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Assassin’s Creed Valhalla: Mehr Stealth, weniger RPG

29.05.2020 | 09:35 Uhr |

Mehr Stealth im Gameplay, Social-Stealth zum Verstecken vor den Soldaten des Königs. Neues Parcours-System, Siedlung mit spielerischem Wert und die Evolution des Schiffskampfes von Raids mit der eigenen Familie. Wie Assassin’s Creed Valhalla auf Xbox Series X, PS5 und PC die Serie in die Zukunft führt.

Trommeln spielen auf, Blitze zucken, die versteckte Klinge des neuen Assassinen zeigt sich zum ersten Mal in Assassin’s Creed Valhalla . Die Wikinger stechen in See, ihr schnelles Langboot wird getragen vom Wind, Odins Adler folgt ihnen auf ihrem Weg zu den Königreichern Englands. Noch am Tag landen sie an am Strand, Eivor bläst in sein Horn – seine Truppen stürmen die Brandung. Die ersten englischen Soldaten werden überrascht, mit Geschick und Schnelligkeit erledigen die Wikinger die Patrouillen, wie es einst Assassinen in den früheren Teilen machten. Denn Assassin’s Creed Valhalla will zu den Wurzeln der Reihe zurückkehren: Akrobatik, Parcoursprünge, Stealth und keine bunt aufpoppenden Zahlen über den Köpfen unserer Feinde mehr, die in Origins und Odyssey die so dichte Atmosphäre störten.

Keine Level mehr, die in den letzten beiden Serienablegern häufig zum Grinden zwangen, sondern auf Skill basierende Action - im Gameplay sehen wir, wie Eivor mit einem Sprung-Kick inklusive Knie-Tritt einen Soldaten nach hinten katapultiert, so den Stand raubt, mit Leichtigkeit erledigt und seine Truppen in die Flucht schlägt. Es ist eine willkommene Rückkehr zu alten Werten, denn Odyssey war ein gutes, stellenweise brillantes Werk, welches sich aber brutal in die Länge zog und uns mitunter zwang viel Zeit mit repetitiven Quests zu vergeuden. Nur um endlich das nötige Level zu erreichen, welches die nächste Mission freischaltete.

Ubisoft Montreal hat dieses Problem erkannt und will die Serie wieder stärker in Stealth-Territorium zurückführen: "Eivor erhält die versteckte Klinge ziemlich früh im Spiel", verrät Creative Director Ashraf Ismail auf Twitter. „Wir nutzen dabei die Kernidee von Assassin’s Creed – auch Eivor ist kein ausgebildeter Assassine, sondern muss erst in diese Rolle reinwachsen, lernen, seine Fähigkeiten zu meistern. Aber ja, Eivor wird eine Technik erlernen, die mit dem richtigen Timing praktisch jeden Gegner mit einem Stich ausschaltet.“ Musik in den Ohren der Veteranen dieser Serie, denn Stealth funktionierte nur bedingt in Assassin’s Creed: Odyssey. Häufig scheiterte man am hohen Level eines Offiziers, der dann Alarm schlug und plötzlich hatte man die ganze Basis im Nacken. Generell soll Schleichen, Verstecken, das smarte Taktieren wieder eine größere Rolle in Assassin’s Creed Valhalla spielen. 

Siehe auch: Assassin’s Creed Valhalla im Preview - Siedlungen bauen mit den Wikingern

Das 2020er Assassin’s Creed will Stealth wieder groß machen

Eivor soll Assassin’s Creed zu alten Stärken zurückführen und mehr Schleichen sowie hinterlistige Attentate ermöglichen.
Vergrößern Eivor soll Assassin’s Creed zu alten Stärken zurückführen und mehr Schleichen sowie hinterlistige Attentate ermöglichen.
© Ubisoft

Die versteckte Klinge war einst die legendäre Waffe der Assassinen: Ein subtiles Instrument, ein Dolch mit Handgelenkholster, der sich versteckt einsetzen ließ. Wir gingen mit der Menge mit, heuerten mitunter sogar leichte Damen zur Tarnung an. Waren wir nah genug dran an einem Hauptmann, Bischof oder anderem VIP, stachen wir zu und verschwanden wieder in der Menge. Es war ein Präzisionswerkzeug wie die schall-gedämpfte MK23-Pistole von Sam Fisher in der Splinter-Cell-Reihe, die hoffentlich auf Playstation 5 und Xbox Series X in den nächsten Jahren nochmal ein Comeback feiern darf. Ubisoft entwickelte daraus eine ganze Reihe an Gameplay-Möglichkeiten, die uns viele spielerische Freiheiten eröffneten: Offensiv etwa, konnten wir uns aus großer Höhe auf ein Ziel stürzen – töteten es dabei mit Bestimmtheit, alarmierten jedoch seine Leibwache. Oder subtil – im Heu verstecken, kurz zustechen, Wachmann ins Heu zerren und weiter geht’s. Heuballen können wir bereits im ersten Gameplay-Material von Assassin’s Creed Valhalla erspähen, die Chancen für die Rückkehr der Heu-Masche stehen gut.

Wurde Zeit für ein Comeback: Laut Creative Director ist ein Stich mit der versteckten Klinge jetzt immer tödlich, Sie können also komplette Missionen schleichend abschließen.
Vergrößern Wurde Zeit für ein Comeback: Laut Creative Director ist ein Stich mit der versteckten Klinge jetzt immer tödlich, Sie können also komplette Missionen schleichend abschließen.
© Ubisoft

Eivor ist jedoch auch ein Meister des Messer- und Axtwurfs, auch hier könnten sich durchaus Stealth-Optionen ergeben. Der Creative Director zeigt Szenen, in denen die Nordmänner mit einem Rammbock versuchen, das Tor einer Festung zu zermartern, während Eivor bei schwerem Regen und Gewitter die Mauer erklimmt, wohl, um die Tore von innen zu öffnen. Wie Ubisoft Montreal verspricht, wird auch Social Stealth seine Rückkehr feiern: „Darauf freuen wir uns besonders, weil es ein ikonisches Element der Assassin’s-Creed-Saga ist. Eivors Mantel und die Kapuze, die Sie manuell ins Gesicht ziehen können, werden dafür eine große Rolle spielen, damit Sie unerkannt in der Menge verschwinden respektive mit ihr verschmelzen können, um Ziele auszukundschaften.“ Die Verkleidung soll dabei einen großen Einfluss darauf haben, wie sichtbar Eivor ist – mit einer einfachen Kutte fällt er sehr viel weniger auf, als mit einer strahlenden Rüstung, die aber wiederum andere Verteidigungswerte liefert. Das Verstecken und die Flucht via Parcours sollen wieder stärker im Vordergrund stehen, „dafür bauen wir spezielle Städte und nutzen bestimmte Areale, die genau diese Fähigkeiten in den Vordergrund stellen“, so der Creative Director. Wir werden etwa auf die Festung York treffen oder nach London reisen, eine der prächtigsten Metropolen des 9. Jahrhunderts.

Keine aufploppenden Zahlen mehr: Die nervigen RPG-Systeme verschwinden

Valhalla interpretiert das Rollenspiel wieder auf die klassische Assassin’s-Creed-Art.
Vergrößern Valhalla interpretiert das Rollenspiel wieder auf die klassische Assassin’s-Creed-Art.
© Ubisoft

Die RPG-Systeme sind die größten Schwächen von Assassin’s Creed Origins und Odyseey. Die grell aufloppenden Zahlen störten die exzellente Atmosphäre und zerstörten viel von der Magie dieser perfekt eingefangenen Welt. „Wir haben uns die letzten 10 Jahre Assassin’s Creed angeschaut und wollen die besten Elemente aus allen Welten verbinden – aus den älteren und den neuen Teilen. Dafür wollen wir RPG etwas anders anfassen. Ich denke, in Assassin’s Creed Valhalla geht es weniger um Levels, mehr um das Gefühl von Macht. Basierend auf Ihren Fähigkeiten gewinnen Sie an Kraft.“ 

Eivor kann mit ins Gesicht gezogener Kutte unauffällig in der Menge verschwinden oder sich in der glanzvollen, gepanzerten Rüstung präsentieren, die stärker schützt, aber auch deutlicher auffällt.
Vergrößern Eivor kann mit ins Gesicht gezogener Kutte unauffällig in der Menge verschwinden oder sich in der glanzvollen, gepanzerten Rüstung präsentieren, die stärker schützt, aber auch deutlicher auffällt.
© Ubisoft

„So sehen wir diesen Mechanismus in der Welt. Ja, es wird eine Bewertung geben, die einzelne Ausrüstungsteile umfasst. Aber es geht wirklich um die Fähigkeiten, die Sie gelernt haben und diese zu meistern – dafür steht der Wert. Es ist also eher ein Gefühl von Macht als von Leveln.“ Zentral dafür sei auch das Gegner-Design: „Wir haben sehr viel mehr unterschiedliche Klassen, die einzigartige Fähigkeiten mitbringen, die den Spieler überraschen sollen.“ Bereits gesehen haben wir eine sehr muskulöse, extrem stark gepanzerte Einheit, der nicht mal der Schlag mit einer Axt etwas ausmachte. „Wir wollten sicherstellen, dass Sie auch nach 10, 15, 20 Stunden Spielzeit, immer noch überrascht werden, zu was die KI in der Lage ist und wie smart sie miteinander harmonieren.“ Das dürfte auch historisch begründet sein: König Alfred war in der Lage, die Wikinger entscheidend zu schwächen, weil er seine Strategie von großen Heeren änderte, auf Guerrilla-Strategien zurückfiel und die Engländer Breitschwerter einsetzten, die den Äxten der Nordmänner überlegen waren. Auch bildeten die Engländer die besten Langbogen-schützen der Welt aus.

Der Chefautor erklärt die Story: „Wikinger waren sehr viel smarter und diplomatischer als viele denken“

Im Rahmen der Geschichte sollen wir viele Möglichkeiten haben, diplomatische Lösungen zu finden und Blutvergießen zu vermeiden.
Vergrößern Im Rahmen der Geschichte sollen wir viele Möglichkeiten haben, diplomatische Lösungen zu finden und Blutvergießen zu vermeiden.
© Ubisoft

„Assassin’s Creed Valhalla ist ein Spiel aus dem 9. Jahrhundert auf dem Höhepunkt der Wikingerzeit. In der Epoche, in der wir beginnen, den 870er Jahren n. Chr., gab es in Norwegen viele Feindlichkeiten zwischen den Clans. Man führte Kriege gegeneinander, es war extrem kalt, unwirtlich, es gab nur wenig Nahrung und man kämpfte erbittert um Territorium. Nach einer kurzen Zeit in Norwegen werden dieser Clan, angeführt von Eivor, und andere Charaktere, schließlich aus Norwegen vertrieben, um ein anderes Leben suchen. Dann transportiert Sie der Großteil des Spiels nach England. Als Eivor müssen Sie für ihr Volk einen Platz finden, häufig erkämpfen, aber auch viel verhandeln – Wikinger waren smart, wenn sie nicht kämpfen mussten, schlossen sie lieber Bündnisse als Blut zu vergießen.“ Wir werden jedoch auch erleben, wie sich immer mehr Nordmänner zusammenschließen, um eine 3000 Mann starke Armee zu bilden, die England förmlich überrollte. „Sie müssen eine blühende Siedlung errichten, die ein großer Teil, der Schlüssel würde ich sogar sagen, der Spielerfahrung ist. Es ist das Herzstück der Motivation und ein sehr wichtiger Teil der Story. Jedes Gebäude, das Sie platzieren, hat einen spielerischen, aber auch narrativen Wert. Jeder Charakter, der in Ihre Siedlung einzieht, ist für Eivor und die Siedlung wichtig.“

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Die Langboote: Weniger Schiffskampf, mehr taktische Vorstöße 

Die Langboote dienen eher der Invasion und dem Angriff, der Schiffskampf aus Odyssey wird zurückgeschraubt.
Vergrößern Die Langboote dienen eher der Invasion und dem Angriff, der Schiffskampf aus Odyssey wird zurückgeschraubt.
© Ubisoft

Wie das System im Detail funktioniert, verrät Ubisoft Montreal noch nicht. Teasert aber bereits an, dass etwa die Schmiede wichtig ist, um Kettenhemden herzustellen, Rüstungen, Schwerter und Äxte. Spannend zudem: Laut Creative Director wird es darum gehen, sein Volk zu führen und seine Siedlung zu managen – sprich mit den Herausforderungen umzugehen, die mehr und mehr Menschen, die sich ansiedeln, mit sich bringen. Ressourcen dafür bauen wir nicht nur an, sondern klauen wir in Raids. Ubisoft wird insgesamt den Schiffskampf deutlich zurückfahren, es wird also weniger der Fokus auf das Duell auf offener See hinauslaufen, sondern die Langboote dienen eher der schnellen Fortbewegung, um Städte, Dörfer und Festungen zu überfallen. 

Reisen wir etwa auch nach Frankreich? Die Wikinger eroberten einst auch Paris und gaben es nach Zahlung einer hohen Geldsumme wieder frei.
Vergrößern Reisen wir etwa auch nach Frankreich? Die Wikinger eroberten einst auch Paris und gaben es nach Zahlung einer hohen Geldsumme wieder frei.
© Ubisoft

Besonders spannend: Die Wikinger zogen mit ihren Ehefrauen in den Krieg, die Crews dieser Langboote bestehen also nicht nur aus aus Männern. In der Gesellschaft der Wikinger waren Kriegerinnen genauso hoch angesehen, womit die gerne als wilde Nordmänner verschrienen Völker den edlen Engländern ein paar Jahrhunderte voraus hatten. Das ist deshalb wichtig, weil wir so eine emotionale Beziehung zu unserer Crew aufbauen, sie ausrüsten, unser Schiff individuell designen, etwa mit dem Wappen unseres Volkes auf dem Segel und zahlreichen Verzierungen am Bug. Neben diesen Raids, bei denen es darum geht, die richtige Zeit abzupassen, schnell zuzuschlagen und im Optimalfall wieder bei den Booten zu sein, wenn die feindliche Armee anrückt, gibt es große Schlachten und Belagerungen majestätischer Festungen. Bereits gesehen haben wir Rammböcke, die Wikinger nutzten auch stabile Leitern, die sie aus gefällten Bäumen bauten. Und auch wenn Ubisoft das noch nicht verraten hat, lohnt sich ein Blick in die Geschichtsbücher: Die Wikinger formten große Flotten, mit denen sie in den Häfen der Großstädte einfielen – Hamburg und sogar Paris einnahmen. Möglicherweise wird ja die Geschichte von Eivor in weiteren Spielen fortgesetzt, statt für jeden Titel ein komplett neues Universum zu kreieren…

Die Themen in Tech-up Weekly #190:

► Nvidia Ampere A100: Schnellste, größte und schwerste Grafikkarte vorgestellt: www.pcwelt.de/news/25-Kilo-Nvidia-stellt-groesste-Grafikkarte-der-Welt-mit-acht-Ampere-A100-GPUs-vor-10811308.html

► PS5: Epic Games zeigt Szenen aus PS5-Spiel: www.pcwelt.de/news/Epic-Games-zeigt-Moeglichkeiten-der-PS5-10811209.html
► PS5 schon im Oktober 2020?: www.pcwelt.de/news/Playstation-5-schon-im-Oktober-Sony-dementiert-10809481.html

Quick-News:

► iPhone 12: Specs, Preise und Modelle geleakt: www.pcwelt.de/news/iPhone-12-Specs-Preise-und-Modelle-geleakt-10809997.html

► BSI warnt Nutzer vor Samsung-Handys wegen ernster Sicherheitslücke: www.pcwelt.de/news/BSI-warnt-Nutzer-vor-Samsung-Handys-wegen-ernster-Sicherheitsluecke-10808088.html

► Trump verlängert Bann gegen Huawei & Co.: www.pcwelt.de/news/Trump-verlaengert-Bann-gegen-Huawei-Co.-10810645.html

► GTA 5 gratis im Epic Games Store: www.pcwelt.de/news/GTA-5-PC-jetzt-gratis-Epic-Games-Store-bricht-zusammen-10810849.html

Kommentar der Woche

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Fail der Woche:

► Wegen Corona: Elon Musk ist bereit für Gefängnis - und verkauft alle Häuser: www.pcwelt.de/news/Wegen-Corona-Elon-Musk-ist-bereit-fuer-Gefaengnis-und-verkauft-alle-Haeuser-10809163.html

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