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Anonym surfen im Zeitalter von Facebook, Amazon und Co.

12.12.2019 | 09:14 Uhr | Oliver Kunzmann

Ungeschützte Patientendaten im Netz, Amazon-Mitarbeiter, die Aufzeichnungen der Sprachassistentin Alexa abhören – der Online-Datenschutz steht seit Jahren aus gutem Grund stark im Fokus und Verstöße werden in der Öffentlichkeit heftig kritisiert. Doch wie groß ist der Schaden bei Datenpannen tatsächlich? Wie besorgt sind Sie über Ihren Online-Datenschutz?

Wenn Sie sich keine großen Sorgen machen, gehören Sie anscheinend zur Mehrheit. Trotz des Datenskandals um Cambridge Analytica 2017, bei dem sogar Facebook-CEO Mark Zuckerberg für eine Anhörung ins Kapitol bestellt wurde, verfügt der Social Media-Riese über eine ständig wachsende Nutzerbasis, die derzeit bei 2,7 Milliarden aktiven Nutzern (Stand Juli 2019) liegt. Der Skandal schreckte auch Facebook-Werbeträger nicht ab, denn sie bezahlen weiterhin bereitwillig Milliarden Dollar für Werbeflächen in diesem Netzwerk.

Big Brother is watching you

Wir teilen unsere Erlebnisse miteinander auf sozialen Plattformen, so dass einfallsreiche Werbetreibende eine Fülle nützlicher Daten über jeden einzelnen von uns sammeln können. Es gibt sogar Datenmakler, die mit sensiblen Gesundheitsdaten das große Geschäft machen.

Jedes einzelne Datenstück über Ihre Person fügt sich zu einem Gesamtbild zusammen, das verrät, was Sie mögen, was Sie brauchen und wer Sie sind. Wenn Werbetreibende erfahren, dass Sie einen Campingurlaub planen, werden Sie bald Anzeigen mit der neuesten Ausrüstung zu sehen bekommen. Sie haben gepostet, dass ab jetzt ein Hund zu Ihrem Haushalt gehört? Dann dürfen Sie nicht überrascht sein, wenn Sie viel Werbung für Hundefutter erhalten.

Gleichgültigkeit vs. Angst vor einem Überwachungsstaat

Einige Nutzer stört es nicht, wenn sie Werbung sehen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Sie freuen sich sogar, wenn sie Produkte entdecken, die zu ihnen passen. Andere hingegen ärgern sich darüber und vergleichen es mit dem Großen Bruder aus dem Roman „1984“ von George Orwell, der jeden Bürger auf Schritt und Tritt verfolgt.

Analysten berichten, dass die Gleichgültigkeit gegenüber dem Datenschutz besonders bei der jüngeren Generation auftritt, während die Generation X sehr besorgt über Identitätsbetrug und Datenschutz im Internet ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Jüngeren im Zeitalter der sozialen Medien aufgewachsen sind. Sie haben möglicherweise weniger Probleme damit, ihr Leben mit Unternehmen zu teilen, weil es für sie seit ihrem ersten „Like“ gängige Praxis ist.

Datenschutz dank DSGVO

Wie auch immer Ihre Meinung dazu ist, Verbraucher haben im letzten Jahr einen stärkeren Schutz erhalten, als die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU am 25. Mai 2018 in Kraft trat. Die DSGVO verlangt von Unternehmen mehr Transparenz in Bezug auf die Datennutzung und die Werbeverkaufspraktiken, so dass sie rechenschaftspflichtiger hinsichtlich der Nutzung individueller Verbraucherdaten sind.

Seitdem haben Pop-up-Fenster mit Überschriften wie „Nutzungsbedingungen“ und „Datenschutzrichtlinie“ zugenommen: Sie tauchen in den von Ihnen verwendeten Apps und Websites auf und fordern Sie auf, die überarbeiteten Richtlinien zu lesen und zu akzeptieren. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um die Richtlinien zu überprüfen und zu erfahren, auf welche Weise Ihre Daten verfolgt werden können, und treffen Sie dann eine fundierte Entscheidung über Ihre Einwilligung. Sie können diese sogar verweigern.

Weitere Hilfe: Anti-Tracking-Software

Werbetreibende verfolgen Sie über Ihren digitalen Fingerabdruck. Dieser ist eine neue, ausgefeilte Methode für Content-Eigentümer und Werbeträger, Sie zu überwachen und zu verfolgen. Sie brauchen nur einmal eine Webseite zu besuchen und schon werden Sie von den Betreibern auf eine Weise gekennzeichnet, die es ihnen ermöglicht, Ihr Surfverhalten zu verfolgen. Sie können damit ein Profil erstellen, das ihnen viel verrät über Ihre Person und die Artikel, an denen Sie vermutlich interessiert sind.

Mit Anti-Tracking-Software können Sie Ihre Identität schützen, zielgerichtete Werbung verhindern und automatisch alle Spuren beseitigen, wenn Sie Ihren Browser schließen. Wenn Ihnen Ihre Online-Privatsphäre am Herzen liegt und Sie verhindern wollen, dass Ihre Daten höchstbietend versteigert werden – dann sollten Sie in Erwägung ziehen, eine Anti-Tracking-Software zu nutzen, die Ihre Identität schützt.

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