, der hauseigene Simulator entwickelt. Mit einem klassischen PC-Simulator hat das dann auch wenig zu tun, weil BMWs-Ingenieure das komplette Monocoque sowie Original-Cockpit von Timo Glocks BMW M4 nachgebaut, mit zig Sensoren und einer hydraulischen Mechanik verknüpft haben, die G-Kräfte simulieren soll. Umrundet wird das Konstrukt von einem 180-Grad-Screen und das Rendering übernimmt auch kein klassischer Gaming-PC, sondern ein Server-Rack, dessen Leistungsfähigkeit und Daten Rudi Dietrich, General Manager Vehicle Development bei BMW Motorsports, aber lieber für sich behält. Dort laufen alle Telemetrie-Daten zusammen, und es werden Taktiken, Reifentypen etc. „Stress“-getestet. Weil die BMW-Piloten auf der eigentlichen Strecke qua Reglement sehr wenig Zeit verbringen dürfen, findet das eigentliche Optimieren in diesem Simulator statt, der vor Rennen rund um die Uhr jeden Tag Daten liefert.

Über ein Kommandozentrum sind die Ingenieure des Simulators mit den Renn-Ingenieuren vor Ort direkt an der Strecke verbunden, was dem Team mehr Daten liefert für strategische Entscheidungen. Dietrich präsentiert uns auch, wie die Mechanik funktioniert, die G-Kräfte simulieren soll. Einsteigen dürfen wir aber nicht, wohl weil BMW hier noch einige Geheimtechnologien verbaut hat, in die ein substanzielles Millionen-Budget geflossen ist. In der Fertigung neuer Bauteile für die DTM, zeigt er auch, warum eigentlich Motorsport so aufwändig und teuer ist. Es gibt keine Fertigungsstraßen, sehr viel ist Handarbeit und die Komponenten sind alle speziell auf die DTM abgestimmt, laut Rudi Dietrich schafft es kaum ein Bauteil aus einem Straßen-M4 in das 600 PS starke DTM-Modell mit Vier-Zylinder-Turbo, welches von 0 auf 100 in 2,9 Sekunden beschleunigt. „Nach jedem Rennen werden alle Teile ausgetauscht, weil im Motorsport der Verschleiß maximal höher ist als bei einem normalen Straßenauto.“ Er grinst: „Das ist ein Detail, was unsere Athleten bei der BMW SIM RACING LIVE nicht beachten mussten, da seid ihr eSportler im Vorteil.“

Tech-up Weekly ist zurück aus der Winterpause und wir haben die Zeit genutzt und das Format etwas überarbeitet - keine Quicknews mehr, dafür mehr kompaktere Themen. Alle ausführlichen Infos findet Ihr wie immer in den hier verlinkten Artikeln.

Die Themen in Tech-up Weekly #172:

► Playstation 5: Sony enthüllt Logo der neuen Konsole:
www.pcwelt.de/news/Playstation-5-Sony-enthuellt-Logo-der-neuen-Konsole-10732133.html

► Sony stellt Elektro-Auto-Konzept Vision S vor:
www.pcwelt.de/news/Tesla-Konkurrent-Sony-stellt-Elektro-Auto-Konzept-Vision-S-vor-10732175.html

► AMDs 64-Kern-CPU für 3.950 US-Dollar ab 7.2. erhältlich:
www.pcwelt.de/news/AMDs-64-Kern-CPU-fuer-3.950-US-Dollar-ab-7.2.-erhaeltlich-10732091.html

► WhatsApp: Verbot für praktische Funktion in Deutschland:
www.pcwelt.de/news/WhatsApp-Verbot-fuer-praktische-Funktion-in-Deutschland-10730819.html

► Unpacked: Samsung stellt Galaxy S11 im Februar vor:
www.pcwelt.de/news/Unpacked-Samsung-stellt-Galaxy-S11-im-Februar-vor-10731912.html

► Windows 11: Fan verpasst Windows eine Schönheitskur:
www.pcwelt.de/news/Windows-11-Fan-verpasst-Windows-eine-Schoenheitskur-10732746.html

► TOI 700 d: NASA entdeckt potentiellen Erde-Zwilling:
www.pcwelt.de/news/TOI-700-d-NASA-entdeckt-potentiellen-Erde-Zwilling-10732303.html

► NRW Justiz versteigert Bitcoin-Vermögen von Kriminellen:
www.pcwelt.de/news/NRW-Justiz-versteigert-Bitcoin-Vermoegen-von-Kriminellen-10733183.html

► Galaxy S10 geschenkt mit 14-GB-Tarif im Telekom-Netz:
www.pcwelt.de/news/Galaxy-S10-geschenkt-mit-14-GB-Tarif-im-Telekom-Netz-10732778.html

Kommentar der Woche

Fail der Woche:

► Elon Musk teilt Tanzeinlage auf Twitter:
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