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Puppy Linux: Alte PCs und Laptops fit machen

29.09.2017 | 13:30 Uhr |

Die große Schar der Livesysteme aus dem Umkreis von Puppy Linux genießen den Ruf, die kompaktesten Linux-Systeme mit grafischem Desktop zu sein. Puppy Linux ist für einen schnellen Start und für geringe Ressourcenanforderungen optimiert.

Bei Puppy Linux handelt es sich nicht um eine eigenständige Linux-Distribution, sondern um eine Methode, eine vorhandene Distribution auf ein möglichst kleines Livesystem zu reduzieren. Während viele Projekte Linux-Systeme als Grundlage nehmen, die mit weiteren Ergänzungen ausgebaut werden, geht Puppy den umgekehrten Weg und entfernt zunächst viele Komponenten. Dazu dient ein eigenes Baukastensystem „ Woof-CE “, das die Reduktion einer Linux-Distribution mit Scripts vereinfacht. Die Resultate sind Livesysteme mit einer eigenen Bootumgebung und komfortablen Konfigurationstools aus dem Puppy-Baukasten. Diese Puppy-Systeme eignen sich dazu, auch noch auf der ältesten Hardware bei Bedarf einen ansehnlichen Linux-Desktop zu starten. Obwohl Puppy für den Livebetrieb von CD oder USB-Stick konzipiert ist, gibt es meist auch eine Installationsmöglichkeit.

Unterschiede der Puppy-Systeme

Der ursprüngliche Entwickler Barry Kauler ist inzwischen im Ruhestand und arbeitet nur noch sporadisch an Puppy. Während es in den Anfangszeiten ab 2003 nur ein einziges Puppy Linux gab, das Barry Kauler aus der ehemals populären Distribution Vektor Linux gebaut hat, entstanden ab Puppy 4.3 unzählige Varianten. Denn die Entwicklergemeinde hat auf eigene Faust mit Woof-CE viele neue Minisysteme erstellt.

Die offizielle Puppy-Familie unterteilt sich in zwei Hauptlinien (64 Bit und 32 Bit): Eine Puppy-Linie nennt sich „Slacko Puppy“ und nutzt das sowieso schon sehr kompakte Slackware als Grundlage. Die zweite Linie namens „Tahrpup“ basiert noch auf Ubuntu 14.04 „Trusty Tahr“. Daneben gibt es inoffizielle Puppy-Systeme, die von der Entwicklergemeinde ebenfalls auf den Baukasten Woof-CE gebaut wird. Ein Beispiel dafür ist das aktuelle Lxpupsc – eine Puppy-Variante, die mit LXDE eine bekannte Desktopumgebung bietet und aus den neueren Paketquellen von Slackware 14.2 schöpft.

Eine dritte große Unterfamilie sind schließlich die „Puplets“. Dies sind manuell modifizierte Puppy-Systeme, die mit weiteren Paketen ausgestattet sind und von ihren Machern meist im Puppy-Forum vorgestellt werden . Die ISO-Dateien von Puppy Linux sind hybride Images, die sowohl für CDs als auch für die Übertragung auf USB-Sticks geeignet sind. Unter Linux dient dazu beispielsweise das Kommandozeilentool dd, unter Windows der Win 32 Disk Imager .

Minimales Linux: Kleines System im Eigenbau

Start eines Puppy-Systems

Da die offiziellen Puppy-Ausgaben auf das gleiche Buildsystem zurückgehen, ist die Startprozedur recht ähnlich und führt im Nu zu einem einsatzfähigen Desktop, mit dem auch Anfänger trotz englischsprachiger Oberfläche gut zurechtkommen. Nach dem Boot startet das Livesystem die schlanke grafische Umgebung JVM, die in allen offiziellen Puppy-Ausgaben als Desktop dient. Es zeigt sich dann sofort der Einstellungsdialog „Quick Setup“ für die Auswahl von Ländereinstellungen, Zeitzone, Tastaturbelegung und Auflösung. Aus Platzgründen sind in Puppy-Varianten keine deutschen Sprachpakete vorhanden und der Desktop bleibt zunächst in Englisch, aber das lässt sich für einen Teil des Desktops ändern:

1. Das Symbol „Install“ auf dem Desktop startet über „Install applications -> Puppy Package Manager“ den Puppy-Paketmanager.

2. Links in der Liste der Repositories wählt ein Mausklick die Quelle „puppy-noarch“ aus und über das Suchfeld oben in der Mitte finden Sie über die Eingabe „langpack_de“ das deutsche Sprachpaket, mit „Do it“ installiert wird.

3. Nun ist noch ein Neustart der grafischen Benutzeroberfläche nötig, der über den Menüpunkt „Leave -> Restart windows manager“ im Anwendungsmenü links unten gelingt.

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Gemeinsamkeiten: Tools im Livesystem

Erste Einstellungen: Das Quick Setup meldet sich nach dem Start von Puppy und fragt wichtige Einstellungen wie Tastaturbelegung und Bildschirmauflösung ab.
Vergrößern Erste Einstellungen: Das Quick Setup meldet sich nach dem Start von Puppy und fragt wichtige Einstellungen wie Tastaturbelegung und Bildschirmauflösung ab.

Neben dem genannten Einstellungsmenü und dem Puppy-Paketmanager haben die Minisysteme noch weitere gemeinsame Tools mit an Bord: Generell ist bei allen Puppy-Versionen ein Browser vorinstalliert, damit sich die Systeme auch in der Grundausstattung zumindest schon zum Surfen eignen: Bei Tahrpup ist der Firefox-Klon Palemoon dabei, bei Slacko der reguläre Firefox. Eine Netzwerkverbindung stellt das Livesystem über kabelgebundenes Ethernet automatisch her. Um per WLAN ins Netzwerk zu kommen, gibt es über einen Rechtsklick auf das Netzwerksymbol rechts unten ein Einstellungsmenü für Wireless LAN über den Netzwerkmanager „Frisbee“.

Für eine permanente Einrichtung von Puppy auf der Festplatte oder auf ein USB-Laufwerk liefert das Symbol „Install“ auf dem Desktop den „Universal Installer“. Puppy-Systeme sind zwar besser als Zweitsystem auf USB-Sticks aufgehoben, aber für besonders alte Rechner kann auch eine Installation auf einem internen Datenträger interessant sein. Wenn Puppy von einem beschreibbaren Datenträger startet, dann kann das System beim Herunterfahren persönliche Daten in einer Profildatei („savefile“) speichern. Der Installer überträgt das System auf eine bereits existierende Partition mit Ext3-oder Ext4-Dateisystem. Gparted ist als dazu als Partitionierer im Livesystem vorhanden. Eine parallele Installation zu anderen Systemen ist nicht möglich, dazu ist der Installer zu alt. Puppy entfernt sich stellenweise weit von traditionellen Linux-Systemen und ist eher ein Zweitsystem: So ist der einzige Benutzer stets root, was sämtliche Sicherheitsmechanismen von Linux außer Kraft setzt.

Alternativen: Tiny Core ist ebenfalls ein sehr kompaktes Livesystem, das zur Laufzeit um weitere Pakete erweiterbar ist. In der Grundausstattung bringt es mit Kernel, Busybox und der minimalistischen Desktopumgebung FTLK lediglich 16 MB auf die Waage. Normalerweise ist Tiny Core aber kein schlüsselfertiges System, sondern muss zur Laufzeit mit den gewünschten Programmpaketen über eine Internetverbindung ergänzt werden. Im Vergleich zu Puppy Linux ist Tiny Core spartanisch und wendet sich eher an Fortgeschrittene, kommt dafür aber mit noch weniger Hardwareressourcen aus. Ein weiteres ausbaufähiges Livesystem ist Porteus .

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