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Aufräumen: Platz auf Linux schaffen

24.06.2022 | 12:08 Uhr | Hermann Apfelböck

Einen „Elektronik-Frühjahrsputz“ kann man zu jedem Zeitpunkt im Jahr starten. Hier beschäftigen wir uns mit den Datenträgern: So schaffen Sie Platz und Ordnung auf internen und externen Festplatten, auf SSD/NVMe und Micro-SD-Karten.

Das große Aufräumen: Dieser Ratgeber nimmt sich mehr vor als das Entsorgen von temporären Daten, Browsercache und überflüssiger Software. Jenseits typischer Tools wie Bleachbit geht es hier nicht nur um Platzgewinn auf SSDs und Festplatten, sondern auch um aufgeräumte Netzwerke, Durchblick bei Onlinekonten, Ausmisten und Säubern der Hardware. Einmal im Jahr ist es Zeit, Platinenrechner und Ausbau-PCs staubfrei zu fegen und Kabelsalat nachhaltig zu entwirren. Nicht zuletzt nehmen wir auch vermüllte Android-Smartphones und Tablets ins Visier.

Den Start aber machen die Datenträger: Wer Linux- und Windows-Systeme auf knapp bemessenen SSDs, ferner Platinenrechner wie den Raspberry Pi auf kleinen Micro-SD-Karten betreibt, hat selten Platz zu verschenken und sollte die Daten von Betriebssystem und Programmen gut organisieren. Gelegentliche Aufräumarbeiten lohnen sich allemal, bei kleineren Datenträgern wie etwa SD-Karten auch öfter. Aber es soll es nicht nur um den Platzgewinn gehen: Wer mehrere Geräte im Homeoffice betreibt, gewinnt nach Inventur und Re-Organisation wieder den Durchblick über die Daten und verringert Entropie und unnötige Redundanz.

Inventar der Software

Softwareinventur: Die grafischen Softwarezentralen unter Ubuntu/ Mint bieten eine Option, um installierte Programme aufzulisten und bei Bedarf per Mausklick zu deinstallieren.
Vergrößern Softwareinventur: Die grafischen Softwarezentralen unter Ubuntu/ Mint bieten eine Option, um installierte Programme aufzulisten und bei Bedarf per Mausklick zu deinstallieren.

Was ist installiert? Benötigt das System diese Ausstattung tatsächlich? An dieser Stelle haben wir vorerst nur das lokale System im Auge. Beachten Sie in diesem Zusammenhang auch den weiteren Beitrag, der das Verteilen von Software im Netzwerk diskutiert.

Ein lückenloser Überblick über installierte Software ist unter Linux nicht ganz einfach, weil verschiedene Installationsquellen verschiedene Tools erfordern. Wem ein grober Überblick genügt, kann sich bei Desktopdistributionen an das grafische Softwarecenter halten. So zeigt die Anwendungsverwaltung von Linux Mint über das kleine Balkenmenü die Option „Installierte Anwendungen zeigen“ und in den meisten Ubuntu-Edition bietet Gnome-Software analog das Register „Installiert“. In den dort angezeigten Katalogen können Sie überflüssige Software per Mausklick entfernen. Die Mint-Zentrale zeigt, installiert und deinstalliert auch Flatpak-Pakete, die Ubuntu-Zentrale auch Snap-Software. Wer es detailliert haben will, muss differenzieren: Mit dem Tool apt installierte Pakete – unter Debian/ Ubuntu/Mint meist das Wichtigste – zeigt folgender Befehl: 

apt list –-installed 

Installierte Snap-Pakete zeigt dieser Befehl 

snap list 

und Flatpak-Pakete folgender: 

flatpak list

Die jeweiligen Deinstallationsbefehle lauten dann so: 

sudo apt remove [Name] 
sudo snap remove [Name] 
sudo flatpak uninstall [Name]

Als „[Name]“ ist hier jeweils anzugeben, was vorher mit dem „list“-Befehl ermittelt wurde.

Bei apt-Deinstallationen auf Debian/Ubuntu/ Mint sollte am Ende solcher Aufräumarbeiten immer 

sudo apt autoremove

folgen. Dies beseitigt nämlich nach der Softwarereinigung die abhängigen und nicht mehr benötigten Pakete – und erst das sorgt in der Regel für signifikanten Platzgewinn. Bestätigen Sie eine allzu opulente Liste von abhängigen Paketen aber nicht kritiklos, da manche Deinstallation den kompletten Desktop mitziehen kann. Wer die bestmögliche Kontrolle behalten will, lässt am besten nach jedem „apt remove“ ein „apt autoremove“ folgen. Dann bleibt die Liste abhängiger Pakete klein und kontrollierbar.

Festplatten & SSDs : Tipps zum Umgang unter Linux

Kriterien für die Deinstallation von Software

Für oder gegen das Ausmisten von Software gibt es mehrere Kriterien: 

  1. Jede Software, die Sie offenbar seit Monaten nicht benutzt haben, ist ein Kandidat zur Deinstallation.

  2. Software, deren Funktion Sie nicht kennen, sollten Sie nicht ungeprüft deinstallieren. Hier empfiehlt sich mindestens ein vorheriger Start, um sich von der Funktion zu überzeugen. Ist dies nicht aussagekräftig, weil kein grafisches Fenster lädt oder das Terminal keinen Output zeigt, nehmen Sie lieber Abstand.

  3. Manche Software gilt bei vielen Distributionen als Standard, obwohl deren Funktion vielerorts durch Webdienste (via Browser) ersetzt werden könnte. Einen dicken Mailclient brauchen zum Beispiel nur Nutzer mit mehreren Mailkonten und auch die eigentlich nur, wenn sie Nachrichten zwischen verschiedenen Konten verschieben möchten. Im Übrigen genügt Webmail mit dem Browser. Auch Office-Pakete sind nicht auf jedem System nötig, insbesondere wenn ein Google- oder Microsoft-Konto genutzt wird.

  4. Software in Snap-Paketen – und mehr noch in Flatpaks – fordert erheblichen Plattenplatz. Die Deinstallation dieser Containerformate und deren Ersatz durch das klassische Binärpaket aus den Paketquellen spart daher erhebliche Kapazitäten. Dafür muss man dann aber in der Regel eine ältere Version der Software in Kauf nehmen.

Konfigurationsdateien der Software

Eine Deinstallation von Software beseitigt nicht die Konfiguration und eventuelle Benutzerdaten, die von dieser Software angelegt wurden. Diese benutzerbezogenen Reste liegen im Home-Verzeichnis im versteckten Ordner „./config“ oder auch direkt im Home-Ordner in versteckten Verzeichnissen, deren Name auf die verantwortliche Software verweist – etwa „.thunderbird“. Strg-H im Dateimanager (unter KDE: Alt-Punkt) blendet die Objekte ein. Überwiegend handelt es sich um Konfigurationsbrösel, deren Löschen kaum Platzgewinn verspricht, aber doch für bessere Übersicht und schnellere Navigation sorgt. Es gibt aber Ausnahmen: Ergiebig ist das Löschen überflüssiger Bild- und Multimediadaten (etwa nach Deinstallation von Kodi, Shotwell) sowie der Indizes von Suchprogrammen (Recoll, Baloo). Deinstallierte Browser und Mailprogramme hinterlassen ebenfalls große Datenhalden im Benutzerordner. Normalerweise können Sie die betreffenden Ordner ohne Bedenken löschen. Bei Mailprogrammen betrifft dies allerdings auch die Nachrichten. Wer diese sichern möchte (bei IMAP-Konten, die alles am Server erhalten, nicht zwingend erforderlich), kann einen Ordner wie „~/.thunderbird“ auf einen externen Datenträger verschieben.

Dateien manuell löschen

Entdeckungen mit Ncdu: 1,6 GB, 700 MB für ein paar Texte? Das Tool Ncdu ist eine große Hilfe dabei, unnötige Datenhalden zu finden und interaktiv zu entsorgen.
Vergrößern Entdeckungen mit Ncdu: 1,6 GB, 700 MB für ein paar Texte? Das Tool Ncdu ist eine große Hilfe dabei, unnötige Datenhalden zu finden und interaktiv zu entsorgen.

Eine große Hilfe für manuelles Löschen ist Ncdu (mit identischem Paketnamen). Denn das Terminalprogramm sortiert die Verzeichnisse standardmäßig nach der enthaltenen Datenmenge, wechselt wie ein Dateimanager zwischen den Verzeichnissen und kann selbst aktiv löschen. Die einzig wichtige Bedienregel ist die Auswahl des Startverzeichnisses. Ist Ncdu nämlich einmal gestartet, wird es in keine höhere Verzeichnisebene wechseln. Wenn Sie das komplette Dateisystem durchforsten wollen, sollten Sie das Tool mit 

ncdu / 

starten. Ncdu sortiert automatisch nach Ordnergrößen, kann aber mit Taste „n“ auch nach Namen sortieren, mit „s“ wieder nach der Größe („size“). Das Tastenkommando „d“ („delete“) ist der Löschbefehl für markierte Dateiobjekte.

Massenvernichtung: Um ganze Dateigruppen rationell anhand eines Namensmusters oder einer Extension rekursiv zu löschen, ist find das beste Werkzeug. Es bringt seinen eigenen Löschschalter „-delete“ mit:

find ~ -type f -iname "*.pdf" -delete

Dies löscht im gesamten Home-Verzeichnis („~“) alle PDF-Dateien. Die Angabe „-type -f“ (Files) sorgt dafür, dass der Befehl nur Dateien, keine Ordner berücksichtigt.

Das Löschen von Verzeichnissen bestimmten Namens erfordert einen Umweg: 

find ~ -type d -iname "ORI" -exec rm -r {} \; 

Das Beispiel nimmt an, dass es Backupordner namens „ORI“ gibt, die komplett gelöscht werden dürfen. „type -d“ („Directories“) sorgt dafür, dass der Befehl nur Ordner berücksichtigt.

Backupsäuberungen mit Rsync

Hygienisches Löschen von obsoleten Daten auf der einen Seite, Doppelt- und Dreifach-Redundanz auf unabhängiger Hardware auf der anderen Seite sind kein Widerspruch – im Gegenteil: Wer wichtige Benutzerarchive größeren Umfangs regelmäßig sichert, ärgert sich über die Zeit- und Platzverschwendung durch überflüssige Daten doppelt und dreifach. Daher ist es sinnvoll, periodisch den Quelldatenträger manuell auszumisten und den Rest dann Rsync mit Schalter „--delete“ zu überlassen – der löscht dann auch im Ziel die obsoleten Daten (Beispiel).

rsync -auvP --delete --progress /srv/Data/ /media/sepp/usb0/Data 

Das erste nach den Schaltern angegebene Verzeichnis ist der Quellordner mit abschließendem Slash („/“), das zweite das Backupziel. Testen Sie umfangreiche Sicherungen immer erst mit dem zusätzlichen Schalter „--dry-run“ 

rsync -auvP --delete --dry-run --progress […] 

und legen Sie den Befehl dann als Alias ab. Aber Achtung! Erfahrungsgemäß sind die Rollen von Quelle und Ziel nicht immer eindeutig: Wenn eine USB-Festplatte (oder ein Samba/SFTP-Server), die als Backupziel dient, gelegentlich auch neue und wichtige Daten von anderer Stelle als von der eigentlichen „Quelle“ erhält, dann gerät „rsync --delete“ zur Massenvernichtungswaffe. Wo Unsicherheit besteht, bewährt sich folgende Methode. Erst drehen Sie die Quelle und Ziel um

rsync -auvP --progress [Backup]/[Quelle] 

und sichern alles Neue zur „Quelle“. Danach löschen Sie dort alles Unnötige und sichern danach mit „rsync --delete“ wieder zurück zum Backup-Datenträger.

Tipp: 16 Linux-Funktionen, die kaum einer kennt

Die Suche nach Dateidubletten

Effiziente Dublettensuche ist nicht trivial und sollte mehr als namensgleiche Dateien erkennen. Das Tool fdupes vergleicht Dateigrößen und geht bei Größenübereinstimmung in die Byteanalyse mit MD5- Prüfsummen. Das Paket „fdupes“ finden Sie überall in den Standard-Paketquellen. Folgender Aufruf ausgehend vom aktuellen Verzeichnis („.“)

fdupes -r -S -n -d .

macht eine rekursive Suche in allen Unterverzeichnissen („-r“) mit Angabe der Dateigrößen („-S“), Überspringen leerer Dateien („-n“) und interaktivem Löschmodus („-d“). Die Analyse kann je nach Datenanzahl und Dateigrößen einige Zeit beanspruchen. Danach markieren Sie bei aktiviertem Löschmodus („-d“) jene Dublettendatei per angezeigter Kennziffer, die Sie behalten wollen. Die andere beziehungsweise alle anderen Dateien werden gelöscht. Der interaktive Löschmodus erfordert Konzentration und Sorgfalt. Wo viele Dubletten zu erwarten sind, die irrelevant sind, ist es effizienter, das Ergebnis mit 

fdupes -r -S -n . > dups.txt

ohne den interaktiven Modus in eine Liste zu schreiben und nach Durchsicht dieser Liste die lohnenden Löschaktionen im Dateimanager zu erledigen.

Suche nach Dateidubletten mit fslint: Dieses Werkzeug ist eine Empfehlung für den Desktop. Im Terminal leistet das Tool fdupes ganze Arbeit.
Vergrößern Suche nach Dateidubletten mit fslint: Dieses Werkzeug ist eine Empfehlung für den Desktop. Im Terminal leistet das Tool fdupes ganze Arbeit.

Grafisches fslint: Am Desktop bietet das Werkzeug fslint mehr Komfort als fdupes. Fslint liegt mit gleichnamigem Paketnamen in den Paketquellen der meisten Distributionen. Sie finden es nach der Installation im Startmenü als „Fslint Janitor“ oder starten es mit flsint-gui im Terminal. Das Programm durchsucht standardmäßig alle Unterordner der einstellbaren Startordner. Für zusätzliche Filter können Sie selbst sorgen, indem Sie unter „Weitere Suchparameter –› Zusätzliche Suchparameter“ einen find-Schalter wie „-iname *.mp3“ eintragen. In der Ergebnisliste nach erfolgter Analyse markieren Sie die überflüssigen Dubletten und klicken auf „Löschen“.

Löschen mit Bleachbit

Löschklassiker: Bleachbit informiert vorab detailliert über die Löschmengen und ist ideal zum Aufräumen von Browsercache, Updatecache, verwaisten Paketen und temporären Dateileichen.
Vergrößern Löschklassiker: Bleachbit informiert vorab detailliert über die Löschmengen und ist ideal zum Aufräumen von Browsercache, Updatecache, verwaisten Paketen und temporären Dateileichen.

Das in den meisten Standard-Paketquellen erhältliche Bleachbit hat jede erdenkliche großräumige bis marginal-kosmetische Löschaktion im Repertoire und darf als klassischer Cleaner unter Linux gelten. Die meisten Löschaktionen finden im Home-Verzeichnis statt (Browser, Mail, Office), jedoch kann Bleachbit auch in der Paketverwaltung löschen, wenn es mit „BleachBit (as root)“ oder im Terminal mit sudo bleachbit gestartet wird. Bleachbit kann aber noch mehr, als in der grafischen Oberfläche angewählte Optionen abzuarbeiten. Alle Detailfunktionen sind auch als Terminalkommando abrufbar. Der Befehl 

bleachbit --list-cleaners 

zeigt alle Löschmodule an – annähernd 200, wovon aber die meisten nur Spezialroutinen für einzelne Programme sind (insbesondere für Browser). Jedes einzelne Modul kann mit dem Schalter „--clean“ 

bleachbit --clean system.cache

gestartet werden. Bei Löschzielen mit diversen Unterabteilungen (system, apt, firefox, chromium, google_chrome, thunderbird) funktioniert auch diese Variante 

bleachbit --clean apt.* 

mit Stellvertreterzeichen. 

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