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Aufgedeckt: Die 7 fiesesten Online-Fallen

11.08.2020 | 08:02 Uhr |

Cyberkriminelle erfinden immer raffiniertere Methoden, um ahnungslosen Internetnutzern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Einfache Grundregeln können vor Onlinediebstahl schützen.

Gelegenheit macht Diebe. Im Zeitalter von Onlineshopping bieten sich Dieben zahlreiche Gelegenheiten, durch betrügerische Aktivitäten Kasse zu machen. Vor allem Verkäufe von privat zu privat auf Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen und Ähnlichen sind oftmals Zielscheibe der Gauner.

Das beste Gegenmittel besteht darin, genau zu verstehen, wie die Betrüger vorgehen. Wenn Sie die Fallen kennen, tappen Sie auch nicht hinein. Wenn Sie darüber hinaus noch ein paar Grundregeln beherzigen, dann kann Ihnen eigentlich nicht mehr viel passieren und Sie können beruhigt weiter einkaufen.

1. Dreiecksbetrug auf Ebay 

Raffiniert und schwer zu erkennen: Beim Dreiecksbetrug erhält der Gauner einen Artikel, den Sie etwa bei Ebay- Kleinanzeigen anbieten, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.
Vergrößern Raffiniert und schwer zu erkennen: Beim Dreiecksbetrug erhält der Gauner einen Artikel, den Sie etwa bei Ebay- Kleinanzeigen anbieten, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Ebay-Kleinanzeigen hat sich zur größten Plattform für private Verkäufe gemausert. Es gibt fast nichts, was sich dort nicht erwerben lässt. Das haben natürlich auch die Betrüger mitbekommen. Sie versuchen mit immer neuen Tricks, illegal an Geld oder Waren zu gelangen. Die neueste Masche ist der Dreiecksbetrug. Er ist ziemlich raffiniert und nicht leicht zu durchschauen.

So funktioniert der Betrug: Sie schalten eine Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen, zum Beispiel für einen hochpreisigen Elektronikartikel. Dann meldet sich der Betrüger als Interessent. Er will den Artikel aber nicht bar bezahlen, sondern über Paypal. Wenn Sie sich damit einverstanden erklären und die Paypal-Adresse angeben, dann folgt der eigentliche Dreh dieses Betrugs: Der Kriminelle schaltet selbst eine Anzeige mit einem identischen Verkaufswert. Sobald sich ein Käufer auf diese Fake-Anzeige meldet, gibt der Betrüger Ihre Paypal-Adresse an. Sie erhalten also Geld von einer unbekannten Person, der Sie gar nichts verkauft haben. Sie erkennen nichts Ungewöhnliches: Die mit dem Betrüger vereinbarte Summe ist schließlich auf Ihrem Konto gelandet, und Sie versenden den Artikel. Was Sie stutzig machen könnte: Die Versandadresse weicht von der Adresse ab, die Sie mit der Zahlungsbestätigung von Paypal erhalten haben. Vermutlich hat der Dieb Sie in der Zwischenzeit gebeten, die Ware an eine andere, abweichende Adresse oder an eine Packstation zu verschicken.

Auf der anderen Seite wartet die dritte Person, die das Geld für den Artikel, den der Betrüger eingestellt hat, auf Ihr Paypal-Konto überweisen hat, vergeblich auf die gekaufte Ware. Oft dauert es Tage, bis Opfer merken, dass sie auf einen Betrug hereingefallen sind und nicht etwa die Post die Ware verschludert hat. Die Person beschwert sich daraufhin bei Paypal. Die Folge: Der Bezahldienst zieht Ihr Geld ein und sperrt das Konto. Der Betrüger hat somit Ihren Artikel zum Nulltarif bekommen. Die dritte Person hat einigen Ärger am Hals und erhält den gekauften Artikel nicht, hat aber immerhin keinen finanziellen Schaden, da sie den Kaufbetrag über den Paypal-Käuferschutz wiedererhält.

So schützen Sie sich: Der Dreiecksbetrug ist schwer zu erkennen, da scheinbar ja alles mit rechten Dingen zugeht. Mit ein paar Verhaltensregeln bleiben Sie stets auf der sicheren Seite: Achten Sie unbedingt auf die korrekte Adresse in der Zahlungsbestätigung! Nur wenn die Versandadresse und die Adresse in der Paypal-Zahlung übereinstimmen, greift der Verkäuferschutz. Versenden Sie Ihre Ware möglichst per Einschreiben und niemals an Packstationen. Auf diese Weise erhalten Sie einen rechtsgültigen Nachweis. Am sichersten ist natürlich der Austausch Geld gegen Ware direkt an Ihrer Haustür.

Online-Shopping: Was tun im Schadensfall?

2. Der Gutschein-Trick 

Beliebte Handelsplattform: Auf Ebay-Kleinanzeigen tummeln sich auch Kriminelle, die Ihnen beispielsweise Gutscheine für Amazon abluchsen wollen, ohne jemals Ware zu liefern.
Vergrößern Beliebte Handelsplattform: Auf Ebay-Kleinanzeigen tummeln sich auch Kriminelle, die Ihnen beispielsweise Gutscheine für Amazon abluchsen wollen, ohne jemals Ware zu liefern.

Diese neue Betrugsmasche konzentriert sich ebenfalls weitgehend auf Ebay-Kleinanzeigen. Der Betrüger bietet dabei möglichst teure Güter wie Spielekonsolen oder Smartphones zum Verkauf an oder beantwortet entsprechende Suchanfragen. Wenn es dann zu einem Kontakt kommt mit einem potenziellen Käufer, dann drängt der Betrüger darauf, die weitere Kommunikation auf außerhalb von Ebay zu verlagern. Das geschieht aus dem einfachen Grund, dass die Sicherheitsmechanismen der Handelsplattform den Betrug sofort erkennen und Alarm schlagen würden.

Wenn der Kontakt dann extern weiterläuft, erhält der Käufer die Nachricht, doch bitte mit Gutscheinen zu bezahlen, etwa von Amazon oder der Spieleplattform Steam. Wenn der Käufer darauf eingeht und die Gutscheincodes verschickt, sieht er weder die gekaufte Ware noch den vermeintlichen Verkäufer jemals wieder. Der vergnügt sich mit den Gutscheinen und geht nach Herzenslust auf Einkaufstour.

Als Schutz genügt eine einfache Grundregel: Bezahlen Sie niemals mit Gutscheinen. Auch bei Bezahlung mit Paypal lauert noch ein weiterer Fallstrick. Wenn ein Verkäufer Sie drängt, doch bitte mit der Bezahlmöglichkeit „Freunde und Familie“ zu bezahlen, um die Gebühren zu sparen, dann sollten Sie dies ablehnen. Denn andernfalls erlischt Ihr Käuferschutz.

3. Paypal-Betrug

Der populäre Bezahldienst Paypal steht im Zentrum vieler Betrugsversuche. Der eigentlich gute Käufer- und Verkäuferschutz ist an Bedingungen gekoppelt, die man unbedingt beachten sollte.
Vergrößern Der populäre Bezahldienst Paypal steht im Zentrum vieler Betrugsversuche. Der eigentlich gute Käufer- und Verkäuferschutz ist an Bedingungen gekoppelt, die man unbedingt beachten sollte.

Diese Betrugsmasche betrifft wieder in erster Linie Ebay-Kleinanzeigen, aber auch andere Onlineshops. Sie ist nicht brandneu, aber erfolgreich. Das bestätigen immer wieder entsprechende Meldungen in den Medien und Klagen in Foren.

So funktioniert es: Sie bieten einen Artikel zum Verkauf an, und ein Interessent meldet sich. Dieser gibt an, per Paypal bezahlen zu wollen. Der Betrüger behauptet dann, dass Sie einen Code an ihn weiterleiten müssen, den Sie per SMS erhalten haben. Dadurch solle der Kauf durch den Paypal-Käuferschutz abgesichert sein. Das ist natürlich Humbug, klappt aber manchmal. Mit diesem Code ist es dem Betrüger dann möglich, virtuell zu bezahlen. Der dazugehörige Dienst nennt sich „PayPal Buy with Mobile“. Er ermöglicht es, etwa in sozialen Netzwerken oder Onlinespielen für virtuelle Güter per Smartphone zu bezahlen. Dafür muss man eine Telefonnummer angeben und die Bezahlung dann mit einem Sicherheitscode autorisieren, welcher an die entsprechende Nummer versendet wird. Der Betrüger behauptet also, dieser Code würde per SMS dem Verkäufer mitgeteilt und daraufhin müsse der Verkäufer dem Käufer den Code nennen. Zusammen mit Ihrer mobilen Telefonnummer, die normalerweise auf der Handelsplattform ersichtlich ist, kann der Betrüger dann munter auf Einkaufstour gehen.

4. Anruf von Microsoft

Alte Betrugsmasche neu aufgelegt: Microsoft berichtet von 11.000 Fällen pro Monat, bei denen über eine angebliche Support-Hotline versucht wurde, den Rechner zu kompromittieren.
Vergrößern Alte Betrugsmasche neu aufgelegt: Microsoft berichtet von 11.000 Fällen pro Monat, bei denen über eine angebliche Support-Hotline versucht wurde, den Rechner zu kompromittieren.

Diese Betrugsmasche startet in der Regel telefonisch und verlagert sich später ins Internet. Hier geht es nicht direkt um Geld, sondern um einen Zugang zu Ihrem Rechner. Dort können dann zum Beispiel Passwörter und Zugangsdaten für Onlinebanking ausgespäht werden.

So geht der Betrüger vor: Sie erhalten einen Anruf von einer Person, die vorgibt, Mitarbeiter im Support von Microsoft oder einem anderen großen Software-Konzern zu sein. Er erzählt Ihnen, interne Messungen hätten ergeben, dass mit der Netzwerkverbindung etwas nicht stimme oder man habe einen kritischen Fehler entdeckt und wolle nun helfen, das Problem zu beseitigen. Das klingt hilfreich, ist es aber nicht. Es folgt eine Anleitung, wie Sie ein Remote- Desktop-Programm herunterladen und installieren, damit der Mitarbeiter aus der Ferne Ihren PC reparieren kann. Damit geben Sie dem Betrüger aber die volle Kontrolle über den Rechner in die Hand. Er hat fortan Zugriff auf alle Dateien und persönliche Informationen, inklusive Passwörter und Zugangsdaten. Hier hilft die strikte Grundregel: Gewähren Sie niemandem einen Remote-Zugriff auf Ihren Rechner.

5. Lukratives Stellenangebot 

Diese Anzeige, die nach Produkttestern sucht, ist keineswegs von der Drogeriekette dm, sondern eine gemeine Fälschung, die Malware verbreitet.
Vergrößern Diese Anzeige, die nach Produkttestern sucht, ist keineswegs von der Drogeriekette dm, sondern eine gemeine Fälschung, die Malware verbreitet.

Der Onlinetrick mit lukrativen „Stellenangeboten“ ist insbesondere auf Social-Networking-Plattformen wie Xing und Linkedin sowie Jobbörsen wie Stepstone verbreitet. 

Eine recht neue Betrugsvariante geht so: Sie erhalten über eines der genannten Portale eine Mail mit einem Stellenangebot für eine Nebentätigkeit mit einem netten Zuverdienst. Die angebotene Stelle hat in der Regel nichts mit Ihrem tatsächlichen Beruf zu tun. Stattdessen handelt es sich um unspezifische Angebote wie Produkt- oder Apptester. Wenn Sie zusagen, die Stelle antreten und einen Lohn vereinbaren, dann erhalten Sie nach einiger Zeit einen Scheck mit einem Betrag, der höher ist als der vereinbarte. Der vermeintliche Auftraggeber verweist auf einen Fehler in der Buchhaltung und fordert die Rückzahlung des zu viel bezahlten Betrags. Wenn Sie die Differenz begleichen, dann stellen Sie später fest, dass der ursprüngliche Scheck gefälscht oder ungültig war, und Ihr Geld ist futsch. Um sicher zu gehen, warten Sie immer ab, bis das Geld tatsächlich auf Ihrem Konto gelandet ist. Eine alternative Variante lotst Sie zu manipulierten Webseiten, die mit Schadsoftware verseucht sind.

Vorsicht Paypal-Betrug: Polizei warnt vor dieser Masche

6. Vermeintlicher Lottogewinn

Nicht wirklich neu, aber immer wieder in Wellen auftretend und überraschend erfolgreich ist der Betrug mit einem vorgegaukelten Gewinn in einer Lotterie. Denn wer träumt nicht von einem solchen Gewinn? Wenn dann eine Mail eintrudelt, der zufolge der Glücksfall tatsächlich eingetreten ist, dann setzt der gesunde Menschenverstand mitunter aus. Meistens handelt es sich dabei um eine unbekannte Lotterie im Ausland. Um den Gewinn einzulösen, sollen Sie einen kleinen Geldbetrag überweisen.

Diese Betrugsmasche ist eigentlich leicht zu erkennen. Suchen Sie im Internet nach der vermeintlichen Lotteriegesellschaft und nehmen Sie direkt Kontakt auf.

7. Vorschuss-Betrug

Bestimmt haben Sie auch schon Mails bekommen von einem nigerianischen Geschäftsmann, der sein enormes Vermögen oder ein ausstehendes Erbe ins Ausland schaffen will. Wenn Sie ihm dabei helfen, erhalten Sie einen Prozentsatz des Vermögens. Die Hilfe besteht aus lauter kleinen Zahlungen etwa für die Bestechung der Zollbeamten, Transaktionsgebühren oder die Gebühren für die Auflösung eines Fonds, um die Überweisung der Gelder zu ermöglichen. Das Ganze nennt sich dann üblicherweise Vorschuss-Betrug. 

Auch im Internet gilt die Weisheit, was zu schön ist, um wahr zu sein, ist es nicht. 

Geld zurück: So geht’s 

Die Betrüger sind raffiniert, sodass jeder mal in die Falle tappen kann. Zum Glück gibt es Wege, das Geld zurückzuholen.

Das gilt für Überweisungen, Lastschriften und Zahlvorgängen mit Kreditkarte oder Bezahldiensten. Am einfachsten lässt sich eine Sepa-Lastschrift widerrufen. Sie können den entsprechenden Betrag innerhalb von acht Wochen ab dem Zeitpunkt der Abbuchung von der Bank zurückbuchen lassen. Eine Überweisung können Sie nicht mehr rückgängig gemacht machen, sobald Ihre Bank den Auftrag durchgeführt hat. Hier kommt es also darauf an, schnell zu reagieren. Manche Banken bieten im Onlinebanking eine Stornierungsfunktion, die für ein paar Minuten nach dem Abschicken aktiv ist. Andernfalls hilft ein schneller Anruf bei der Bank. Auch Kreditkartenzahlungen können Sie im sogenannten Charge- Back-Verfahren rückgängig machen. Normalerweise ist dafür aber eine Bearbeitungsgebühr fällig. Bei Internet-Bezahldiensten wie Paypal springt der Käuferschutz ein. Der ist aber an bestimmte Nutzungsbedingungen geknüpft. Bei Bargeldtransferdiensten wie Western Union ist ein Rückruf möglich, bis das Geld vom Empfänger abgeholt worden ist.

Hilfe von den Verbraucherzentralen

Bei Onlinebetrug stehen Ihnen die Verbraucherzentralen mit Rat und Tat zur Seite. In Deutschland sind die Verbraucherzentralen auf Landesebene organisierte gemeinnützige Vereine. Sie kümmern sich um den Verbraucherschutz und stehen in rund 200 Beratungsstellen zum persönlichen Gespräch bereit. Eine Karte mit den Beratungsstellen finden Sie auf der Webseite www.verbraucherzentrale.de/beratung .

Die Verbraucherzentralen haben bundesweit ein dichtes Netz von Beratungsstellen, sodass im Fall der Fälle auch in Ihrer Nähe eine zur Verfügung stehen sollte. Hinzu kommen die informativen Webseiten.
Vergrößern Die Verbraucherzentralen haben bundesweit ein dichtes Netz von Beratungsstellen, sodass im Fall der Fälle auch in Ihrer Nähe eine zur Verfügung stehen sollte. Hinzu kommen die informativen Webseiten.

Die größte Einzelorganisation ist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf. Sie finden sie auf der Webseite www.vz-nrw.de . Weitere große Landeszentralen sind Bayern  und Baden-Württemberg . Die Verbraucherzentralen stellen auch Musterbriefe zur Verfügung, um sich gegen Abzocker und Betrüger im Internet zur Wehr setzen.

Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, dann helfen Ihnen die Verbraucherzentralen, das verlorene Geld zurückzuholen. Grundsätzlich ist die Verbraucherzentrale in Ihrem Bundesland oder die nächstgelegene Beratungsstelle der erste Ansprechpartner, da alle ähnliche Leistungen anbieten. Zwischen den einzelnen Verbraucherzentralen gibt es einen regen Austausch, so dass es einheitliche Beratungsstandpunkte gibt.

Zu den Aufgaben der Verbraucherzentralen gehört es, außergerichtlich wie auch gerichtlich gegen unzulässige Allgemeine Geschäftsbedingungen, verbraucherschutzwidrige Geschäftspraktiken und unlautere Werbemaßnahmen eines Anbieters vorzugehen. Die Verbraucherzentralen helfen gegen Entgelt bei individuellen Rechtsproblemen und vertreten Interessen der Verbraucher auch in Verbands- oder Sammelklagen. Auf der Webseite www.verbraucherschutz.com , die nichts mit den Verbraucherzentralen zu tun hat, erhalten Sie einen Ticker mit aktuellen Warnhinweisen.

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