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Amazon Fire TV Stick 4K: So nutzen Sie das Gerät

02.05.2019 | 14:10 Uhr | Thorsten Eggeling

Der Amazon Fire TV Stick 4K bringt UHD-Videos auf den TV-Bildschirm. Das leistungsfähige Gerät eignet sich auch gut als Ersatz für die veraltete Software von nicht mehr ganz aktuellen Smart-TVs.

HDMI-Streamingsticks sind eine optimale Ergänzung für TV-Geräte, die keine oder ungenügende „Smart“-Funktionen besitzen. Netflix, Amazon Prime Video, Mediatheken sowie viele weitere Apps lassen sich damit komfortabel auf dem Fernseher, PC-Monitor oder Beamer nutzen. Die neueste Generation der Streamingsticks bietet eine verbesserte Bildauflösung von bis zu 2160 p (3840 × 2160 Pixel, 60 Hz, 4K Ultra High Definition). Ältere TV-Geräte werden auch unterstützt, zeigen Videos dann aber nur mit der jeweils maximal verfügbaren Auflösung.

Der Amazon Fire TV Stick 4K ist besonders interessant, weil er für 59,99 Euro genau so viel oder mehr bietet als deutlich teurere Geräte. Preislich liegt er damit im Bereich etwa des Raspberry Pi, der sich zwar flexibler einsetzen lässt, bei Multimedia-Inhalten jedoch an seine Grenzen gerät. Allerdings gibt es beim Amazon-Stick auch einige Einschränkungen, die sich jedoch mit etlichen Tricks umgehen lassen.

Siehe auch: Amazon Fire TV Stick 4K im Test

Technische Daten und Ausstattung

Grundsätzlich lassen sich Streamingsticks an jeden Bildschirm mit HDMI-Buchse anschließen. Für 4K-Inhalte ist ein TV-Gerät oder ein Monitor mit der Kennzeichnung „UHD“ oder „4K“ erforderlich. Der HDMI-Anschluss muss für 4K außerdem den Kopierschutzstandard HDCP 2.2 unterstützen. Das ist zwar bei den meisten TV-Geräten der Fall, aber nicht bei jeder Buchse. Sehen Sie im Benutzerhandbuch oder auf der Website des Herstellers nach, welche Buchsen sich für 4K/HDCP verwenden lassen. Wer 4K nicht nutzen kann oder will, sollte sich trotzdem für den Fire TV Stick 4K entscheiden. Das Modell ohne 4K in der Bezeichnung kostet zur Zeit zwar etwa 20 Euro weniger (39,99 Euro), ist aber mit einem schwächeren Quadcore-1,3 GHz-Prozessor ausgestattet. Im 4K-Stick taktet die CPU mit 1,7 GHz, der Grafikprozessor (GPU IMG GE8300) wurde ebenfalls verbessert.

Davon profitieren die Navigation im Menü sowie der Filmstart, die schnell und ohne Ruckler erfolgen. Die GPU ist auch für die hardwarebeschleunigte Videodecodierung zuständig, die beim H.265-Codec (HEVC) für flüssige Videos bis zu einer Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten bei 60 Hz sorgt. Bei H.264, VP8 oder MPEG-2 wird nur die Auflösung bis 1080 p per Hardware beschleunigt.

Raumklang: Der Fire TV Stick 4K unterstützt Dolby Atmos.
Vergrößern Raumklang: Der Fire TV Stick 4K unterstützt Dolby Atmos.
© Samsung

Bei HEVC unterstützt der Stick auch HDR 10, HDR10+ (High Dynamic Range), HLG (Hybrid Log Gamma) und Dolby Vision sowie einen Farbraum von 8 und 10 Bit. Filmfans dürfen sich also freuen, denn sie können die Inhalte nun mit szenenbasierter Farboptimierung genießen. Wer neben dem passenden TV-Gerät eine Dolby-Atmos-kompatible Anlage besitzt, erhöht auch den Hörgenuss merklich.

Zur weiteren Ausstattung des Amazon Fire TV Stick 4K gehören acht GB interner Speicher, 1,5 GB Arbeitsspeicher, Dualband-WLAN mit zwei Antennen (Mimo) und Bluetooth 5.0. Sollte das WLAN zu langsam sein, lässt sich auch ein zusätzlicher Ethernet-Adapter mit dem Stick verbinden (14,99 Euro). Die Stromversorgung erfolgt über ein mitgeliefertes Netzteil (ein Ampere) per Micro-USB-2.0-Stecker. Ebenfalls dabei ist ein HDMI-Verlängerungskabel, damit sich der 30 Millimeter breite Stick auch bei geringem Abstand zur belegten Nachbarbuchse mit dem TV-Gerät verbinden lässt.

Fire TV Stick 4K: Die Ersteinrichtung

Verbinden Sie den Fire TV Stick 4K per HDMI mit dem Fernseher und schließen Sie das Netzteil an. In die Fernbedienung gehören zwei mitgelieferte AAA-Batterien. Nach der Spracheinstellung wählen Sie Ihr WLAN aus und tippen den Sicherheitsschlüssel ein – oder Sie verwenden WPS. Danach melden Sie sich mit Ihrem Amazon-Konto an oder erstellen ein neues Konto. Die Verwendung ohne Amazon-Konto ist nicht möglich. Wie schon bei den Vorgängern erklärt ein kurzes Einführungsvideo die grundlegenden Funktionen des neuen Geräts. Danach können Sie zusätzlich Apps auswählen, beispielsweise die TV-Apps von ARD, ZDF und Arte oder den Firefox-Browser.

Tipp: Die besten Apps für Amazons Fire TV

Fernbedienung und Sprachsteuerung

Die Alexa-Sprachfernbedienung kommuniziert mit dem Fire TV Stick 4K über Bluetooth. Das ist nötig, damit der Stick die Signale auch dann empfängt, wenn er verdeckt hinter dem TV-Gerät angebracht ist. Per Infrarot würde das nicht zuverlässig funktionieren, weil hier eine Sichtverbindung nötig ist.

Neu sind Knöpfe für Ein/Aus und Stumm (Mute) sowie eine Wippe für die Lautstärkeregelung, die jedoch den Infrarotsender aktivieren. Die Tasten sind auch nicht zur Steuerung von Stickfunktionen, sondern für das TV-Gerät, eine Soundbar oder eine Audioanlage gedacht. Sie können mit der Fernbedienung des Fire TV Stick beispielsweise den Fernseher ein-und ausschalten oder die Lautstärke regeln, müssen also für diese Funktionen nicht die Fernbedienung wechseln.

Das jedes Gerät andere Infrarotcodes verwendet, muss der Stick das Modell richtig erkennen. Bei der ersten Verwendung erscheint eine Meldung mit der Herstellerbezeichnung. Wenn diese stimmt, bestätigen Sie mit „Ja“. Danach folgt ein Test der Lautstärkeregelung, bei dem Sie die Lauter-und Leiser-Tasten drücken.

Sollte der Stick das TV-Modell nicht automatisch erkennen, gehen Sie in den „Einstellungen“ auf „Gerätesteuerung –› Geräte verwalten –› Fernseher –› Fernseher ändern“. Wählen Sie „Fernseher ändern“ und folgen Sie den Anweisungen. Unter „Gerätesteuerung –› Geräte verwalten –› Fernseher –› Infrarot-Optionen“ finden Sie weitere Einstellungen. Hier können Sie beispielsweise ein Infrarotprofil wählen oder Updates für die Profile herunterladen.

Tipp: Zu den „Einstellungen“ gelangen Sie über das Menü am oberen Bildschirmrand. Sie können auch die „Haus“-Taste auf der Fernbedienung etwas länger gedrückt halten und dann „Einstellungen“ wählen.

Mehr Software: Das Angebot im Amazon Store ist nicht riesig, aber das Wichtigste ist vorhanden.
Vergrößern Mehr Software: Das Angebot im Amazon Store ist nicht riesig, aber das Wichtigste ist vorhanden.

HDMI-CEC: Alternativ können Sie auch die Fernbedienung des TV-Geräts zur Steuerung des Fire TV Stick verwenden. In den „Einstellungen“ des Sticks muss unter „Töne und Bildschirm“ die Option „HDMI CEC-Gerätekontrolle“ auf „An“ stehen. Auch das TV-Gerät muss HDMI-CEC unterstützen, was bei den meisten aktuellen Modellen der Fall sein sollte. Manchmal muss die Funktion jedoch erst aktiviert werden. Weitere Infos dazu finden Sie im Handbuch des TV-Geräts.

Steuerung per Sprachbefehl: In die Fernbedienung ist ein Mikrofon integriert, sodass Sie den Stick auch über Sprachbefehle steuern können. Es ist außerdem möglich, kompatible Smart-Home-Geräte anzusteuern. So können Sie sich beispielsweise die Livebilder einer Überwachungskamera auf dem TV-Bildschirm anzeigen lassen. Oder Sie steuern beim Fernsehen Thermostate oder Lampen. Welche Geräte kompatibel sind, erfahren Sie hier .

Mit der Sprachsteuerung suchen Sie gezielt nach einem Film oder Schauspieler beispielsweise in Netflix oder der Amazon-Video-App. Oder Sie lassen sich eine Wettervorhersage anzeigen, aktuelle News vorlesen oder pausieren oder spulen die Wiedergabe vor. Ob eine Sprachsteuerung möglich ist, hängt von der jeweiligen App ab. Die wichtigsten Apps unterstützen Sprachsteuerung.

Gerade für Einsteiger ist nicht auf Anhieb ersichtlich, auf welche Kommandos Alexa eigentlich reagiert oder wie sich sinnvolle Anfragen formulieren lassen. Tipp: Gehen Sie in den „Einstellungen“ auf „Alexa –› Zum Ausprobieren“. Hier finden Sie Wissenswertes rund um Alexa sowie Beispiele.

Tipp: Fire TV mit Amazon Alexa verbinden

Die Bedienung der Oberfläche

Fire-TV-Oberfläche: Die Startseite zeigt Apps und Informationen zu Filmen und Serien.
Vergrößern Fire-TV-Oberfläche: Die Startseite zeigt Apps und Informationen zu Filmen und Serien.

Das Betriebssystem des Amazon Fire TV Stick 4K heißt Fire-OS 6 und basiert auf Android 7.1 („Nougat“). Damit sich das Gerät über einen großen TV-Bildschirm und eine Fernbedienung bequem steuern lässt, verwendet Amazon eine dafür angepasste Oberfläche mit großen Symbolen. Über den Kreis auf der Fernbedienung navigieren Sie in alle vier Richtungen. Die erste Kachelzeile auf der Startseite zeigt unter „Ihre Apps und Channels“ beispielsweise „Prime Video“ und „Amazon Music“. „Netflix“ ist mit einem Wolken-Symbol versehen. Die App ist noch nicht installiert, der Download wird aber nach Auswahl der App angeboten. Nach dem ersten Start melden Sie sich mit Ihrem Netflix-Benutzerkonto an.

Eine Kachel mit der Bezeichnung „youtube.com“ gibt es ebenfalls, allerdings führt diese nicht zur Google-Youtube-App, denn diese ist für Amazon Fire TV nicht verfügbar. Stattdessen sehen Sie die Browserauswahl, bei der Sie sich für den Amazon-Browser Amazon Silk oder – falls installiert – für Firefox entscheiden können. Die Bedienung von Youtube über einen der Browser funktioniert zwar auch, ist aber nicht ganz so komfortabel wie bei der Youtube-App (siehe nächster Punkt).

Zur Startseite zurück gelangen Sie jederzeit über den „Haus“-Knopf auf der Fernbedienung. Nachdem Sie einige Apps gestartet haben, erscheinen diese unter „Kürzlich angesehen“. Über den Optionen-Knopf auf der Fernbedienung (drei horizontale Linien) lässt sich eine App aus der Liste entfernen. Bei den Kacheln unter „Ihre Apps und Channels“ gibt es in den Optionen „Vorderseite“ (erste Position) und „Verschieben“, um die Reihenfolge zu ändern. Über das Menü am oberen Bildschirmrand gelangen Sie zum Bereich „Meine Videos“, in dem Sie Ihre Amazon-Watchlist und Netflix-Empfehlungen sehen. „Filme“ und „Serien“ zeigt Ihnen nur Empfehlungen aus diesen Bereichen an.

Auf der Startseite sehen Sie außerdem Werbung für Amazon-Angebote sowie Hinweise auf für Sie eventuell interessante Inhalte aus anderen Apps. Hinzu kommen „Gesponserte“ Werbeeinblendungen, die zum Kauf oder zur Installation von Apps motivieren sollen. Diesen Preis muss man offenbar bezahlen, wenn man einen günstigen 4K-Media-Streaming-Stick von Amazon haben möchte.

Apps aus anderen Quellen installieren

Apps ohne Store einrichten.
Vergrößern Apps ohne Store einrichten.

Auf dem Fire TV Stick lassen sich standardmäßig lediglich Apps aus dem Amazon Store installieren. Das funktioniert bei Bedarf auch über www.amazon.de im Browser („Alle Kategorien –› Fire TV –› Apps & Spiele für Fire TV“). Nützliche Ergänzungen sind beispielsweise der VLC Media Player (VLC for Fire) und der Dateimanager Total Commander.

Wie bei anderen Android-Geräten auch, lässt sich Software aber direkt über ein APK-Paket installieren. Sie müssen es nur herunterladen, auf den Fire TV Stick befördern und dann installieren. Auf diesem Weg richten Sie etwa die beliebte Multimedia-Oberfläche Kodi ein, über die Sie Filme und Musik auch über das lokale Netzwerk oder von einem USB-Datenträger streamen können (siehe Kasten „ Speicher des Fire TV Stick per USB erweitern“).

Laden Sie das gewünschte APK-Paket herunter, Kodi beispielsweise über https://kodi.tv/download . Auf der Seite klicken Sie unter „Choose your weapon“ auf „Android“ und dann auf „ARMV7A (32-Bit)“. Die 32-Bit-Version lässt sich auch auf älteren Fire-TV-Geräten installieren. Auf dem Fire TV Stick 4K funktioniert auch die 64-Bit-Version „ARMV8A (64-Bit)“, die aber keine Vorteile bietet. Wer eine native App für Youtube sucht, kann sich die APK-Datei für Smart Youtube TV herunterladen.

Die Installation solcher APK-Pakete erfordert folgende Vorbereitungen:

1. Gehen Sie in den „Einstellungen“ des Sticks auf „Mein Fire TV –› Entwickleroptionen“. Stellen Sie die Optionen „ADB-Debugging“ sowie „Apps unbekannter Herkunft“ auf „An“. Gehen Sie auf „Mein Fire TV –› Info –› Netzwerk“. Hier sehen Sie die IP-Adresse, die das Gerät vom DSL-Router erhalten hat.

2. Öffnen Sie auf dem PC im Browser die Adresse www.jocala.com . Laden Sie dort „adbLink for Linux“ herunter. Es gibt auch Versionen für Windows und Mac-OS X. Entpacken Sie die ZIP-Datei und starten Sie Adblink. Wichtig : Die Software lässt sich nur auf aktuellen Linux-Systemen starten, etwa Ubuntu 18.04 oder Linux Mint 19.

3. Klicken Sie auf „New“, tragen Sie hinter „Address“ die zuvor ermittelte IP-Adresse des Fire TV Stick ein und hinter „Description“ eine aussagekräftige Beschreibung. Klicken Sie auf „Save“. Zurück im Hauptfenster klicken Sie auf „Connect“. Der Fire TV Stick zeigt jetzt die Meldung „USB-Debugging zulassen“. Setzen Sie ein Häkchen vor „Von diesem Computer immer erlauben“ und bestätigen Sie mit „OK“. In Adblink klicken Sie dann noch einmal auf „Connect“.

4. Klicken Sie auf „Install APK“, wählen Sie die heruntergeladene APK-Datei aus, klicken Sie auf „Open“ und „Yes“. Nach einiger Zeit erscheint auf dem Bildschirm des Fire TV Stick eine Meldung über die erfolgreiche Installation. Starten Sie die neue App über die Kachel auf dem Startbildschirm, die Sie am Ende der Liste unter „Ihre Apps und Channels“ finden.

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